Frage von TheFreakz, 35

Einsichten aus dem Alltag einer Kranken- Schwester / Pflegerin, Kinderärztin, Ärztin, Altenpflegerin?

Hey! Ich bin vorhin auf diesen Artikel: http://m.spiegel.de/karriere/a-1104579.html
gestoßen und finde es sehr interessant was Ärzte so leisten.

Ich habe mich selbst schon ein wenig umgesehen aber nicht wirklich was gefunden..
Vielleicht kennt ihr ja noch einige Links, oder sogar Bücher vielleicht? Wobei mir Links lieber wären um ehrlich zu sein. :)

Oder arbeitet ihr vielleicht selbst als Arzt etc und habt Lust mir ein wenig darüber zu berichten, darüber zu sprechen? Ihr könnt mir gerne eine FS senden, ich würde mich wahnsinnig freuen da es mich unendlich interessiert! Sehr gerne auch Altenpfleger.

Ps: ich bin weiblich und 17 Jahre alt.. :)

Lg

Antwort
von DorktorNoth, 12

Leider ist es tatsächlich immer mehr so, dass Menschen mit nur geringen Erkrankungen, definitiv keine Notfälle, in die Notaufnahmen der Krankenhäuser kommen. Dafür gibt es viele Gründe. Manche sind einfach hilflos und halten ihre Erkrankung oder Verletzung tatsächlich für schlimm. Eine Schürfwunde am Knie nach Sturz mit dem Fahrrad , zum Beispiel. Meine Mutter hat mir da Desinfektionsmittel drauf gemacht und ein Pflaster, am nächsten Tag noch Tetanus beim Hausarzt und gut. Heutezutage fliegt man zu so etwas auch schon mal mit dem Rettungshubschrauber , weil "schwerer Verkehrsunfall mit Kind" gemeldet wird. Kein Witz, selbst erlebt. Andere Menschen in der Notaufnahme kriegen  und kriegen bei bestimmten Fachärzten einfach keinen Termin in unter 3 Monaten und erhoffen sich schnellere Behandlung im Krankenhaus. Das kann ich  sogar irgendwo verstehen. Gerade bei Kindern ist dazu immer noch eine gewisse Unsicherheit dabei, besonders , wenn es das erste ist. Ich bin selbst mit meiner damals noch sehr kleinen Tochter Nachts in die Klinik, als sie plötzlich Brechdurchfall bekam, obwohl ich Arzt bin und um die Probleme in  den  Notaufnahmen weiß. Aber in diesem Moment war das Geschehen so dramatisch, dass es mir sehr notfallmäßig schien. Allerdings habe ich nicht wie die Eltern in dem Artikel, den du verlinkt hast, auch noch rumgenörgelt ... Das sind nämlich meiner Meinung nach die schlimmsten Patienten. Sie kommen in eine Notaufnahme und sehen nur sich. Da kann jemand blutüberströmt reinkommen und den Kopf unter dem Arm tragen, der eigene verknackste Fuß von vor drei Wochen ist wichtiger.  Naja. Insgesamt jedenfalls müssen  die Notaufnahmen immer mehr Fälle abarbeiten, ohne dass dafür mehr Personal zur Verfügung steht. Dass dann gleichzeitig auch die Wartezeiten länger werden, ist ja irgendwie klar. Das führt zu noch  mehr  Unmut bei den Patienten, die den Zorn beim Personal abladen .  Der Frust wird dann immer mehr , hoher Krankenstand, Burnout etc ist die Folge. All das ist natürlich sehr schade , denn eigentlich ist  die Arbeit in einer  Klinik sehr schön und erfüllend. Und nicht immer meinen es die Patienten böse, so ist es ja nun auch nicht. Ich hoffe, ich habe nicht diesen Eindruck erweckt . 

Tja, was soll ich noch schreiben? Dies ist ja nur der Mecker-Teil und betrifft nur die Notaufnahmen.  Du könntest mal "Notaufnahme" bei YouTube eingeben , da kommen einige Videos, die das ganze noch unterstreichen . Ich selbst arbeite in der Anästhesie , da geht es zum Glück etwas ruhiger zu ... Wie dem auch sei .  Wenn du spezielle Frahen hast, dann gerne raus damit.

Kommentar von TheFreakz ,

Danke, werde ich machen!

Und Danke für die ausführliche Antwort.

Ist es eigentlich schon vorgefallen, dass Leute Dinge gegooglet haben und dann mit irgendwelchen Diagnosen oder Sonstiges ankamen?
Was war Ihr bzw. Dein schlimmster, tragischer Fall bzw Patient?

Kommentar von DorktorNoth ,

Dass Menschen ihre "Diagnosen" googeln ist durchaus üblich. Früher, bevor man alles auf Google finden konnte, schaute man in den Pschyrembel, das ist ein medizinisches Wörterbuch. Dann kam man mit einer vorgefassten Meinung in die Klinik. Daher heißt diese Art von vorbestimmter Krankheit auch gern "Morbus Pschyrembel". Könnte man heute gegen "Morbus Google" tauschen, aber das andere klingt irgendwie medizinischer. ;-)

Mein schlimmster Fall ...  Das ist gar nicht so einfach, mal berührt einen das eine mehr, mal das andere. Es sind auch nicht zwingend die blutigen und außergewöhnlichen Fälle, die einen am meisten mitnehmen. Mich haben in der letzten Zeit z.B. zwei Fälle sehr mitgenommen: eine 17jährige mit versuchtem Selbstmord (alles ist gut ausgegangen) hat ihren Eltern einen herzzerreißenden Abschiedsbrief geschrieben. Habe ihn gelesen und erstmal gleich mitgeheult. Der andere Fall war eine 80jährige, deren Mann (86) nun gestorben war und wir haben ihn nicht wiederbeleben können. Die zwei waren 65 Jahre verheiratet. Dieser Abschied war auch beim besten Willen nicht leicht zu ertragen, obwohl der Mann nun wirklich alt und krank gewesen war und man in dem Alter ja auch mal gehen darf. Naja, und so was kommt halt immer mal wieder vor. Man darf solche Fälle nur nicht mit nach Hause nehmen, sonst lassen sie einen nicht mehr los und machen einen kaputt.

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