Frage von MissAmerika00, 52

"Dreierfreundschaften funktionieren nie"- wieso glauben das viele?

Schönen Samstagmittag euch allen!😌
Ich (w/15) habe seit neun Jahren zwei beste Freundinnen (beide 16). Wir waren bisher immer in einer Klasse (ich ziehe am 01. April nach Portland, Oregon) und in der selben AG nach der Schule. Wir drei sind komplett verschieden, aber das war nie ein Problem, da wir uns so mögen, wie wir sind. Solche Themen wie Eifersucht oder Neid gab es bei uns nie, obwohl wir auch mal was zu zweit gemacht haben. Die beiden waren zum Beispiel gemeinsam auf Jugendreise im Sommer und ich mit einer alleine bei ihrer Oma in Berlin.
Viele Leute sagten/ sagen immer, dass Dreierfreundschaften nicht funktionieren oder irgendwann in die Brüche gehen. Nur verstehe ich nicht, warum das so sein soll.
Bei uns gab es auch mal Knatsch oder Streitigkeiten, aber die haben wir immer, ohne große Dramen, beseitigt. Wenn zwei von uns Streit haben, versuchen wir nicht die Dritte auf unsere Seite zuziehen, sondern haben sie immer als neutrale Person respektiert. Wir haben auch nie übereinander gelästert, weil das die Unbeteiligte nur in Schwierigkeiten bringt. Stattdessen haben wir unseren Zoff alleine geklärt. Außerdem hatten wir sowas wie "Krisenberatung", das heißt, dass wir uns IMMER zu dritt zusammengesetzt haben und das jeweilige Problem offen und MITEINANDER geklärt.
Ich finde, dass das in Freundschaften am wichtigsten ist. Dass man offen und ehrlich ist, einander respektiert und zuhört.

Jedoch habe ich auch beobachtet, dass viele Dreierfreundschaften tatsächlich zerbrechen, weil eine dann immer ausgeschlossen wurde oder weil sich zwei um eine gestritten haben.

Wieso ist das so?

Antwort
von Janiela, 17

Du schreibst, dass ihr euch immer kooperativ in Konfliktsituationen verhalten habt, dass ihr Streitereien zu dritt besprochen habt, dass ihr, wenn zwei sich gestritten haben, die Dritte im Bunde als außenstehende Ratgeberin und Vermittlerin mit einbezogen habt und dass ihr euch alle gegenseitig respektiert. Und das ist genau das, was andere Menschen oft nicht machen.

Stattdessen passiert oft das, wovon du gesagt hast, dass ihr es nicht macht: Menschen neiden einander die gemeinsame Zeit, den Rang, die Zustimmung, die Abenteuer oder die Harmonie.

Wer Probleme rational angeht, so wie ihr, hat für gewöhnlich keine Probleme mit Dreierfreundschaften. Aber viele Menschen gehen Probleme nicht rational und lösungsorientiert an, sondern emotional und lageorientiert. Sie wollen keine Lösung, sondern eine Wiedergutmachung - und wissen oft selbst nicht, wie die überhaupt aussehen soll.

Kommentar von MissAmerika00 ,

Naja, es ist halt unfair, wenn man versucht, die Dritte auf seine Seite zu zerren..

Kommentar von Janiela ,

Das weißt du wahrscheinlich sogar wenn du wütend bist. Aber gerade in emotional aufgeladenen Situationen neigen Menschen manchmal dazu, das zu vergessen/übersehen. Die Folge ist, dass man in seiner Verletzung verunsichert ist und soziale Rückversicherung sucht, oft bei der Person, die beide Parteien gut kennt. Man möchte richtig liegen und richtig entschieden haben und sucht nach Bestätigung. Und dann ist die Geschichte schnell ein bisschen verändert, um Rückhalt damit zu bekommen. Wirklich unfair ist es natürlich der Dritten gegenüber, weil die einfach mal in eine Sache hineingezogen wird, in der sie nichts zu suchen hat und dann sitzt sie zwischen den Stühlen.

Anders und ein bisschen psychologischer ausgedrückt: Gesteigerte Erregung (Wut, Trauer, Enttäuschung, Angst....) führt zur Aktivierung der "dominanten Verhaltensreaktion", also der Reaktion, die am tiefsten im Hirn verankert ist. Das kann die dringende Suche nach Bestätigung sein, die sich darin ausdrückt, dass man versucht, die Dritte auf die eigene Seite zu ziehen. Welche Reaktion die dominante Reaktion ist, hängt zum einen von der Person und ihrer Geschichte ab, zum anderen davon, worin man das Problem sieht. Wenn die dominante Reaktion "die richtige" ist (bei dir zum Beispiel "innehalten, nachdenken, Kommunikationsproblem erkennen, Kommunikationsproblem beseitigen"), führt das zur Stärkung der sozialen Beziehung. Ist die dominante Reaktion "die falsche" (zum Beispiel "zetern, jaulen, Bestätigung erwirken"), führt das zum Bruch in der sozialen Beziehung.

Grundsätzlich ist eigentlich jeder Mensch in der Lage, eine Dreiecksfreundschaft zu führen. Aber Sozialkompetenz bekommt man nicht in der Schule beigebracht, deshalb lernen es manche schon früh außerhalb der Schule und manche lernen es erst sehr spät im Erwachsenenalter.

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