Frage von Neandertaleer, 74

Dürfen die Polizei keine gefühle zeigen? Vor kurzem ist jemand gestorben, und dann kam die Polizei und sagte zu der Familie (knallhart) ihr Sohn ist gestorben.?

Antwort
von oelbart, 24

"Gefühle zeigen" in der Situation ist schwierig: Der Polizist ist vielleicht vom Einsatz etwas mitgenommen, aber er kannte die Person höchstwahrscheinlich gar nicht. Jetzt so zu tun als würde ihn der Unfall ähnlich hart treffen wie die Eltern wäre Heuchelei.

Außerdem: Gerade, wenn man beruflich mit Tragödien zu tun hat, muss jeder für sich Strategien finden, wie man damit umgehen kann. Ich kenne auch Leute, die diese Geschichten (natürlich anonymisiert) wie Witze erzählen: Für einen Außenstehenden wirken diese Leute vermutlich wie gefühllose Monster, aber wenn man sie etwas näher kennt weiß man, dass sie irgendeine Art der Bewältigung eben brauchen.

Und gerade während der laufenden Schicht kann es sein, dass man sich als Polizist erstmal hart geben MUSS, denn da ist oft nicht die Zeit, das irgendwie zu verarbeiten. Ich bin von meinem allerersten Toten (Rettungsdienst, ich war 17 und es war mein erster Tag auf dem Fahrzeug) direkt zu drei weiteren Notfalleinsätzen gerufen worden. Da musst Du wieder "funktionieren", sonst leidet der nächste...

Antwort
von Nomex64, 9

Was verstehst du unter Gefühle zeigen? Sorry aber was erwartest du von den Polizisten. Die haben die traurige Aufgabe 3 mal die Woche. Das ist leider bittere Realität. Wenn die Kollegen da jedes Mal mittrauern sind die nach ein paar Monaten reif für die Couch wenn nicht gar Schlimmerers.

Es gibt unter den Rettern, egal ob jetzt Polizei, Feuerwehr oder Rettungsdienst den Satz "Du kannst nicht jedes Mal mit sterben". Sicher ist das für die Betroffenen belastend, aber der Fakt wird nicht besser wenn die Überbringer der Todesnachricht mittrauern.

Überlege mal wie sehr die Angehörigen darunter leiden. Die erlaben das aber alle Jubilare mal. Wie würde das Leben eines Retters aussehen wenn er jetzt jedes mal mit trauern würde, der würde aus der Trauer gar nicht mehr raus kommen.

Das Leben ist nun mal ungerecht, im Alltag verdrängen wir das ganz gerne und das ist auch gut so weil wir sonst gar keine Lebensfreude mehr hätten. Wir Retter sind aber fast tagtäglich mit den Schattenseiten konfrontiert, das überlebst du nur wenn du da eine professionelle Distanz dazu aufbaust.

Nur so kannst du auch deinen Job machen. Wie sollte ein Feuerwehrmann jemanden retten wenn er mit ihm mit leidet, wie soll ein Sanitäter jemanden behandeln wenn er dessen Schmerzen mitfühlt.

Deine Frage ist sicher berechtigt, aber sehe das Ganze mal auch aus der Sicht der Menschen in Uniform. Wie wäre es z.B. für dich wenn du mit so einem Retter zusammen leben würdest und der würde nur Trauer von der Arbeit mit nach Hause bringen?

Wie komplex das ganze Problem ist zeigt z.B. der Film "The Messenger – Die letzte Nachricht" auch wenn es da um ein etwas anderes Thema geht.



Antwort
von FrageAntwo, 18

Naja die Polizisten kannten das Kind wahrscheinlich nicht und hatten deswegen auch weniger Emotionen dazu.Zwar hätte es bestimmt auch Polizisten gegeben die das ganze stärker getroffen hätte aber das muss nicht auf jeden zutreffen.Es gibt eben mehr und weniger emotionale Menschen

Aber soweit ich weiß ruft die Polizei für solche sensiblen Mitteilungen auch oft einen Psychologen der dann weiß wie man sowas gut rüberbringt bzw auch auf die Reaktionen der Eltern gut reagieren kann.Wieso das in dem Fall nicht passiert ist weiß ich nicht

Antwort
von MarkiplierFTW, 33

Hallo! :)

Als Polizist wird es sehr oft Momente geben, wo man Leichen, Blut oder sonstige Dinge sehen wird und das härtet ab. Bei den meisten zumindest. Nur als Polizist braucht man eine starke Psyche, da man vieles verkraften und dann immer noch fähig sein muss, sich auf seinen Fall zu konzentrieren.

Allerdings gibt es natürlich auch Polizisten, die nicht sonderlich belastbar sind. Wobei diese Menschen meiner Meinung nach nicht als Polizisten arbeiten dürfen. Aber sowas gibt's.

Antwort
von gri1su, 40

Es ist eine so besch...... Aufgabe, wenn man Angehörigen mitteilen muss, dass ihr Angehöriger verstorben ist. Darum reißt sich niemand, und es geht auch nie emotionslos an diesen Personen vorbei.

Aber sie haben sich zwangsläufig angewöhnt, solche Gefühle nicht all zu nah an sich herankommen zu lassen, ansonsten würden sie sich selbst damit kaputt machen. Und genau deshalb kommt es möglicherweise so "kaltherzig" rüber, obwohl es keineswegs so gemeint ist.

Antwort
von SupraX, 39

Grundsätzlich sind das auch nur Menschen. Und die sind bekanntlich verschieden.

In einem solchen Job ist  es aber sehr wichtig sich emotional eben nicht auf so etwas einzulassen. Sonst geht man daran psychisch kaputt. Es ist nicht böse oder unhöflich gemeint sondern Selbstschutz. Dieses Verhalten haben auch Notärzte und Rettungshelfer.

Antwort
von XC600, 6

bist du ganz sicher das der Polizist nur genau diese vier Worte gesagt hat und  sonst nichts weiter ? das glaube ich kaum ehrlich gesagt ....

Expertenantwort
von furbo, Community-Experte für Polizei, 29

Warst du dabei oder ist das Hörensagen?

Kommentar von Neandertaleer ,

Hörensage. Die Person wo es mir erzählt hat. Hat dass selbst erlebt.

Kommentar von furbo ,

Hörensagen? Dann sollte man den Diskurs hier beenden. Es erinnern sich viele kaum oder anders daran, auf welche Weise und mit welchen Worten überraschende Todesnachrichten überbracht werden. 

Antwort
von Leerlaufprozess, 17

Wenn ich zu einer fremden familie hingehe, und denen sagen muss dass deren sohn gestorben ist würde ich auch nicht gerade in tränen ausbrechen.

Antwort
von perledersuedsee, 46

Ein Polizist sollte sowas nicht zu nah an sich ran kommen lassen. Die haben sicherlich Gefühle, aber da jedesmal Mitleid zu haben, wäre für den Beruf eine Katastrophe. Außerdem haben sie mit "Ihr Sohn ist gestorben", ja nur Tatsachen übermittelt. Was hätten sie denn deiner Meinung nach anderes sagen können? "Ihr Sohn ist in die ewigen Jagdgründe eingegangen"? "Ihr Sohn ist jetzt im Himmel"? Das glaubst du doch wohl selber nicht.

Kommentar von Neandertaleer ,

Z.b es tut uns leid das wir ihnen dass mitteilen müssen aber leider ist ihr Sohn durch ein unfall gestorben.

Kommentar von perledersuedsee ,

Und wenn es ihnen gar nicht leid tut, weil sie den Sohn gar nicht gekannt haben? Es ist schon richtig, wenn sie nur Fakten übermitteln und sich jeder Wertung enthalten. Solange sie nicht sagen: "Wir haben die Überreste von ihrem Sohn von der Straße gekratzt" ist alles richtig und korrekt.

Antwort
von feinerle, 3

Dürfen schon, nur wird man das versuchen, gerade nicht zu tun.

Denn erlaubt man, jedes Mal, wenn irgendwo irgend eine Tragödie sich abspielt, emotional eingebunden zu werden, geht man kaputt in dem Job.

Entweder man lernt ganz schnell, solche Dinge mittels einer Art Mauer um sich herum nicht an sich ranzulassen oder aber man zerbricht daran als Polizist, denn das macht man nicht nur einmal, das macht man oft - und andere Dinge.

Ich sage es mal so rum (und recht krass, jedoch so ist es letztlich) - bei der ersten zerflederten Bahnleiche, die Du zusammensammelst, kotzt Du noch, bei der 2. ist Dir schlecht, bei der 3. leicht unwohl, bei der 4. geringfügig mulmig, bei der 5. bist Du nur noch am Rande beteiligt, bei der 6. komplett neutral und bei der 7. ist das Dir sowas von schnurzepiepegal..... ich hoffe Du verstehst, was ich meine.

Es gibt immer Dinge, gegen die gibt es keine Mauern, die hoch genug sind. Wenn Kinder beteiligt sind, ein totes Kind bei einem Verkehrsunfall z.B. - das treibt einen zur Verzweiflung und den Schweiß nach Träumen noch Wochen später ins Bettzeug.

Aber ansonsten werden solche Dinge zur Routine - und das ist gut so, sonst geht man am Stock irgendwann.

Viele überspielen solche Dinge auch als Witz. Kleines Beispiel:

Polizist: "Dürfte ich nach Ihrem Namen fragen?

Frau: "Ich bin Frau Müller".

Polizist: "Ah so, Sie sind die Witwe Müller"

Frau: "Nein"

Polizist: "Wetten dass doch?"

Geschmacklos, ich weiß, aber nur, um auf den Mittelteil zurück zu kommen, den ich beschrieben habe, solange Du nicht bei der 7. Bahnleiche angekommen bist..... ab dann ist das sowas von normal.

Antwort
von kubiz79, 48

In Österreich hat ein 23 jähriger Polizist seine schwangere Freundin erschossen und seinen Sohn erdrosselt, diese herzlosen Staatssöldner genießen hierzulande bestimmt keinen Respekt mehr von der Bevölkerung. 

Kommentar von Drizzt1977 ,

Was hat das mit der ursprünglichen Frage zu tun. Nur hier, um zu hetzen? Kaufst du später auch bei keinem Metzger mehr deine Wurst, nur weil irgendwo ein anderer Metzger seine Familie zerstückelt hat? Komische Wahrnehmung deiner Welt.

Kommentar von miperktold ,

so sind sie halt nun mal die FPÖ Wähler lol xD 

Antwort
von Kandahar, 52

Ja, was sollen die den machen? Sollen die heulend vor der Türe stehen?

Antwort
von ItzD4nny, 45

Soll er dabei in Tränen ausbrechen, oder wie? Mitleid empfinden die auch, aber das käme ja total unprofessionell.

Zumal die das wahrscheinlich nicht zum ersten mal machen, und das einfach irgendwann abhärtet.

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