skylord am 11.10.2009 um 3:29 Uhr
Seit Wochen habe ich heftige Diskussionen mit einer Freundin, die bis vor drei Jahren noch vogearbeitet hat. Dann verlor durch Krebs ihren Unterkieferknochen und kann sich nur noch mit flüssiger Nahrung und durch eine Magensonde ernähren. Sie ist im Gesicht entsprechend entstellt und verlässt nur noch selten ihre Wohnung. Sie liegt die meiste Zeit im Bett, weil sie keine Energie hat. Sie hat alles verloren, Beruf, Erspartes hat nur eine kleine Rente und bekommt zusätzlich Sozialhilfe. Seit dem der Ärger auf die Hartz IV-Empfänger zunimmt, fühlt sie sich sich total wertlos und meint, sie koste der Gesellschaft ja nur noch Geld. Sie möchte auch fast niemanden mehr sehen Jetzt will das Sozialamt, dass sie umzieht, weil die Wohnung, in der sie seit 25 Jahren wohnt, 80,- mtl. zu teuer ist. Nun will sie Ernst machen und die Magensonde entfernen lassen. Ihr Argument: durch einen Umzug verlöre sie ihr sozialen Umfeld, die "letzten möglichen freundlichen Gesichter und freundlichen Worte", die sie noch erwarten könne, wenn sie die Wohnung verl.. Nach einem Umzug sei ihr Mut, die Wohnung zu verlassen, ganz dahin. Außerdem wäre das in der Natur eine ganz normale Folge ihrer Erkrankung. Das Klima gegen Empfänger von Sozialleistungen. Die Ernährung durch die Magensonde sei eine Qual. Ich habe Verständnis, möchte sie aber nicht verlieren. Was meint Ihr, wäre das Selbstmord ? Sie sagt nein !
Deine Frage sollte für alle Zeit auf der GF-Startseite stehen, damit die ganzen Vollidioten mal raffen, wenn sie treffen, wenn Sie auf Hartz4-Empfänger schimpfen. Selbstverständlich ist es Selbstmord. Sie muss nicht unbedingt umziehen. Sie sollten sich mit ihrem Fall an einen Fachanwalt für Sozialrecht wenden. Evtl. kannst Du das für sie tun. Und dann werden wir sehen, wie sozial Deutschland noch ist. Sie wird nicht umziehen müssen.

diese frage kann niemand beantworten. alles, was wir tun können, ist, unsere sichtweise der dinge darzulegen. und, was soll ich sagen: deine freundin hat nichts mehr. sie hat ihre wohnung verloren, ihr umfeld, ihren job, ihre sicherheit, ihr aussehen. aber: sie hat dich. und ich bin mir sicher, dass sie noch ein paar andere leute hat.
also: es gilt, ihr die freude am leben zu zeigen.
aber wenn sie das nicht will, dann ist und bleibt es ihre entscheidung. wenn sie nicht mehr leben will, dann ist das ihre sache. du kannst nur bis zu einem gewissen punkt einfluss nehmen. wenn der überschritten ist, dann hat sie das Sagen. Und dann darfst du dich aber auch nicht schuldig fühlen. Denn du bist für eine lange Zeit der Lichtblick in ihrem Leben gewesen.
Ein weiser Mensch meinte einmal, dass das Leben aus Abschieden besteht. Deshalb sollte man jeden Tag genießen, den man mit einem Mensch hat. Vielleicht war es das jetzt für sie. Aber sei ihr nicht böse. Es ist ihr Wille. Und du kannst im Endeffekt nichts dagegen machen... Alles Gute!
Pianoman81 am 11. Oktober 2009 03:59 nachsatz... begleite sie auf dem letzten weg und sei stolz!
skylord am 11. Oktober 2009 04:10 Danke Dir sehr, mir wird immer klarer, wie ich mich verhalten sollte. Ich denke, ich schlage ihr noch den gemeinsamen Kampf um die Wohnsituation vor. Wenn das nicht klappt, ist es dann wohl ihre Entscheidung. Hört sich hart an, aber sie muss ihre Entscheidungsgewalt behalten. Da hast Du recht.
Pianoman81 am 11. Oktober 2009 04:15 richtig, sie hat zu entscheiden... aber ich gebe zu bedenken, dass bei positiver wohnsitutation sich das blatt wendet. denn dann sind wieder aspekte da, die ihr leben lebenswert machen. meine antwort war in gewissen dingen zu vorschnell. denn, wenn sie in der jetzigen wohnung noch leben will, ich meine, LEBEN will, dann sollte man das auch woanders schaffen. bitte gib nicht auf!
skylord am 11. Oktober 2009 05:08 Ja, ich fühle mich durch die vielen Antworten recht gestärkt, mit ihr auch den Kampf noch anzugehen. Es waren nur schon so viele Kämpfe und auch meine Nerven scheuern sich langsam blank. Es war auch keine einfache Entscheidung, die Frage zu stellen, aber auch ich brauche Unterstützung. Tut guuut und gibt Kraft.

Als erstes möchte ich dir mein beileid für diese Person aussprechen :( traurig so etwas zu hören
Warscheinlich ist es aber im endeffekt ihre entscheidung, du kannst ihr vielleicht um sie zu überzeugen nur die positiven seiten dieser Magensonde aufzählen..
hoffe ich konnte irgendwie helfen
skylord am 11. Oktober 2009 04:02 ja, denn ich find es gut wenn ich nicht die einzige bin, die irgendwie doch Verständnis hat.
ja - oberflächlich sieht es so aus - als würde SIE - tschüß sagen wollen - jedoch - im unterbewußtsein - sollte sie sich mal auf den kurzen weg machen - in eine überlegung zu tauchen die da hieße - TOTALER NEUANFANG !! diese aufgabe - soll sie übernehmen mit MUT mit LUßT und mit ZUVERSICHT !! ich weiß - worüber ich reden - denn auch ICH - habe durch ein BASALION ( weißer hautkrebs ) ein teil meiner nase verloren !! nach meiner meinung - solltest du nicht mehr am umdenken zweifeln - du gehst keinem zur last - du bist - das , was DU bist - eine frau !! na schön - mit nem fehler - wie ich im gesicht! ABER DENNOCH - ZEIG ES DIR SELBST - DAS DU ES SCHAFFST - LAß DIE SONDE NOCH DRINN OK !!!!
sie ist einfach am Ende ihrer Kräfte. Was sie braucht sind Freudne die ihr nicht nur mit Rat, sondern auch mit Tat bereit stehen. Das betrifft sowohl die Situation mit den Behörden, als auch hinsichtlich der Möglichkeiten zur Wiederherstellung des Gesichts. Wenn sie geheilt ist, müßte es auch jeden Fall medizinische Möglichkeiten geben, das Gesicht durch plastische Chirurgie wieder einigermaßen herzustellen. Nur: Die Krankenkassen werden sich weigern die Kosten zu tragen. ber es gibt sicher Stiftungen, Wohlfahrtsverbände, Interessengemeinschaften, die solche Op`s finanzieren. Es hilft nix: Da müssen die Medien involviert werden, die sich dafür stark machen. Auf keinen Fall aufgeben - sie hat ein verfassungsmäßiges Recht auf ein anständiges Leben - aber dafür muss man kämpfen. Und da sie selbst kaum dazu in der Lage sein wird, müsst eben ihr mit ran und auch ihre Angehörigen. Film Funk Fernsehen Promis einspannen, den Fall publik machen und die Öffentlichkeit dafür sensibilisieren, SPendenkonto einrichten - um Gelder für die OP dort zu sammeln. Es gibt viele Möglichkeiten ihr zu helfen. Die denkbar schlechteste ist aufgeben und den Bürokraten in Krankenkassen und Behörden einen Sieg gönne, denn das sind fast alles nur Beamte - die denken zuallererst immer nur an die eigene Sicherheit und den Wohlstand. Dafür dienen denen die Arbeiter als Sklaven und Finanzier - aber eben nur solange wie ihr das zulasst. Ihr solltet also zuerst Fachäzte konsultieren, und die Möglichkeiten einer OP ausloten. Gleichzeitig der Krankenkasse ordentlich Druck unterm Kessel machen - für die gibts nix schlimmeres als aus ihrer Verwaltungslethargie aufgerüttelt zu werden.... Nutzt die örtlichen Printmedien - spannt sie für eure Zwecke ein. Zicken die - wofür gibts Bild und TV. Ihr müsst sie ständig begleiten und auch zuerst die Sache mit der Wohnsituation klären.
Das hört sich wirklich sehr schlimm an und ich kann es nachvollziehen, wie es ist sich als "Abschaum der Gesellschaft" zu fühlen. Wie es rechtlich ist, weiß ich nicht. Aber ich denke man sollte da wirklich mit einem Anwalt etwas tun! Denn das ist ja keine "Faulheit", sondern ein ernster Fall, weshalb sie nicht arbeitet und das ist nochmal etwas anderes. Ich habe mich das auch schon gefragt, ab wann etwas als Suizid angesehen wird. Ich dachte es gibt jetzt Patientenverfügungen? Im nachhinein muss sie wissen, was besser ist. Aber moralisch ist das meist nicht so das Wahre. Mein Dad hat sich vor 9 Jahren auch umgebracht. Er hatte Krebs und wäre sowieso gestorben. Das ist genauso für mich. Denn was soll man da denken? Besser, schlechter oder war es eh egal?
skylord am 11. Oktober 2009 04:26 Ja, das ist auch ein Problem. Ihr wünsche ich die Freiheit, aber ich bin da auch egoistisch und möchte damit nicht zurück bleiben. Denn die Zurückbleibenden wie die Familie oder auch ich als Freund müssen ja auch leiden.
skylord am 11. Oktober 2009 04:58 Das mit Deinem Dad tut mir für Dich und Deine family leid, aber wenn er sehr gelitten hat, solltest Du Dich vielleicht besser fühlen, als zusehen zu müssen, dass ein love one zu sehr leiden muss. Alles Gute, trauere nicht mehr, er hat es bestimmt jetzt besser. Ich finde es übrigens toll, dass Du mir als "Betroffene/r geantwortet hast. Danke

Skylord...ich würde dir raten, hör auf mit ihr zu diskutiern. Es kostet ihr Kraft und dir tut es weh. Lass sie mit dir über ihre Ängste reden, wie sie sich das vorstellt, was sie sich dabei denkt, wie sie sich fühlt. Redet offen darüber...sollte es so sein das sie keine Hoffnung mehr hat und nicht mehr kann wirst du ihr damit mehr helfen als mit jeder standpauke. Und vielleicht erkennst du und sie durch die offenen gespräche das sie das gar nicht wirklich will...sie nur nicht mehr weiter weiß. "Ich will sterben" ist schnell gesagt, aber darüber zu sprechen wie das aussehen kann, wie der prozess ist, ist dann noch einmal etwas ganz anderes. Versuche nicht sie zu überrede oder ihr reinzureden...du verschwendest damit nur eure gemeinsame zeit.
Alles alles liebe!!!
skylord am 11. Oktober 2009 04:21 Ja, wir reden schon lange darüber. Leider kommen die meisten Hürden, wie der -hoffentlich zu verhindernde- Umzug von Außen, die sie dazu veranlassen, wieder das Thema aufzunehmen.

Es ist wirklich sehr schwierig, dazu überhaupt etwas zu sagen. Ich begreife deine Freundin auch sehr gut, dass ihr das Leben verleidet ist. Das ist wirklich kaum mehr Leben zu nennen, was sie noch hat. Aber wenn sie entschlossen ist, dieses Leben zu beenden, würde ich das als Erlösung für sie sehen. Aber die Entscheidung liegt bei ihr allein. Ich bin in Gedanken bei ihr!
skylord am 11. Oktober 2009 04:08 Danke, ich merke gerade, dass die ganzen Antworten auch mir sehr gut tun. Ich überlege, ob ich ihr nicht die Antworten beim nächsten Treffen zeige. Ich bin mir aber nicht sicher.
1hoss43 am 11. Oktober 2009 04:15 Doch, ich denke, Du solltest ihr die Antworten zeigen, damit sie sieht, daß sie selbst wildfremden Leuten nicht egal ist und nicht alle gegen die Hartzler schimpfen!
badguysimon am 11. Oktober 2009 04:29 DH für 1hoss43 !!!!!
skylord am 11. Oktober 2009 04:52 Habe ich leider nicht verstanden
skylord am 11. Oktober 2009 04:55 Ja, als Lesendem erscheint mir die Situation jetzt in einem etwas anderen Licht, da auch ich jetzt erstmalig Meinungen von Außen lesen kann. Die Erfahrung muss sie auch machen, vielleicht bekommt sie ja dadurch neue Kraft!

Schwieriges Thema. Sie würde es jedenfals drauf anlegen zu sterben. Weiß gar nicht ob ihr ein Arzt das Ding einfach entfernen kann ohne dann Beihilfe zu leisten??? Ich kann deine Freundin auch verstehen und letztendlcih muss sie das ganz alleine entscheiden. Wichtig ist (und das muss ihr auch klar sein) das sie dann NIEMANDEN mehr sehen darf wenn das ding raus ist (fals sie sich das ding selbst zieht, denn sonst ist es unterlassene hilfeleistung wenn es ihr schlecht geht. Ausserdem wird das ein recht grausamer tot und dauert sehr lang. Kann sie denn gar nicht mehr schlucken? Hat sie die Sonde durch die Bauchdecke?
Vermutlich führt die Magensonde über die Nase. Die könnte sie jederzeit selbst entfernen. Verhungern ist aber keine angenehme Art zu sterben.
nesajule am 11. Oktober 2009 03:59 Ich denke eher das sie eine PEG also durch die Bauchdecke hat und die kann man nicht so einfach selbst entfernen.
skylord am 11. Oktober 2009 04:04 Ja, sie hat eine sog. PEG. Sie war früher oft auf Fastenwanderungen und meint, es sei eine sehr gnädige Sache. Ich finde nur, es ist auch eine sehr einsame Sache und kann mir garnicht vorstellen, sie dann nicht zu besuchen.
nesajule am 11. Oktober 2009 04:08 Fasten ist aber noch einmal etwas ganz anderes als zu verhungern...googelt doch mal zusammen darüber. Begleite sie bis zum Pforte, wenn du glück hast kommt sie wieder mit dir zurück, aber wenn nicht lass sie gehen...sonst schaffst du es selbst nicht wieder zurück!
nun, nicht alle harz4ler haben dieses schicksal!!! ich kann nur inständig hoffen, das du recht behältst und der umzug nicht gemacht werden muss !!
Wenn die Frau nur noch etwas Kampfgeist hat und jemanden, der sie unterstützt, wie der Fragesteller möglicherweise, braucht sie nicht umzuziehen!
Richtig, denn der Umzug wäre für die Frau ein sozialer Härtefall und sie kann gegen die Umzugsaufforderung angehen! Ausserdem sollte sie die Arge auffordern, eine Rentabilitätsrechnung des Umzugs zu machen, da die Arge sämtliche Umzugskosten tragen müßte!!
die arge wird argumentieren, das es sich auf JAHRE hinaus für sie rechnet denke ich! aber es wäre eine sauerei, wenn es dazu kommen sollte!
Nein, bei einer Rentabilitätsrechnung müssen sich die Umzugskosten spätestens nach 2 Jahren durch die Einsparung bei der Miete wieder amortisiert haben! Allerdings zieht hier schon der soziale Härtefall!
Es ist nicht die Arge, sondern (leider oder gottseidank?) das Sozialamt zuständig. Der Sachbearbeiter will, dass sie eine positive Perspektive in der Hinsicht darlegt, das es sich für das Sozialamt rechnet, sie dort wohnen zu lassen. Danke für die angeregte Diskussion. Die Situation erscheint mir, wenn ich das alles lese, also als Lesender so unwirklich. Ist es nur leider nicht. Sie heult sich die Augen aus, weil sie ja gern selbst eine positive Perpektive hätte. Aber ihre positive Perspektive wäre für das Amt negativ! Ist das nicht irre?
Hat Deine Freundin einen Schwerbehindertenausweis mit dem Merkzeichen "G"? Wurde dieser dem Sozialamt vorgelegt?
ja, 100 %. Das die Schwerbehindertenbehörde wurde vor 1 Jahr unter die Fittiche des Sozialamtes gestellt, also die SB sitzen Tür an Tür
Wäre es Deiner Freundin im Notfall möglich, die 80,-€ Mehrkosten für die Wohnung selbst zu tragen oder irgendwie aufzubringen?
Ja GB 100 %= mit Begleitperson, da man ihr den Wadenknochen entnommen hat, da ist sie recht wackelig auf den Beinen
Deine Empörung tut selbst mir als Freundin gut, da fühle ich mich mit meiner Ansicht nicht so allein. Ich hoffe, ich kann ihr diese Empörung irgendwie vermitteln. Gruß Skylord
Sieh lieber zu, daß Deine Freundin noch etwas Kampfgeist entwickelt und gegen die Umzugsaufforderung angeht!
Ja, das wird mir durch die Antorten auch immer klarer. Es ist leider nur ein Kampf unter vielen anderen, die schon gewonnen wurden. Es ist eine verdammt vertrackte Sache und viel wird einfach so am Schreibtisch, fernab der Realität entschieden.
>>>und viel wird einfach so am Schreibtisch, fernab der Realität entschieden.<<<
Dann wird es höchste Zeit, daß man den Sesselfurzern die Realität wieder mal etwas näher bringt!
@ Hoss: DH! Es wird Zeit das man den Sesselfurzern den Sessel auf den Kopf schlägt. Dann hat es sich ausgefurzt:-))
:))