Frage von SadFlower, 111

Einen tief geliebten Menschen für immer Lebewohl sagen (kein Tod). Was kann ich tun, damit ich dies - wenigsten einigermaßen - ertragen kann?

Hallo,

mein Name ist Sabrina, ich bin 16 Jahre alt und homosexuell. Sollten sich hier tatsächliche homophobe Menschen herumtreiben, dann wäre es für uns alle besser, wenn diese ab hier mit dem Lesen aufhören.

Ich bin in ein Mädchen verliebt, das bis vor kurzem noch in meine Klasse ging. Ich könnte mich jetzt hier in eine ausführliche Beschreibung verlieren, warum ich diesen Menschen so sehr liebe, aber ich werde versuchen, mich auf das Wesentliche zu konzentrieren. Jedenfalls konnte ich mir, bevor ich sie zum ersten Mal begegnete, nicht einmal im Traum vorstellen, dass ein Mensch so viel Wundervolles in sich vereinen kann. Sie ist für mich wie Romeo für Julia, wie Lotte für Werther. Geradezu ehrfürchtig stehe ich dieser Liebe ungeheuren Ausmaßes gegenüber.

Es könnte alles einfach nur perfekt sein, weil meine Liebe mindestens in der gleichen Intensität erwidert wird, wenn da nicht diese intoleranten Menschen wären. Bloße Anfeindungen etc. können uns gestohlen bleiben, aber es geht leider noch viel weiter. Ihre Eltern bekamen Wind von der Sache und untersagten ihr den Kontakt zu mir. Als dies nicht wirkte entschlossen sie sich kurzerhand, mit ihrer Tochter für immer wegzuziehen. Der Umzug wird in einigen Tagen vollzogen sein und dann sehe ich dieses wundervolle Mädchen nie wieder. Ich kann sie weder besuchen kommen (sie weiß nicht wohin es geht), noch kann ich mit ihr anderweitig in Verbindung bleiben, weil ihre Eltern sowohl Smartphone als auch Computer streng überwachen. So werden wir uns am Montag zum letzten Mal heimlich treffen, uns ein letztes Mal tief in die Augen sehen und - und uns einander für alle Zeiten Lebewohl sagen.

Es zerriss mir schier das Herz, als ich von ihrem Umzug erfuhr. Niemals in meinem Leben war ich so unglaublich traurig und verzweifelt wie jetzt. Ich bin so traurig, dass ich es gar nicht mehr aushalte. Wenn ich nicht weine, dann schlafe ich, weil ich im Schlaf diesen unheimlich großen Schmerz nicht ertragen muss. Es gibt rein gar nichts mehr, dass mich auch nur ansatzweise trösten könnte.

Wie soll ich mich nun am Montag verhalten und wie kann ich mit den Schmerzen umgehen? Mittlerweile mischt sich unter die Trauer auch noch ein abgrundtiefer Hass auf ihre Eltern und die Gesellschaft im Allgemeinen. Warum um alles in der Welt wird Homosexualität teilweise immer noch geächtet? Wir fügen doch niemanden Leid zu. Es ist völlig absurd, widerwärtig und einfach nur verdammt boshaft, sich auf diese Art und Weise ungefragt in das Leben anderer Menschen einzumischen. Was soll dieser ungeheure Schwachsinn? Mein Hass wächst und wächst nur noch als würde er mich zerfressen. Ich kann einfach nicht mehr, so bin ich zur Zeit voller Trauer, Verzweiflung und Hass. Bitte helft mir.

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Antwort
von beautifulcolors, 58

Hei :)

Das tut mir Leid für dich, dass du dich in ein Mädchen verliebt hast deren Eltern so homophob sind und allgemein, dass sie wegzieht und bald nicht mehr in deine Klasse gehen wird.

Aber die Zeit heilt alle Wunden und wenn sie auch 16 ist sind es theoretisch nur noch 2 Jahre bis sie sich nicht mehr von ihren Eltern bevormunden lassen muss. Natürlich ist das wiederum auch nur Theorie und es wird trotzdem schwer für euch, wenn es da überhaupt eine Zukunft für euch beide gibt.

Ich kann es auch nicht verstehen, wie Leute so homophob sein können. Ich bin selbst auch lesbisch und habe sehr homophobe Eltern, halte es aber aus diesem Grund vor ihnen geheim.
Das sie von ihren Eltern aber total überwacht wird und nicht mal weiß, wo sie hinzieht, ist aber schon übertrieben krass.

Vielleicht gibt es ja trotzdem eine Möglichkeit mit ihr in Kontakt zu bleiben. Zum Beispiel über's Internet. Ansonsten musst du dich langsam damit abfinden. Hass bringt nichts und macht dich nur innerlich kaputt. Versuche zu akzeptieren, dass sich die meisten homophoben Menschen nie wirklich mit Homosexualität auseinander gesetzt haben. Die meisten von ihnen kennen noch nicht mal eine homosexuelle Person und haben einfach nur schrecklich viele Vorurteile.
Aber es geht bergauf. Ich bin mir sicher, dass es in ein paar Jahren auch hier in Deutschland die Homo-Ehe geben wird und langsam aber sicher werden  die Menschen merken, dass es absolut nichts schlimmes ist.

Vor nicht allzu langer Zeit, durften weiße Menschen keine schwarzen Menschen heiraten. Vor ein paar Jahrzehnten wurden in unserem Land noch Juden verfolgt. Leider gibt es immer noch Rechtsradikale, aber es gibt auch viele schlaue Leute, die sich für Einigkeit und Recht und Freiheit und Gleichheit unter dem Gesetz nach Artikel 1 einsetzen und das ist es, was uns Fortschritt bringen wird. Und der Fortschritt ist nicht aufzuhalten.

In dem Sinne wünsche ich dir alles Gute! Und hoffe ich konnte dir etwas helfen.

Antwort
von safur, 47

Hey SadFlower,
na ja wart es doch erstmal ab :) Sie hat einen Mund und kann sprechen und ggf. ändert sich das in 2-3 Monaten. Wer weiß ob ihr Euch nicht doch wieder sehen könnt und regelmäßig schreibt. Vielleicht muss man einfach etwas Zeit vergehen lassen.

An Eurem Treffen würde ich jedenfalls etwas ganz besonderes unternehmen, was beide noch lange in Erinnerung haben.

Ich kann mir nicht vorstellen, dass man nur deshalb wegzieht. Es hat sicher auch noch andere Gründe.

Ich würde den Hass den du empfindest umdrehen in Mitleid. Du kannst an der Entscheidung nichts ändern, es hilft dir auch nichts sich darüber aufzuregen, sie bekommen immerhin nichts davon mit. Daher würde ich das ganze in Mitleid umdrehen. Denk dir einfach, wie armseelig wenn man aus solchen Gründen einen anderen Menschen die Zukunft verbaut. Ich denke die realisieren auch garnicht was die damit anstellen.

Viel Glück

Kommentar von SadFlower ,

Vielen Dank für deine Antwort.

Ich traue es den Eltern sogar sehr gut zu, dass sie meinetwegen wegziehen. Sie schrien mich an, von wegen ich sei eine elende Sünderin, die ewig in der Hölle schmoren soll und sie ließen es nicht zu, dass ich weiterhin ihre Tochter versaue. 

Anfangs habe ich mich noch vor dem Tipp bezüglich des Mitleids gesträubt, aber mittlerweile hört es sich ganz gut an. Solche dümmlichen Wesen sind doch nicht mehr klaren Verstandes und einfach nur erbärmlich.

Und nein, ich werde das Mädchen leider tatsächlich nie wieder sehen :-(.

Antwort
von DrHannibaLecter, 20

Auch wenn es wahrscheinlich schon bissel spät ist ...

Es ist wichtig das Ihr morgen einen schönen Tag habt , aber auch das du danach abschließt und zwar so ganz wie möglich , sonst verfolgt dich die ganze Geschichte sehr sehr lange....

Die Wahrheit ist (leider) das homophobe Menschen die Mehrheit der Menschen ausmacht.

Außerdem bist du in deinen Alter in einer Selbstfindungsphase - ich kenne Menschen die nach 10 Jahren Homosexualität , doch wieder hetero wurden.

Egal was - Kopf hoch und viel Glück in der Zukunft

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