Frage von zha33, 103

Eltern beibringen das man wieder depressive Phasen hat?

Hey, ich bin 14 und ca seit meinem 11 Lebensjahr leide ich unter Depressionen (wovon meine Eltern wenig mitbekommen haben). Mit 12 Jahren habe ich mich selbst verletzt und bis hin zu meinem 13 Lebensjahr war ich außerdem auch essgestört (auch noch heute habe ich Gedanken wie das ich zu dick sei). Seit 2 Jahren habe ich Suizidgedanken und wurde deswegen auch schon 4x in eine Klinik eingewiesen. Einen Versuch habe ich schon hinter mir (Dezember 2015). Meine Eltern hielten und halten noch immer von all dem nicht viel. Sie stehen wenn es darum geht nicht hinter mir, und auch so wissen sie nicht damit umzugehen, insbesondere meine Mutter. So verstehe ich mich mit meinen Eltern wirklich gut und ich bekomme sogut wie jeden Wunsch erfüllt, aber sie sagen mir nie das sie mich lieben oder hinter mir stehen. Während meinem Aufenthalt in der Klinik haben sie mich nur selten besucht und auch wenn relativ kurz. Als ich im Dezember in der Klinik war, fand nach meiner Entlassung ein Gespräch mit dem Jugendamt statt (meine Eltern haben es eingeschaltet weil sie wohl nicht mehr weiter wussten). Die Frau vom Amt rief am selben Abend noch meine Eltern an und riet ihnen mich wieder einweisen zu lassen, da ich suizidgefährdet bin. Ich habe mich geweigert und konnte mich letztlich mit meinen Eltern darauf einigen, noch ein bis zwei Wochen zu warten, da es zwei Tage vor Weihnachten war.
Als ich im Januar wieder eingewiesen wurde, kam ich nach dem Klinikaufenthalt in eine Wohngruppe (ungewollt). Ich habe meinen Eltern gesagt das ich will nachhause, aber sie haben mich nicht gelassen. Nach ein paar Tagen kam ich nach der Schule nicht zurück in die Wohngruppe. Ich hatte keine kraft mehr und wollte einfach nachhause. Nach langem hin und her kam ich am Abend zurück und die Frau vom Amt wurde verständigt und nur wenige Tage später fand ein Gespräch statt. Nach langer Diskussion durfte ich von meinen Eltern aus nachhause, aber ich musste ihnen versprechen nicht mehr auf dieser "depressiven Schiene zu fahren" (was sinnlos war weil man nicht einfach sagen kann "ich bin geheilt"). Meine Mutter sagte nocheinmal meine "depressive Phase" oder Klinik und ich ziehe zu meinen Großeltern, ohne ein Wort. Mittlerweile hat sich alles beruhigt und ich hab das Gefühl jetzt würden sie etwas besser damit klar kommen, aber ich weiß nicht... Das Problem ist jetzt einfach, das es mir wieder sehr schlecht geht und ich seit ein paar Tagen immer weniger esse und auch wieder leichte Suizidgedanken habe... Wie soll ich es ihnen sagen ohne "abgeschoben" zu werden ?

Antwort
von Mikey86, 26

Hi

Das was du erzählst, betreffend dem Verständnis deiner Eltern, höre und erlebe ich leider sehr oft.

Das hat einerseits mit der Überforderung der Eltern zu tun, und letztlich leider auch damit, das viele sich weder gross auskennen noch genau wissen wie damit umzugehen ist, als "Drittperson".

Bist du derweil in psychologischer Behandlung? Also hast du eine direkte Anlaufstelle? Bsp ein Psychotherapeut.

Da ich sehr gut verstehe, wie du dich fühlst, allein gelassen, unverstanden und fast ein wenig abgeschoben, rate ich dir, dich einem Vertrauenslehrer, den Grosseltern oder sonst jemandem in deinem nahen Umfeld darauf und auch explizit nach Hilfe, anzusprechen.

Ich hatte leider noch kein persönliches Gespräch mit dir. Daher ist es für mich nicht möglich, dir eine genaue Diagnose und allenfalls eine Therapie vor zuschlagen.

Wenn du tatsächlich dermassen unter deinen Ängsten und Gefühlen leidest, solltest du dies nicht zu lange verheimlichen. Je schneller du dich öffnest, desto schneller kann dir, auf dem richtigen Weg und mit der für dich am besten geeigneten Methode geholfen werden.

Du darfst mich auch sehr gerne Privat anschreiben. Ich werde dir so gut ich kann und ausführlich alles erklären und dir gegebenenfalles die notwendigen Schritte und anlaufstellen anbieten.

Ich drücke dir ganz fest die Daumen und wünsche dir alles gute.

Lieben Gruss

Antwort
von Tinia91, 21

Ich denke sie sind einerseits überfordert, andererseits machen sie sich sorgen und haben Angst um dich. Eltern lieben ihre Kinder. Du sagst ja selbst das du dich eigentlich gut mit ihnen verstehst. Würden sie dich nicht lieben dann wäre das ganz anders. 

Wenn ich mich in die Lage deiner Eltern versetzte kann ich verstehen das sie so reagieren. Das eigene Kind schon seit Jahren so leiden zu sehen ist nicht einfach. Viele Eltern wollen es auch nicht akzeptieren das es ihrem Kind so schlecht geht. Vielleicht machen sie sich auch selbst Vorwürfe. l

Hast du denn schon mal zusammen mit ihnen eine Therapiestunde gehabt? Viele Therapeuten bieten sowas ja an das die Eltern auch mal dabei sind.

Ich würde versuchen ein Gespräch zu suchen. Sag ihnen das du gerne mit ihnen sprechen würdest. Sag ihnen das du Angst hast und es dir sehr schwer fällt. Bringe ihnen auch ein Verständnis entgegen das es für sie die letzten jahre sicher auch nicht leicht waren und du das verstehst. 

Sage ihnen das du das nicht mit Absicht tust. Sondern du nunmal Krank bist. Sage ihnen das du dir wünschen würdest das sie sich mit der Krankheit auseinandersetzten um dich besser zu verstehen.Du hast dir die Krankheit nicht ausgesucht. 

Sag ihnen das du dir mühe gibst mit der Krankheit umzugehen aber es nunmal absolut nicht hilft die Krankheit zu ignorieren. Deshalb musst du ihnen sagen das es dir nicht gut geht und das du hoffst das ihr gemeinsam einen Weg finden könnt. 

Ich hoffe das hilft dir ein bisschen weiter :) wünsche dir viel Kraft!

Antwort
von SamOthy, 24

Hi Zha :)

Mensch diese Situationen sind mir leider auch noch zu bekannt. Was du willst/was du dir wünschst ist, dass du wieder 'sein' darfst, und zwar auch, wenn es dir ebend schlecht geht.
Ich kenne deine genaue Situation nicht und da ist es schwierig etwas hilfreiches zu schreiben.
Ist es vielleicht so, dass du dein bisheriges Leben 'immer' "gut drauf" warst, auch wenn es dir schlecht ging hast du das herunter geschluckt um vor allem zu Hause "keine Belastung" für deine Eltern zu sein? Vielleicht weil du das Gefühl hast und hattest, dass deine Probleme sooooo klein sind im Vergleich zu den anderen Problemen in deiner Umgebung, dass es keinen Unterschied macht diese Dinge anzusprechen, weil du zwar gerne die Aufmerksamkeit deiner Eltern hast, aber das Gefühl hast Schuld zu sein, wenn es dir schlecht geht, weil du dann mit deinen Problemen deinen Eltern wieder Probleme machst.

Wenn dem so ist, führt das natürlich dazu, dass du dich im Laufe der Zeit wertlos fühlst, du hast keinen "impact", keine nachhaltige Wirkung auf deine Welt und du wärst eigentlich übertrieben wütend auf deine Eltern. Aber du darfst ja nicht wütend sein, weil du ja deinen Eltern keine Probleme bereiten willst.

Das ist so eine beschissene Situation, es fühlt sich so an als könnte man weder vor noch zurück, da man ja Rücksicht auf andere nimmt und eigentlich diese Rücksicht von den anderen auch erwartet. Aber sie kommt nur selten, wenn überhaupt, und die Wut die du eigentlich auf deine Umwelt hast behältst du lieber bei dir, aus Angst. Es ist eine Angst die sich so anfühlt, als wäre deine ganze Existenz bedroht. Die Angst sagt dir du DARFST das nicht, es wäre nicht richtig. Und eine andere Stimme sagt du MÜSSTEST das aber tun, damit du wieder atmen kannst. Aber die Konsequenz daraus (deine vernünftige Stimme) sagt dir, dass ja dann danach alles noch schlimmer ist als vorher. Und um auf die wütende Stimme zu hören müsste dir dein Leben ja egal sein, da du wenn du die Wut mal heraus lassen würdest soooooooooo viel kaputt machst.

Wenn du also das Gefühl hast Situationen mit deiner 'Einmischung' zu verschlimmern (wenn sich also die gedachte Zukunft bedrohlich anfühlt), dann machst du lieber das Gegenteil und in dem Moment wo du so "stark" bist und deine Bedürfnisse zurück stellst, fühlst du dich vielleicht kurz gut. Aber wenn das dann nicht mal erkannt wird, dann kommt direkt wider die Wut.

Und da schließt sich der Kreislauf dann mit deinem versuch dein Leben zu beenden, denn du hast das Gefühl, wenn du schon nicht leben darfst, dann ist das letzte was du darfst zu sterben. Und es ist das einzige was du entscheiden kannst.

Bitte mach dir bewusst, dass auch dieser "Ausweg" keine Entscheidung von dir ist. Es ist Verzweiflung. Aber eine Entscheidung hast du damit noch immer nicht getroffen, weil du "es dir einfach machst" damit (das ist in ganz starken Anführungszeichen geschrieben, ich meine damit du gibst die Verantwortung für dich ab an andere, die diese Verantwortung aber nicht tragen wollen).

Ich verstehe dich zu gut, ich verstehe auch deine Eltern. Aber ich heiße das Verhalten deiner Eltern nicht gut, im Gegenteil , ich finde es beschissen.

Sie sind die erwachsenen, sie sollten stark sein, viel stärker als du jetzt sein solltest. Du bist zu stark für dein Alter, du übernimmst zu viel Verantwortung für andere. Das deine Eltern das nicht sehen macht auch mich wütend (habe ähnliche Vergangenheit).

Auf der anderen Seite ist es DEIN Leben. Ich weiß, es fühlt sich lange nicht so an, aber stell dir vor wie viele Menschen vor dir und mir schon gelebt haben, wie viele Schicksale sie durchlebt haben und wie viel sie erreichen konnten. Die Straße vor deiner Tür wurde von Menschen gebaut, die Dinge in deinem Zimmer und deinem zu Hause ebenso. Alle Dinge die nicht natürlich sind und die du nicht erschaffen hast haben andere Menschen gemacht.
Stell dir vor wie viel Verantwortung diese Menschen für zB dich übernehmen durch all diese Dinge, obwohl sie dich nicht wahrnehmen oder kennen. Wie viele Dinge du benutzt am Tag die dir deinen Alltag erleichtern und die du garnicht mehr unbedingt wahr nimmst, weil sie schon so normal geworden sind.

Du kannst für all diese Sachen dankbar sein, das wird auch das Hauptargument in den Köpfen deiner Eltern sein, Dankbarkeit.
Aber es ist ein Geben UND Nehmen. Trau dich deine dir zustehende Aufmerksamkeit zu nehmen. Sie steht dir zu !

Du bist so stark und für viele Menschen nicht aus dem Leben weg zu denken. Du beeinflusst dein Leben indem du die Leben anderer beeinflusst. Und nach dem Krieg wachsen auf der Asche die schönsten Bäume, die irgendwann Früchte tragen werden. 100%ig. Du entscheidest ob es süße Früchte sind. Und du entscheidest ob du diese Früchte in der Zukunft noch siehst.

Gib deinen Zukunftsfrüchten eine Existenz, zeig ihnen, dass sie dir wichtig sind und sie nicht nur verrotten dürfen, sondern gepflückt und gegessen werden und damit wichtig sind.

Alles Liebe
Sam

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