Frage von lisalenaaa2, 25

"Eine Welt"Geteilte Welt?

Könnt ihr mir das "Geteilte Welt" zusammenfassen Danke im vorraus😊

Antwort
von schmidtmechau, 6

Hallo lisalenaaa2, 

Deine Frage ist nicht zu verstehen! Es kann also sein, dass ich mit meiner Vermutung, was dahinter stecken könnte, völlig falsch liege.

Die politische und ökonomische Globalisierung, aber auch die weltweite Mobilität und die Verteilung von Information hat die Welt "klein" gemacht. Heute erfahren wir innerhalb kürzester Zeiträume alles, was irgendwo auf der Welt passiert. Wir können jederzeit an nahezu jeden Punkt der Erde reisen. Unsere Wirtschaft durchdringt alle Regionen der Erde. Das macht die Welt zu "einer Welt".

Allerdings weigern wir uns, viele Einzelheiten zur Kenntnis zu nehmen. Dies betrifft vor allem die Auswirkungen der "westlichen" Politik und Ökonomie. Diese führt dazu, dass die Lebensumstände der Menschen in unterschiedlichen Weltgegenden gewaltig auseinanderklaffen und sich immer weiter voneinander entfernen. Diese unterschiedlichen Lebensumstände finden wir im Kleinen auch innerhalb unserer "reichen" Länder, aber auch dies nehmen wir kaum je zur Kenntnis.

Zwei Beispiele:

Vor etwa 11 Jahren brach eine große Krise aus, die Immobilienkrise. Über Jahrzehnte hatte das amerikanische Finanzsystem die Fiktion des amerikanischen Traums - ein eigenes Heim - ohne ausreichende Sicherheiten
spekulativ finanziert. Dies brach etwa 2005 zusammen, die Folge waren einerseits, dass sehr viele Familien ihre Häuser verloren, andererseits eine Bankenkrise, die diese aufgehäuften Schulden nicht mehr bewältigen konnten. Die Staaten, die davon betroffen waren, ließen die Familien in der Tinte sitzen, retteten aber mit großen Geldsummen die Banken. Diese hatten nun plötzlich wieder große Geldsummen, mit denen neue Geschäfte gemacht werden konnten und sollten. Nur die Spekulation mit Immobilien ging natürlich nicht mehr.

Man warf sich also auf die Spekulation mit Lebensmitteln. Die Folge: Innerhalb von einem halben Jahr vervielfachten sich plötzlich die Preise einzelner Lebensmittel, was natürlich vor allem die armen Menschen auf der Welt, die sich von ihrem Geld ohnehin nichts anderes kaufen können, in große Not stürzte. Die Folge waren Hungersnöte und ein unvorstellbar hohes Anwachsen der Hungertoten. Die englische Hilfsorganisation Oxfam hat damals die Anzahl der Hungertoten infolge der Lebensmittelspekulation auf 100 Millionen Menschen beziffert - soviel wie der ganze 2. Weltkrieg.

Sind die Banken als Massenmörder bezeichnet worden? Hat irgendwer protestiert? Ist die amerikanische oder europäische Öffentlichkeit überhaupt darauf aufmerksam geworden? Fehlanzeige! Man hat es einfach nicht zur Kenntnis genommen.

So geteilt ist die Welt, wenn es um das gute Gewissen von Menschen in reichen Nationen geht.

Ein anderes Beispiel:

Vor ungefähr einem Jahr hat der Schriftsteller Navid Kermani den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels bekommen. In einer vielbeachteten Rede in der Frankfurter Paulskirche befasste er sich mit dem Krieg in Syrien und der Politik von ISIS. Er beschrieb deren Greueltaten und sagte, er könne ja schlecht als Friedenspreisträger zum Krieg aufrufen, aber hier müsse die westliche Welt eingreifen.

Was er allerdings verschwieg, war der Hintergrund des syrischen Dilemmas. Zwischen 2001 und 2008 gab es in Folge der von der westlichen Ökonomie verursachten Klimakatastrophe in diesem eigentlich überaus fruchtbaren Land extreme Dürren, ein größerer Teil der landwirtschaftlichen Nutzfläche wurde zu Wüste. Die ehemaligen Bauern zogen in die Städte. Gleichzeitig flohen sehr viele Menschen aus dem Irak aufgrund des von Amerika dort angezettelten Krieges. Die Folge war eine Verarmung des Landes, und die vom Westen so bezeichnete "Demokratiebewegung" gegen Assad, war im Ursprung eine Protestbewegung gegen diese Verarmung.

Bei uns wurden aber (nicht nur von Herrn Kermani) die Verstrickung unserer Ökonomie und Politik völlig unter den Tisch gekehrt. Stattdessen wird das Entstehen der ISIS bis auf den heutigen Tag als Folge verschwurbelter religiöser Allmachtsfantasien bezeichnet. Genauso fällt natürlich unter den Tisch, dass diese Bewegung über Jahre von den Amerikanern finanziert und gefördert wurde, eben so wie übrigens Al Quaida.

Eine Welt? Ja, aber nur für westliches Kapital und Militär.

Geteilte Welt? Ja, vor allem, weil wir, die das friedliche Miteinander der Völker mit unserer expansiven Ökonomie und unserer wahnsinnigen Wohlstandsvorstellung zunichte machen, dies nicht einmal zur Kenntnis nehmen wollen.

Gruß Friedemann

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