Frage von Yilmazkeskin, 57

Doppelbesteuerung Gesetz?

Ich bin Service Techniker und wurde von meiner Firma zum Einsatz bei einem Kunden in die Türkei verschickt. Da im vorfällt nicht klar war wie lange der Einsatz dauern würde, verbrachte ich den Einsatz im Jahr 2015 235 Tage im Einsatz Land.

Mein Gehalt wurde von meiner Firma in Deutschland bezahlt, mein Wohnsitz ist auch in Deutschland.

Wie Tritt bei meinem fall die Doppelbesteuerungsgesetzt ein?? Wenn es bei meinem fall das eintrifft, wie soll es dann an der Steuererklärung vermerkt werden.

Gruß Keskin

Antwort
von are2705, 20

Es gibt Steuerberater, die auf Auslandsentsendungen spezialisiert sind. Der durchschnittliche Steuerberater und erst Recht der Lohnsteuerhilfeverein ist mit solchen Fällen überfordert.

Üblicherweise plant ein vernünftiger Arbeitgeber jede Entsendung im Vorhinein mit Unterstützung von solch einem spezialisierten Steuerberater und lässt ihre Mitarbeiter nicht im Regen stehen. Professionelle Arbeitgeber schnüren Entsendungspakete für ihre Mitarbeiter. Aus meiner Erfahrung gehen aber insbesondere kleinere Unternehmen erst dann zum spezialisierten Steuerberater, wenn das Kind in den Brunnen gefallen ist. Der Grund: Diese Berater kosten richtig Geld und sind fast ausschließlich bei den großen WP-Gesellschaften zu finden. Ich würde also im ersten Schritt den Arbeitgeber ansprechen. Er hat Dich in die Türkei geschickt, also soll er auch die Suppe auslöffeln.

Zum steuerlichen Hintergrund: Wenn es keine Ausnahmeregelung in der Türkei gibt, ist Dein Gehalt, das auf die türkischen Arbeitstage entfällt, in der Türkei zu besteuern. Das in Deutschland steuerfreie Gehalt unterliegt dem Progressionsvorbehalt, wird also nicht in Deutschland besteuert, erhöht aber den Steuersatz auf die übrigen Einkünfte in Deutschland.

Antwort
von wfwbinder, 39

Für die Frage ob eine Besteuerung in der Türkei für die Bezahlung in Frage kommt, wäre zu klären, ob Dein Arbeitgeber dort eine Betriebsstätte hat, oder hatte.

Wenn Du als Techniker einfach dort im Betrieb warst, wo die Maschinen, oder Anlagen sind, die Du repariert, oder gewartet hast, dann ist die Besteuerung nur in Deutschland absolut korrekt.

Wurden Dir vom Arbeitgeber die Verpflegungsmehraufwendungen und die Unterkunft erstattet? Hast Du Heimflüge zur Familie bezahlt bekommen?

Ggf. hast Du nämlich sonst einiges an Kosten in Deiner Einkommensteuererklärung anzusetzen.

Eine Besteuerung in der Türkei käme nur in Frage, wenn Du entweder bei einem türkischen Arbeitgeber, oder in einer türkischen Niederlassung Deines deutschen Arbeitgebers tätig warst.

Artikel 15 Abs. 2 des DBA mit der Türkei.

Kommentar von are2705 ,

Hallo wfwbinder,

die 183-Tage-Klausel besagt, dass nur dann das Besteuerungsrecht an den Ansässigkeitsstaat (Deutschland) zurückfällt, wenn alle drei Voraussetzungen des Artikel 15 Abs. 2 DBA erfüllt sind. Das ist aber nicht der Fall und somit verbleibt das Besteuerungsrecht im Tätigkeitsstaat (Türkei).

Kommentar von wfwbinder ,

Aber der Unterschied zwischen "könne" und "Müssen" ist schon ein Begriff.

DEr Frager hatte in der Türkei weder einen Wohnsitz, noch wurden Teile seines Lohnes/des Gehalts in Deutschland von der Steuer entlastet, damit er sich in der Türkei steuerlich kümmern kann.

Kommentar von are2705 ,

Ich kenne mich im türkischen Steuerrecht im Speziellen nicht aus. Laut Tante Google scheint es aber unserem Einkommensteuergesetz nicht vollkommen unähnlich zu sein, s. z.B. hier http://www.ihk-koeln.de/IHK_Laenderschwerpunkt_Tuerkei_Rechtl_Rahmenbed.AxCMS

Demnach wäre der Fragesteller bei einer Aufenthaltsdauer von 235 Tagen in einem Jahr zumindest mit seinen inländischen Einkünften in der Türkei beschränkt steuerpflichtig, wahrscheinlich sogar unbeschränkt steuerpflichtig. Zu den inländischen Einkünften aus nichtselbständiger Arbeit gehören diejenigen, die im Inland ausgeübt wurden. Das sind Einkünfte, die auf die Arbeitstage in der Türkei entfallen. Dabei ist irrelevant, wer das Gehalt zahlt und ob Teile seines Gehalts in Deutschland entlastet wurden. Das braucht die Türkei überhaupt nicht zu interessieren, da sich der Tätigkeitsstaat grundsätzlich nicht um die Vermeidung der Doppelbesteuerung kümmern muss. 

"können" bedeutet, dass die Türkei nicht besteuern muss. Wenn also irgendeine türkische Ausnahmeregelung greift und die Türkei auf ihr Steuerrecht freiwillig verzichtet, verbleibt das Besteuerungsrecht in Deutschland. Sowas könnte es geben. Vorstellbar wäre beispielsweise eine Ausnahmeregelung zur Förderung von Gastarbeitern. Das wäre aber eine seltene Ausnahme, von der ich in der Regel nicht ausgehen würde. Vielleicht weißt Du ja mehr.

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