Frage von JimmyTheCannon, 38

Download frei zugänglichen (normalerweise kostenpflichtigen) Materials?

Angenommen ein Publisher bietet auf seiner Website diverse PDFs gegen Bezahlung zum Download an. Diese PDFs sind DRM geschützt, wodurch es zu Komplikationen beim öffnen kommen kann, da eine spezielle Software zum Öffnen der PDFs benötigt wird. Nach Kontaktaufnahme zum Support, wird auf eine URL verwiesen, welche das Dokument ohne die strengen DRM-Maßnahmen bzw. ohne die Software lesbar enthält. Nennen wir sie: example.com/downloads/101.zip Durch Ausprobieren fällt auf, dass auf dem Server auch noch Dateien unter [...]/104.zip, 110.zip usw. verfügbar sind. Der Download wird durch Herumprobieren und einfaches Aufrufen der entsprechenden URL initiiert.

Gibt es rechtliche Bedenken beim Download weiterer, normalerweise kostenpflichtiger aber wohlgemerkt frei verfügbarer/zugänglicher, Dateien?

Antwort
von kevni2012, 28

Die Frage dürftest du dir eigtl. recht einfach selbst beantworten können. Du erwirbst mit dem Kauf von 10 Eiern im Supermarkt ja auch nicht die Eigentums- oder Nutzungsrechte an dem Liter Milch, der daneben steht ^^

Antwort
von Dannius, 12

Die Daten sind nicht "frei verfügbar" in dem Sinne, dass sie nicht urheberrechtlich geschützt wären, nur weil sie nicht ausreichend vor dem Herunterladen gesichert sind. So sind auch z.B. Bilder aus Nachrichtenseiten urheberrechtlich geschützt, obwohl sie offensichtlich jeder Leser herunterladen kann.

Herunterladen ist eine Vervielfältigung; § 16 des Urheberrechtsgesetzes (UrhG): https://www.gesetze-im-internet.de/urhg/\_\_16.html. Das Vervielfältigungsrecht steht nach § 15 Absatz 1 Nummer 1 UrhG allein dem Urheber zu: https://www.gesetze-im-internet.de/urhg/\_\_15.html. Er kann, muss aber nicht, Nutzungsrechte einräumen, z.B. zur Vervielfältigung: https://www.gesetze-im-internet.de/urhg/\_\_31.html

Dir hat nach Deiner Schilderung der Urheber (oder wer in seinem Auftrag handelt) ein Nutzungsrecht für ein bestimmtes, in einer bestimmten Datei wiedergegebenes Werk eingeräumt, nicht aber für die anderen Werke. Lizenziert handelst Du also nicht.

Nun gibt es Schranken des Urheberrechts. Die erste Schranke, an die man denken könnte, greift wohl nicht ein: Ein Herunterladen wäre keine (auch ohne Lizenz zulässige) vorübergehende Vervielfäligung im Sinne des § 44a UrhG, weil die Voraussetzungen nicht erfüllt sind (nachzulesen hier: https://www.gesetze-im-internet.de/urhg/\_\_44a.html).

Beim bloßen "Herunterladen aus Neugier" könnte man allerdings - das wäre die zweite denkbare Schranke - noch an eine zulässige Privatkopie im Sinne des § 53 Absatz 1 Satz 1 UrhG denken (https://www.gesetze-im-internet.de/urhg/\_\_53.html). Diese Privatkopien umfassen allerdings nur:

einzelne Vervielfältigungen eines Werkes durch eine natürliche Person zum privaten Gebrauch auf beliebigen Trägern, sofern sie weder unmittelbar noch mittelbar Erwerbszwecken dienen, soweit nicht zur Vervielfältigung eine offensichtlich rechtswidrig hergestellte oder öffentlich zugänglich gemachte Vorlage verwendet wird.

Obwohl die Dateien zwar nicht offensichtlich rechtswidrig hergestellt oder zugänglich gemacht worden sind - es war ja der Publisher -, müsstest Du darlegen können, dass Dein Download auch nicht "mittelbar" Erwerbszwecken dient - wofür das Sammeln von Anregungen für die Arbeit genügen würde. Wenn Du vorher für eine gleichartige Datei bezahlt hast, dürfte der Argumentationsaufwand erheblich werden, um es vorsichtig auszudrücken.

Keine passende Antwort gefunden?

Fragen Sie die Community