Frage von diablo99997, 38

Einstieg in die Spirituelle Praxis: Ich Meditiere täglich und ich wollte mal fragen ob mir jemand ein paar gute Denkanstöße hätte:)?

Antwort
von Enzylexikon, 15

Ich habe einige Jahre Meditationserfahrung und versuche, ein wenig zu helfen

Was ist Meditation?

Meditation ist ein Bewusstseinszustand entspannter Achtsamkeit, bei der die
ständigen Bewertungen des Verstandes ihre Bedeutung verlieren.

Es geht nicht darum, sich durch irgendwelche Techniken "ruhig zu machen", oder irgendwie "besser" zu werden - der gegenwärtige Augenblick, ganz ohne geistige Bewertung, ist alles was man braucht.

Denkanstöße

Was willst du da also für "Denkanstöße", wenn es doch darum geht, den Geist zur Ruhe kommen zu lassen? Stoße nichts an, auch keine Gedanken, sondern lasse einfach los und gehe im Augenblick auf.

Wir stoßen mit unserem Denken immer wieder an die Grenzen unserer, durch Konzepte und Bewertungen begrenzten Welt.

Ich meine, da sollte man sich an jedem Moment erfreuen, in dem wir nicht wieder in das Denken hineingestoßen werden, sondern einfach "sein" können, ohne uns gleich wieder krampfhaft mit irgendetwas zu identifizieren.

So viel Zusammenstöße erleben wir täglich - nicht nur zwischen Menschen, sondern auch zwischen geistigen Konzepten von "richtig" und "falsch" von "wichtig" und "unwichtig".

Lassen wir doch also einfach mal das Denken seine Hörner abstoßen, und die Stille genießen.

Genug der Denkanstöße. ;-)

Solltest du dennoch Fragen haben, helfe ich gerne weiter.

Antwort
von NewKemroy, 15

Eine erste grundsätzliche Unterscheidungsmöglichkeit von Meditationsmethoden ist die Einteilung in solche, die überwiegend die Achtsamkeit voran bringen wollen und solche, die die Konzentration bzw. Sammlung favorisieren. Eigentlich benötigt man immer Beides. Aber z.B. beim Zen, bei den Jhanas in der Samatha-Meditation oder auch bei christlicher Kontemplation steht die Konzentration im Vordergrund. Dagegen liegt der Haupt-Fokus bei der Vipassana-Meditation auf der Achtsamkeit.

Von der Achtsamkeit sagt man sie zerstört systematisch - ich nenne es jetzt mal - "falsche Konditionierungen" (Kilesa) in uns. Anhänger der Achtsamkeitsmeditation sprechen dieses Vermögen den Konzentrations basierten Methoden gänzlich ab. Aber auch die "Konzentrations-Methoden" können permanente positive Veränderungen bewirken. Allerdings sind sie weniger schrittweise oder systematisch sondern sind eher Glückssache.

Achtsamkeitsmeditation ist eher anstrengend und kann mit unangenehmen Gefühlen einhergehen, ist aber meiner Meinung nach die bessere Meditationsmethode. Allerdings sind gute Kurse rar.

Die Konzentrations-Methoden sind verbreiteter. Konzentration birgt die Gefahr ein wenig süchtig zu machen. Außerdem neigt man, wenn man dann mal Achtsamkeitsmeditation macht eher dazu in Konzentrations-Zustände abzugleiten.


Kommentar von diablo99997 ,

danke für diese ausführliche Antwort :) ✌

Kommentar von Enzylexikon ,

Zumindest im Bezug auf die Soto-Zen-Tradition kann ich die Aussage, die meditative Praxis sei auf Konzentration ausgerichtet, nicht bestätigen.

Im Gegenteil geht es ja beim "Shikantaza", dem "absichtlosen Sitzen" darum, sich nicht auf ein einzelnes Meditationsobjekt zu konzentrieren, sondern ganz offen für den Moment zu sein.

Juntoku erklärt das hier ganz gut (auf Englisch):

https://www.youtube.com/watch?v=rIxz9ig0Qk8

Die einzige "Konzentration" die dabei genutzt wird ist, den abschweifenden Geist wieder in den Moment zurückzuholen, anstatt ihn abdriften zu lassen.

Im Vipassana würde man die Achtsamkeit wieder auf den Atem richten und im Zen eben auf Haltung und Atmung.

Achtsamkeitsmeditation ist eher anstrengend und kann mit unangenehmen Gefühlen einhergehen

Unangenehme Empfindungen, körperlicher oder geistiger Art können sowohl beim Vipassana, als auch beim Zazen auftreten.

Das ist auch ganz verständlich, denn früher oder später steigen auch bislang verdrängte Inhalte aus dem Unterbewusstsein auf. Das ist kein Effekt, von dem nur Theravadins betroffen sind.

Konzentration birgt die Gefahr ein wenig süchtig zu machen

Das Probleme sehe ich bei jeder Meditation, wenn man Hoffnungen und Wünsche an die Praxis klammert, die sich dann scheinbar auch zu erfüllen scheinen - mehr Entspannung, Gelassenheit usw.

Dann haftet man an der Erfahrung, oder den erzielten "Erfolgen" und macht die meditative Praxis dadurch wieder zu einem egoistisch motivierten Leistungssport.

Kommentar von NewKemroy ,

Habe das Video geschaut und fand es sehr interessant. Gerne würde ich dem ein anderes Video beiseite stellen, auch um vielleicht dem Fragesteller eine zusätzliche Video-Perspektive zu ermöglichen.

Zu beiden Videos möchte ich bitten die Anzahl der Haupt-Meditationsobjekte zu zählen, die von den jeweiligen Sprechern bevorzugt in den Vordergrund gestellt werden, und am Schluss dann rückzuschließen, ob bei der jeweiligen Methode die Achtsamkeit überwogen hat oder die Konzentration.

https://www.youtube.com/watch?v=hLvU7ppM4vE


Antwort
von nowka20, 7

Man muß das Meditieren, wenn es in der richtigen Weise zu einem Erfolg führen soll, unterstützen durch gewisse andere Seelenübungen. Vor allen Dingen müssen immer mehr und mehr solche Seeleneigenschaften ausgebildet werden wie Charakterstärke, innere Wahrhaftigkeit, eine gewisse Seelenruhe und vor allen Dingen eine völlige Besonnenheit. Das muß immer wiederholt werden: eine Besonnenheit, die sowohl die Meditationsübungen selbst wie dann auch alles, was in ihrer Folge als exaktes Hellsehen unternommen wird, in einer solchen Seelenstimmung und Seelenverfassung verrichten läßt, wie man beim Mathematisieren ist. Wenn man solche Eigenschaften wie Charakterstärke, innere Wahrhaftigkeit, Besonnenheit, eine gewisse Seelenruhe gewohnheitsmäßig hat, dann ist der Meditationsvorgang imstande, wenn er immer wieder wiederholt wird - bei dem einen dauert es nach seinen Anlagen vielleicht nur wenige Wochen, bei manchem kann es Jahre dauern -, seine Ergebnisse dem ganzen physischen und ätherischen Menschenorganismus einzuprägen, so daß der Mensch wirklich zu einer solchen inneren Tätigkeit im imaginativen Erkennen kommt, wie er sonst in einer Tätigkeit ist durch seinen physischen Leib im sinnlichen Anschauen der Welt und im Denken durch den Körper.
(GA 215, aus dem Vortrag vom 8. September 1922 von R. Steiner)

Antwort
von love2905, 12

Denk anstösse für was?

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