Durch Hilferuf Aufmerksamkeit?

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6 Antworten

Leid, hat Gründe.

Das du Hilfe suchst beziehungsweise Unterstützung in Anspruch nehmen möchtest, ist ein toller Schritt. Diese Einstellung solltest du dir erhalten - sie ist kostbar und auch sehr wichtig.

Du schreibst, dass dein aktuellen Leiden "viele Gründe hat". Diese benennen zu können, ist ein elementarer Bestandteil, um dein Umfeld darauf aufmerksam zu machen, dass du gerade nicht "nur eine blöde Phase" durchlebst, sondern wirklich Unterstützung benötigst.

Gerade mit dem Alter steht und fällt viel. Insbesondere in der Pubertät sind Schwierigkeiten und auch abrutschende Stimmung, für einen gewissen Zeitraum, keine Seltenheit und werden deswegen gerne abgetan als "Kleinigkeit, die sich schon bald wieder legt". Es ist sicherlich keine hilfreiche Haltung aber es kann wichtig sein, dass im Hinterkopf zu behalten - in einem Gespräch Anschuldigungen fallen zu lassen wie "Nie achtet ihr auf mich!" könnten unter Umständen nämlich missverstanden werden beziehungsweise zu einem Missverständnis führen.

Wenn du die Gründe für deine aktuelle Situation ausgemacht hast und benennen kannst, tief durch geatmet hast, um im Zweifel ruhig zu bleiben, kannst du direkt auf deine Eltern zugehen.

Zugehen bedeutet hier nicht, schon am Frühstückstisch mit der Tür ins Haus zu fallen. Ein ruhiger Zeitpunkt, vielleicht zum Nachmittag oder frühen Abend hin eignet sich wesentlich besser. Der Tag neigt sich dem Ende und es steht nichts wichtiges mehr an, was einen Zeitdruck erzeugt. Frage deine Eltern oder auch nur ein Elternteil, ob ihr kurz reden könntet weil du bei etwas wirklich Hilfe brauchst. Sobald ihr zusammensitzt kannst du berichten. 

Was ist passiert und wann überhaupt? Womit kommst du nicht mehr zurecht und was benötigst du in dem Moment? 

Könnten Fragen sein, die es sich zu beantworten lohnen. Wichtig ist jedoch, dass du in deiner Darstellung ein Gleichgewicht warst. Deine aktuelle Situation zu relativieren, sie also als "weniger belastend" darzustellen, ist nicht zielführend. Jedoch solltest du ein wenig auf die Reaktion deiner Gesprächspartner achten und ihnen die Zeit geben, kurz verarbeiten zu können, was du ihnen sagst - sie in eine komplette Überforderung zu treiben, ist sicher auch nicht konstruktiv. Hauptsache ist, dass sie verstehen, dass es eben doch ernstzunehmend ist.

Bleibe dabei beim Thema und mache klar "Mir geht es wirklich besch*****, ich brauche dabei Hilfe."

Wahlweise kannst du auch deine Gedanken in Form einer Nachricht respektive eines Briefs vermitteln. Das wirkt im ersten Moment zwar komisch aber deine Eltern können an der Stelle nicht schon vorher intervenieren und dich unterbrechen. In einem Brief hast du die Möglichkeit frei zu sprechen und deine Eltern müssen danach von sich aus die Initiative ergreifen - eine Mögliche Alternative, falls dir das direkte Gespräch unangenehm erscheint oder du glaubst, dass es nicht den gewünschten Effekt erzielt.

Wichtig:

Einen (Pseudo-)Suizidversuch vorzunehmen oder zu anderen, ähnlich drastischen, Maßnahmen zu greifen, sollte keine Option sein. Zum einen könnten die Konsequenzen für dich unverhältnismäßig Extrem ausfallen und auch die Beziehung zu deinem Umfeld könnten maßgeblich geschädigt werden. 

Kurzum - Ein "Hilferuf" sollte in einer Form des Gesprächs stattfinden, in denen die Gefühle und Gedanken ungeschönt dargestellt werden, mit der entschiedenen Bitte ernst genommen zu werden weil man befürchtet, dass man es alleine nicht mehr schafft. 

Ich wünsche dir alles Gute und viel Erfolg auf deinem Weg, in der Hoffnung, dass man dir die Aufmerksamkeit schenkt, die du aktuell so dringend benötigst.

Liebe Grüße.

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Kommentar von daysturnblacksp
03.08.2016, 12:19

Wow, vielen dank für deine Antwort. Ich denke, ich werde es mal mit den Tipps, die du mir gegeben hast, versuchen. Auf jeden Fall hat dieser Text mir Mut gemacht, dankeschön!

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Versuch mal ihnen einen Brief zu schreiben, mit all deinen Gefühlen (keine Gründe sondern einfach nur zeigen dass es dir schlecht geht und das sie es ernst nehmen sollen), und den wirfst du dann wie einen ganz normalen brief mit adresse ein, damit sie sich erstmal nichts dabei denken. Wenn sie ihn dann aufmachen und lesen dass er von dir is, werden sie wahrscheinlich sofort auf dich zukommen und es ernst nehmen :)

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Kommentar von daysturnblacksp
03.08.2016, 12:21

Danke für deine Antwort. Ich werde es vielleicht mal probieren.

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Hallo:) erstmal finde ich es toll, dass du dich nicht dafür entschieden hast, dir etwas anzutun! Hast du vielleicht ein anderes Familienmitglied, dem du dich anvertrauen kannst und das dann auch mal mit deinen Eltern redet? Mit Freunden darüber reden wäre natürlich auch eine gute Möglichkeit aber ich kann sehr gut verstehen, dass du das Verständnis deiner Eltern möchtest. Bist du sicher, dass sie dich nicht verstehen würden? Ich finde, du solltest es wenigstens versuchen. Sage ihnen einfach, sie sollen dir bitte zu hören und dann erzählst du ihnen bis ins kleinste Detail, was dich bedrückt. Berichte dann doch bitte mal, wie es gelaufen ist und dann kann ich dir vielleicht noch besser helfen.

Liebe Grüße!

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Kommentar von daysturnblacksp
03.08.2016, 12:10

Danke für deine Antwort. Das Problem ist, dass ich abgesehen von meinen Eltern kaum Familie (mehr) habe. Vor meinen Freunden habe ich größtenteils das Bedürfnis meine Fassade, dass alles gut ist, aufrecht zu erhalten. Wenn ich meinen Eltern sagen würde, dass es mir schlecht geht, würden sie mir zwar zuhören, aber sie würden mit Problemen wie "Streit mit meiner besten Freundin", "Liebeskummer" oder was auch immer rechnen. An sowas wie Depressionen oder dass mich das alles fertig macht denken sie garnicht erst, ich bin ja noch ein Kind.

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Wenn du mit deinen Eltern darüber offen Redest würden sie es ganz bestimmt ernst nehmen. Das wichtigste ist das du dein "Leiden" nicht für dich behälst und es dich auffrisst. Alternative Nummer gegen Kummer.

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Kommentar von daysturnblacksp
03.08.2016, 12:14

Danke für deine Antwort. Sie halten mich für ein Kind, was noch keine ernsthaften Probleme hat und würden das nicht verstehen. Und bei der Nummer gegen Kummer habe ich gehört, dass die Leute dort ziemlich unfreundlich sein sollen, ich hab's aber noch nie ausprobiert.

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Sprich mal mit einem Lehrer deines Vertrauens, mit Oma, Opa, Onkel, Tante oder einer anderen Person deines Vertrauens und bitte sie, mit deinen Eltern zu sprechen.

Alternativ begib dich in ärztliche Behandlung, beispielsweise zu einem Psychologen und erzähle deinen Eltern dann abends von diesem Besuch. Erkläre ihnen, dass du keinen anderen Ausweg mehr gesehen hast, da sie dir nicht glauben würden, eine Therapie jedoch erforderlich sei, was der Arzt bestätigt hätte.

Abgesehen von deinen Eltern, ist eine Therapie sowieso dringend erforderlich! Besser wäre es natürlich, wenn deine Eltern gemeinsam mit dir zum Arzt gehen.

Alles Gute! Wird schon werden.... :-)

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Kommentar von daysturnblacksp
03.08.2016, 12:12

Danke für deine Antwort. Ich habe leider kaum Verwandtschaft (mehr). Und ansonsten gibt es keine Erwachsenen, denen ich vertraue und alles erzählen würde. Und mit der Therapie: Ich bin noch nicht erwachsen, wie soll ich das denn machen?

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" Mama, Papa mir geht es nicht gut, weil..."

Wenn sie dich nicht ernst nehmen, sprichst du es noch einmal und noch einmal an und schilderst ihnen genau, was mit dir los ist.

Vielleicht bittest du die beiden auch sich Zeit für ein Gespräch zu nehmen.

Oder Alternativ kannst du ihnen einen Brief schreiben und all deine Probleme erläutern. Das ist manchmal einfacher, als zu reden. In dem Brief kannst du auch deutlich machen, dass es dir ernst ist.

Ich kann mir auch kaum vorstellen, dass deine Eltern dich nicht ernst nehmen, wenn du ihnen sagst, dass es dir nicht gut geht.

Alles Gute!

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