Frage von MindArtistsNET, 148

Einstufung : Freelancer oder Gewerbetreibender (Finanzamt antwortet nicht )!?

Hallo liebe GuteFrage Gemeinde,

da ich seit 10 Jahren als Programmierer für diverse Agenturen tätig war und ich mit unter einer der wenigen Festangestellten stets war, die viele Nachteile in unserer Branche genießen, habe ich beschlossen mich als Freiberfler zu verselbstständigen.

Das Problem: ich habe begonnen 2 Businesspläne zu erstellen, denn ob man als Freiberufler oder als Gewerbetreibender eingestuft wird, hängt vom Finanzamt ab.

Jetzt wird die Sache langsam konkret und ich kann nicht mehr weiter mit 2 halb fertigen Businessplänen arbeiten. Somit habe ich mich vor 3 Wochen an das Finanzamt gewendet und zunächst in einer E-Mail mein Vorhaben beschrieben und gefragt, wie man mich "wahrscheinlich" einstufen würde, da dass massive Auswirkungen auf den Businessplan und eventuell die ganze Gründung überhaupt hat. Als nach 1 Woche noch keine Antwort kam (nicht einmal ein Eingangsschreiben) - bat ich in einer 2ten E-Mail um Stellungnahme, oder zumindest um eine Antwort, dass, sofern sie nicht zuständig seien, mir bitte ein Ansprechpartner genannt würde. Antworten erhalten, 0 .

Darauf hin verschickte ich es formell in Briefform, via Einschreiben. Seit dem sind 2 Wochen her und ich habe weder eine EIngangsbestätigung, noch eine Antwort.

Das Internet durchforste ich seit dem auf der Suche nach einer Lösung für mein Problem, doch finde keine Antwort.

Ich denke, es kann doch nicht so schwer sein, mir zumindest zu antworten - es ist nicht unüblich dass man mit einem fertigen Businessplan, der eine Gesellschaftsform enthält, die man gründen möchte zum Beispiel zum Kreditgeber geht.

Das ist hier ( noch) nicht der Fall - aber alleine für meine Kalkulation, ist es essentiell zu wissen wie ich eingestuft und somit wie ich besteuert werde, welche Abgaben auf mich zu kommen etc. Die Finanzämter erwarten doch asicherklich nicht, dass man sein Unternehmensvorhaben auf "gut Glück" anmeldet, solch einen Amateurhaften Patzer am Anfang - und man sollte besser gleich die Finger von der Unternehmensgründung lassen.

Weiß einer zufällig was zu tun ist?

Vielen Dank!

LG,

Timm

Antwort
von wfwbinder, 84

Warst Du mal beim Finanzamt? Steht über der Tür Finanzamt? Oder steht da Steuerberatung?

Dazu kommt noch, nicht das Finanzamt entscheidet in dieser Sache, sondern es ist auch eine Frage des Gewerbeamtes.

In Deinem Fall wurde es abschließend vom Bundesfinanzhof beurteilt:

Bei einem Programmierer wird aus diesem Grund nicht zwingend auf die berufliche Laufbahn abgestellt, sondern auf die Software, die entwickelt wird. Es darf sich nicht um Trivialsoftware handeln, also nicht um Software, die für einen breiten Kundenkreis entwickelt wird. Maßgeblich für die Abgrenzung soll nach einer Entscheidung des Bundesfinanzhofs (XI R 9/03) sein, ob zur Programmierung der Software eine klassische ingenieurmäßige Vorgehensweise angewendet wurde, die regelmäßig die Planung, Konstruktion und Überwachung beinhaltet.

Im Klartext: Der studierte Softwareentwickler, der für Dritte individuelle Software plant und erstellt sowie das zugehörige Projekt überwacht, ist eindeutig als Freiberufler anzusehen. Entwickelt ein gelernter Programmierer dagegen ohne eigene Planungsleistung Software oder Softwarebausteine für ein frei auf dem Markt erhältliches Produkt, ist er eindeutig als Gewerbetreibender einzustufen.

Ich hoffe es hat Dir bei der Beurteilung geholfen.

Kommentar von chokdee ,

Oh, ich glaube das ist inzwischen überholt, da gab es (ich bin auch in der Branche) gesetzliche Änderungen

Antwort
von PatrickLassan, 88

Wenn du ganz sicher gehen willst, solltest du einen Antrag auf eine 'verbindliche Auskunft' nach § 89 Abs. 2 Abgabenordnung stellen.

https://www.gesetze-im-internet.de/ao_1977/__89.html

Antwort
von Lumpazi77, 88

Du hast zwei Möglichkeiten:

1. Gehe zum Fnanzamt und kläre das vor Ort    oder

2. Gehe zum Steuerberater, der klärt das für Dich

Kommentar von wurzlsepp668 ,

vor Ort klären?

geile Idee ....

zum Sachbearbeiter ohne Termin .......

der Sachbearbeiter wird KEINE Auskunft geben, da hier der Sachgebietsleiter mitzureden hat ....

Kommentar von Lumpazi77 ,

Wenn Du so umständlich an die Selbständigkeit herangehst dann wird das nichts.

Mache doch einfach einen Termin aus und gut iss

Kommentar von wurzlsepp668 ,

ich geh doch nicht umständlich an die Selbständigkeit ran (ich bin seit 2001 selbständig ...)

der Sachbearbeiter für die Veranlagung KANN keine Auskunft geben, da er die Sache nicht bearbeitet ...

und für Auskünfte beim Finanzamt sind durchaus 2 Monate Bearbeitungszeit einzuplanen ....

bei Einsprüchen hat das Finanzamt Bearbeitungszeiten von mehr als 4 Jahren ......

Antwort
von Mignon2, 82

Antworten von Finanzämtern können mehrere Woche dauern. Das hängt vom Arbeitsanfall ab. Steuerberatung dürfen Finanzämter meines Wissens  nicht vornehmen (analog zu Gerichten, die ebenfalls keine Rechtsberatung durchführen dürfen). Für Steuerfragen gibt es Steuerberater. Ob dein Anliegen als "Steuerberatung" einzustufen ist, kann ich leider nicht beurteilen. Warum rufst du nicht beim Finanzamt an und/oder konsultierst gleich einen Steuerberater? Dann bekommst du sehr schnell eine Antwort (die dann allerdings auch etwas kostet).

Kommentar von wurzlsepp668 ,

die Auskunft des Finanzamtes wäre in diesem Falle mMn nicht als Steuerberatung anzusehen ....

wenn der Fragesteller eine vernünftige Antwort vom Finanzamt haben möchte, so ist ein Antrag auf verbindliche Auskunft § 89 Abs. 2 AO zu stellen ..

Vorteil der verbindlichen Auskunft: das Finanzamt ist an die Auskunft gebunden (sofern der Sachverhalt auch 1:1 so ist, wie in der Anfrage dargestellt, Abweichungen des Sachverhaltes fürhen mMn zu einer Nichtigkeit der verbindlichen Auskunft)

Nachteil: kostest Geld ...

Kommentar von Mignon2 ,

Danke für die Info! :-)

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