Frage von TaktderWelt, 65

Durch was definiert man sein eigenes ich, oder die Persönlichkeit?

-Durch die Selbsteinschätzung der eigenen Verhaltensweisen? -Durch den eigenen Lebensstil? -Durch die Art wie man denkt und fühlt? -...

Was sind die Dinge, die zeigen wer man ist?

Hilfreichste Antwort - ausgezeichnet vom Fragesteller
von Driggo, 61

Alle deine Fragen kann ich mit "Ja" beantworten, denn in die Persönlichkeit spielt alles mit rein, egal ob Verhaltensweisen, Lebensstil oder die Art wie man denkt und fühlt.

Aber es gibt hier Unterschiede zwischen dem eigentlichen ICH, also dem wahren ICH und dem inneren Bild, von welchem man glaubt, dies zu sein, ohne sich mit sich selbst auseinandergesetzt zu haben.

Dieses innere Bild ist eigentlich nur ein extrem verkleinerter Blickwinkel der eigenen Persönlichkeit und ist in unserer Gesellschaft darauf konzipiert, einen extrem kleinen Teil unserer Persönlichkeitsanteile zu nutzen und einem in dem Glauben zu lassen, dass diese einzig wahrgenommenen Anteile die einzigen Möglichkeiten sind, die wir bedienen können.

Im Grunde wird die menschliche Persönlichkeit im Kindesalter entwickelt. In den ersten sechs Jahren eines Kindes bekommt die Persönlichkeit durch elterliche Erziehung und dem Umfeld seine Form. Von 6-10 Jahren ungefähr kann man diese Persönlichkeit (eher Charakter zu nennen) ein wenig formen und ausfeilen. Danach ist in der Regel (ohne eigenes Zutun) keine Veränderung mehr möglich. Was bedeutet das? Menschen lernen also so zu sein, wie sie sind, in einem Stadium des Lebens, in dem sie nicht selbst entscheiden können, der zu sein, der sie sein wollen!

Konkretes Beispiel: Wenn ein Kind vom frühesten Alter an von seinen Eltern (oder Lehrern, Erziehern, etc.) immer wieder folgende Sätze zu hören bekommen hat: "Guck da nicht so hin, der Mann fühlt sich gestört." "Du hast still zu sitzen, wenn ich es dir sage." "Man spricht keine fremden Menschen an.", wird das Kind zwangsläufig darauf getrimmt, die schüchternen Persönlchkeitsanteile auszubilden. Denn das Unterbewusstsein übernimmt dann den Schritt des Lernprozesses und baut dieses Verhalten als das Richtige in das Verhaltensmuster ein.

Wenn ein Kind im Laufe des Erwachsenwerdens also diese Erziehungsmaßnahmen eingetrichtert bekommt, wird dieses Verhaltensmuster ausgeprägt und das Kind findet immer Beweise dafür, dass dieses Verhalten richtig ist. (Denn in der Regel bekommen ja vorlaute Kinder eins auf den Deckel) Von solch späteren Erwachsenen bekommt man dann Sätze zu hören wie: "ich bin eben schüchtern, das bin ich und ich kann es nicht ändern."

Dabei ist es nur ein in den Köpfen der Menschen projiziertes falsches Selbstbild, welches auf Glaubenssätze aus der Kindheit aufgebaut und durch diese aufrechterhalten werden.

Solche Glaubenssätze wirken wie eine verzerrte Wahrnehmung, in der dieser Mensch davon überzeugt ist, eine schüchterne Persönlichkeit zu haben, ohne von seinem - bereits existierenden - extrovertierten Anteil zu wissen. Dieses Beispiel kann man auf sämtliche Anteile der Persönlchkeit anwenden.

Das wahre ICH dagegen ist ein Resultat der Selbstkenntnis und natürlich der Auseinandersetzung mit sich selbst. Menschen, die gut alleine sein können, haben z.B. eine viel größere Chance, sich selbst kennenzulernen, da sie (bewusst oder unbewusst) viel mehr Zeit mit sich selbst verbringen. Ein Indikator für das Bewusstwerden der eigenen Persönlichkeit ist z.B. eine innere Zufriedenheit, die bis zur Selbstliebe führt (bzw. erfordert). Das wahre ICH kann auch durch verschiedene spirituelle Praktiken wie Meditation erreicht werden und ist letzlich eine bewusste Wahrnehmung des eigenen physischen Körpers und des eigenen Geistes. Hierzu wird im Buch"Die Macht der Gegenwart" von Eckhart Tolle genau das beschrieben.

Kommentar von TaktderWelt ,

Sehr interessante und durchaus hilfreiche Antwort!  

Ist es möglich das einem Menschen alleine durch ein Ereigniss auffällt, das er dieses "falsche Selbstbild" als sein wahres ich betrachtet hat und nun merkt das dieses bild nicht der Realität entspricht? 

Ich lese übrigens seit ein paar Tagen diese Buch von Eckhart Tolle!

Es erschien mir etwas zu sehr "spirituell", ....vielleicht sollte ich es mal mit anderen Augen betrachten.

Kommentar von Driggo ,

Ja, es ist durchaus möglich, dass ein Mensch zur Erkenntnis gelangen kann, sein ICH, welches seit Jahren als das wahre Ich betrachtet wurde, als "falsches Selbstbild" zu entlarven.

In der Regel ist das aber ein Prozess, der sich über Wochen, Monate oder Jahre hinzieht. Die wenigsten haben diesen "erleuchteten Moment", in der sie von jetzt auf gleich die Erkenntnis des wahren Ichs erlangen. Aber ein einziges Eregnis kann dazu führen, sich selbst zu hinterfragen und zu erkennen, dass mit einem irgendwas nicht stimmt.

Ja, das Buch von Eckhart Tolle ist sehr geschwollen und spirituell geschrieben und ich muss ehrlich gestehen, dass ich mich erstmal schwer getan habe, diese Lektüre abzuabrbeiten. Ich habe mir übrigens das Hörbuch zu "Die Kraft der Gegenwart" geholt. Denn das spart Zeit und man sollte den Inhalt des Buches sowieso mehrmals durchlesen, um die Lehre, die Tolle vermittelt, zu begreifen. Das schafft man mit dem Hören des Buches besser.

Das Buch gekauft zu haben und dich mit dem Thema zu befassen, bringt dich aber in deiner Persönlchkeitsentwicklung enorm voran. Eine gute Entscheidung! :-)

Kommentar von TaktderWelt ,

Das ist allerdings ein langer Prozess! Durch ein bestimmtes Ereignis, wo ich vorher fast schon ahnte das es so passieren könnte, ist mir einfach aufgefallen das ich nicht ganz der bin, der ich glaubte zu sein!

...Allerdings ruft das erstmal mehr Chaos hervor als eine Erkenntniss und man steht jetzt vor einen Trümmerhaufen, in dem man sein wahres ich finden möchte! 

Aus dem Unwissen wo und wie man die suche beginnen soll, kauften ich dieses Buch!  Es ist wirklich schwierig zu lesen und Wiederholungen sind hier unabdingbar, aber es gefällt mir dennoch und das lesen beruhigt den Geist! 

Nochmals danke für die Antwort! 

Kommentar von Driggo ,

Du stehst nur vor einem "Trümmerhaufen", weil die Erkenntnis des wahren ICHs viel größere Ausmaße annimmt, als du es dir wohl jemals hast vorstellen können. Es zerstört quasi dein Weltbild und das ist im ersten Moment natürlich ein hartes Brot. Aber indem man diese Erkenntnis erlangt, sieht man auch die unendlich vielen Möglichkeiten, aus genau dieser zu wachsen.

In der Regel ist dieser "Trümmerhaufen", wie du es so schön nennst (oder der Schockmoment), umso größer, je weniger man mit sich selbst in der Vergangenheit auseinandergestzt hat. Also je tiefer die Indoktrinierung in die Persönlichkeit eingegriffen hat, desto größer ist natürlich der "Schaden", den das eingebildete Selbstbild nimmt.

Aber was wir von der Natur gelernt haben, ist, dass aus allem, was in "Asche" liegt, etwas noch viel größeres wachsen kann. :-)

Antwort
von ShahReza, 65

Ich lege dir Persönlichkeitsentwicklung ans Herz! 👍Entwickle mich seit einem Jahr und bin enorm gewachsen! Mein absolutes Vorbild ist Nikolaj Günter. Zu deiner Frage: Positionier dich! Wer bist du? Was willst du? Wie will sein/Selbstbild/Überzeugungen? Ich beantworte die Fragen mal für mich als Bsp. Ich bin ein empathischer, liebevoller, kämpferischer, ausdauernder, kluger, ängstlicher, mutiger, freundlicher, leicht undisziplinierter, leidenschaftlicher.....Mensch. Ich will mein Leben führen wie ich es will. Ich will meinen Traum leben. (Meine eigene KiTa leiten) Ich will lernen im Leben. Mein Selbstbild ist zu 85% positiv, es dauert ein wenig, aber wenn man daran arbeitet wird das mit der Zeit. Und als Erzieher versuche ich ein Vorbild für die Kleinen zu sein und natürlich pädagogisch wertvoll und ich probiere das wirklich, denn 90% der Menschen die sagen sie sind es, sind es nicht. Viel Glück weiterhin! :)

Kommentar von TaktderWelt ,

Danke für diese ausführliche und echt gute Antwort! 

Aber ist es für dich nicht in irgendeiner form widersprüchlich, von Zeit zu Zeit entweder mutig oder ängstlich zu sein?

Hattest du in diesem Jahr mal Zweifel an bestimmten Eigenschaften die dir zuschreiben wolltest? 

...Also so das du dich fragen musstest, ob du wirklich so bist!

Kommentar von ShahReza ,

Mut bedeutet nicht, keine Angst zu haben. Mut bedeutet seine Angst kontrollieren zu können und trotzdem handeln zu können. :) Glaube mir ich bin einer der größten Kopfmenschen überhaupt. :D Na klar habe ich Zweifel! Deine Überzeugungen sind daran Schuld. Diese wurden dir eingeredet! Du musst dich sozusagen umprogrammieren! Kommt der Zweifel: Bsp Bin ich dieser tolle Mensch? Bin ich so und so? Dann hat dir irgendjemand mal eingeredet (vllt auch du selbst) dass du so nicht bist. Aber du kannst alles sein was du willst, was das Selbstbild angeht! Schüchternheit? Ändere dein Selbstbild zu Ich bin selbstbewusst und handle danach! Du wirst nicht von heute auf morgen selbstbewusst, aber du kommst Schritt für Schritt dort hin. Ich zweifle oft und denke oft nach ob etwas wahres dran ist und meistens ist es das nicht und wenn? Du kannst dich in die Richtung entwickeln. Sage dir einfach (einfach ist gut :D) es ist nur ein Zweifel und beruhige dich. Gehe deinen Weg Schritt für Schritt zum Ziel. Die Zweifel lassen irgendwann nach. Werden aber meistens nie verschwinden, weil sie dir helfen wollen um zu schauen ob du auf dem richtigen Weg bist. Benutze Affirmationen wie: Ich glaube an meine Fähigkeiten und kann alles schaffen. Diese sagst du dir jeden Tag auf, in freien Minuten und du fühlst dich besser. Du kannst alles schaffen! Folge deinem Herzen und verfolge deine Träume!

Kommentar von TaktderWelt ,

Wenn ich aber aus einer Erfahrung heraus weiß,  das ich geglaubt habe jemand zu sein, der ich erschreckender weiße aber nicht bin... und wenn ich jetzt wieder das sein wollte...

Würde ich dann nicht versuchen etwas zu sein, was eigentlich nicht ich bin sondern nur eine Vorstellung von dem was ich gerne wäre?

Kommentar von Driggo ,

Toll geschrieben und erklärt. Aber genauso ist es, wie du es beschreibst: jeder Mensch ist eigentlich nur auf wenige Persönlichkeitsanteile programmiert. Und jeder Mensch kann sein Programm so umschreiben, dass er zu dem Menschen wird, der er gerne sein möchte. Ist zwar ein langer Weg, aber dieser muss nicht zwangsläufig fünf Jahre dauern. Wenn ich mir überlege, wie sich meine Persönlichkeit allein in diesem Jahr zum (für mich) Positiven geändert hat, möchte ich mir gar nicht ausmalen, wo ich stehen werde, wenn ich ein Fünfjahresziel hätte. :-D

Kommentar von ShahReza ,

Du kannst nicht wer sein, der du nicht bist, aber du kannst dich dort hin entwickeln. In vielen kleinen Schritten. Du darfst auch nicht gegen dein Herz handeln, wenn es sagt das will ich nicht, dann wirst du auch nicht glücklich. Du bleibt ja trotzdem wie du bist. Du musst nur auch das aussprechen was du denkst und immer zu dir stehen. Echt sein ist besser, als gespielte Perfektion.

Kommentar von ShahReza ,

Dito :) Wissen ist nichts, angewendetes Wissen ist Macht! Jmd sehr Schlaues sagte mir vor kurzem: Sinn des Lebens = lernen und dienen! und ich stimm ihm 100%ig zu. Ich liebe es Dinge zu lernen für die ich brenne und verliere mich gern darin. Bei mir Psychologie, Sozialwissenschaft/leben, Persönliche Entwicklung und alles, absolut alles was mit Kinder zu tun hat. Ich liebe Kinder über alles. :) <3 Und dienen heißt anderen zu helfen, egal wie mies es dir geht, wenn du anderen hilfst hast du so positive Gefühle in dir und bekommst wieder Selbstvertrauen, Selbstbewusstsein und Selbstwertgefühl, das ist einfach super. :D :)

Antwort
von webschamane, 41

Ich würde sagen, man definiert sich vorwiegend durch den eigenen Stamm. Es gibt Leute die gehören zum I-Phone Stamm und es gibt Leute die gehören zum Justin Biber Stamm. Und dann gibt es die Position im Stamm abhängig von I-Phone Typ oder Backstage-Pass. Man kann verschiedene Stammangehörigkeiten haben aber manche schließen sich aus. Ich kann nicht gleichzeitig zum Wolfsburg und Bayern München-Stamm gehören.

Kommentar von tantra ,

Das ist sicher die Art, wie die meisten Menschen sich definieren. Nur mit ihrem Selbst hat dieser Gruppenzwang nix zu tun. Meistens merken die Menschen das leider erst in ihren 40'ern. Das nennt sich dann Midlife-Crisis.

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