Dürfte man zukünftige Mörder vor dem Begehen einer Straftat bereits zur Rechenschaft ziehen (Minority Report)?

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Das Ergebnis besteht aus 4 Abstimmungen

Nein, auf gar keinen Fall 100%
Ich kann mich da nicht festlegen 0%
Ja, so rettet man viele Menschenleben 0%

8 Antworten

Nein, auf gar keinen Fall

Die Berechnung eines Mordes ist zu unsicher, weil lediglich logisches Vorgehen der Person und mögliche Variablen anhand von Wahrscheinlichkeiten errechnet werden können.

Das ist ähnlich wie in einer Programmiersprache.

IF (Bedingung X) THEN (Mordrisikofaktor in Prozent)

Wenn Person A einen schlechten Tag hat, dann steigt das Mordrisiko um 0,0001%

Wenn Person A gewalttätige Eltern hatte, dann steigt das Mordrisiko um 0,01%

Wenn Person A heute eine Krisensituation erlebte, dann steigt das Mordrisiko um 0,001%

Wenn Person A die Person B nicht leiden kann, dann steigt das Mordrisiko um 0,1%

Dabei können aber Kurzschlusshandlungen nicht gänzlich prognostiziert werden, weil das System nur anhand bekannter Daten und einiger Wahrscheinlichkeiten arbeiten kann.

Wenn beispielsweise im Computer nicht erfasst wurde, dass Person A als Kind sexuell missbraucht und dabei einen rosa Teddy als Knebel in den Mund gezwängt bekam, dann kann dieser Faktor nicht berücksichtigt werden.

Person A geht also über die Straße, sieht einen rosa Teddy und rastet daraufhin völlig aus, so dass er einen Mann ersticht, der ihn an seinen Vater als Täter erinnert.

Der Computer konnte das nicht voraussehen, also geschah der Mord dennoch. Die präventive Bestrafung des Täters scheiterte.

Andererseits kann jemand mit akuter Mordabsicht in ein Haus einbrechen, will dort jemanden umbringen - doch der Anblick einer Puppe, die ihn an seine friedliche Kindheit erinnert, würde ihn in letzter Minute abhalten.

Außerdem könnte er womöglich plötzlich einen Herzinfarkt erleiden, so dass er den Mord nicht begehen kann und stattdessen sofort medizinische Hilfe braucht, worauf er genau so ein Anrecht hat, wie jeder Andere auch.

Der Computer konnte das nicht voraussehen, also wurde der potentielle Mörder bestraft, obwohl er die Tat gar nicht begangen hätte.

Dadurch sind solche Präventivstrafen nicht verhältnismäßig.

Dem möglichen Täter wird, selbst bei einer Tötungswahrscheinlichkeit von 99,9 Prozent immer noch die verbleibenden 0,1 Prozent verweigert, sich umzuentscheiden und die Tat abzubrechen.

Dieser Mensch ist zu 0,1 Prozent noch kein Täter, also besteht auch kein Anrecht auf Verhängung und Vollstreckung einer Strafe.

Gerade die Todesstrafe wäre in diesem Fall unangebracht, da sie nicht mehr umzukehren wäre. Sollte es ein Fehlurteil sein, wäre dieser Mensch definitiv tot.

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Nein, auf gar keinen Fall

Es gibt in der Klassifizierung in deinem Beispiel 4 Fälle, die auftreten können:

  • Richtig positiv: Kandidat ist Mörder, System erkennt das.
  • Richtig negativ: Kandidat ist kein Mörder, System erkennt das.
  • Falsch positiv: Kandidat ist Mörder, System erkennt das nicht.
  • Falsch negativ: Kandidat ist kein Mörder, System erkennt ihn fälschlicherweise als Mörder an.

https://de.wikipedia.org/wiki/Beurteilung_eines_bin%C3%A4ren_Klassifikators

Wenn einer der beiden unteren Fälle auftritt (und die treten bei KIs immer auf, auch wenn man das vermeiden will), dann wäre das fatal. Ich wüsste nich mal, welcher Fehler schlimmer wäre. Eine Erkennungsgenauigkeit von 99,9% ist da auch viel zu niedrig.

Solche Systeme basieren auf Wahrscheinlichkeitsrechnung. Vereinfacht gesagt funktionieren solche Systeme so, dass sie versuchen, zwischen bestimmten Ausgangsbedingungen Verknüpfungen zu erstellen. Ein Beispiel wäre, dass ein solches System also erkennt, dass an der Ecke Theaterstraße / Museumsstraße zwischen 2 und 3 Uhr nachts öfters Straftaten geschehen und es eine gute Idee wäre, da regelmäßig zu der Zeit präventiv eine Polizeistreife hinzuschicken. Analog dazu müsste dein System beispielsweise vorhersagen, dass frisch geschiedene Männer mit psychischer Erkrankungsvorgeschichte, die einen Baumarkt besuchen, potentiell gefährlich sind. Du siehst aber hoffentlich selber, wie viele Fehlerkennungen du damit treffen würdest.

"Minority Report" ist ein Science-Fiction-Film und in der Hinsicht völlig unrealistisch, von daher ist es Unsinn, darüber zu diskutieren.

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Nein. Auch wenn 99,9 % richtig wären... die Fehlerquote läge noch bei 0,1 %, dass ein tatsächlich Unschuldiger eingesperrt wird. Und das ließe ein Rechtsstaat nicht zu. 

Aber selbst wenn bei einem Täter zu 100 % sicher wäre, dass er eine Tat begehen würde, Straftaten sind oft Momentaufnahmen des Lebens. Ist dieser Moment ohne Straftat vorbei, ist die Gefahr einer Straftat auch vorbei. Es gilt also nicht, den Täter vorher zu verhaften, sondern die Situation zu verhindern. 

Es gibt übrigens schon so etwas ähnliches wie die Vorhersage die du meinst. Durch Computerprogramme werden Polizeieinsätze geplant. Der Computer errechnet die Wahrscheinlichkeit, dass in einer bestimmten Gegend zukünftig vermehrt Straftaten begangen werden. Aufgrund dieser Berechnungen werden dort dann vermehrt Streifen eingesetzt, um diese Taten zu verhindern. 

http://www.ifmpt.de/

http://www.watson.ch/Digital/Schweiz/311709416-Schweizer-Polizisten-sagen-mit-Spezial-Software-Verbrechen-punktgenau-voraus--Nachfragen-sind-unerw%C3%BCnscht-

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Nein, auf gar keinen Fall

Nein, nach heutigem Recht ist eine solche Vorverurteilung nicht möglich! Das ist ähnlich der Frage, ob man ein entführtes Flugzeug mit 100 Menschen abschießen darf, dessen Entführer den Einschlag in ein Hochhaus mit 5000 Menschen angekündigt hat.

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Nein, auf gar keinen Fall

Da es eh unmöglich ist lohnt es nicht darüber zu diskutieren.

Für die hypothetische Annahme, dass es in irgendeiner Art und Weise möglich ist hast du ja schon genug Antworten erhalten.

Unter der Annahme, dass die Zeit sich selbst immer korrigiert ist es nutzlos den Täter ein zu sperren, da der Mord dann durch einen anderen verübt wird.

Gehen wir davon aus, dass wir die Zukunft wirklich in eine gewünschte Bahn lenken können, warum setzen wir dann beim zukünftigen Täter an und nicht beim zukünftigen Opfer oder an einem gänzlich anderen Punkt.

Wäre die Zeit so "gestrickt", dass jede Entscheidung eine neue mögliche Zukunft hervorbringt und jede mögliche Zeitachse entsteht und passiert ist es überflüssig, da die Tat in einer der vielen Zeitachsen so oder so passiert.

Das sind jetzt drei Hypothesen/Theorien, die mir auf die schnelle eingefallen sind. Es wird da bestimmt noch mehr geben, aber alle drei zeigen schon einmal, dass es blödsinn ist einen eventuellen zukünftigen Täter einzusperren um eine Straftat zu begehen. Nimmst du jetzt noch den Film Minority Report zur Hand, auf den du dich ja beziehst, ist die Frage überflüssig, da aufgezeigt wird wie fehlerhaft das System ist.

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u.U. wegen vorbereiten einer Straftat.

Aber man könnte genauso gut den zu Ermordenten unter Personenschutz stellen, um den Mord zu verhindern.

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Hallo,

Maßnahmen werden ja schon ergriffen wenn feststeht, das eine Person davor steht, eine Straftat zu begehen.

Also so ganz neu, ist das nicht.

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Hallo,

das alles geht zu weit, wie willst du denn voraussehen, ob ein Mensch zum Täter wird....

Hatten wir das Thema nicht schon in einem Film von Tom Cruise, genannt Mission Impossible... oder irre ich mich?

Emmy

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Kommentar von Topotec
12.11.2016, 15:50

Minority Report heißt der Film.

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