Frage von beattice, 75

Eigener kleiner Stall in Planung?

Hey liebe Community,
Ich hab eine Frage an alle die sich mit Ställen auskennen.
Meine Familie und die Familie meiner besten Freundin haben sich überlegt einen eigenen stall zu gründen bzw. zu pachten. Nicht großes ein paddock für c.a. 5 Pferde. 2 von uns 2 von meiner besten Freundin. Und noch einen einsteller. Uns nervt des ständige geläster an jedem stall, und die fütterungszeiten sind auch nicht optimal, entweder mein Pferd wird richtig dick oder zu dünn. Es sind alles Islandpferde. Jetzt gibt es so viel worüber man nachdenken muss, die Kosten, jemand der uns Heu verkauft, jemand der den Mist wegfährt, morgens muss man da sein und abends, oder muss man nochmal hin am Tag? Habt ihr noch einen zusätzlichen Stallburschen oder schafft man das auch zu 4t? Mit wieviel kosten im Monat muss man dann c.a. Rechnen wenn man sich des teilt? Würde mich über hilfreiche antworten freuen.

Antwort
von beglo1705, 32

Also, fangen wir mal an:

Pachten kann man das natürlich, ist aber die teuerste Variante um einen eigenen Stall zu führen, an der verdient nur der Verpächter. Man bezahlt viel und gehören tut einem nix auf deutsch gesagt.

Kaufen ist da so gesehen die bessere Option, gerade wenn man mehrere Personen ist und das alles vertraglich geregelt hat.

Heu und Stroh (qualitativ hochwertig) kann man bei Landwirten in der Umgebung teils recht günstig erhalten, ansonsten bieten sich Heu- u. Strohhändler an, in Landwirtschaftlichen Fachzeitschriften kann man auch mal blättern.

Im Normalfall nimmt der Landwirt auch den Mist, von dem man Heu und Stroh bezieht, denn der kann das gut brauchen für seine Felder.

Einen Stallburschen habe ich nicht, aber auf jeden Fall 2 versierte Bereiter, die für mich einspringen und den Hof komplett führen können, sollte ich mal Urlaub machen oder krank sein.

Soweit mal zu deinen Fragen.

Nun zu meinen Erfahrungswerten:

ohne Traktorführerschein und eben so eine Gerätschaft geht´s nicht, auch nicht zu viert. Wie wollt ihr Heu und Stroh verräumen? Wollt ihr Reitplatz/Koppeln/Halle was auch immer mit der Hand misten/abziehen und belüften? Da wird aus dem Traum schnell ein Albtraum.

Wenn andere Personen sich beteiligen, nur über einen schriftlichen Vertrag in dem alles geregelt ist. Wer schreibt der bleibt und grad wenn´s um´s Geld geht und die zu entrichtende Arbeitsleistung entsteht schneller Streit, als man schauen kann.

Habt ihr Ahnung von der Landwirtschaft, also wie eine gesunde Weide aussieht, was drauf wachsen sollte und was nicht (grad bei den leichtfuttrigen Isländern ein Thema)? Wie man Unkraut loswird, ohne dass die Koppel im Eimer ist? 

Habt ihr euch mal Gedanken über den Auslauf gemacht? Paddock, hm Sparversion in meinen Augen. Pferde/Ponies benötigen irgendwo 0,5 bis 1,0ha je Tier um sich wohl zu fühlen und sich auch mal aus dem Weg zu gehen.

Eine Kalkulation hierzu gibt es nicht, da keiner weiß, was ihr umbauen/bauen wollt. Aus eigener Erfahrung beim Pferdestallbauen: nach oben keine Grenzen.

Kommentar von beattice ,

Okay vielen Dank, du hast sehr viele Punkte erwähnt die man gut durchdenken muss. Das wird bestimmt ein langzeitprojekt (1-2 Jahre :))

Antwort
von Arashi01, 25

Um den Pferden einen Idealen Lebensraum zu schaffen, würde ich einen Offenstall mit befestigtem Auslauf und Zugang zu den Koppeln empfehlen.

Wenn Ihr 5 Pferde plant, rechnet ruhig einen sechsten Platz mit ein. Es gibt immer wieder Situationen (Krankes Pferd, Fohlen) in denen man umdisponieren muss.

Seht dass Futterlager leicht zugänglich ist, die Arbeitswege kurz sind und das Wasser nicht eingefrieren kann (heizbare Tränke).

Bewährt haben sich bei uns auch Lamellen vor dem Tor (Fliegenschutz).

Informiert Euch gut, wie es Mistentsorgung ist. Man braucht eine betonierte Bodenplatte wegen dem Grundwasser. In Wasserschutzgebieten ist ein Misthaufen manchmal verboten.

Die beste Erfahrung habe ich mit Sägemehl als Einstreu gemacht. Das ist geruchsbindend, preisgünstig und der Misthaufen hält sich in Grenzen.

Und macht von Anfang an klar wer wann Stalldienst hat. Da ist schon manche Stallgemeinschaft im Streit auseinander gegangen ...

Kommentar von beattice ,

Okay danke für die Antwort. Ich werde eine Liste mit den Sachen machen die du jetzt erwähnt hast und alles nacheinander abarbeiten :)

Expertenantwort
von Heklamari, Community-Experte für Pferde, 20

Du hast sehr fundierte Anregungen bekommen, die ich nur unterstützen kann.

Ich hab inzwischen kaum noch einstreu nötig, da die freßplätze und der unterstand mit Gummi matten ausgelegt sind. Und alles leichtes Gefälle hat.

SUPER PRAKTISCH !!!

Und empfehlenswert!

Viel Erfolg.

Kommentar von beattice ,

Super vielen Dank, des mit den Gummimatten merk ich mir gleich !:)

Antwort
von Isildur, 21

Hallo,

meine Pferde stehen auch in Eigenregie. Was ins Geld ging waren vor allem die "Startkosten", Zaun setzten, Paddock befestigen, Strom- und Wasserleitungen, Reitplatz befestigen, Stall in Stand setzten und und und. Aufpassen bei dem Mist, den kann man nicht einfach Lagern wie mal lustig ist!

Wir haben keinen Trecker, schleppen und striegeln mache ich mit meinen Pferden, ansonsten kommt ein Lohnunternehmer für die Weidepflege. Bauer ist bei uns in der Nähe, der liefert uns die Rundballen (25€/Ballen). Wir könne immer drei stück auf einmal Lagern, der Rest lagert bei ihm in der Scheune.

Wenn 24/7 Heu zur Verfügung steht und Wasser in ausreichenden Mengen, würde wahrscheinlich auch ein Mal pro Tag hinfahren reichen. Da wir Heu in Portionen füttern, fährt Morgens und Abends jemand hin. Kann u.U. wirklich anstrengend sein, je nachdem was für einen Beruf man ausübt - Misten nach einer 12 Stunden Nachtschicht ist nicht besonders erbaulich.

Zu verit sollte das locker zu schaffen sein. Wenn mehere Personen beteiligt sind, sollte man bednkeen dass es auch schnell einmal zu Streit oder Zwist kommen kann

Kommentar von beattice ,

Danke für deine Antwort! :) hört sich an sich machbar an aber das sollten wir sehr sehr gut überlegen. Man braucht natürlich einen Bauer der da auch mitspielt :)

Antwort
von BlackRaven88, 15

Hallo,

was das Finanzielle angeht, wird es schwer, denn die Preise sind einfach überall individuell! 

* Einstreu: Sägespäne sind hier die für mich beste Variante. Denn sie lassen sich viel einfacher abmisten und sind saugfähiger als Stroh. 

* Weide: bitte unbedingt bedenken, dass so viel Weide zur Verfügung stehen muss, dass man sie mindestens in 3 Teile aufteilen und abwechselnd benutzen kann. Ein Teil auf dem die Pferde stehen, ein Teil, das abgenutzt und frisch gesät wurde und ein Teil, auf dem das Gras gerade am Wachsen ist. Zudem sollte man sehr gute Kenntnisse über Weidepflege haben: welche Pflanzen dürfen dort wachsen, welche sind giftig? Wie wird man Giftpflanzen los, ohne der Weide zu schaden? Wie düngt man eine Weide? Dazu sollte man, wenn man keine eigenen Gerätschaften besitzt, Kontakt zu Landwirten haben die einem die Weide umgraben nachdem sie abgefressen ist. Gerade bei Isländern muss geachtet werden, dass magere Gräser gesät werden und nicht das oft übliche Hochleistungsgras! 

* Wasser und Strom: genau überlegen, wie die Wasser- und Stromversorgung gesichert ist. Es bietet sich an, beheizte Tränken zu installieren. Allerdings geht es bei 5 bis 6 Pferden auch, große Eimer abzufüllen. Grundsätzlich sollten die Tränken 2x am Tag kontrolliert (und ggf nachgefüllt) werden. 

* Paddock/Offenstall: grundsätzlich sollten immer 2 Pferdeboxen zur Verfügung stehen für Krankheitsfälle. Untergrund: es sollte auch bei längerem Regen nicht zu tiefem Matsch kommen! Hier kann vorgebeugt werden durch Paddockplatten, Sand, Holzschnitzel, ... ein Unterstand muss so groß sein, dass die Pferde genug Platz haben - hier eignen sich Sägespäne als Einstreu. Schaut euch mal Pläne von Aktivställen an - sie haben ein gutes Konzept, bei dem sich die Pferde auch genug bewegen müssen. 

* Reitplatz: welcher Untergrund ist geeignet? Soll eine Drainage gelegt werden, sodass er bei jedem Wetter nutzbar ist? Es gibt als Untergrund Sand, Holzschnitzel, ein Gemisch aus beidem, Lederschnitzel (als Luxusvariante) und noch diverse andere... 

* Mistplatz: es gibt 2 Möglichkeiten: entweder eine betonierte (!!) Mistplatte, auf dem man einen Misthaufen lagern kann oder ein Container (sowas nutzen Freunde von mir), hier muss kein zusätzlicher Platz angelegt werden. Außerdem: vorher klären, wohin mit dem Mist. Landwirte fragen, ob sie Interesse daran hätten. 

Heu bekommt ihr von örtlichen Landwirten. Am Besten schon früh nachfragen! Auch benötigt ihr einen regengeschützten und geschlossenen Schuppen zur Lagerung von Heu und Futter. 

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