Ein Fall für RTLII, Sportcheck will meine Schuhe nicht umtauschen sondern zukleben?

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4 Antworten

Hi Crosshair,

also ich versuche dir mal die Rechtslage meiner Auffassung nach nahezulegen.

Bei deinem Fall scheint es sich m.E. sehr wohl um einen Sachmangel zu handeln, ich unterstelle das jetzt aber für den Fall, dass es evtl. doch nicht ist. Deiner Beschreibung nach sollte es jedoch ein Sachmangel sein.

In diesem Fall ist es eine einfache Gewährleistungsrechtsfrage. Vorrangig besteht immer erst einmal ein Anspruch auf Nacherfüllung (§§ 439 I, 437 Nr. 1, 434, 433 BGB).

Solltest du beabsichtigen vom Kauf zurückzutreten oder etwa Schadensersatz statt der Leistung geltend zu machen, so sollte dringend eine Frist zur Nacherfüllung gesetzt werden um die an anderer Stelle erwähnte Behauptung, dass der Verkäufer 2 oder 3 mal nacherfüllen dürfte, auszuhebeln. Diese ist nämlich streng genommen falsch und missachtet die Gesetzessystematik des Gewährleistungsrechts. Lediglich wenn man "fehlerhaft" vorgeht kann es dazu kommen.

Aus dem Wortlaut des § 439 I BGB ergibt sich bereits, dass der Käufer das Wahlrecht hat Nachlieferung (neue Sache) oder Nachbesserung (Reparatur) zu verlangen. Der Verkäufer hat hierauf nur sehr geringen Einfluss.

Dieser Einfluss findet seinen Niederschlag in § 439 III BGB. Hiernach kann der Verkäufer die vom Käufer gewählte Art der Nacherfüllung (folgend NE) verweigern, wenn eine sog. relative Unverhältnismäßigkeit vorliegt. Eine solche ist i.d.R. dann gegeben, wenn die vom Käufer gewählte Art der NE im Verhältnis zur anderen Art der NE dessen NE-Kosten um 25% übersteigt (Andere Auffassung vertretbar).

Das bedeutet auf deinen Fall angewendet:

NE-Kosten für neue Sache = Kosten der neuen Sache [Einkaufspreis!] - Restwert der mangelhaften Sache [Restwert deiner Schuhe] = X Euro

NE-Kosten der Reparatur = Reparaturkosten [vermutlich wenig in deinem Fall] = X Euro

Es kommen weitere Faktoren hinzu, z.B. muss auf die andere Art der NE [Hier: Reparatur] zurückgegriffen werden können, ohne dass dem käufer dadurch erhebliche Nachteile entstehen. Sollte die Reparatur über das kleben also auch objektiv eine eher mäßige Hilfe darstellen, weil die Schuhe in 3 Monaten sicher wieder kaputt gehen, so wäre das zu berücksichtigen. Ohnehin treten solche Nachteile eigentlich nur bei Reparaturen auf.

Ich kann das hier nicht abschließend bewerten, habe jedoch das Gefühl, dass in deinem Fall eine relative Unverhältnismäßigkeit vorliegen könnte. Ich kann diese Nachteile nicht bewerten. In diesem Fall könnte der Verkäufer dich wirklich auf das kleben verweisen.

Jeder trägt die Beweislast für die ihm günstige Norm, d.h. der Verkäufer müsste die relative Unverhältnismäßigkeit beweisen. Auch das dürfte eher leicht Fallen in deinem Fall. Ich fürchte daher leider, dass du nicht erfolgreich neue Schuhe verlangen kannst.

Alles was du tun kannst ist auf deinem Wahlrecht zu beharren (wörtlich § 439 I BGB) und wenn der Verkäufer das ablehnt, dann einen Nachweis für die Unverhältnismäßigkeit zu verlangen.

Viel Erfolg & viele Grüße, JS

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Du kannst nicht auf Umtausch bestehen. So wie es auf mich wirkt, ist das eine reine Kulanzleistung von Sportscheck, deine Schuhe zu kleben. Das ist auch das, was gesetzlich verankert ist: Nachbesserung. Allerdings auch nur in dem Falle, dass der Mangel nicht selbst verursacht worden ist. Schuhsohlen sind nunmal ein Verschleißteil, auch wenn es ärgerlich ist bei dem Kaufpreis!

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Kommentar von Crosshair
24.09.2016, 01:51

Ach, aber so oft werden die Schuhe umgetauscht, andere Läden nehmen die ohne zu Fragen fast. Es sind erst 3 Monate vergangen, also ich finde es schon krass, ich meine die Sohle klebt sich von alleine ab. Ich habe mich sicherlich nicht hingesetzt und habe versucht ein Stück Sohle abzureißen, aber ja ich mache intensiv Sport und oft Sport. Ein Paar Sprünge sollten Schuhe schon aushalten, Garantie bedeutet für mich, dass die ganz bleiben müssen 6 Monate lang. Es sind schließlich keine 30 Euro Schuhe, und anscheinend ist diese Sohle anfällig abzugehen, was ja sicherlich nicht bei jedem Schuhtyp von Adidas so ist, blödes Modell vielleicht, sieht schön aus, aber ist Wohl nicht optimal für Sport, ich will die Schuhe echt nicht in 6 Monaten wegschmeißen, andere nicht-Sportschuhe haben 2 Jahre bei mir gehalten und sind immer noch ganz!

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So teure Schuhe reklamiert man doch nicht im Laden.

Die sendet man zum Hersteller und bekommt wohl welche zurück, die teurer sind.

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Kommentar von Crosshair
24.09.2016, 01:53

Echt ja, hast du zufällig schon beim ADIDAS reklamiert und kennst dich aus wo genau man das hinschickt und was man schreibt?

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Hallo,

die Schuhe wurden beim Händler gekauft. Nach drei Monaten ist die vom Hersteller aufgeklebte Sohle abgegangen. Dem Händler wurde der Sachmangel angezeigt. Jetzt hat der Händler das Recht/Pflicht auf Nachbesserung. Erst wenn diese Nachbesserung nicht möglich ist, kann man vom Kaufvertrag zurücktreten. 

Wenn das Verkleben durch den Händler eine übliche Vorgehensweise bei dieser Art Schuhe ist, weil es der Hersteller auch nicht anders machen würde, muss diese Form der Nachbesserung akzeptiert werden.

Allerdings fängt die "Garantie" auf diese Nachbesserung von vorne an.

Der Händler hat sich korrekt verhalten. Er hat es nicht abgelehnt, sondern bemüht sich um Lösung.

Das dies ärgerlich ist kann ich verstehen.

Aber so einen normalen Vorgang als Theater zu bezeichnen tut dem Händler unrecht. Wie gesagt er bemüht sich ja. Der Händler ist ja auch nicht Schuld daran aber verantwortlich. Und er lehnt diese Verantwortung auch nicht ab.

Fehler in der Verarbeitung können passieren, egal wie teuer oder billig etwas war. Nur bei billigen Produkten sieht man leichter darüber hinweg.

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