Frage von kostika, 24

Einzelunternehmen Unternehmerische Organisation was nun?

Hallo liebe Gemeinde,

Ich arbeite als Fräser in vollzeit. Nun möchte ich ein Unternehmen gründen das Fräs und Dreharbeiten anbietet. Ich hätte auch schon die Aufträge, da ich Kontakte zu verschieden Zulieferern habe. Meine Idee ist Aufträge anzunehmen und an fremdfirmen weiterzugeben die es billger produzieren. Also hätte ich am anfang nur verwaltungsaufwand ist es möglich das ohne den Meister zu machen ? Ich bin gelernter Zerspanungsmechaniker Was muss ich beachten ? Freue mich über jeden Tipp

Antwort
von Dirk-D. Hansmann, 7

Ich gehe davon aus, dass man dann den Meistertitel nicht braucht. Das ist allerdings keine belastbare Aussage. Wende Dich mit dieser Frage an Deine Handwerkskammer.

Die wären ja im Zweifel zuständig.

Funktionieren kann das wirtschaftlich. Allerdings sind solche Zusagen nicht so belastbar. Weil bei Abnehmern häufig mehrere Personen entscheiden müssen.

Billiger produzieren ist auch ein Problem. Weil dies eben auch Qualitätsprobleme geben kann und wenn es dumm läuft könntest Du in Haftung geraten.

Dies müsste vertraglich klug geregelt sein.

Unter dem Strich hast Du sicherlich eine vernünftige Chance. Solltest aber zusehen, dass Du Deine Planung penibel machst. Sonst könnten die Risiken die positiven Aspekte auffressen.

Das größte Risiko im Moment ist die fehlende kaufmännische Erfahrung.

Dieses führt die meisten Gründungen in die Aufgabe. Es schaffen lediglich 10 bis 20%. Das ist ähnlich wie in der Schule. Man kommt zwar ordentlich mit, gehört aber nicht gleich zu den Besten.

Die Güte einer Geschäftsidee macht sich leider nicht am Großen fest, sondern an den Details. Und da muss man wirklich ganz eifersüchtig planen. Im Vorfeld die richtigen Dinge klären.

Nur eine Grundlage: Und die bedeutet, dass Zulieferer durch Zwischenhandel der Haftung entkommen können. Liefertermin nicht eingehalten oder auf den letzten Drücker Ware geliefert kann ganz schnell zu Deinem Untergang führen.

Leider gibt es da immer wieder einen kleinen Gedankenfehler: Das kann gar nicht so schnell passieren, weil hier und da. Irrtum. Wenn was schief läuft, dann suchen alle die Person aus, die das schwächste Glied in der Kette ist.

Sollten Kunden den Eindruck haben, dass diese Folgen von Dir nicht getragen werden können, dann bekommst Du gar nicht erst die Aufträge. Sagen wird Dir das aber niemand.

Auch nicht in welcher Größenordnung wann Aufträge unter welchen Vorzeichen kommen.

Deshalb musst Du hier an der Stelle in die Vorbereitung investieren. Sowohl in Dein kaufmännisches wie auch juristisches Wissen. Immer wieder gibt es Anbieter, da ist man als Außenstehender froh, wenn die keine Umsätze haben.

Nicht weil man denen was schlechtes will, sondern weil klar ist: Durch jeden Umsatz kommen sie dem Absturz näher. Gestern war ich z.B. mal wieder im Bereich Logistik im Gespräch. Eine Postagenturtätigkeit war den Leuten angeboten.

Hört sich toll an! Großes Unternehmen als Geschäftspartner klingt für viele solide. Die Solidität hatte aber sofort ein Ende. Weil nämlich die Zahlen überhaupt nicht darstellbar sind. Sie sind nicht lukrativ.

Die Leute die das dann annehmen meinen häufig die Rettung gefunden zu haben. Weil dann in bestimmter Zeit eine bestimmte Menge von Menschen kommt.

Blöd nur: Die Leute kommen für zwei Briefmarken und ein Paket. Dabei hat man vielleicht die Agenturkosten nicht einmal abgedeckt. Schlecht kann man den Kunden sagen, dass sie gefälligst noch was mitnehmen sollen um die Agentur zu erhalten.

Das Beispiel ist von mir nur gegriffen weil es gerade aktuell im Kopf ist. Aber für die korrekte Bewertung 'nicht mal die Kosten deckt', da ist eben die Frage: Wenn ich derzeitig von meinem Ladengeschäft leben kann und übernehme eine Postagentur, was ist die zu erwartende Folge?

Zwangsläufig kommt man zu dem Ergebnis, auch wenn die Agenturtätigkeit mal gerade so Null auf Null aufgeht, ich werde mehr zum Leben haben. Häufig ist da schon der Fehler. Wer dann nicht ausweichen kann ist in einer miserablen Situation.

Bei Deiner Geschäftsidee kann man nicht einmal so klar kalkulieren. Deshalb muss man noch mehr und gründlicher vorbereiten. Wie viele kommt nämlich bei vielen das Ergebnis raus: Das sei wie mit den Pferden vor der Apotheke.

Und einige wenige (weil sie sich mit Pferden auskennen) sehe allerdings schon die ersten Vierbeiner bei der ungewollten Tätigkeit.

Ferner wird Deine Abhängigkeit vom Weltmarkt extremer werden. Auch wenn jetzt beim Nachrichten gucken oder im Betrieb immer wieder Angst über die kommende Auftragslage entsteht.

Dann hast Du keinen Kündigungsschutz. Du stehst in der ersten Reihe bei Flaute. Bei eigentlich guter Fahrt der Branche kommt das Spiel mit der Preisdrückerei.

Der Platz zwischen Baum und Borke.

Wie ich eingangs sagte: Die Geschäftsidee ist gut. Nur muss man mit höchsten Qualitätsstandards an die Durchführung gehen. Das bedeutet auch: Investitionen aus Zeit und Geld liefern.

Viel Erfolg.

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