Frage von AnswereGuy, 51

Dietrich Bonhoeffer - Wie passen Theologie und Widerstand zueinander?

Hallo, wie hat Dietrich Bonhoeffer seinen Widerstand gegen den NS in Bezug auf seine Theologie begründet?

Danke im Voraus.

Antwort
von SchlunzSchmidt, 40

Die Lehre Bonhoeffers war, eine bdingungslose Nachfolge und ebensolcher Gehorsam Gott gegenüber. Dies passte aber nicht mit der Lehre des NS zusammen, welcher Hitler wie einen Gott verehrte, indem sie ihm blinden Gehorsam zollten. Bonhoeffer fragte sich, ob er es vereinbaren könnte, einen Putsch gegen Hitler zu wagen, den er mit der Gruppe um Graf Claus Schenk von Stauffenberg am 19 Juli 1944 in die Tat umzusetzen versuchte, welcher aber scheiterte. Er fragte sich im Sinne seiner Theologie, seines Glaubens, ob es rechtens ist einen Menschen zu ermorden. Er kam zu dem Schluss, dass es okay und gerechtfertigt, einen Menschen zu ermorden, wenn er damit das Leben Millionen anderer schützen könnte.


Ich hoffe, ich konnte dir ein wenig weiterhelfen. ;-)

Kommentar von SchlunzSchmidt ,

Ich hab vor einiger Zeit mal in meinem Studium ein Essay über deine Fragestellung geschrieben:

Dietrich Bonhoeffer kritisiert in seinem Aufsatz zur Gnade das Stillschweigen der Kirche
gegenüber politischen Verhältnissen. Er bezieht sich dabei auf eine Tradition,
die bereits bei Martin Luther zu finden war.Dietrich Bonhoeffer verbindet den Begriff der „Gnade“ ganz zentral mit dem der
„Nachfolge“. Gnade bedeutet für ihn vor allem, das Evangelium nicht nur mit
Worten zu predigen, sondern es auch praktisch dort anzuwenden, wo es von Nöten
ist. Er unterteilt den Begriff der „Gnade“ in zwei Definitionen: Die der
„billigen“ und die der „teuren“ Gnade.
Die billige Gnade meint eine Gnade ohne Nachfolge, eine ohne „Arbeit.“ Sie rechtfertigt
die Sünde, jedoch nicht den Sünder. Billige Gnade nach Dietrich Bonhoeffer
meint das Abgrenzen der Christen von der Welt. 

Bezogen auf die Zeit, in der Bonhoeffer lebte, meint diese eine Rechtfertigung des
nationalsozialistischen Staates, sowie der eigenen Identität, eine Passivität
der Kirche, die sich von der Außenwelt abgrenzt und sich hinter den eigenen
Mauern verschanzt.

Die „teure Gnade“ hingegen ruft in die Nachfolge Jesu Christi. Sie ist deshalb
teuer, weil sie Gott teuer war, denn sie kostete ihn das Leben. Teuer ist sie
auch, weil sie jeden Menschen etwas kostet. – Sie kostet Mut; die Bereitschaft,
Jesus von ganzem Herzen und zu jeder Zeit dorthin nachzufolgen, wohin er es für
richtig hält. Manchmal ist die „teure Gnade“ ein Kampf, denn auch wenn Jesus in
Mt 11,30 sagt: „Mein Joch ist sanft und meine Last ist leicht.“, erleben wir
Menschen sie dennoch des Öfteren als hart und schwer. Sie verlangt, eigene
Pläne loszulassen und bedingungslos auf Jesus Christus zu vertrauen. Deshalb
ist es teure Gnade. Bezogen auf den Nationalsozialismus bedeutet „teure Gnade“ ein Aufruf zum Widerstand
und eine Auseinandersetzung mit dem Sündenbegriff.

So sei nach Bonhoeffer das Morden eine Sünde, die bereits im Dekalog untersagt

wird, das „Nichts-Tun“ gegen das Regime, ein Verbrechen gegen die Bevölkerung,

denn „wenn die Menschen schweigen, werden die Steine schreien.“ (Lk 19,40)

Man sieht also, Gnade sollte niemals billig werden, weil sie zu teuer ist, um billig zu sein.

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