Dissoziative Identitätsstörung und deren Auswirkungen auf mein Leben?

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1 Antwort

Tricks für eine echte Aufwertung deines Selbstbewusstseins kann dir wohl keiner geben, du solltest die Leistungen und Wesenszüge betrachten, auf die du Stolz bist und darauf ein echtes Selbstwertgefühl aufbauen. Alles andere wäre nur Show und nicht von langer Dauer.

Die dissoziative Identitätsstörung kann unterschiedlich stark ausgeprägt sein und sich in quasirealen Personen mit unterschiedlichen Charakteren, Namen, Alter und sogar Geschlechtern äußern. Die Abwesenheit der Wahrnehmung, wenn sozusagen eine andere Person nach vorn drängt, wird dann von dir als Zeitverlust wahr genommen.  Eine Therapie zielt hier hauptsächlich darauf ab, das ein stabiles Miteinander zustande kommt, weniger eine Vereinigung oder Auslöschung der übrigen Personen. Die Hauptperson behält meist die Kontrolle und es können regelrechte Absprachen mit den Mitpersonen getroffen werden, wer wann "Zeit" bekommt.  Früher nannte man das "multiple Persönlichkeit".

Es gibt auch Fälle, und da würde ich dich nach deiner Beschreibung einordnen, in denen die Aufspaltung in einer einzigen Person mündet, die Wesenszüge sich aber auf mehrere, wie von dir beschrieben, "Unter-Ichs" verteilen, was fast dem Normalzustand entspricht, mit einer gewissen räumlichen Distanz zwischen den Unter-Ichs, die ein direktes Miteinander erschwert.

So könnte Humor bei einer Persönlichkeit sehr stark ausgeprägt sein, bei einer anderen Angst usw. . Eine Persönlichkeit könnte Selbsthass in sich tragen, eine andere könnte Gutmütig sein. Auch hier kann es zu Episoden mit dem Gefühl von Zeitverlust kommen.

Die Summe dieser Persönlichkeiten wäre der als normal betrachtete Zustand. Es ist unter Umständen, bei einer gut durchgeführten Therapie möglich, diese emotional differenzierten Persönlichkeiten wieder zu einer Einzelperson zusammen zu führen.

Die Übergänge zwischen den beschriebenen Formen der Erkrankung sind fliessend, es gibt keine scharfe Abgrenzung.

Was allgemein gesichert ist, ist die Tatsache, das emotionaler Stress die Wechsel begünstigt. So kommen bestimmten Personen auch bestimmte "Aufgaben" zu. In deinem Fall vielleicht so, dass bei deinem Vater häufiger solche Filme zu sehen sind, deshalb die Person nach vorn drängt, die am besten mit der Situation umgehen kann. Das ist ein Automatismus und findet eig. auch bei jedem anderen Menschen statt, nur fällt da der Wechsel nicht so sehr auf.

Das bedeutet aber auch, das dein eigentliches Ich durchaus einfach nur die Summe aller Teile ist, und du nicht danach suchen musst. Aber zum besseren Miteinander ist eben professionelle Hilfe notwendig.

Wenn du trotzdem das Gefühl hast, das tatsächlich völlig verschiedene Personen in deinem Körper leben, dann hilft zur Aufnahme einer Kommunikation das gegenseitige Hinterlassen von Nachrichten und Briefen, die die andere Person bei Aktivität leicht auffinden kann.

Diese Persönlichkeitsspaltungen sind praktisch immer Resultat traumatischer Erfahrungen. Eine Behandlung wird daher immer mit der Ursachenfindung und deren Aufarbeitung beginnen. Und eine Behandlung sollte stattfinden. Nach deiner Schilderung ist die Zerissenheit noch nicht so drastisch, aber durch den zeitweisen Kontrollverlust können weitere Traumata entstehen und eine endgültige Spaltung auslösen, bei der auch das Ursprungs-Ich verloren gehen kann.

Dennoch, die meisten Patienten führen ein völlig normales und erfülltes Leben, also nur Mut. Und alles Gute.

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Kommentar von Saki123
26.06.2016, 07:23

Vielen Dank für deine Worte, sehr ausführlich. Naja mich beeinflusst es schon sehr stark in meinem Alltag muss ich sagen. Ich bin emotional total unbelastbar und kriege in Stresssituationen immer das Gefühl dass ich Sofort hier weg muss und sonst sterbe, so erdrückend kann das Gefühl werden.

Hatte das auch oft bei der Arbeit oder bei Dingen die mir wichtig sind/waren, weil automatisch Druck aufgebaut wird welchen ich nicht kontrollieren kann.

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