Frage von freiwildfan1, 61

Eine Frage zur hilfeleistung bzw.Zum Hilfeleistungsrecht/zur Hilfeleistungspflicht?

Guten Abend, in letzter Zeit habe ich ab und an mal davon gehört, dass Menschen sich in eine angebliche Notlage (vorgetäuschte verletzungen/vorgetäuschter unfall) am Straßenrand begeben, um anderen Menschen, die dann anhalten und helfen wollen dass Auto zu stehlen bzw. Sie ausrauben. Jetzt ist meine Frage, angenommen man kommt in eine Situation, in der wie oben berichtet ein Mensch scheinbar verletzt am Boden liegt, zählt es dann zu unterlassener Hilfeleistung, wenn ich mit meinem Pkw in ein paar Metern Abstand die situation beurteile, und mich dann dazu entscheide im Auto sitzen zu bleiben (die meisten neuen Autos sind ja verschlossen nach fahrtbeginn) und von dort den Notruf absetze, und nicht aussteige ? ( natürlich alles nach deutschem recht). Freundliche Grüße

Expertenantwort
von machhehniker, Community-Experte für Auto, 27

Vor der Pflicht Hilfe leisten zu müssen ist der Eigenschutz, also um es zu veranschaulichen ist man nicht verpflichtet in ein brennendes Haus das am Einstürzen ist zu gehen um da Jemanden rauszuholen.

In der von Dir beschriebenen Situation wäre es auch keine unterlassene Hilfeleistung wenn Du einfach daran vorbeifährst und bei der nächsten Möglichkeit Hilfe anforderst.

Natürlich kann dies in einer Gratwanderung ausarten und uU macht man sich ein Leben lang Vorwürfe wenn man Hilfe erst etwas später holt und Die zu spät kommt. Ich denke mal dass die von Dir vorgeschlagene Methode ein gut annehmbarer Kompromiss ist.

Antwort
von TobiQu97, 37

Guten Abend,
Selbstverständlich geht dein Eigenschutz vor! Wenn du nicht ausschließen kannst, dass dir etwas passiert, musst du nicht aussteigen. In solch einem Fall musst du aber mindestens den Notruf absetzen! Dies reicht schon. Ich hoffe ich konnte dir helfen :) Lg Tobi

Antwort
von hameder, 17

§323c, StGB sieht einen strafbefreienden Grund für die "unterlassene Hilfeleistung" in einer erheblichen Eigengefahr.

Beliebte aber unbrauchbare Ausreden sind:

"Ich hatte Angst, dass der Unfall fingiert ist"

"Fälle" wie "da hat Einer sein Auto auf´s Dach geschmissen, sich daneben gelegt, sich mit Ketchup übergossen und dann auf vergewaltigbare Ersthelferinnen gewartet..." finden sich ausschließlich in der Zeitung mit den großen Buchstaben...

Desweiteren verpflichtet der §323c zu einer "zumutbaren" Hilfeleistung.
"ich wusste nicht was zu tun ist und habe daher nur den Notruf gewählt"

Eine Kenntnis der Maßnahmen der Ersten Hilfe ist Grundlage für die Erteilung einer Fahrerlaubnis (§19, FeV). Weiß ein Autofahrer also nicht mehr wie ein Schock, eine Bewußtlosigkeit oder ein Kreislaufstillstand zu erkennen und zu behandeln ist, ist er auch nicht mehr berechtigt am Verkehr mit Kraftfahrzeugen teilzunehmen - was ungeachtet der strafrechtlichen Konsequenz - durchaus zum Entzug der Fahrerlaubnis führen kann.

Einen Notruf abzusetzen ist nebst der Absicherung der Unfallstelle sicher eine der ersten und wichtigsten Maßnahmen. Dann aber "aus nicht näher begründbarer Angst" im Auto sitzen zu bleiben (wie Du schreibst: "Die Situation aus dem Auto heraus  zu ergründen" - also  z.B. die blockierten Atemwege per Ferndiagnose zu erkennen) und zu hoffen, dass der in vieleicht 10 min. eintreffende Rettungsdienst das bis dahin eingetretene Ersticken eines Bewußtlosen wieder rückgängig macht, ist definitiv keine - also eine unterlassene Hilfeleistung mit einem Strafrahmen bis zu einem Jahr Freiheitsstrafe.

Kannst Du also deine (vermutete) "erhebliche Eigengefährdung" nicht stichhaltig darlegen, nimmt der zu erwartende Strafprozess sicher ein böses Ende für dich.

Jedes Jahr sterben einige tausende Menschen alleine bei Verkehrsunfällen. Aus meiner rund 36-jährigen Erfahrung in der Notfallrettung sterben sicher 10% daran, dass der potentielle Ersthelfer "Angst davor hatte, irgendetwas falsch zu machen"...

Das wirksamste Mittel gegen Angst ist Wissen.
Besuche einen Erste-Hilfe-Kurs.
Nur so bleibst Du auf dem Laufenden...

Antwort
von gri1su, 19

Schon alleine durch die Tatsache, dass du Hilfe anforderst, ist der Vorwurf einer unterlassenen Hilfeleistung nicht mehr haltbar.

Hilfe leisten sollte man in jedem Fall - im Rahmen der eigenen Möglichkeiten. Dabei muß (und sollte) man sich selbst nicht in Gefahr bringen - das wäre falsches Heldentum. Eigenschutz ist eben nicht unwichtig.

Antwort
von konzato1, 26

Ich würde nicht anders reagieren, wenn ich allein wäre.

Bei einem echten Unfall würde ich helfen, aber wenn "nur jemand so am Strassenrand liegt", wäre ich sehr vorsichtig.

Meiner Meinung nach ist das auch keine unterlassene Hilfeleistung, denn als erstes gilt immer noch die eigene Sicherung. Kein Mensch muß sich in Lebensgefahr begeben.

Antwort
von Still, 12

Ich beurteile es als eher Lebensfremd, bei einer verletzten Person von einer Falle auszugehen. Ich wünsche dir von Herzen, dass du nicht an solche Oberbedenkenträger gerätst, wenn du mal Hilfe brauchst!

Antwort
von kubamax, 18

Ich würde grundsätzlich niemanden helfen. Ich bin extrem misstrauisch auf alles und allem und gegen das Fremde.

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