Frage von moonchild1972, 222

Einfach tot! Der beste langjährigste Freund, den ich hatte. Wie soll ich damit umgehen, dass er niewieder hier sein wird und wie soll ich damit zurecht kommen?

Sie haben L. am 20.04.2016 tot in der Wohnung vorgefunden. Ich habe es erst letzten Dienstag erfahren. Niemand von seiner Familie hat es mir mitgeteilt. S. nicht, M. nicht - keiner.

Ich bin letzten Dienstag, den 10. Mai zusammen mit einem Freund, dem J. zu L. gefahren, um nach ihm zu schauen, da ich seit 18.04.2016 nichts mehr von ihm gehört hatte. Ich könnte mich ohrfeigen, dass ich nicht schon eher da war. Ich sprach, nachdem ich sturm läutete und um das Haus rum ging, eine Frau an, die noch in den Abendstunden im selben Block wohnte. Ich fragte sie nach L.. Sie sagte:" Du bist doch B. ? Du bist doch eng mit L. befreundet. Was Du weißt es nicht? Ach Gott, sprach sie, es tut mir so Leid, und nahm mich im Arm. Ich erstarrte. Sie sprach weiter, aber ich hörte gar nichts mehr...Dann wurde ich furchtbar nervös und kramte in meiner Tasche rum, versuchte die Fassung zu behalten. J. der mich begleitete, wollte mich umarmen, ich wehrte ab und sagte, "Lass mich in Ruhe!". Die Nachbarin sagte, man musste die Tür aufbrechen und dann haben sie ihn am 20.04. gefunden. Er war schon ein paar Tage tot. Der Arzt stellte fest, dass er an eine Lungenentzündung starb. Sie ging kurz rein, um etwas zu holen, ich setzte mich draußen auf die Holzbank, und versuchte mit der surrealistischen Situation klar zu kommen. Ich wollte am liebsten laut schreien. Ich konnte nicht. Dann heulte ich und konnte mich nicht mehr einkriegen. Sie kam raus, nahm mich in den Arm, dann teilte mir den Termin für die Trauerfeier mit. Ich notierte mir alles. Ich bin mit ihr im Kontakt.

Auf FB hatte ich alle guten Freunde von ihm kontaktiert, denn viele ahnten es nur und wussten es gar nicht und waren sehr betroffen und entsetzt. Seine Fmailie hatte uns allen nicht Bescheid gesagt.

L war immer für andere da und musste einsam in der Wohnung sterben! Er hat sich für alle den Ar. aufgerissen und er sprang sofort, hat gemacht und getan! Er ist niemanden zur Last gefallen, war humorvoll, treu, ehrlich und hilfsbereit.

Er liebte Musik, seine Freunde, seine Familie, sein eigenes kleines Reich, die Natur und glaubte an den Menschen, weil er selbst durch und durch Mensch war!

Damals, als ich L. kennen lernte, das war im Krankenhaus, haben wir über viele Stunden miteinander gesprochen und gelacht. Hinter seinem Humor verbarg sich eine große Traurigkeit, die er niemanden so anvertrauen wollte. Er war damals krebskrank, aber er schwor sich, an dieser Krankheit nicht zu sterben. Er überlebte und ich bin mit ihm regelmäßig zur Nachsorge gegangen. Er half mir damals sehr viel bei meinen partnerschaftlichen Problemen und war auch in großer Not für mich wie ein Fels. Er war eine Sicherheit für mich, die es so niemer wieder in meinem Leben geben wird.

Ich bin in den letzten Tagen nur am Weinen, am Schweigen, bin sarkastisch! Ich hasse mich, dass ich so blöd war, mich mit anderen Nichtigkeiten ab zugeben, anstatt mich um Wichtigeres zu kümmern! Und ich hasse Gott! Was mir lieb und teuer war - nimmt

Hilfreichste Antwort - ausgezeichnet vom Fragesteller
von PicaPica, 115

Hey moonchild, ist sicher nicht schlecht nicht zu wissen, wann es einen bzw. Andere die einem lieb sind trifft und zu Lebzeiten warst du ihm vermutlich eine recht gute Freundin und das alleine zählt.

Die besten Spuren die ein Mensch in seinem Leben bei Anderen hinterlassen kann, sind die Spuren der Liebe und wie du ihn beschreibst, hat er genau das getan. Und sieh das mal aus seiner Sicht, er hat jetzt keine Sorgen und Probleme mehr, nie mehr und das kann auch ein großer Trost sein.

Natürlich nimmt einen das mit, einen lieben und guten Menschen zu verlieren und die Bedeutung von `zu spät´ kommt einem da (wieder) richtig zum Bewusstsein, aber wenn man ganz ehrlich ist, ist man ein Stückweit mit seiner Trauer auch egoistisch.

Will heißen sehr ichbezogen. Ich habe ihn verloren, ich vermisse ihn, ich weiß nicht was tun und wie weiterleben. Diese Einstellung hätte er nach deiner Schilderung nicht gewollt. Gönne ihm seine Ruhe, sei traurig, sicher aber sieh es, wie gesagt, mal aus seiner Sicht, so blöd das evtl. auch klingt. LG, PicaPica.

Kommentar von moonchild1972 ,

Liebe PicaPica,

bitte verzeihe mir. Ich habe noch den vierten Tag nachdem ich es erfuhr, noch total überreagiert. Es tut mir aufrichtig Leid. Ich wollte Dich nicht angehen.

Liebe Grüße und vielen Dank für Deine ernstgemeinten Worte. moonchild.

p.s. ich werde sehen, dass ich meine vorigen Kommentare beanstanden kann.

Kommentar von moonchild1972 ,

und die Liebe nimmt man mit. Das ist ein Gefühl, was bleibt und was uns verbindet. Ich werde so leben, dass er stolz auf mich wäre.

Kommentar von PicaPica ,

Das ist genau die richtige Einstellung. Das Andere habe ich schon vergessen und danke für den Stern.

Expertenantwort
von Janiela, Community-Experte für Liebe, 71

Trauerbewältigung dauert an, erstrecht wenn die verstorbene Person unerwartet und plötzlich aus dem Leben geschieden ist. Wichtig ist, dass du dir keine (Mit-)Schuld an seinem Tod gibst, denn du hättest nichts verhindern können. "L." wäre die einzige Person gewesen, die etwas hätte verhindern können. 

Früher gab es ein sogenanntes Trauerjahr, das deutet darauf hin, dass damit zu rechnen ist, dass die Trauerbewältigung häufiger ein Jahr oder länger dauern kann. Wenn du erst letzten Dienstag davon erfahren hast, ist es also ganz normal, dass du jetzt noch nicht damit umgehen kannst und eine große Leere mit dir herum trägst.

Wie dir meine Vorredner schon geschrieben haben, gibt es Communities, in denen Trauernde sich austauschen können, um ihr persönliches Verlustgefühl zu verarbeiten, denn genau darin besteht Trauer. L. hat jetzt keine Schmerzen, keine Freude, kein Leid. Es gibt nichts an seinem Zustand, was für ihn bedauerlich wäre. Wer trauert, trauert immer um den eigenen Verlust, nicht um die Verluste des Anderen.

Und -da gebe ich PicaPica recht- wenn L. ein so liebevoller und integerer Mensch war, dann liegt es nahe, zu vermuten, dass er wollen würde, dass dein Leben weiter geht und noch viel Schönes für dich bereit hält.

Gib dir Zeit, nimm falls erforderlich psychotherapeutische Hilfe in Anspruch und sieh, wie es dir in einem Jahr geht.

Antwort
von judii015, 44

Zuerst einmal - mein Beileid. Aber ob du es willst oder nicht - du musst akzeptieren, dass L. tot ist. Ich weiß, das ist sehr schwer, und besonders anfangs wirst du dir gar nicht vorstellen können, dass dieser Schmerz jemals wieder vergehen wird. Es dauert zwar, aber irgendwann wird es besser werden. Hast du irgendeinen speziellen Ort, wo du um L. besonders gut trauern kannst (irgendein Ort, den ihr gerne gemeinsam besucht habt)? 

Kommentar von moonchild1972 ,

Ja, wir sind mit dem Rad raus gefahren in den Spandauer Forst. Dort hat er mir eine Lichtung gezeigt und wir haben die Räder an die Holzbank gestellt. Der eigentliche Ort, wo wir uns damals kennen gelernt hatten, ist privatisiert worden, das Krankenhaus mit Grünanlage und Tiergehegen...aber die Lichtung könnte ich aufsuchen, die war in der Nähe des Krankenhauses. Es war ihm damals ganz wichtig, sie mir zu zeigen.

Den Kettenanhänger, den er mir einst schenkte, der Schmetterling aus der spanischen Powermuschel, suche ich seit gestern in meinen Erinnerungsstücken....

Vorgestern habe ich ältere Fotos von ihm gesucht und gefunden. Das Schönste, wo er tanzt, habe ich aufgestellt und eine Kerze angezündet. Die Briefe, die er mir schrieb, las ich mir gestern noch einmal durch.

Er war ein wirklich guter Mensch.

Kommentar von judii015 ,

Ich finde es sehr gut, dass du an die schönen Momente mit ihn denken kannst und Erinnerungsstücke aufstellst, viele Menschen können das nämlich gar nicht, wenn ein lieber Mensch unerwartet gestorben ist, weil die Erinnerung an ihn dann zu sehr schmerzt. Dass dir das aber möglich ist, ohne sofort wieder in grenzenlose Trauer zu verfallen, ist schon ein sehr wichtiger Schritt. Mach weiter so und nimm dir genug Zeit um zu trauern. Alles Gute! 

Kommentar von moonchild1972 ,

Danke Dir... ich hatte noch den vierten Tag überreagiert auf alles und jeden. Es tut mir sehr Leid. Ich werde mich bei PicaPica entschuldigen.

Kommentar von judii015 ,

Das ist eine sehr gute Idee. Toll, dass du zu deinem Fehlern stehst und sie um Verzeihung bitten willst! 

Antwort
von Kheber, 13

Lieber Freund

ich kann Deine Trauer gut verstehen und es sind in diesem Moment die blödesten Trostworte, wenn man da hört, wie ; Kopf hoch oder "die Zeit heilt alle Wunden" Das alles hilft einem nicht weiter.

Deinen Zeilen nach zu urteilen bist Du ein Mensch, der nicht gläubig ist. Aber vielleicht kann ich DIch etwas trösten, auch wenn es DIr jetzt nicht direkt weiterhilft, aber aus Liebe zu Deinem verstorbenen Freund heraus:

Vielleicht denkst Du in dieser Situation einmal darüber nach, dass Gott Deinen Freund gerufen hat. Bitte mach jetzt nicht glaich zu. ICh möchte versuchen, Dir meine Zeilen zu erklären.

Du hattest geschrieben, dass er an Krebs erkrankt war. ICh weiß zwar nicht, was für ein Krebsleiden er hatte, aber es ist wahnsinnig, wenn man daran denkt, dass Menschen vom Krebs bei lebendigeem Leibe aufgefressen werden, was die schlimmsten Schmerzen verursachen kann. Nun, ich kann mir da gut vorstellen, wenn Du jetzt den Blick von Dir weg und hin zu Deinem Freund richtest. Dann kann man, und hier spreche ich aus Erfaahrung, etwas froh sein, auch wenn es noch so schmerzhaft ist, dass Dein Freund jetzt keine Schmerzen mehr hat. Ich kann mir gut vorstellen, dass DU mich nicht verstehst, weil der Kummer und der Schmerz, Deinen freund verloren zu haben, Dein Herz und Deine Gefühle blockiert. Aber wie schon geschrieben, versuche einmal Deinen Blickwinkel auf Deinen Freund zu richten, der jetzt keinee Schmerzen mehr erdulden muß.

Ich wünsche DIr von Herzen ganz viel Kraft

Antwort
von Bey1993, 60

Mein herzliches Beileid 🌹 er wird weiter leben so lang du ihn nicht vergisst. Es ist schwierig mit so einer Situation klar zu kommen. Kenn ich leider auch (habe 2 Freunde durch einen Autounfall verloren) .. Mach dir keine Schuldgefühle du kannst nicht hellsehen .. Wie schon gesagt solch eine Situation ist nicht leicht. Man sagt "Gott nimmt Engel früher zu sich.

Antwort
von Playervonyt, 86

Hallo Ich würde mir schnell Hilfe suchen oder mich mal im Internet belesenhttp://www.psychotipps.com/Trauerbewaeltigung.htmlml Es hilft auch mal einen Psychologen zu besorgen der hilft der gut weiter ich wünsche dir alles gute und Unterstützung deiner Familie Max

Antwort
von Antraxxx, 46

Hallo liebe Moonchild,

ich könnte jetzt schreiben das ich dich verstehe und mit Dir leide. Das entsprächr zwar der Wahrheit und doch würde es nicht stimmen. Auch wenn ich leider das "selbe" erlebt habe, kann man sich nicht in den trauernden hinein versetzten, weil man diese Gefühle garnicht beschreiben kann.

Jeder trauert für sich allein.

Der Verlust einer geliebten Person. ruft in einem so starke Gefühle hervor, auf die man garnicht gefasst war. Wie soll den ein Anderer.....

Abschied von einem Verstorbenen zu nehmen bedeutet, dass man den Tod annehmen
muss. Es ist eine andere Art des Verabschiedens als die, die wir aus
unserem Alltag kennen. Wir nehmen Abschied von einer Person, die
verstorben ist und eine Lücke in unserem Leben hinterlässt.

Um deine Trauer zu bewältigen darfst Du dich nicht unter Druck setzten . Abschiednehmen braucht Zeit.

Zeit um erstmal zu verstehen was passiert ist und was es mit einen gemacht hat.

Trauer "verarbeiten" ist denke ich so eine Sache.Vielleicht lernst Du erstmal mit der Trauer umzugehen und dann loszulassen.Dann hast Du schon ein großes Stück geschafft.Ich glaube Ziel muß es sein das Du neuen Lebensmut gewinnst und dann denn Blick nach vornr richtest.

Ich kann Dir nur versichern das ich immer für Dich da bin und Dir mit Rat und Tat zur Seite stehe.

In tiefer Anteilnahme Antraxxx

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