Frage von ichlachmichtot, 52

Elterngeld, Alg 2, Alg 1, etc - kennt sich jemand in diesem Dschungel aus?

Hallo, Folgende Konstellation: Elterngeld wird nach dem alten Modell gezahlt Bezugszeitraum 1 Jahr, Auszahlungszeitraum 2 Jahre. Auszahlung pro Monat angenommene 500€. Elternzeit 2 Jahre. Während der Elternzeit ist das befristete Arbeitsverhältnis ausgelaufen, daher de facto arbeitslos. D.h. Nach der Elternzeit Bezug von Alg 1 möglich.

Für eine Wohnung / Mietvertrag benötigt man i.d.R einkommen=3x Miete. Elterngeld + Kindergeld würden pro Monat inkl Miete gerade reichen. Doch kein Vermieter wird das akzeptieren da Kindergeld nicht als Einkommen zählt.

Eine Möglichkeit ist Wohngeld zu beantragen. Kommt man da in Schwierigkeiten mit dem Elterngeld? Bekommt man mit Elterngeld Wohngeld? Oder wird einen dann das Amt auffordern die Elternzeit zu beenden, das Kind in Fremdbetreuung zu geben und wieder voll arbeiten zu gehen?
Da ja nach dem Bezugszeitraum von 1 Jahr man theoretisch ohne jegliches Einkommen ist kann / sollte man alg2 beantragen oder werden einem da die auszahlungsbeträge gegengerechnet?

Kennt sich da jemand aus oder an wen kann man sich da wenden der alle Fragen so themenübergreifend beantworten kann?

Danke und liebe Grüße

Expertenantwort
von isomatte, Community-Experte für Arbeitslosengeld, 28

Entweder ist der Bezugszeitraum 1 Jahr oder es wird auf 2 Jahre ausgezahlt,eines von beiden geht nur,da musst du dich schon entscheiden !

Wenn du 2 Jahre in Elternzeit gehst und das Elterngeld 1 Jahr beziehst,dann bekommst du das 1 Jahr dein volles Elterngeld gezahlt,wenn du es aber auf 2 Jahre ausgezahlt bekommst,dann halbiert es sich.

Würdest du also 2 Jahre Elternzeit nehmen und das Elterngeld auf diese 2 Jahre verteilen und da angenommen 500 € pro Monat bekommen,dann hättest du mit dem Kindergeld ab 2016 dann 190 € zusätzlich,gesamt dann 690 €,wenn nicht noch Unterhalt / Unterhaltsvorschuss vom Jugendamt dazu käme.

Um Anspruch auf Wohngeld zu haben brauchst du ein Mindesteinkommen von 80 % eures Bedarfes nach dem SGB - ll also ALG - 2 oder auch Hartz - 4 und musst schon eine Wohnung haben,also auf diese gemeldet sein.

Es würde also dann schon an der nicht vorhandenen Wohnung scheitern,es bliebe dann nur ALG - 2 als aufstockende Leistung zu beziehen.

Da würdest du dann unter Umständen auch einen Antrag auf ein zinsloses Darlehen stellen können bzw.stellen kannst du das immer,aber bekommen halt nicht,wenn du z.B. über Vermögen verfügen würdest und es selber zahlen könntest.

Angenommen du würdest alleinerziehend sein und zu den 500 € Elterngeld + 190 € Kindergeld noch 145 € Unterhaltsvorschuss vom Jugendamt bekommen,weil der Kindsvater keinen Unterhalt zahlen kann.

Du hättest dann 835 € pro Monat.

Wenn du jetzt angenommen eine Wohnung hättest die 400 € warm kosten würde,dann käme dazu dein Regelsatz von 404 € + 145,44 € Alleinerziehenden Mehrbedarf 36 % deines Regelsatzes für 1 Kind unter 7 Jahren + 237 € Regelsatz fürs Kind.

Dann läge euer Bedarf nach dem SGB - ll bei min. 1186,44 € pro Monat und min.80 % würden dann ca. 950 € Mindesteinkommen ergeben.

Du hättest also dann ca. 115 € zu wenig,deshalb würde es dann für Wohngeld nicht reichen.

Beim ALG - 2 vom Jobcenter würden dir von deinem Elterngeld theoretisch 150 € abgezogen,wenn du es wie gesagt auf 2 Jahre beziehen würdest,bei 1 Jahr würden es dann 300 € sein,dass ist der max.Freibetrag auf das Elterngeld,wenn dieses aus einer vorherigen Beschäftigung stammt.

Es würden dann also von deinen 500 € Elterngeld nur 350 € als anrechenbares Einkommen zu den 190 € Kindergeld + 145 € Unterhaltsvorschuss addiert und würden dann ca. 685 € anrechenbares Einkommen ergeben.

Da euer Bedarf in dem Beispiel bei min.1186,44 € liegen würde,stünde euch eine Aufstockung von min. 501,44 € pro Monat zu.

Kommentar von ichlachmichtot ,

Lieben Dank für deine ausführliche Antwort!

Bzgl Elterngeld hatte ich ja geschrieben geht es um das alte Modell. Das heißt Bezugszeitraum und Auszahlungszeitraum können sich hier unterscheiden. Der Bezugszeitraum ist immer 12 Monate + 2 Partnermonate /14 Monate wenn alleinerziehend. In dieser Konstellation handelt es sich um Bezugszeitraum 12 Monate und Auszahlung auf 2 Jahre. Also halbes Elterngeld.

Bedeutet aber auch, dass man ab dem 13. Monat im theoretischen "Nichts" hängt und theoretisch auch wieder voll arbeiten könnte ohne das es das Elterngeld berührt da der Bezugszeitraum ja vorbei ist.

Nach dem neuen Elterngeld wird dann nicht mehr unterschieden zwischen Auszahlung und Bezug. Wenn man da halbes Elterngeld nimmt auf 2 Jahre kann man ab dem 3. Jahr wieder voll arbeiten ohne Anrechnung. Vorher Teilzeit etc. aber das führt hier zu weit.

Daher meine vielen Fragen weil man dazu im Netz irgendwie nix so richtig findet.

Aber lt deinen Ausführungen denke ich, komme ich um das ALG 2 nicht drum herum zumindest für das eine Jahr bis meine Elternzeit vorbei ist und ich dann ALG 1 bekomme bis ich eine Arbeit gefunden habe. Mir ist bewusst, dass ich ALG 1 nur in voller Höhe bekomme wenn ich Vollzeit arbeiten möchte/kann.

Ich werd mal zum Jobcenter gehen und mich dort mal beraten lassen. Wenn neue Erkenntnisse rauskommen schreib ich hier nochmal. Ist ja vielleicht auch für andere interessant.

Danke nochmal

LG

Kommentar von isomatte ,

Ob das nun Bezugs oder Auszahlzeitraum heißt spielt keine Rolle,entscheidend ist nur wie das Elterngeld aufgeteilt ist,dass entscheidet dann über die 300 € bzw.nur 150 € Freibetrag pro Monat !

Antwort
von TreudoofeTomate, 23

Stimmt, eine Möglichkeit wäre Wohngeld. Jedoch bekommt man das erst, wenn man auch Mieter von Wohnraum ist. Vorab gibt's kein Wohngeld und entsprechend auch keinen Bescheid über mögliche Ansprüche.

Nein, die Wohngeldbehörde fordert niemanden auf, die Elternzeit zu beenden. Sie fragt nur nach, wovon man lebt. Erreicht man das nötige Mindesteinkommen nicht, gibt's kein Wohngeld.

Elterngeld ist wohngeldrechtliches Einkommen, wird in deinem Fall aber um 150 EUR monatlich bereinigt (da auf 24 Monate aufgeteilt). Außerdem müssen natürlich auch vorrangige Unterhaltsansprüche geltend gemacht werden. Wenn ich das richtig verstehe, ziehst du nicht mit dem Vater des Kindes in eine Wohnung? Das heißt, du musst zwingend deinen Anspruch auf Betreuungsunterhalt und natürlich auch den Anspruch des Kindes auf Kindesunterhalt geltend machen. Machst du dies nicht, wäre dies eine unterlassene Einkommenserhöhung im Sinne des WoGG, d. h. der Antrag auf Wohngeld wäre wegen missbräuchlicher Inanspruchnahme abzulehnen.

Kommentar von ichlachmichtot ,

Hallo vielen Dank für deine Antwort. Das mit dem Betreuungsunterhalt wusste ich gar nicht. Dachte das trifft nur auf verheiratete zu. Aber anscheinend auch auf nicht verheiratete (hab grad gegooglet). Oh mann das wollt ich eigentlich nicht auch noch geltend machen da wir ja auch ohne um die Runden kommen. Ich hab oben schon geschrieben dass ich mal zum Jobcenter gehe mich beraten lasse in der Hoffnung das bringt was.

Danke für den Hinweis mit dem Wohngeld / unterlassener Einkommenserhöhung.

LG

Kommentar von isomatte ,

Den Betreuungsunterhalt musst du beim Kindsvater selber geltend machen,der Kindesunterhalt geht aber vor !

Der stünde dir min.bis zum vollendeten 3 Lebensjahr des Kindes zu,wenn er dann nach Zahlung des Kindesunterhalts noch leistungsfähig sein würde,also über seinem Selbstbehalt von 1200 € bereinigtem Netto liegen würde.

Dieser gilt beim Betreuungsunterhalt / Trennungs / nachehelichen Unterhalt,beim Betreuungsunterhalt muss man nicht verheiratet gewesen sein.

Beim Unterhalt für das Kind liegt der Selbstbehalt bei bereinigten 1080 € Netto,wenn er arbeitslos sein würde und ALG - 1 bekommt,dann läge er bei 880 €.

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