Frage von Quest4u, 84

Ehe auf der Basis von Verbundenheit und Begehren, aber ohne Liebe?

Ich bin nun seit 14 Jahren mit meiner Frau zusammen und ich habe sie mal über alles geliebt. Allerdings gab es in unserer Beziehung seit 10 Jahren eine gewaltige Abwärtsspirale. Über die Probleme die wir hatten, wollte ich oft mit ihr reden. Sie hat aber immer abgeblockt, weil sie sich jedesmal persönlich angegriffen gefühlt hat. Ich habe das akzeptiert und darauf verzichtet mit ihr über das zu reden was eigentlich sehr wichtig war. Inzwischen hat sich ein Berg von ungelösten Problemen angestaut. Dieser Berg an Problemen hat meine Liebe zu ihr aufgefressen. Es gibt sie einfach nicht mehr. Erst als ich gemerkt habe, dass ich am Nullpunkt angelangt bin, habe ich ihr gebeichtet dass ich so nicht nur nicht weitermachen möchte, sondern auch einfach nicht mehr weitermachen kann. Also ich rede wirklich vom Nullpunkt. Die Liebe ist wirklich wie eine abgebrannte Kerze erloschen und sie war nun einfach aus. Heute weiß ich, dass es ein riesen Fehler war nicht auf diese Gespräche zu bestehen. Im Grunde haben wir beide Fehler gemacht und dann hat wirklich ein langes klärendes Gespräch stattgefunden. Sie hat einen Cut vorgeschlagen, einfach noch mal bei null anfangen. Sie liebt mich immer noch sehr. Das weiß ich. Und sie gibt sich auch wahnsinnig Mühe die Beziehung zu retten. Mein Problem ist aber, dass meine Liebe zu ihr leider erloschen ist, obwohl ich immer noch eine tiefe Verbundenheit zu ihr fühle. Ich finde sie auch noch sehr anziehend, attraktiv und sexy. Auch der Sex ist mittlerweile wieder super mit ihr. Manch einer wird jetzt sagen, aber dann ist es doch Liebe. Nein ist es nicht, ich fühle es dass es das nicht mehr ist. Ich war auch eben derjenige, der in dieser Situation mit allen runtergeschluckten Problemen über Jahre gelitten hat - und ich glaube dass ich ihr das sehr nachtrage, auch wenn ich das eigentlich gar nicht möchte. Deswegen kann ich gar nicht bei Null anfangen, sondern bin irgendwo noch im Minusbereich. Damit der Cut nicht endet bevor er richtig begonnen hat, habe ich sie belogen, nachdem sie gesagt hat, dass sie mich liebt, habe ich ihr das auch gesagt. Sie meint es wirklich so, das weiß ich, doch ich habe gelogen, in der Hoffnung doch noch wieder den Weg zum Nullpunkt zu finden und ebenfalls einen Cut machen zu können. Ich glaube allerdings nicht, dass ich sie noch mal lieben kann. Vor dem Cut habe ich sie eigentlich schon im Geiste verlassen und gedacht dass sie es sowieso nicht hinbekommt eine 180 Grad Drehung zu vollziehen. Ohne die ist eh alles verloren, denn meine Geduld und Kräfte waren aufgebraucht. Und sie hats wirklich geschafft, zumindest die ersten 2 Wochen jetzt. Wie es weitergeht wird sich zeigen. Aber was soll ich denn nun machen? Was wenn meine Gefühle zu ihr wirklich gestorben sind? Hat jemand sowas schon mal selber erlebt oder durchgemacht, oder kann sich gut in diese Lage versetzen? Auch Meinungen oder Tipps sind erwünscht. Ich befürchte, dass ich die Beziehung ohne Liebe auf Dauer so nicht aufrecht erhalten kann.

Hilfreichste Antwort - ausgezeichnet vom Fragesteller
von regex9, 46

Du hast es schon richtig erkannt, auf den Nullpunkt kannst du momentan nicht zurück, dazu lässt du dich noch allzu sehr von Geschehenem belasten. Deine Frau hingegen kann es, denn sie wurde von alldem eher verschont.

Ich denke, ich könnte genauso wenig wie du wieder bei Null anfangen. So etwas muss Stück für Stück aufgearbeitet werden, ein (wenn auch langes) Gespräch hilft da sicherlich nicht.

Vielleicht nehmt ihr beide euch mal eine kleine Auszeit. Das muss nicht bedeuten, dass ihr in der Zeit lustig durch fremde Betten springen müsst/sollt, aber du könntest z.B. schauen, inwiefern du sie noch wirklich vermisst, wie wichtig sie dir noch ist. Etwas Zeit für euch allein kann nicht schaden. Möglicherweise fasst du danach neuen Mut, nochmal mit kleinen Schritten anzufangen. 

Sollte sich deine Meinung allerdings nicht ändern.. tja, dann heißt es wohl Abschied nehmen, so bitter es auch ist. Bleib nur mit ihr zusammen, wenn du sie noch wirklich liebst, nicht aus Mitleid oder wegen gutem Sex (so denkst du auch, davon bin ich überzeugt).

Und noch ein Kommentar zu eurem klärenden Gespräch: Solltet ihr dabei nicht auch neue Beziehungsregeln aufgestellt haben, kann es schnell wieder krachen, so sehr ihr euch auch Mühe gebt. Eine Regel wäre beispielsweise häufige und ehrliche Kommunikation. Eine zweite Regel könnte sein, eine bessere Art an Kommunikation zu erlernen. Da sie sich häufig von deinen Worten angegriffen gefühlt hat, könntest du deinen Stil, Probleme anzusprechen, zu ändern versuchen (manche Kommunikationsart ist oft unwissentlich falsch gewählt). 

Antwort
von MonikaDodo, 35

Ich war in der gleichen Situation wie du. Selbst eine Eheberatung, zu der wir auf Wunsch meines damaligen Mannes gegangen sind, hat nichts geändert. Meine Liebe war auf null, wenn nicht -0.
Ich habe allerdings klar gesagt, ich will nicht mehr, ich liebe ihn nicht mehr und werde mich trennen.
Es war hart aber ich wollte keine Hoffnungen schüren. Du hast mit deiner Aussage, ich liebe dich, Hoffnungen geschürt. Wenn du nicht mehr kannst, solltest du klipp und klar sagen was Sache ist und auch bald die räumliche Trennung veranlassen!!
Sonst wird Hass daraus!
Schonend und langsam trennen geht nicht! Das wird dann Krieg!
Den gab es bei mir zu keinem Zeitpunkt.

Antwort
von FrauFriedlinde, 58

Ich verstehe sowieso immer nicht, wieso so viele Paare noch zusammen sind, obwohl sie sich überhaupt nicht mehr lieben. Das ist weder gut für einen selber noch für die Kinder (falls vorhanden). Wenn du so, wie es jetzt ist, mit deiner Frau zusammen bleibst, wirst du dich vermutlich über kurz oder lang in eine andere verlieben und eine Affäre beginnen. Deswegen ist es besser, jetzt ehrlich zu sein. Ich bin der festen Überzeugung ( weil ich es auch im Bekanntenkreis soooooo oft erlebe) , dass man sich in einer Beziehung ohne Liebe einfach kaputt macht. Dann lieber mal ne Weile Single sein.

Antwort
von Quest4u, 11

Danke für die vielen Antworten. Das hat mir sehr geholfen, auch die verschiedenen Perspektiven und Erfahrungen. Ich habe mich nun entschlossen erst mal mit ihr gemeinsam ein paar Tage aus dem Alltag auszubrechen und wegzufahren. Eine intensive Zeit zu zweit - mal ohne Kind und Alltag und evtl. auch mal eine intensive Zeit nur für mich allein, um zu sehen ob ich sie vermisse. Ich muss herausfinden ob ich einfach nur nachtragend bin, oder ob sich die Liebe wirklich in Luft aufgelöst hat. Was wenn ich nur nachtragend bin, alles hinschmeiße und dann merke dass es ein Fehler war. Ich meine eine 14 Jahre alte Ehe mit Haus und Kind, da sollte man sich schon wirklich sicher sein, oder? Wenn eine intensive Zweisamkeit und Einsamkeit nichts an meinen Gefühlen ändert, dann sehe ich ein, dass es Zeit ist loszulassen. 

Antwort
von feirefiz, 22

Sorry, ich finde das schräg.

Liebe hat für mich wenig mit Gefühlen zu tun. Wenn es nur nach meinen Gefühlen ginge, würde ich mich drei Mal am Tag scheiden lassen (und mich drei Mal am tag wieder mit meinem Mann zusammentun).

Liebe ist eine Entscheidung.

Natürlich gehören Dinge wie Vertrauen, gemeinsamer Humor, körperliche Nähe/Anziehungskraft, Zugehörigkeit, Freundschaft, ... mit dazu.

Aber ich bleibe dabei: Liebe ist kein Gefühl.

Du sagst, dass du keine Liebe mehr hast - für mich hast du damit eine Entscheidung getroffen. Und nun wäre es an der Zeit, ehrlich zu sich selbst zu sein.

Antwort
von TomMetal, 43

Ich kann dir vielleicht nicht ganz helfen, aber dir vielleicht eine Sache sagen, die ein bisschen hilfreich sein könnte.

Ich habe mit einem Partner schluss gemacht, den ich zwar noch mochte, aber bei dem ich wusste, dass ich nicht mit Ihm zusammen sein kann, weil ich ein paar grundsätzliche Dinge in meinem Leben vermisst habe.

Die Phase, in der ich nach und nach mich von ihm versucht habe zu lösen war sowas von unerfahren und total daneben; es war so (und das ist etwas das ich auch bei deiner Geschichte gelesen habe) dass ich ihm immer wieder irgendwie hoffnung gemacht habe, ohne das richtig zu wollen. Das ist darin geendet, dass er mich am Ende sowas von gehasst hat, weil ich ihm damit viel mehr wehgetan habe, als es hätte sein müssen.

Deswegen glaube ich, dass es das beste ist, wenn man wirklich so weit ist und denkt, dass man schluss machen muss, dass man damit auch konsequent sein muss.

Die ganze situation ist auf deutsch gesagt absoluter Scheibenkleister, aber es ist weniger scheibenkleister, wenn man es richtig macht und von anfang an der Wahrheit ins gesicht sieht, denke ich. So habt ihr wenigstens eine Chance, als Freunde auseinander zu gehen und vielleicht auch darüber hinaus noch zu bleiben.

Unentschlossenheit bei soetwas, macht alles nur noch viel mehr kaputt, fürchte ich.

Ich hoffe das hilft dir.

Antwort
von Mirsatiuzz, 45

Ich denke... Du solltest ihr das genau so schildern wie du es auch hier tust... Die Wahrheit tut weh... Dass wissen wir alle aber findest du nicht dass du mit dieser anlüge nicht auf Dauer albern kannst... So geht das nicht... Meiner Meinung nach war euer langes Gespräch NOCH garnicht zu Ende.... Du... IHR müsst etwas finden wo ihr beide damit zufrieden seid... Mach die Augen auf... Es ist nicht Leicht, aber du musst unbedingt die Initiative ergreifen und deinen Mann stehen egal in welcher Situation du dich befindest...

Antwort
von Laegherta, 10

Was das betrifft kann ich leider nicht mitreden. 

Aber, ich habe vor kurzen ein echt gutes Buch (meiner Meinung nach) gelesen wo es so ziemlich um das geht was du beschreibst. 

Falls du daran interessiert bist, es heißt: Die Liebe ist eine Heimtükische Herausforderung von Andrew Clover. 

Vielleicht hilft es ja daraus Schlüsse für sich selbst zu ziehen. Ist übrigens auch kein typischer Frauenroman ;) 

Na dann drück ich die Daumen das du für dich herausfinden wirst welches der rechte Weg für dich ist. 

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