Frage von Maschodepischo, 41

Dreißigjähriger Krieg (Versagen der Institutionen)?

Kann jemand mir genau sagen, was unter Versagen der Institutionen im Dreißigjährigen Krieg zu verstehen ist. Möchte genau wissen, weshalb das untergegangen ist und keine Antwort hören wegen den konfessioneller Streitigkeit.

Antwort
von Ansegisel, 16

Mit "Institutionen" sind die Institutionen des Heiligen Römischen Reichs gemeint, vor allem der Reichstag und das Reichskammergericht.

Das  Reichskammergericht konnte im Vorfeld des 30jährigen Krieges keinen Ausgleich zwischen den Reichsständen schaffen. Auch der Reichstag, dessen Zusammensetzung und Stimmgewichte sich so verschob, dass auch hier keine Beschlüsse gefasst werden konnten, mit denen alle Parteien zufrieden sein konnten, entfiel bis Anfang des 17. Jahrhunderts als ausgleichende Instanz.

Die protestantischen Reichsstände konnten sich so bald nicht mehr auf "offiziellem" Wege an der Reichspolitik beteiligen. Daher gründeten diese mit der Protestantischen Union einen Verband, mit dem sie ihre Interessen außerhalb der Reichsverfassung zu wahren versuchten.

Diese Reichsinstitutionen, die 1495 eingesetzt bzw. umstrukturiert wurden, um einen dauerhaften Frieden im Heiligen Römischen Reich deutscher Nation zu gewährleisten, waren den religiösen Spannungen der Reichsstände untereinander nicht gewachsen.

In diesem Abschnitt findest du dies alles noch ein bisschen ausführlicher

https://de.wikipedia.org/wiki/Drei%C3%9Figj%C3%A4hriger\_Krieg#Versch.C3.A4rfung...

Kommentar von Maschodepischo ,

Die Union und Liga habe ich schon. Verstehe nur den Hintergrund nicht so recht, da der Passauer Vertrag alles geregelt hat. Natürlich haben die Katholiken die anderen z.B. im Reichshofrat verdrängt. Unser Prof. hat Gründung konfessioneller Bündnisse und Versagen der Institutionen einzeln aufgelistet, ist daher komisch, wenn beide den Punkt beinhalten, dass die Katholiken die Oberhand in den Institutionen erlangten (als Grund).

Kommentar von Maschodepischo ,

Danke, habe den Punkt bei Wiki überlesen. 

Kommentar von Ansegisel ,

Das Versagen der Institutionen ist ja, dass dort eine Partei die Überhand gewinnen konnte, unabhängig davon, welche. Das löste dann die Bildung konfessioneller Bündnisse aus.

Antwort
von Shiftclick, 28

Man kann natürlich der Meinung sein, dass ein Krieg schlecht ist. Dann würde man überlegen, ob ein Krieg eher von ein paar Einzelnen vom Zaun gebrochen wird und über Jahrzehnte weitergeführt wird, oder ob die Gliederungen, die Menschengruppen zusammenfassen nicht vielleicht einen größeren Anteil daran haben. Soweit ich weiß, waren im Dreißigjährigen Krieg Institutionen wie das Kaiserreich, Königreiche, Fürstentümer genauso involviert wie Kirchen und Konfessionen und natürlich auch Banden und Warlords. Und zwar nicht stumpf protestanisch gegen katholisch oder umgekehrt, sondern in einem schönen Reigen einander ablösender Koalitionen. Man kann sich kaum ein größeres Wirrwarr als den Dreißigjährigen Krieg vorstellen. Aber man kann die Sache schlecht auf einen Satz verkürzen, wie, die Habsburger waren schuld. Alle bekannten Institutionen haben es nicht geschafft, den Krieg zu beenden, bis er endlich in totaler Erschöpfung im Westfälischen Frieden beendet wurde.

Keine passende Antwort gefunden?

Fragen Sie die Community