Frage von Aquaplusminus, 37

Einen Job vom Jobcenter ablehnen, da man bereits als Freiberufler arbeitet?

Hallo zusammen,

ich arbeite nach dem Studium als Freiberufler und der Einstieg ist sehr schwierig gewesen. Die Bezahlung richtet sich nach den Aufträgen. Die Zahl der Aufträge steigt bei mir jeden Monat, allerdings reicht es im Moment immer nocht nicht aus, um für alle Kosten aufzukommen. Jetzt habe ich beim Jobcenter die sogenannte Aufstockung beantragen wollen, weil es anhand meiner Abrechnungen deutlich ist dass ich immer mehr verdiene und es nur eine Frage der Zeit ist, bis ich selber für alles aufkommen kann. Die haben mich aber in Hartz IV gesteckt und schicken mir jetzt irgendwelche Jobangebote, auf die ich mich bewerben soll. Ich verstehe das nicht. Ich habe doch alles angegeben und die Situation erklärt. Darf ich diese Angebote ablehnen?? Haben sie überhaupt das Recht mir diese Angebote zu schicken, wo ich gerade mal den Antrag gestellt habe und noch keinen Cent bekommen habe???

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Antwort
von schleudermaxe, 12

... Freiberufler, also Ärzte, Rechtsanwälte, etc., haben natürlich auch Anspruch auf Aufstockung und die kommt heute meist vom Jobcenter.

Wenn denn nicht so richtig passende Bescheide kommen, wird ja der weitere Werdegang auch mitgeteilt. Rüge also solche Aufträge und warte einfach ab. Zudem bezahlen die doch die Bewerbungskosten komplett. Wurde der Antrag etwa abgelehnt?

Prüfe auch den Antrag auf Lastenzuschuß/Wohngeld über das Rathaus. Denn diese Leistung wird ohne Vorleistung bewilligt. Viel Glück und gute Geschäfte!

Antwort
von Claud18, 16

Das machen die JobCenter leider gern, dass sie Aufstocker (und diese erhalten alle Hartz IV, so wie du) auffordern, ihren sicheren Teilzeitjob aufzugeben (das gilt nicht nur für Freiberufler), um Vollzeitstellen anzunehmen, die sie womöglich nach 3 Monaten wieder los ist (und den Teilzeitjob dazu). Meine Arbeitsberaterin meinte dazu, dass man immer verpflichtet ist, sich zu bewerben, solange man Geld vom Amt bezieht. Leider kannst du dich auch nicht weigern, dich auf die Jobangebote zu bewerben, es sei denn, diese Jobangebote verderben dir die Aussicht, wieder in deinem erlernten Beruf zu arbeiten (wenn man z. B. einen Musiker auf den Bau schickt, wo er sich sowohl das Gehör als auch das Fingerspitzengefühl, das er z. B. beim Geigespielen braucht, verdirbt). Anderenfalls wird dir das Geld vom Amt gestrichen.

Mein Tipp: Bewirb dich schriftlich oder per Mail, füge aber hinzu, dass du als Freiberufler arbeitest und den neuen Job vorübergehend und zusätzlich brauchst, um vom Amt unabhängig zu sein. Ich bin mir ziemlich sicher, dass dein Chef in spé dann  lieber auf einen anderen Bewerber zugreift, die es sicher reichlich gibt (vom Amt wirst nicht nur du diese Jobangebote erhalten haben). Ich habe einmal in einem kleinen Handwerksbetrieb gearbeitet, der einen Azubi einstellen wollte. Vom Arbeitsamt wurden mindestens 14 Kandidaten benannt, von denen sich die Hälfte auch selbst bewarb. Ein passender Kandidat war dabei und wurde eingestellt und dies dem Arbeitsamt mitgeteilt. Trotzdem erhielten wir in der Folgezeit noch zahlreiche Schreiben vom Arbeitsamt mit Vorschlägen, ebenso Bewerbungen von Interessenten, obwohl die Stelle längst besetzt war.

Also: Mach dir nicht so viele Gedanken, schreib die Bewerbungen, und gut ist es.

Noch ein Tipp: Wenn das JobCenter nicht bereit ist, deine Bewerbungskosten zu übernehmen (beantrage dies), kann es dich auch nicht sanktionieren, wenn du dich nicht oft genug bewirbst.

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