Ein Coming Out für meine Eltern - wie soll ich es sagen?

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5 Antworten

Rede einfach mit ihnen. Die werden dich bestimmt verstehen :)

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hier die Story, wie es mit meinen Eltern lief:

Also ich habe beschlossen, mich erst bei meiner Mutter zu outen, weil ich zu ihr ein näheres Verhältnis hatte als zu meinem vater. Ich habe mir also vorgenommen, das nächste mal,wenn ich heimfahre sage ich es.

Das war ein wenig blöd, weil ich es dann nicht an einem ruhigen Moment gesagt habe sondern (weil ich mich vorher nicht getraut habe), kurz bevor ich wieder weg musste. ICh hätte es besser dann an dem Tag nicht mehr gesagt.

Jedenfalls hab ich dann gesagt. "Du Mama, ich glaub ich bin homosexuell" und sie hat dann gesagt "Das glaube ich nicht, das ist sicher nur so eine Phase" (naja, ich war da schon 22!) Leider war dann wenig Zeit drüber zu reden. Am Telefon habe ich später gesagt, dass ich schon lang den Gedanken habe und mir schon recht sicher bin, und sie hat da auch schon begonnen sich mit dem Gedanken auseinanderzusetzen.

Wahrscheinlich hätte ich nicht sagen sollen "Ich glaub ich bin homosexuell", sondern, "Mama, ich bin homosexuell und das weiß ich schon ein paar Jahre, aber ich habe leider noch keinen Moment gefunden es zu sagen, und es tut mir leid, dass ich es jetzt erst sage", aber so klang es halt schon recht unsicher von mir.

Ich glaube es hat ihr geholfen, dass ich gesagt habe "Ich hatte 7 Jahre, mich an den Gedanken zu gewöhnen, nimm dir auch die Zeit dazu." Später hat sie nur mal gefragt, ob da nicht doch eine Chance wäre, dass es sich ändert und ich vielleicht Kinder kriege. Aber mittlerweile hat sie es akzeptiert.

Nun, dann hat sie mal gefragt: "Weiß es Papa schon?" und wir haben dann überlegt, wie ich es meinem Papa sage. Das sollte dann an den Feiertagen im nach Weihnachten sein, wenn genug Zeit ist und ich hab schon ein paar Tage vorher gesagt, ich muss dir was wichtiges über mich sagen und ihn ein wenig eingestimmt. Wir waren dann spazieren und ich hab als erstes gefragt, ob er eine Ahnung hat, worum es gehen könnte. "Irgendwas wegen dem Studium? Nein, keine Ahnung." Na, dann habe ich gesagt, dass ich schwul bin und ihm das gern sagen wollte." Seine erste Reaktion war nicht so toll: "Ich habe einige Freunde, die homosexuell sind, und bei denen ist mir das egal, aber in der eigenen Familie ist es schon eine Katastrophe". Uiuiui. Ich war aber gefestigt genug um zu fragen, warum. Ja, weil er Enkel will und was sollen die Verwandten denken? Wir haben dann beschlossen, dass wir es seiner Mutter und den anderen Verwandten nicht sagen.

Einige Tage lang haben wir gar nicht mehr darüber geredet, und beim nächsten Mal als wir darüber geredet haben, hat er gesagt. "Was soll man machen, das muss man akzeptieren, man kann es ja nicht ändern. Bist ja noch der gleiche, nur ein Aspekt ist anders, ich mache mir halt auch Sorgen, dass du es schwer haben wirst." Und ich habe gesagt."Nein, ich habe es nicht schwer. Alle haben es bisher gut verstanden, und ich bin glücklich damit". Und dann hat er gesagt, "man will ja vor allem eines nicht, dass der eingene Sohn unglücklich ist."  Und damit war es quasi geklärt und gut. Jetzt haben wir ein viel besseres Verhältnis als vorher, weil ich gesehen habe, seine Ablehnung war v. a. aus Sorge um mich. Und er mag auch meinen Freund.

Irgendwann hat meine Mutter es dann mal meiner Tante erzählt. Und die hat nur gesagt: "Hast du es gut, wenn das die einzigen Probleme in eurer Familie sind." (und meinte wohl eher, dass es kein Problem ist).

meine Oma meinte irgendwann mal als wir sie besucht haben, "Der Patrick Lindner, der ist ja auch schwul." und hat zu mir geschaut. Ich hab dann nur gesagt. "Ja, und der ist ja auch glücklich." Wir haben vorher und hinterher nie etwas zu ihr zu dem Thema gesagt.

Die Mutter von meinem Freund hat sein Outing kommentiert mit "Du bist doch mein Sohn". Also, nie irgendein Problem gehabt, auch mit mir nicht, da war ich einfach immer zuhause, hab sie mitgepflegt und so, mittlerweile ist sie tot. Sie hat aber immer zu ihrem Sohn gehalten, hat sehr an ihm gehangen, ihm aber auch allen Freiraum gelassen.

Der Vater von meinem Freund hat zu seinem Outing gesagt "Ach, bist du auch so ein Wowereit." Seine Schwester hat gesagt "ist doch egal, kann doch jeder leben wie er will."

Ich hoffe, du kannst findest meine Erfahrungen interessant oder hilfreich. Natürlich ist es überall anders, und mittlerweile ist das Thema in der Gesellschaft auch noch besser akzeptiert.

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Du kannst mit ihnen reden oder ihnen einen Brief schreiben. Deine Eltern werden vielleicht erst mal etwas geschockt sein aber später werden sie es sicher akzeptieren :)

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Was hat das Ritzen mit dem Bi sein zu tun?

Wieso ritzt man sich überhaupt?

Fürs richtige Outing gibts sehr viel Tips von Beratungststellen, einfach mal im Netz surfen. Auch gibt es viele Youtuber die über ihre Erfahrungen berichten.

Schlussendlich ist es nix schlimmes Bi zu sein, eher im Gegenteil. Du hast theoretisch eine doppelt so große Auswahl an potentiellen Partnern als hetero- oder homosexuelle Menschen.

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Kommentar von CrocoBaby
13.03.2016, 13:43

Jeder hat einen anderen Grund zum ritzen

Trotzdem danke :)

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Einfach raus damit, lange darum herum zureden bringt keinem was.

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