Einsatzbericht Reanimation?

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3 Antworten

Moin,

1.: Grundsätzlich kann jeder Mensch zu jeder Zeit einen Kreislaufstillstand erleiden. Die möglichen Ereignisse, die zum Kreislaufstillstand führen könnten sind zahlreich, daher ist es nicht sinnvoll, auf jede einzelne einzugehen. Die Klassiker unter den Akut-Krankheitsbildern sind allerdings der Herzinfarkt und die Lungenembolie. Konkret auf deine Frage bezogen: Ein Herzinfarkt tritt grundsätzlich akut ein, daher ist es auch durchaus denkbar, dass dieser bei einer Verlegung auftritt. Denkbare Risikofaktoren, die in einer derartigen Situation hierzu führen könnten sind u.a. der Stress, den der Patient durch Umlagerungsmaßnahmen und Transport erfährt. Auch dass eine Reanimation unter VF nach dem x-beliebigen Schock zu beliebigen Rhythmus mit erkennbarer ST-Hebung führt, ist nicht nur denkbar.

2.: Auch der Patientenstatus lässt sich nicht verallgemeinern. Es ist per se alles denkbar, von hirntot bis wach, ansprechbar und orientiert. Letzteres ist allerdings (wie es auch die Vermutung nahelegt) eher selten der Fall. Die Erfahrung zeigt, dass oft eine Spontanatmung als Zeichen einer intakten Hirnstammfunktion besteht, diese allerdings aus verschiedenen Gründen insuffizient ist und eine weitere Beatmung erforderlich macht. Zumeist wird in derartigen Fällen (präklinisch) eine kontrollierte Beatmung bevorzugt. Das macht meist eine tiefe Sedierung erforderlich. Bevorzugt werden dann auch hochdosierte Opioide zur Reflexunterdrückung verabreicht (selbstverständlich als ärztliche Maßnahme). Eine Narkose hat hier allerdings auch weitere Vorteile. Eine der wichtigsten Maßnahmen neben der Kreislaufstabilisierung nach erfolgreicher Reanimation ist das Kühlen des Patienten auf ca. 32-34°C. Hierdurch wird beabsichtigt, potentielle Hirnschäden des Patienten auf ein Minimum zu reduzieren. Auch dabei ist es wichtig, dass der Patient von der Außenwahrnehmung wie der Temperaturwahrnehmung abgeschirmt wird, sodass die Hypothermie keine Körperreaktion hervorruft.

Was die Narkose angeht: Auch wenn ich nicht mit jeder einzelnen Situation im gesamten Bundesgebiet vertraut bin gilt dennoch der Grundsatz, dass eine Narkose prinzipiell ärztliche Maßnahme ist. Auch wenn es alles einfach klingt gibt es unglaublich viele Dinge, die ganz furchtbar in die Hose gehen können. Dies allerdings nur vorweg.
Post-Reanimation können verschiedene Narkosen gemacht werden. Wie bereits gesagt, bietet es sich an, zunächst Opioide u.a. zur Reflexdämpfung zu verabreichen. Hier haben sich insbesondere Fentanyl und Sufentanil etabliert. Ich persönlich finde auch Remifentanil gut da es durch extrem kurze Halbwertszeit sehr gut steuerbar ist, allerdings ist dies selten in der Präklinik zu finden.
Um das Bewusstsein weiter zu dämpfen bzw. auszuschalten werden allerdings auch Sedativa oder Hypnotika verwendet. Ein frisch reanimierter Patient ist meist von sich aus kognitiv stark eingeschränkt, sodass die Sedierung nicht zu stark gewählt werden sollte um nicht über das Ziel hinauszuschießen. Hier bieten sich z.B. Benzodiazepine, namentlich Midazolam oder (meiner Meinung nach eher als zweite Wahl) Diazepam an. Auch Propofol wäre möglich, allerdings senkt das den kardialen Output schon erheblich. Etomidat wäre durch resultierenden vorübergehenden Wegfall der Cortisolsynthese eher schlecht. Auch Ketamin sollte hier eher nicht zur Anwendung kommen.
Wer will ("wer" ist allerdings definitiv Arzt), kann auch relaxieren. Gern genommen wird Rocuronium, allerdings kann prinzipiell (unter Beachtung spezifischer Kontraindikationen) erstmal jedes Relaxans verwendet werden (auch Succi, allerdings macht das herzlich wenig Sinn).
Auf die Dosierung gehe ich jetzt (erstmal) bewusst nicht ein, da hierzu deutlich zu wenig Informationen vorliegen (Alter, Gewicht, Vorgeschichte, Status unmittelbar vor Reanimation usw.).

3.: Ja, ein Infarkt wird auch nach frischer Reanimation so behandelt, wie er sonst auch behandelt werden würde. Ich gehe jetzt mal davon aus, dass in der Reanimation keine Lyse veranstaltet wurde. In dem Fall gilt es, die vom Patienten eingenommenen bzw. dem Patienten verabreichten Medikamente in Erfahrung zu bringen. Bekommt dieser bereits Marcumar und der INR ist irgendwo bei 4 gelandet, dann sollte man sich weiteres Heparin lieber sparen. Auch wenn schon seit Jahren standardmäßig 100 mg/d ASS eingenommen werden, kann man über Sinn und Unsinn einer weiteren Thrombozytenhemmung diskutieren. Auch das ursächliche Problem muss angegangen werden, d.h. ein Katheterlabor (bzw. Chest-Pain-Unit) anzufahren ist definitiv eine sinnvolle Maßnahme. Weitere Maßnahmen ergeben sich nach Notwendigkeit. Steigt die linke Vorlast und ein Lungenödem entsteht, wird das behandelt (Diurese, Vorlastsenker, PEEP usw.), sinkt der systemische Blutdruck gehen Katecholamine an den Start, fällt oder steigt die Frequenz, wird gesteigert oder gebremst und so weiter. Wie oben allerdings bereits beschrieben, ist die Kühlung eines frisch Reanimierten von wichtiger Bedeutung für dessen Prognose. Hierzu werden für gewöhnlich Kühlpacks in die Regionen oberflächlicher großer Gefäße (Hals, Leisten, Achseln etc.) gelegt und auch gekühlte Lösungen infundiert.

Natürlich sollte die Zielklinik allerdings auch die entsprechende Infrastruktur haben, das bedeutet Narkose im Katheterlabor muss möglich sein, herzchirurgische Klinik sollte mit angebunden sein, wenn mehrere Häuser zur Option stehen sollte ein Beatmungsbett bereitstehen und so weiter.

Ich hoffe, deine Fragen soweit erstmal beantwortet haben zu können. Ist sonst noch etwas offen? In dem Fall frag gern nochmal nach.

Lieben Gruß ;)

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Geh am besten zu deiner Lehrrettungswache und rede mit euerm Notarzt darüber. Oder mit anderen RD-Mitarbeitern.
Die haben die meiste Erfahrung und können dir bestimmt weiterhelfen :)

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Frag mal die Kollegen :)

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