Frage von LadyJane, 82

Distanzreiten Schweiz?

Ich bin 17 jahre alt und reite etwa seit 6 Jahren englisch. Im Moment bin ich am überlegen, ob ich mal ein eigenes Pferd möchte. Mich fasziniert Distanzreiten total, ich würde es gerne einmal ausprobieren. Wieviel Zeit braucht man fürs Distanzreiten? Und es sehr kostenintensiv (im Vergleich zu anderen Pferdesportarten)? Wie beginnt man am besten mit Distanzreiten? Am liebsten hätte ich einen Araber. Kann man auch einen Araber reiten, wenn man ein bisschen ängstlich ist? (Legt sich meistens, einfach bei Pferden die ich nonie geritten habe bin ich etwas ängstlich.) Ich wohne übrigens in der Schweiz Ich bin froh um Antworten auf meine vielen Fragen! :)

Hilfreichste Antwort - ausgezeichnet vom Fragesteller
von Dahika, Community-Experte für Pferde, 30

Distanzreiten braucht viel Zeit, da man das Pferd über längere Zeit sehr sorgfältig trainieren muss.
Es ist auch kostenintensiv, da Distanzritte nicht - wie andere Turniere - um die Ecke sind. Unter Umständen fährt man ein paar Stunden, man braucht vielleicht einen Übernachtungsplatz für das Pferd, für sich selbst ein Hotel, etc... Man braucht einen Hänger und ein entsprechendes Auto.
 Ich weiß nicht, wie es heute ist, aber zu meiner Zeit betrug die Nenngebühr für einen Distanzritt 1 Euro pro km. Und wenn man dann längere Ritte macht, kommt da gut was zusammen.
Allerdings ist es unter dem Strich weniger kostenintensiv als gutes Dressurreiten. Das muss man ja durch sehr viel Unterricht erst lernen. Und das läppert sich  natürlich über die Jahre. Von den reinen reiterlichen Anforderungen ist es halt etwas anderes, ob man eine L oder M Dressur reitet oder einen 60 km Distanzritt geht. Allerdings müssen auch Distanzpferde gymnastiziert werden, sonst halten sie den Sport nicht lange aus.

Wann man mit dem Distanzreiten beginnt? Nun, das Pferd muss mindestens sechs Jahre alt sein, das Training sollte zwei Jahre lang dauern. Solange brauchen die Sehnen und Bänder, sich auf die Anforderungen einzustellen. Das heißt nicht, dass man mit einem jungen Pferd bereits Strecke machen muss, aber es muss halt ans Gelände gewöhnt werden. Das geht erst mal auch durch Spazierengehen. Aber dann kommt halt das Reiten hinzu. Das Pferd muss einfach gelernt haben, gleichmäßig vorwärts zu gehen, ohne zu heizen oder zu bummeln und ohne hibbelig und ängstlich zu werden.  

Normalerweise fängt man mit kurzen Ritten an. Wenn die gut klappen und das Pferd gesund ist, kann man dann langsam steigern. Ich empfehle immer einen Kurs zu belegen, um es zu lernen.

Araber sind die idealen Distanzpferde, wenn sie gut geschult sind. Ängstlich sollte man nicht unbedingt sein auf einem Araber. Es sind halt Vollblutpferde und Araber haben die Eigenschaft, sehr plötzlich aus dem Nichts heraus zu agieren. Hibbelig sind Araber keineswegs, wenn sie gut geschult sind. Aber halt sehr reaktionsschnell. Meine Stute kann z.B. tiefenentspannt dahinschlappen und dann aus dem Nichts heraus scheuen und sich herumwerfen. Genauso schnell kommt sie allerdings wieder runter. "Ach so, war ein Irrtum. Hab mich vertan, war nur ein Blatt und kein Tiger. Na nu, was machst du denn da unten am Boden?"

Kommentar von LadyJane ,

Du meinst es gibt noch Hoffnung für mich ;) Sollte ich mir dann ein Pferd kaufen, das noch nicht eingeritten ist und mit einem Trainer anreiten lassen oder lieber eines nehmen, das schon älter & gut ausgebildet ist?

Expertenantwort
von ponyfliege, Community-Experte für Pferde & reiten, 38

es ist in erster linie sehr zeitintensiv. 

du rennst unmengen von kilometern im forschen laufschritt neben deinem pferd her. 

du selber solltest so fit sein, dass du MINDESTENS einen halbmarathon in einer passablen zeit laufen kannst. oder du solltest zur guten hälfte im orientierungslauf gehören. karte lesen musst du nämlich unterwegs auch.

distanzreiten kann man auch nicht ausprobieren, sondern man schaut ein paarmal zu und dann überlegt man, ob man das will oder nicht.

bei den distanzpferden findest du überproportional viele  araberpferde, vollblüter und halbblüter. die pferde müssen von natur aus leistungswillen, härte und kontrollierbaren vorwärtsdrang mitbringen, der reiter selbstdisziplin, die fähigkeit, die bedürfnisse seines pferdes über seine eigenen zu stellen, körperliche und geistige fitness und die zeit und motivation, um sich und das pferd entsprechend zu trainieren.

ich hab lange zeit regelmässig auf einem ehemaligen 100-meiler reitunterricht (dressur) bekommen... hollah die waldfee, sag ich dir. versammelter oder arbeitsgalopp lag für den fern jeder option. wenn du im galopp verlangsamen wolltest, hat er sich nett aufgerichtet, von hinten untergeschoben und vorn erst RICHTIG rausgelassen. war ein futtergeldverdiener in der reitschule und weil in jeder reitstunde auch galopp dran ist, war fast immer ein pferd für mich frei (den wollt einfach keiner reiten, obwohl er mega-feinfühlig war. die galopp-macke halt...)

ich hab da mal einen link für dich, wo du gut aufgehoben bist für weitere frage. das ist der dachverband distanzreiten für die schweiz.

http://www.swissendurance.ch/

in der schweiz heisst das eben nicht distanzreiten, sondern endurance. vielleicht hast du deshalb nichts gefunden.

nimm doch kontakt zum verband auf, oder schau mal, wann wettbewerbe sind und geh einfach ein paarmal als zuschauer hin.

Kommentar von LadyJane ,

Danke :) Wieso denn einen halbmarathon laufen? Ich bin recht fit auf dem Pferd aber mehr als 5 km kann ich einfac nicht rennen :( Meine Gelenke beginnen recht schnell zu schmerzen beim joggen... 

Kommentar von ponyfliege ,

um das pferd zu schonen rennt man gewöhnlich mindestens die halbe distanz nebenher.

das pferd wird während des wettbewerbs mehrmals tierärztlich kontrolliert. stimmt irgendwas nicht, wirst du aus dem wettbewerb genommen.

also man RENNT. man joggt nicht.

deswegen mindestens halbmarathonfit.

Kommentar von Dahika ,

ich kenne eine Reiterin, die international Distanzen geht, ihr Araberpferd aber auch bis S ausgebildet hat. DAs eine schließt sich also vom anderen nicht aus. Kommt aber selten vor. Leider sind viele Distanzpferde schlecht gymnastiziert. Äh... und gerade bei den kurzen Ritten (30 bis 40 km) habe ich oft bei Mitreitern heimlich gedacht: "Für eine E-Dressur hat es wohl nicht gereicht."
Aber einen Halbmarathon muss man vielleicht laufen können, wenn man einen Hundertmeiler reitet.
Ich bin auf meinem verstorbenen Araber (mit 28) regelmäßig Distanzen geritten, allerdings nur bis 60 km. Einen Halbmarathon konnte ich niemals laufen. Und ich bin immer unter die ersten 5 gekommen. Gut, ich gebe zu, nach einem 60km Ritt fühlte ich mich am nächsten Morgen auch wie 90.

Und auf den Einführungsritten, 30 km in mäßigem Tempo habe ich durchaus auch recht unsportliche Damen in die Wertung reiten sehen. Die Fragestellerin will ja nicht gleich mit dem Tevis Cup beginnen oder auf den Skt. Gotthard rauf.

Kommentar von ponyfliege ,

@dahika - dann bist du aber in der lage, sehr "leicht" und pferdegerecht zu reiten. und du merkst, wie fit dein pferd ist und trainierst es entsprechend auch vorher.

ich gehe mal davon aus, dass du immer die "saite" gespannt hattest, die dir gesagt hätte, wann man von allein aufhört, weil das pferd überfordert ist... und dass du dafür dann nicht erst das "aus" eines tierarztes gebraucht hättest.

wenn man anfängt mit so einem sport, dann ist es immer besser, ein bisschen fitter zu sein, als man sein MUSS, als ein bisschen zu wenig fit.

Kommentar von LadyJane ,

Joggt man wirklich die halbe Distanz nebenher? O.o

Ich werde wohl nie international gehen und ich denke nicht dass ich einen halbmarathon hinbekomme!

Antwort
von Zohaar, 31

Hallo, ich bin im Sommer 2010 meinen ersten Distanzritt geritten, das hat Spaß gemacht, war aber auch sehr zeitintensiv im Training. 2 Stunden saß ich im Training mindestens auf dem Pferd und die gesamten Sommerferien über. Der Distanzritt an sich hat Spaß gemacht und hat den ganzen Tag gedauert ( sind um drei Uhr früh los gefahren). Geritten sind wir insgesamt 2 h 45min in der Mitte war eine Stunde Pause. Ich hatte das Glück mit einem Schulpferd starten zu können ,welche schon Distanzerfahrung hatte( die Besitzerin ist mit ihr bis zu 90 km geritten.)

Dieses Jahr werde ich wieder in den Distanzsport einsteigen,wieder mit einem Schulpferd,welches ich zum Großteil selbst ausgebildet habe. Wobei auch ehrlich sagen muss: Ich starte dieses Jahr nur wieder aktiv, weil, ich ab April keine Schule mehr habe und dementsprechend Zeit zum trainieren und um mit Pferd in Ausreitgebiete zu verreisen ( wir kommen aus Berlin). 

Du musst dich halt fragen ob du genug Zeit fürs Training aufbringen kannst, du solltest vor dem Ritt nach Möglichkeit schon mal eine ungefähr gleich lange Strecke geritten sein.

Und zum Pferd 2010 bin ich mit einem Araber-Pony-Mix gestartet und dieses Jahr werde ich mit nem Kaltblut-Hafi-Araber-Mix starten. Wenn du nicht die ganz langen Ritte startet braucht man auch kein Araber. Zudem gibt es auch andere Rassen die sich gut eignen.

LG Zohaar

Expertenantwort
von MissDeathMetal, Community-Experte für Pferde, 33

Distanzreiten ausprobieren ist schwierig, aber möglich. Frag mal google

Wie viel Zeit man braucht? Je nachdem wie schnell du und dein Pferd Kondition aufbauen und wie viel Zeit du hast. Als Einsteiger fürs Distanzreiten macht man i.d.R. Eintagesritte die +/- 40 - 60km lang sind, mit steigender Disziplinhöhe werden die Ritte länger. D.h. du bist einen ganzen Tag im Sattel und das muss man trainiere. D.h. du brauchst unter der Woche 2 Tage an denen du mal 3 Stunden ins Gelände kannst (+ Stallarbeit und alles drumherum werden das schnell 4-5 Stunden am Tag. hast du so viel Zeit?) und am Wochenende noch zusätzlich. 

Kostenintensiv kommt drauf an mit was du es vergleichst. ein eigener Hänger ist bei Turnierteilnahme irgendwann ein Muss, ebenso ein Auto das den Hänger mit Pferd auch ziehen kann. Dass der Sattel gut passt ist beim Distanzreiten doppeltwichtig. Ansonsten gute Hufschuhe (4 Stück kosten +/- 400€) 

Es gibt sicher auch lammfromme Araber die Anfängertauglich sind, allerdings bin ich da noch keinen geritten. Mein vllt-Kaufpferd ist ein Araber und sie testet. Anfangs nicht unbedingt merklich, aber dann kommt auch mal "was tut mein Reiter wenn ich bei der Plastiktüte nur noch seitlich renne?" und wenn du dann die Nerven verlierst macht das Pferd was es will. Auch musst du dein Pferd kontrolliere können, und gerade Pferde mit starkem Lauftrieb erfordern da etwas mehr Erziehung und Durchsetzungsvermögen. In meinen Augen nix für Leute die ängstlich auf bestimmte Aktionen (scheuen, umdrehen, losrenne, usw) reagieren. 

Der Araber ist exterieurbedingt auch nicht ganz einfach zu gymnastizieren, da braucht man schon etwas Erfahrung und Können für, sonst geht das Pferd kaputt. Auch ist der Araber wesentlich sensibler als manch andere Rasse, wenn du beim Warmblut 200g Zügl in der Hand hast denkt sich das, was für ne weiche Hand. Der Araber wehrt sich schon dagegen weil es ihm zu fest ist. Allgemein habe ich das Gefühl dass Araber auf Druck stärker und schneller reagieren als andere Rassen. Wer das klemmen anfängt hat verloren. 

Von deiner Schilderung her würde ich von einem Kauf, gerade von einem Araber, die Finger lassen. Am Ende macht dir Distanz doch keinen Spaß und dann hast du ein extrem lauffreudiges Tier im Stall sitzen und wüten. Guck erstmal wo du Distanzreiten ausprobieren kannst, mehrmals. Und dann schau dass du ein paar Araber reitest. Wenn du dann das Gefühl hast, es taugt dir, dann schau weiter. aber jetzt vom Text hör würde ich dir raten es zu lassen

Antwort
von LuluAz, 19

Ein Araber ist dafür wirklich sehr geeignet. Die Geduld und den Aufwand, die Kontrolle nicht zu verlieren trotz vielen Aufwand, darin ist der Araber ein champion. Der elegant und zügig, die wichtigsten Prinzipien.
Zum Thema Distanzreiten kann ich dir leider nicht viel sagen, außer das es wirklich viel Zeit in Anspruch nimmt, ist aber nicht so meins.

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