Frage von deepxpalexblue, 272

Dieser Alltag frisst mich allmählich auf?

Leute, ich halte das nicht aus! Meine Eltern zwingen mich ständig zu irgendwelchen Aktivitäten und mir bleibt einfach kein LEBEN mehr! Nach der Ganztagsschule (bis um 4 und 1h Zugfahrt) habe ich Montags Gesang, Dienstags Latein und Ukulele, Mittwochs Blockflötenensemble, Donnerstags Querflöte und Geige und Freitags Klavier und Gitarre. Dann kommen noch spontane Aktionen hinzu. Beispielsweise hatte ich heute von halb sechs bis um neun Probe für den Firmgottesdienst, der Morgen 9:15-11:00 stattfindet (ich spiele Querflöte), dann muss ich morgen Nachmittag noch einen Gottesdienst orgeln. Am Sonntag muss ich in 2 Messen ministrieren und zur Vesper. Mittwochs und donnerstags werde ich von der Schule freigestellt, um beim Katholikentag in Leipzig Klavier und Geige zu spielen, nächsten Samstag muss ich zu einem 4stündigen Musikkurs in Jena und das geht immer so weiter. Vielleicht ist dass ja auch gar nicht viel und ich bin nur zu schwach, aber DAS IST EINFACH NICHT MEIN LEBEN. Ich weiß aber, dass Widerspruch keinen Sinn hätte...

Antwort
von madwe, 53

Ehrlich gesagt, verstehe ich Deinen letzten Satz nicht: Widerspruch hätte keinen Sinn...??? Sind denn Deine Eltern solche Tyrannen? Wozu könnte denn ein Widerspruch Deinerseits führen? Zu einem Zerwürfnis zwischen Eltern und Tochter, einem Rauswurf? Du schreibst von Pubertät, wirst also so 13 oder 14 Jahre alt sein. In diesem Alter kann man sich gegen elterliche Forderungen nur schwer zur Wehr setzen, da kenne ich genug Beispiele. Ich unterstelle Dir mal, dass Du zu Deinen Eltern eigentlich ein gutes Verhältnis hast und sie als "brave Tochter" nicht enttäuschen möchtest, indem Du ihre Ansprüche an Dich abwehrst. Du wirst aber auf Dauer nicht daran vorbeikommen, ihnen irgendwie klarzumachen, dass es so nicht mehr weitergehen kann. Dein Engagement (auch wenn es "erzwungen" ist) nötigt mir großen Respekt ab, aber es liegt weit oberhalb jedes vernünftigen Maßes. Was halten übrigens Deine Eltern von dem Interesse an Astrophysik, an Mathe, an Programmierung etc? In Deinem Alter darf man noch - ungestraft! - Träume haben, später werden die dann oft genug vom Kopf auf die Beine gestellt...Also, sei nicht länger die Marionette, sondern nimm selber mal die Fäden in die Hand. Du bist überdurchschnittlich intelligent - das zeigen Deine Kommentierungen - und wirst Wege finden, Deine Lebensgestaltung zu ändern. Viel Glück und alles Gute!!!

Kommentar von deepxpalexblue ,

Danke! Ja, du hast recht mit deiner Vermutung...
Meine Eltern sind keine Tyrannen, sie nehmen das ganze nur für selbstverständlich und würden Widerrede auf die Pubertät schieben und nicht ernst nehmen.
Von meinen Interessen halten sie nicht sehr viel, das ist ihrer Meinung nach "nur so eine Phase" und Astrophysik "kein richtiger Job".
Ich drängele mich aber auch nicht wirklich nach irgendeiner Art Familienstreit. Wenn es nicht so zermürbend wäre und mich von anderen wichtigen Sachen abhielte, würde ich mich dem Willen meiner Eltern ja beugen, bis sie von allein aufhören, nur ist mir klar, dass das nicht so bald sein wird. Und ich habe Angst, dass ich mein Leben dann dauerhaft so leben muss, sprich Musik studieren und für immer eine Arbeit arbeiten, die mich nicht ausfüllt...

Antwort
von Quelkox, 37

Neues Image:
- Hipster ist noch immer Aktuell was ich mitbekommen habe.
• Richtige Musik Produzieren was mehr spaß macht wie Blockflöte zu spiele oder eine Orgel in der Kirche zu bedienen
• Sport, anfangen Longboarden im besten fall kann man das mit Slacklinen in verbindung bringen.
• YouTube Menschen unterhalten mit diversen Aktivitäten die wären Vlog's, Broadcast
• Einfach schlafen und sich Querstellen

Antwort
von ArbeitsFreude, 55

Du hast hier schon viele gute und mitfühlende Antworten gekriegt, liebe
deepxpalexblue!

Du könntest - wenn nichts anderes hilft und Deine Eltern Deinen Lebenswünschen verschlossen bleiben

- das tun, was ich mit 15 (also vor fast 40 Jahren:) in einer ähnlichen Situation mal gemacht habe:

Einfach mal über ein Wochenende abhauen - so kommentarlos am Freitag verschwinden und dann am Montag wieder in die Schule, danach nach Hause, als ob nichts gewesen wäre...

Also MEINE Eltern haben die Botschaft dann damals verstanden...:)

Antwort
von PurpurSound, 74

Deine eltern meinen es aber richtig gut mit dir und investieren eine menge, respekt!!

Sie "zwingen" dich ganz offenbar nicht zu "irgendwelchen" sondern schwerpunktmässig musikalischen aktivitäten. Bist du denn so begabt und liebst du die musik? Oder hätten sie das gerne?

Fraglich ist für mich ob a)sie wirklich am ziel vorbeischiessen oder b)du das ganze eher aus opposition nicht als "leben" bezeichnest!?

"Mein Leben" wäre dann was??

Ich musste mich gnadenlos durchsetzen um musiker werden zu dürfen. Mediziner, anwalt oder sonst was "ordentliches" wäre meinen leuten viel lieber gewesen :-)

Kommentar von deepxpalexblue ,

Das mit dem begabt kann ich nicht wirklich einschätzen. Natürlich liebe ich Musik, sie hat etwas hypnotisierendes, fast wie eine Droge. Das heißt aber immer noch nicht, dass ich mich Tag und Nacht mit irgendwelchen Menuetten herumschlagen will (zugegeben, die von Chedeville sind sehr schön, aber alles ist in Maßen besser als in Massen) und eine Kreatur menschlicher Fantasie wie einen imaginären Freund und Gegner zugleich anbeten will.
Auf die Frage, was mein Leben denn dann ist... Mein riesiger, lebensausfüllender Traum wäre es, Astrophysik zu studieren. Mit den Füßen auf der Erde stehen und mit dem Kopf durch ferne Galaxien schweben. Wunderbar komplizierte Rechnungen ausführen, auf die es genau eine richtige Antwort gibt. Ich liebe das kribbelnde Gefühl im Bauch, wenn man etwas ausgeknobelt hat und herausfindet, dass es genau so richtig war. Ich liebe die Freiheit, die man in jedem einzelnen unserer Atome spüren kann, wenn man daran denkt, was für ein winziger und dennoch genau so (un)wichtiger Teil des Universums sind wie jedes schwarze Loch und jeder Komet. Das ist einfach das, was mich ausfüllt und gegen die Musik habe ich nichts, solange sie mich nicht komplett davon abhält, es mit diesem Traum wenigstens zu versuchen. Und das tut diese Situation im Moment.

Es freut mich, dass du deine Interessen durchsetzen konntest und leben kannst, was dich glücklich macht. Viel Glück!

Kommentar von PurpurSound ,

Danke dir :-) also wenn du doch so genau weisst was du willst, dann sollte es auch möglich sein deine eltern davon zu überzeugen. Falls das dennoch nicht fruchtet tritt in generalstreik oder rede mal mit einem pfarrer deines vertrauens :-)

Antwort
von moshkidhc, 104

"Vielleicht ist das ja auch gar nicht viel" 

Sh*t also ich wäre da ja schon längst eingegangen...Rede mal mit deinen Eltern, das sind ja unmenschliche Erwartingen die du da erfüllen musst. 

Und weshalb so viele Musikinstrumente? Wollen deine Eltern einen nächsten Mozart züchten oder was? Mach nur das, wozu du auch Lust hast, sonst macht das alles keinen Sinn. 

Kommentar von deepxpalexblue ,

Oh Gott, wenn ich endlich alles machen dürfte, was ich wöllte anstatt diesen ganzen Instrumenten, ich wüsste gar nicht, wo ich anfangen soll. Ich hätte wahrscheinlich schon längst einen Atheistenclub gegründet, wäre Teil einer Astrophysik-AG, würde versuchen, mir das hacken beizubringen und HTML-Seiten und so etwas zu programmieren, und mich in meiner Freizeit mit Mathe beschäftigen anstatt immer nur mit Musik, Gott, Musik, Gott....

Aber ich bin ja nur die Marionette. Die kleine Holzpuppe an den Drahtseilen. Wie tragisch wäre es, würde sie plötzlich nicht mehr den Bewegungen der Seile folgen? Oh nein, sie könnte ja aus Versehen ein eigenes Leben haben, oh nein, sie könnte ja aufhören, unserem dummen Lügen Glauben zu schenken, oh nein, sie könnte ja aus Fleisch und Blut bestehen statt aus Holz. Am Besten zäunen wir sie schön in dieser Illusions-Welt ein, damit das nie passiert...

Kommentar von moshkidhc ,

Ich weiss nicht wie alt du bist, aber wenn du ausreichend selbstständig bist, dann tu einfach was du möchtest. Du musst jetzt entscheiden was du lieber möchtest, dein eigenes Leben gestalten und deine Eltern konfrontieren oder weiter nach deren Pfeife tanzen. Vor allem das mit Kirche und so würde mich richtig stören, Dinge gegen meine eigene überzeugung zu tun. Aber ich bin und war einfach schon immer sehr selbstständig und hatte meine eigenen Überzeugungen 

Kommentar von Dirndlschneider ,

Das kleine Wolferl musste nicht annähetrnd so viele Instrumente spielen.....außerdem denke ich , er durfte  das machen , was ihm am besten lag !

Kommentar von moshkidhc ,

Das habe ich auch nie behauptet. 

Antwort
von Dirndlschneider, 56

Also , wenn ich richtig gezählt habe , spielst du 7 Instrumente , wobei du evtl noch Unterricht bekommst.....

das ist schlicht gesagt . Wahnsinn ! ( Du klingst , als wärst du kurz vor dem Burnout ! )

Spielen deine Eltern selber ? Haben sie auch nur den Schimmer einer Ahnung , wie aufwendig es ist , auch nur ein einziges Instr. akzeptabel zu beherrschen ? Diese Vielfalt macht überhaupt keinen Sinn ! 

Wenn du studierst machst du dein Hauptinstrument und auf jeden Fall Klavier ( wegen der Theorie ) und das ist es dann .

Glaubst du , Emanuel Pahud  , David Garrett , alle anderen Weltklasse Solisten spielen mehr als 3 Instrumente ? Selbst wenn , sie haben sie sicher nicht alle gleichzeitig gelernt .

Ich selbst mache seit über 50 Jahren aktiv Musik , aber einen solchen Bl....sinn habe ich noch nie gelesen ......sorry . 

Es ist ja nicht so , dass du diese Instr. spielst , du musst sie ja auch üben....

Sodele , jetzt habe ich meine Fassungslosigkeit umfassend geäußert ....was wäre zu tun ?

Du solltest dir einen absolut detaillierten Plan erstellen , wieviel Zeit du für deine jeweiligen Aktivitäten brauchst . Schule nicht vergessen . Du überprüfst das . Ich bin sicher , du kommst auf einen 30 Std Tag .

Du streichst das , was dir am meisten widerstrebt und gehst damit zu deinen Eltern . Rede mit ihnen , ernst und bestimmt und mache klar , dass du auf keinen Fall gewillt bist , in dieser Weise weiterzumachen . 

Vllt kannst du dir Unterstützung bei einem Lehrer ( oder , wie gesagt , bei einem Pfarrer ) holen  . Kein wohlwollender Mensch in deinem Umfeld kann daran interessiert sein , dass du in nächster Zukunft zusammenklappst .

Hast du Großeltern , die dich unterstützen könnten ? Hol sie ins Boot , rede Klartext .......Omas und Opas lieben ihre Enkel und haben mit ihren Kids meist noch ein Hühnchen zu rupfen......keine schlechte Ausgangslage......

Du meinst , mit deinen Eltern ist nicht zu reden ? Der Satz : " Ich höre ab sofort mit dem Gesangs - und Ukuleleuntericht auf." ist doch gutes und klares Deutsch und leicht zu verstehen . Sei entschlossen . Es erfordert sehr viel Mut - ohne Zweifel , aber du wirst in deinem Leben noch sehr oft für dich und deine Interessen einstehen müssen ....fang jetzt damit an ! Du weißt , dass es sich lohnt ! 

Ich wünsche dir viel Kraft und Courage für deinen Schritt und auch viel Erfolg !

Kommentar von deepxpalexblue ,

Oha, das war ein langer Text...
Ich werde mal versuchen, auf jeden Teil davon einigermaßen zu antworten.

Ja, meine Eltern spielen selbst einige Instrumente. Mein Vater ist Kantor bei uns in der Kirche, er spielt Klavier, Orgel, Bratsche, Gitarre und Blockflöte und meine Mutter ist Lehrerin für Blockflöte, Cello und Klavier und spielt aber auch Orgel. Die beiden sind glücklich damit und haben sich das alles freiwillig ausgesucht...

Die Sache ist nur, ich <em>will</em> ja gar nicht unbedingt Musik studieren... Astrophysik und Mathe interessieren mich viel mehr, aber das wird in unserer Familie nicht wirklich akzeptiert, also Wissenschaft im Allgemeinen.

Mein Opa ist Pfarrer und meine Oma Gemeindereferentin und Religionslehrerin, sie sind beide sehr dafür, dass ich viele Instrumente spiele und mich auch sonst an christlichen und musikalischen Aktivitäten beteilige.

Ich habe generell nichts gegen Musik, nur ist alles ja besser in Maßen als in Massen.

Vielen Dank für deinen Plan, das Ganze werde ich mal ausprobieren! :)

LG

Kommentar von Dirndlschneider ,

Ok , lieb , das du erneut Stellung bezogen hast . Schön , dass du dir eine " Erfolgsstrategie " überlegen willst , bleib dabei . 

Seltsam , dass bei euch die Musik diesen hohen Stellenwert hat - normalerweise ist das doch ein Unsicherheitsfaktor für eine erfolgreiche Zukunft......damit könntest du doch auch argumentieren , so tolle Berufsaussichten hat auch heute ein Kirchenmusiker nicht mehr , dafür laufen ein paar arbeitslose Musiker zu viel herum .

Mathe und ( Astro ) - Physik evtl auf Lehramt ( vorerst .....) ist doch viel erfolgversprechender .

Ach komm , darüber muss doch ein vernünftiges Gespräch möglich sein .....

Also , nochmal , dir alles Gute ! Sortiere dich und dann ran ans Werk ! Möge die Macht mit dir sein......

Kommentar von Merkantil ,

Ich kann Dirndlschneider nur zustimmen: Du mußt Dein Pensum radikal reduzieren, und mußt Dich dabei mit klaren Worten Deinen Eltern gegenüber durchsetzen.

Allerdings mußt Du bei Deiner Argumentation berücksichtigen, daß Deine Eltern völlig in ihrer Welt gefangen sind, sodaß sie gar nicht begreifen können, daß es außerhalb dieser Welt auch noch etwas anderes gibt.

Deshalb wäre es sicher nicht zielführend, sie mit Deinen wahren Berufswünschen (Astrophysik) jetzt schon zu konfrontieren. Schau, daß Du in der Schule in allen naturwissenschaftlichen Fächern inkl. Mathematik möglichst viel lernst, und daß Du insgesamt möglichst gute Noten nach Hause bringst, sodaß Dir, wenn es so weit ist, die Türen zu Deinem Traumfach offen stehen. Mehr brauchst Du zur Vorbereitung des Studiums in Deinem Traumfach meines Erachtens jetzt noch nicht zu unternehmen.

Bis dahin kannst Du Deine Eltern ja in der Gewißheit wiegen, Du wollest Musik studieren. Und auf dieser Basis kannst Du dann auch argumentieren: Wenn Du ein Musikstudium anstrebst, ist es total unseriös und oberflächlich, so viele Instrumente nebeneinanderher auf ähnlichem Niveau betreiben zu wollen: Mehr als zwei Instrumente gleichzeitig plus der jeweilige Instrumentalunterricht plus das tägliche stundenlange Üben für jedes einzelne Instrument geht nicht. Such Dir 2 Instrumente aus (oder 1 Instrument und Gesang) und frag den entsprechenden Instrumentallehrer, wieviel Stunden pro Tag Du für dieses eine Instrument üben mußt, um für ein Musikstudium gut gerüstet zu sein. Aufgrund dieser Antworten kannst Du Deinen Eltern vorrechnen, was machbar ist, und was nicht.

Sollten sie meinen, man brauche doch nicht so viel zu üben, Hauptsache, man musiziert viel drauflos, und es sei vor allem wichtig, vielseitig zu sein, kannst Du entgegnen, daß Du dann sowieso keine Chance hast, Musik zu studieren, wenn Du so weiter vor Dich hin wurstelst wie bisher. Du kannst ihnen vorwerfen, Deine musikalische Zukunft zu verbauen. (Das sind echte Argumente, keine Scheinargumente.)

Wie gesagt: Strebe mit dieser Argumentation offiziell ein Musikstudium an, betreibe die zwei ausgewählten Instrumente dann auch ernsthaft (das macht mehr Spaß, als sich in übertriebener Vielseitigkeit zu verzetteln), und offenbare Deine wahren Berufsziele erst, wenn es so weit ist. („Man kann ja mal seine Meinung ändern ... “)

Sollten sich Deine Eltern darauf nicht einlassen (immerhin scheinen sie nichts anderes zu kennen als dieses „auf allen Hochzeiten gleichzeitig Tanzen“), kannst Du sie damit konfrontieren, daß damit der Zug für ein Musikstudium sowieso abgefahren ist.

Du scheinst sehr begabt zu sein, daß Du trotz der Oberflächlichkeit, in die Du hineingedrängt worden bist, und trotz wenigen Übens (es ist, da der Tag nur 24 Stunden hat, schon rein mathematisch nicht möglich, daß Du für jedes einzelne Instrument auch nur ansatzweise genug übst) so gut geworden bist, daß Du auf mehreren Instrumenten anhörbar in der Öffentlichkeit spielen kannst.
Aber Begabung allein ist nicht alles: Wenn man sich nur auf die Begabung verläßt, gerät man immer mehr ins Pfuschen. Ich kapiere nicht, daß Deinen Eltern diese Pfuscherei für Dich und auch für sich selber genügt.

Selbst wenn Du Deine Eltern überzeugen kannst, die Gangart zu ändern, wirst Du es sicher nicht schaffen, das in Deiner Zeiteinteilung zu erreichen, was mir wünschenswert erscheint: Daß Du nämlich regelmäßig mehrere Stunden pro Woche zur Verfügung hast, die Du Dir ganz frei einteilen kannst, ohne Verpflichtungen und Termindruck, und in denen Du Dich entweder mit Freunden treffen oder aber astrophysikalische Bücher lesen kannst.
Aber es wäre ja auch schon etwas, die Umstände teilweise zu ändern.

Kommentar von Dirndlschneider ,

Super Argumentation , genau detailliert gegliedert , was ich zum Ausdruck bringen wollte ! Hoffentlich hilft es unserer jungen FS , in dieser Richtung aktiv zu werden . Ich drücke alle verfügbaren Daumen .

Kommentar von Merkantil ,

Danke!
Auch ich drücke ihr die Daumen.
Immerhin hat sie sich durch ihre Lektüre in englischer Sprache ein Gebiet der inneren Emigration geschaffen, auf das sie sich zurückziehen kann. Und ihre Aktivitäten auf GuteFrage scheinen ihr auch einen gewissen Ausgleich zu verschaffen.
Allgemein kann sie ihre Ansichten enorm plausibel und fundiert darstellen, besonders, wenn man ihr Alter berücksichtigt. Ich hoffe, daß sie mithilfe dieser geistigen Klarheit Konflikte lösen kann, die momentan unlösbar erscheinen.
Wichtig wäre, wenn sie sich durch eine Verschlankung ihres Zeitplans eine gewisse Entlastung verschaffen könnte.

Antwort
von MizzC, 91

Das ist ziemlich viel, was du da machen musst. Am besten überlegst du dir erstmal, was dir eigentlich von den Sachen überhaupt gefällt oder Spaß macht.

Vielleicht kannst du dann mal darüber nachdenken, ob du mit einigen Sachen weitermachen möchtest und andere Sacen dafür bleiben lässt.

Du musst ja nicht in allen Dingen gut sein, wenn du z.B. ein Instrument perfekt beherrscht und fleißig weiterüben möchtest, dann muss der Rest nicht auch noch dazu

Kommentar von deepxpalexblue ,

Ich bin eigentlich überhaupt nicht so die Kirchenmusik-Person. Ich liebe Musik allgemein schon, höre liebend gern Pop Punk und Punk Rock und Deutschrap und eigentlich auch jede Musik, die im Radio kommt gern und würde daher mit Klavier und Gitarre gern weitermachen. Sonst interessiere ich mich aber eher (brennend!) für Wissenschaft und würde, wenn ich es denn dürfte, liebend gern bei einem Astrophysik-Kurs oder so mitmachen statt diesen ganzen Instrumenten... Aber das ginge ja gar nicht. Die kleine Holzpuppen-Marionette könnte ja aus Versehen mal ein eigenes Leben haben, huch. Ein Leben, in dem sie vielleicht sogar den alt dahergeredeten Ideologien nicht mehr glaubt, huch, das wäre ja der Weltuntergang. Ach, wisst ihr was, alles nur die Pubertät, unsere Tochter wird schon wieder normal und dann können wir sie zum Kirchgang und Musikstudium zwingen.

Kommentar von MizzC ,

Ich kann verstehen, wie du dich fühlen musst, ich kenne solche Eltern. Es ist echt schwer die eigenen Sachen durchzusetzen. Einerseits, weil es einem nicht erlaubt wird. Andererseits möchte man die Eltern nicht enttäuschen bzw. hat man Angst, wie sie reagieren, ob sie einen dann noch mögen, ob man Ärger kriegt. Das ist wirklich eine schwere Situation.

Aber je mehr du dich dem hingibst, desto mehr sehen sie das als selbstverständlich ein.
Ich will damit sagen, du musst jetzt nicht direkt ausziehen, aber du solltest schon nach und nach zeigen, wer du wirklich sein möchtest, damit deine Eltern es sozugen "verarbeiten" können und es (vielleicht auch nicht) akzeptieren oder dass du dich einfach wohler fühlst und so eine schlechte Laune deiner Eltern verkraftest.

Die kurze Zeit, wo du das machen kannst was du willst ist viel schöner (auch wenn das danach nicht schön ist) als die ganze Zeit eine miese Laune zu haben, weil einem alles verboten wird ^^

Antwort
von xEd777x, 46

Schon allein das Lesen und die Vorstellung, so viele Sachen tun zu müssen, die ich absolut nicht tun möchte löst bei mir schon Stress aus...

Tut mir wirklich Leid für dich, dass du so unter deinen Eltern, nun ja, leiden musst. Ich finde es absolut nicht in Ordnung, dass sie dir keinerlei Option geben, dir selbst Hobbies und Freizeitaktivitäten zu suchen, die deinen Interessen eher entsprechen.

Hast du sie schon darauf angesprochen? Du sagst, Widerrede hätte keinen Sinn, aber hast du sie denn schon zumindest einmal wörtlich darauf hingewiesen, dass dir dein derzeitiger Terminplan einfach gewaltig auf den Keks geht? 

Ich an deiner Stelle würde die Aktivitäten, auf die ich keine Lust habe, einfach nicht mehr tun. Einfach nicht mehr hingehen. Egal, welche Konsequenzen es haben würde. Mir ist es lieber, ich kann bestimmte Dinge NICHT mehr tun, als bestimmte Dinge tun zu MÜSSEN, die ich nicht tun will. 

Kommentar von deepxpalexblue ,

ja, habe ich, aber sie schieben das alles nur auf die Pubertät und hören mir gar nicht richtig zu...
Nach dem Motto "Sie kann sich ja wohl schlecht weigern, dass Leben zu leben, dass ihr assigned wurde."

Antwort
von Lolkeks28, 4

Ohje : / rede mit deinen Eltern. Sowas ist wirklich nicht gut wenn man keine Freizeit hat. Das klingt nach ganz schön viel Stress. Pass lieber auf das du nicht mal ein bournout bekommst. Suche das Gespräch mit deinen Eltern. Und wenn die dir nicht zuhören wollen, geh einfach nicht hin. Zwingen kann dich keiner zu irgendetwas. Das ist dein gutes Recht dein Leben so zu gestalten wie du es für richtig hälst.

Antwort
von Giustolisi, 62

Musik ist etwas, das Spaß machen sollte. Ich selbst spiele Gitarre, Ukulele und Bass. ich käme nie auf die Idee zu spielen wenn ich keine Lust habe. Dieses gewaltige Pensum ist vielleicht gut gemeint, aber es würde jeden gewaltig unter Druck setzen und ihm die selbst bestimmte Freizeit rauben. 

Ich würde als erstes das klärende Gespräch suchen. Klartext, keine wagen Andeutungen. Überlege dir vorher gut, was du sagen willst. Werden deine wünsche abgelehnt, gehe einfach zur nächsten Stufe über. Vielleicht findest du so heraus, was deine Eltern dazu treibt, dir so ein enormes Pensum aufzubürden. Vielleicht lässt sich auch ein für beide seiten tragbarer Kompromiss aushandeln. Ein weiterer Vorteil am klärenden Gespräch ist, dass deine Eltern nicht sagen können, sie hätten ja von nichts gewusst.

Ein anderer Ausweg ist der passive Widerstand. Such dir die Aktivitäten aus, die du freiwillig machen willst. Stelle deine Wünsche gegenüber deinen Eltern klar. Mach einfach nichts anderes mehr. Das nennt man passiven Widerstand, einfach nichts zu tun und sich auf diese Art zu wehren. Deine Eltern können zwar versuchen, dich unter Druck zu setzen und zu bestrafen, aber im Grunde ist es ein Geduldsspiel. Wenn du den längeren Atem hast, wirst du erfolg haben.

Ein Ausweg ist die Lüge. Spiele einfach so schlecht du kannst. Irgendwann werden deine Lehrer und Eltern denken, dass es mit dir keinen Sinn hat. Du kannst auch einfach behaupten, dass du nicht spielen kannst, weil du Schmerzen in den fingern hast, oder so.  Niemand kann dir nachweisen, dass du keine schmerzen hast, man wird höchstens keine Ursache dafür finden. es könnte sich ja bessern, wenn du weniger musizieren musst und du hättest dein ziel erreicht. Der schmerz könnte immer dann zuschlagen, wenn es dir zu viel wird und keiner kann dir die Schuld geben.

Rebellion ist ein anderer Weg. Den ganzen Kirchenkram wirst du zum Beispiel schnell los, wenn du nur genug über den Christengott lästerst. Zeige deine Abneigung deutlich, schrei zum Beispiel während dem Gottesdienst "heil Satan" und es wird dich niemand mehr in der Kirche haben wollen. Das demonstrative Zerstören von ungeliebten Instrumenten könnte man ebenfalls in betracht ziehen, wenn sonst nichts hilft. Rebellion bedeutet gewaltsamer Widerstand und der sollte das letzte Mittel sein.

Aber was du auch immer tust, sei schlau und überlege gut, mache dir die Konsequenzen deines Handelns bewusst und triff dann deine Entscheidung.

Es gibt Vieles was du tun kannst, jedoch würde ich an deiner Stelle mit den sanften Methoden anfangen und mich dann falls erforderlich steigern

Für weitere Fragen stehe schreib einfach.

Kommentar von madwe ,

Lüge und Rebellion als (letzten?) Ausweg in dieser verfahrenen Situation anzupreisen, ist nach meiner Meinung nicht der richtige Weg. Und hier von "Kirchenkram" und "Heil Satan" zu faseln, kann ich bestenfalls als dümmliches Geschwätz bezeichnen. Ich finde es wunderbar, wenn sich heute in einer weitgehend entchristianisierten Welt  junge Menschen überhaupt noch für Gott und Kirche interessieren. Und das Zerstören von Instrumenten kannst Du doch nicht ernst meinen, oder???  Andererseits ist offenkundig, dass hier einem wahrscheinlich sehr begabten jungen Menschen viel zu viel zugemutet bzw. abverlangt wird. Solch ein Pensum hält niemand auf Dauer durch! 

Kommentar von madwe ,

Jetzt muss ich meinen Kommentar noch revidieren, weil ich weiter unten gelesen habe, dass sich der Fragesteller angewidert äußert, dass sein Leben nur aus "Musik - Gott - Musik - Gott" bestehe und er sich auch die Gründung eines "Atheistenclubs" vorstellen könne. Wenn man zu etwas gezwungen wird (hier das Engagement in der Kirche), was den eigenen Vorstellungen zuwider läuft, kann das nur Frust und irgendwann auch Wut erzeugen. Im übrigen halte ich aber an meinem ersten Kommentar fest.

Kommentar von Giustolisi ,

Ich finde, dass Religion und Musik sehr persönliche Dinge sind, zu denen man nicht gezwungen werden sollte. Das führt höchstens dazu, dass es einem beide Dinge auf ewig verleidet. Außerdem ist ein ausreichendes Maß an Freizeit erforderlich, um die eigene Persönlichkeit entfalten zu können.
Ich wies nicht ohne Grund als erstes auf ein klärendes Gespräch hin, sollte das nichts bringen auf passiven Widerstand. Du lehnst alles was darüber hinaus geh ab, aber wenn es nichts bringt ist es falsch sich einfach zu beugen und alles hin zu nehmen, dann zündet man einfach die nächste Eskalationsstufe. Ich denke ich habe klar genug geschrieben,das Rebellion die letzte Eskalationsstufe sein sollte. Meine Antwort ist eher als Beispiel aufzufassen und nicht als Handlungsanweisung. Ein so enormes Arbeitspensum und zusätzliche eine Ganztagesschule rechtfertigt nach meiner Meinung fast jedes Mittel, denn eine derart unterdrückte Persönlichkeit führt nur mit großer Wahrscheinlichkeit zu großen psychischen Problemen.

Viele hören wenn sie älter werden auf, an Gespenster, den Osterhasen, Monster unterm Bett, den Weihnachtsmann oder Götter zu glauben. Es ist eine ganz normale Entwicklung, dass man aufhört, an die Fantasiefiguren der Kindheit zu glauben. Das schafft nicht jeder, aber es ist falsch die zu verurteilen, die es schaffen.

Du magst ablehnen was ich schreibe, aber in nichts von dem was du hier schreibst findet sich auch nur ein einziger Lösungsansatz. Meckern, aber nichts Eigenes hervorbringen, das ist auch nicht die feine Art.

Kommentar von madwe ,

Religös (oder auch Atheist) sein kann prinzipell jeder, brauchbar musizieren kann sicherlich nur jemand, der dafür ein wenig begabt ist, der gut hören kann, ein Rhythmusgefühl besitzt und bereit ist, dafür Zeit zu investieren. Aber natürlich hast Du recht mit Deiner Meinung - was ich ja auch geschrieben habe! - dass es keinen Sinn hat, dazu gezwungen zu werden. Und das gilt für das Musizieren ebenso wie für religiöse Praxis, gar keine Frage.

Ich bin auch keineswegs der Meinung, dass alles, was über ein klärendes Gespräch hinaus geht, abzulehnen ist. Dergleichen habe ich doch gar nicht behauptet! Auch Deinen Rat zum passiven Widerstand könnte man überdenken. Was mir eben nicht gefallen hat, war der Rat zum sukzessiven Zünden von Eskalationsstufen. (Beim Zünden von ...stufen entsteht meist viel Feuer und Rauch, das wars aber auch manchmal!). Das könnte zu einer völligen Entfremdung zwischen Tochter und Eltern führen. Für mich stellt sich das Problem der jungen Dame als äußerst komplex dar. Um ihr konkret helfen zu können, müßte man viel mehr über ihre familiäre Situation wissen. Ob sie diesem Schlamassel alleine entkommen kann, weiß ich nicht, ich bezweifle es. Freilich könnte sie z.B. auch - das würde Dir wohl gefallen - im Stil der Pussy Riots auf den Altar hüpfen, ein provokante Szene durchziehen und anschließend Hausverbot erhalten. Aber was hätte das für Konsequenzen, auch für ihre Eltern? Nein, solche "Lösungen" sind meines Erachtens ungeeignet und abzulehnen.

Im übrigen, das möchte ich noch betonen, ist "Gott" keine Fantasiefigur meiner Kindheit, die ich einfach abgestreift habe wie ein Kleidungsstück. Ich bin religiös erzogen worden, sehe heute viele Dinge, Ge- und Verbote aus diesem Bereich durchaus kritisch, finde sie - im wörtlichen Sinn! - aber fragwürdig und bedenklich.

Ich bin mit einigen "gläubigen" Atheisten (die sich in der Bibel viel besser auskennen als ich!) eng befreundet, habe mich mit Existenzialismus und Evolutionstheorie beschäftigt, Camus und Sartre gelesen, stehe aber prinzipiell zu meiner Religion. Was ich halt nicht mag, sind diese "Krawall-Atheisten" à la Richard Dawkins ("Der Gotteswahn"). Es ist also keineswegs so, dass ich Andersdenkende verurteile -  woher sollte ich auch das Recht dazu nehmen? Bitte habe aber Verständnis dafür, dass ich "Kirchenkram" und "Heil(!!) Satan" als unnötige Provokation verstehe.

Eine "Patentlösung" für das Problem des Mädchens habe ich nicht im Ärmel - Du aber auch nicht! Es gibt aber zumindest einige passable Lösungsansätze, die unter den vielen Antworten zu finden sind. 

Ich überlasse es Dir, meine Replik als "Meckern" zu bezeichnen, diese Eigenart sollten wir aber den Ziegen überlassen, findest Du nicht?  - Im übrigen habe ich der jungen Fragestellerin ja auch "ordnungsgemäß" geantwortet - freilich ohne ihr konkret helfen zu können.

Ich wünsche Dir ein schönes Wochenende.

Kommentar von Giustolisi ,

Was mir eben nicht gefallen hat, war der Rat zum sukzessiven Zünden von Eskalationsstufen. 
Was wäre dein Rat, falls passiver Widerstand nicht ausreicht?

Freilich könnte sie z.B. auch - das würde Dir wohl gefallen - im Stil der Pussy Riots auf den Altar hüpfen, ein provokante Szene durchziehen und anschließend Hausverbot erhalten. Aber was hätte das für Konsequenzen, auch für ihre Eltern?

Sie? Ich hatte nicht gelesen, dass es um ein Mädchen geht, in den Zeiten von Gleichberechtigung ist das aber auch egal.
Ich hatte nur ein Extrembeispiel genannt. Es würde wohl auch reichen, zur eigenen Ungläubigkeit zu stehen und sie auch zur Schau zu stellen.
Konsequenzen für die Eltern könnte es geben, aber deswegen geht dem Ganzen ja auch ein klärendes Gespräch voraus, damit sie erst mal Bescheid wissen. Wenn sie dann nicht mal auf passiven Widerstand reagieren, sind sie am Ende selbst schuld.

Ich bin mit einigen "gläubigen" Atheisten (die sich in der Bibel viel besser auskennen als ich!) eng befreundet,

Woher kennst du die alle? Ich habe schon von gläubigen Atheisten gehört, aber mir ist erst ein Einziger untergekommen. Nur damit wir nicht aneinander vorbei reden, ein gläubiger Atheist ist einer, dessen Einstellung nicht auf logischen Schlussfolgerungen beruht, sondern der wie ein Gläubiger einfach nur glaubt. 

Was ich halt nicht mag, sind diese "Krawall-Atheisten" à la Richard Dawkins ("Der Gotteswahn"). 

Auch wenn er bei öffentlichen Auftritten gerne mal provoziert (was er allein schon der Aufmerksamkeit wegen tun muss) argumentiert er in seinem von dir erwähnten Buch sachlich und logisch. Ich finde es durchaus lesenswert, auch wenn es an manchen Stellen ein wenig trocken ist, aber diese Stellen enthalten fast alle relevante Informationen.

Bitte habe aber Verständnis dafür, dass ich "Kirchenkram" und "Heil(!!) Satan" als unnötige Provokation verstehe.

Der Begriff Kirchenkram ist meinerseits nicht gegenüber der Religion abwertend gemeint, sondern gegenüber dem, was die Kirchen daraus gemacht haben. In diesem Sinne hat eine katholische Messe schon einen gewissen Unterhaltungswert und wirkt doch ziemlich aufgeblasen, aber das ist bei weitem kein Alleinstellungsmerkmal der Katholiken. Auch wenn ich den Christen in der Sache nicht zustimme, denke ich, dass es dieser Sache dienlich wäre, alles etwas auf das Wesentliche zu reduzieren, zu entstauben und klar Stellung zu beziehen. Vielleicht sieht man das als Außenseiter so, aber mich wundert es nicht im geringsten, dass sich viele Leute von diesem System nicht repräsentiert fühlen, weder bei den Katholiken, noch bei den Protestanten. Die Katholiken verharren zu sehr in der Vergangenheit und die Protestanten richten ihr Fähnchen immer nach dem vielversprechendsden wind, so dass am Ende eine klare Botschaft mehr zu erkennen ist.

Fragt man die Gläubigen, wofür ihre Religion steht, erhält man selbst unter den angehörigen der selben Religion höchst unterschiedliche Antworten. das finde ich sowohl verwirrend als auch faszinierend.

Für mich ist das so oder so nix, da ich mich einer anderen Gemeinschaft zugewendet habe, deren Lehren für mich nachvollziehbar sind, auch wenn ich ihnen auch nicht in jedem Punkt zustimme.

Heil Satan in einer Kirche zu rufen ist eine Provokation. Ob sie nötig ist, sollte jeder für sich entscheiden. Zumindest wäre der Aufwand gering und die Aussichten auf Erfolg stünden gut.

Kommentar von madwe ,

Vielen Dank für Deine ausführliche Antwort. Ich möchte - dieses Thema abschließend -  nur noch folgendes bemerken und richtigstellen. 

Zitat Dr. Joachim Kahl: 

"Ich bin Atheist, aber kein bekennender Atheist. Es gibt bekennende Schwule und bekennende Vegetarier, in dem Begriff Bekenntnis steckt etwas Religiöses. Die Agnostiker haben stets die Unbeweisbarkeit einer Tatsache betont. Und dass Gott nicht existiert, kann ich tatsächlich nicht wissen. Das ist nur eine Vermutung, die sich als plausibelste aufdrängt. Um zu zeigen, dass es Gott nicht gäbe, müssten wir keine endlichen, sondern unendliche Erkenntnissubjekte sein. Und das ist uns verwehrt, wir sind endlich und irrtumsfähig. Das unterscheidet mich auch von neuen Atheisten, speziell von Richard Dawkins und seinem Gotteswahn. Da sage ich: Es gibt einen Gotteswahn, aber es gibt auch einen Atheismuswahn."

Von ihm stammt meines Wissens die Bezeichnung "Krawallatheist" für  R. Dawkins.

Was ich mit "gläubiger" Atheist gemeint habe, sollte eigentlich jemand sein, der aus  Überzeugung, die er aus seinem vermeintich logischen Schließen gewonnen hat, so denkt. Deshalb hab ichs auch in Anführungszeichen gesetzt. Offensichtlich war das etwas missverständlich, sorry. "Gläubige Atheisten", wie Du sie beschreibst, finde ich schrecklich. Sie interessieren mich in der Tat überhaupt nicht und kommen unter meinen Freunden auch nicht vor.

Es gibt auch Menschen, die sich gerne Atheisten nennen, die ich aber eher als "religiöse Nichtschwimmer" bezeichnen würde - wenn Du verstehst, was ich meine.

Was Deinen Rat zu provozierenden Äußerungen à la "Heil Satan" betrifft, so bedenke bitte, dass die Eltern des Mädchen - so hat sie geschrieben - aktiv in die Gemeinde eingebunden sind. Eine solche Schockmethode könnte auch verstörende, wenn nicht sogar zerstörende Auswirkungen haben. Deshalb ist sie für mich nicht einmal als ultima ratio denkbar. 

Es gäbe noch einiges zu Deinen Ansichten über den von Dir so genannten Kirchenkram zu sagen, aber die Diskussion hat uns schon viel zu weit von dem eigentlichen Thema weggeführt, der problematischen Situation des Mädchens.

Das solls von meiner Seite definitiv zu dieser Diskussion gewesen sein.

Beste Grüße, madwe

Kommentar von Giustolisi ,

Ich empfehle dir wirklich das Buch "Gotteswahn" von Dawkins. Das Argument von Joachim Kahl hat er zum beispiel fein säuberlich zerlegt und widerlegt. Im Grunde geht es darum, dass eine Behauptung, die weder bewiesen noch widerlegt ist, nicht nicht 50%iger Wahrscheinlichkeit wahr oder falsch ist, sondern einfach die Nullhypotese (nicht wahr) anzunehmen ist, wenn nicht zwingende Gründe dafür sprechen.

In wiefern die Existenz eines Gottes plausibel sein soll, erschließt sich mir übrigens auch nicht. die ganzen Argumente dafür lassen sich recht einfach widerlegen.

Was Deinen Rat zu provozierenden Äußerungen à la "Heil Satan" betrifft, so bedenke bitte, dass die Eltern des Mädchen - so hat sie geschrieben - aktiv in die Gemeinde eingebunden sind. Eine solche Schockmethode könnte auch verstörende, wenn nicht sogar zerstörende Auswirkungen haben. Deshalb ist sie für mich nicht einmal als ultima ratio denkbar. 
es ist ja nicht so, als ginge dem keine Warnung voraus.

Es gibt auch Menschen, die sich gerne Atheisten nennen, die ich aber eher als "religiöse Nichtschwimmer" bezeichnen würde - wenn Du verstehst, was ich meine.
 Ich denke das sind gläubige Atheisten, die sich weder mit Glaubenskonzepten, noch mit wissenschaftlicher Methodik, angeblichen Gottesbeweisen oder dem Atheismus selbst befasst haben. Die haben einfach in keiner Richtung irgend eine Ahnung und machen nur mit, weil es cool ist, oder um zu provozieren.

Solche und Ähnliche gibt es auch viele unter den Satanisten, die bringen die ganze Gemeinschaft nur unnötig in Verruf.

Kommentar von deepxpalexblue ,

An erster Stelle einmal Danke für eure vieles Engagement! Tut mir leid, dass ich erst so spät antworte, ich hatte wenig Zeit. Das mit dem "Musik, Gott, Musik, Gott" sollte nicht angewidert klingen, es kommt mir einfach nur so vor. Ja, ich habe an Gott geglaubt, da ich ja so erzogen wurde, nein, ich glaube nicht mehr an Gott. An dieser Stelle würde ich gern erwähnen, das nichts in diesem Text als Provokation oder Beleidigung gegen Christen oder Anhänger anderer Religionen gelten soll, es ist lediglich meine Meinung. Dass ich mich von dem Glauben an Gott abgewandt habe, liegt vor allem daran, dass ich keinen logischen Sinn in der ganzen Sache sehe. Wir sind eine von vielen winzigen Spezies auf einem von vielen winzigen Planeten - Warum sollten gerade wir auf besondere Art und Weise behütet, geliebt oder ähnliches werden? Sollte man das gleiche dann nicht auch bei jeder anderen Zivilisation in Betracht ziehen? Und selbst wenn es eine Art Gottheit gäbe, die aus irgendeinem Grund unsichtbar ist und kein Zeichen von sich gibt (Eine andere Dimension? Oder wie bei dunkler Materie?), woher sollten bestimmte Menschen dann die ganze Wahrheit darüber wissen? Und warum behauptet jede Religion, dass gerade sie die Wahrheit beinhaltet?
Meiner Meinung sind allein das genügend Gründe dafür, dass das alles nicht so recht stimmen kann. Menschen sind doch auch nur Säugetiere.
Ich lese gern Bücher von Carl Sagan, der nicht hauptsächlich auf Atheismus fokussiert ist, sondern faszinierende Dinge über Astrophysik in seinen Büchern wie "Billions and Billions" oder "Pale Blue Dot" schreibt und dabei aber auch vieles versteckt. Nur ein kleiner Ausschnitt aus Pale Blue Dot:

"Look back again at the pale blue dot of the preceding chapter. Take a good long look at it. Stare at the dot for any length of time and then try to convince yourself that God created the whole universe for one of the 10 million or so species of life that inhabit that speck of dust. Now take it a speck further: Imagine that everything was made just for a single shade of that species, or gender, or ethnic or religious subdivision. If this doesn't strike you as unlikely, pick another dot. Imagine IT to be inhabited by a different form of intelligent life. They, too, cherish the notion of a God who has created everything for their benefit. How seriously do you take THEIR claim?"

(Entschuldigung. Ich weiß nicht, wie gut ihr englisch könnt, aber ich habe gerade keine wirkliche Übersetzung parat. Fragt einfach, wenn ihr etwas nicht versteht.)

Ja, ich lese die Bücher auf Englisch... ;D Meine Eltern können nämlich kein Englisch und so kann ich sie auf Amazon bestellen, ohne irgendwie verdächtigt zu werden... :)

Kommentar von Giustolisi ,

Dass ich mich von dem Glauben an Gott abgewandt habe, liegt vor allem daran, dass ich keinen logischen Sinn in der ganzen Sache sehe. Wir sind eine von vielen winzigen Spezies auf einem von vielen winzigen Planeten - Warum sollten gerade wir auf besondere Art und Weise behütet, geliebt oder ähnliches werden? Sollte man das gleiche dann nicht auch bei jeder anderen Zivilisation in Betracht ziehen? Und selbst wenn es eine Art Gottheit gäbe, die aus irgendeinem Grund unsichtbar ist und kein Zeichen von sich gibt (Eine andere Dimension? Oder wie bei dunkler Materie?), woher sollten bestimmte Menschen dann die ganze Wahrheit darüber wissen? Und warum behauptet jede Religion, dass gerade sie die Wahrheit beinhaltet?Meiner Meinung sind allein das genügend Gründe dafür, dass das alles nicht so recht stimmen kann.

Logisch und durchdacht. Weitere für dich interessante Themen sind Allmachtsparadoxon oder Theodizee, die hat noch kein Theologe geknackt.

Kommentar von madwe ,

Carl Sagan fand ich auch immer beeindruckend, auch seine großartigen Fernsehsendungen. Allerdings hatte er meiner Meinung nach zu seiner Zeit - er starb vor 20 Jahren - einen zu optimistischen Blick in Bezug auf extraterrestrische Intelligenz. Die Ansicht, im All müsste es vor intelligenten Wesen nur so wimmeln, wird heute kein ernst zu nehmender Astrophysiker vertreten. Man weiß inzwischen: Unglaublich viele Parameter müssten mitspielen, damit sich ("intelligentes") Leben entwickeln kann. Die Wahrscheinlichkeit einer zweiten Erde mit "Leben 2.0" ist also extrem gering - trotz der sozusagen astronomisch hohen Anzahl von Sternen, Sonnen und Planeten im Universum. Und im übrigen, selbst wenn der Nachweis gelänge, dass irgendwo im All Leben existiert, das intelligente Wesen irgendeiner Form kreiert: Bei Entfernungen, die in Lichtjahren gemessen werden, dürfte eine Kontaktaufnahme nicht ganz einfach sein...

Prof. Harald Lesch, ein ausgewiesener Fachmann für Astrophysik, Neutronensterne und schwarze Löcher hat dazu vieles beigetragen. Ich bin mir ziemlich sicher, dass Du von ihm schon gehört hast. Er ist - im Gegensatz zu C.Sagan - ein gläubiger Mensch, Naturwissenschaftler und Philosoph.  Für ihn bedeutet Glaube und Naturwissenschaft anscheinend keinen Widerspruch. 

 

Kommentar von Giustolisi ,

Das gehört zwar nicht hier zur Frage, aber es ist einfach ein sehr interessantes Thema.

Man kann schlicht nicht sagen, mit welcher Wahrscheinlichkeit es extraterrestrische Intelligenz gibt. Immerhin haben wir bisher nur eine Referenz, nämlich unseren eigenen Planeten. 

Nehmen wir zur Veranschaulichung mal einen anderen Maßstab.

Überleg mal, man würde nur Deutschland kennen und nichts außerhalb. Dann könnte man annehmen, dass Leben nur unter diesen hier herrschenden Bedingungen existieren kann. es wäre schwer vorstellbar, dass das Ökosystem hier auch in einer Wüste oder jenseits der Polarkreise funktionieren kann. Man könnte annehmen, dass es dort kein Leben geben kann, weil es zu unwirtlich ist. Von heißen Quellen, der Tiefsee und den ständig mit Eis bedeckten Teilen des Polarmeers hat man da auch mal angenommen. 
Es ist also durchaus anzunehmen, dass auch dort Leben existieren kann, wo wir es für unwahrscheinlich bis unmöglich halten. Leben könnte sich genau so gut aus anderen Elementen zusammensetzen. Intelligenz ist nur eine Folge von Evolution bei Umweltbedingungen, die Intelligenz zu einem Überlebensvorteil machen.

Auch wenn es Menschen gibt, für die Glaube und Wissenschaft nicht im Widerspruch zu stehen scheinen, so habe ich mit dem Glauben einfach das Problem, dass ein Gott nichts erklärt. Entweder nehme ich an, dass ein Gott irgendwas mit den Abläufen in der uns bekannten Welt zu tun hat, oder dass er darauf keinen Einfluss hat. Letztere Annahme ist logisch, da man ja noch kein Phänomen auf einen Gott zurück führen kann, es also genau so wäre, wenn es keinen Gott gäbe, was letzten Endes der Schluss aus all dem ist.

Jede Gottesvorstellung beißt sich einfach irgendwie mit der Realität.

Dawkins hat in seinem Bestseller einige Pro Gott Argumentationen unter die Lupe genommen und zerlegt. Schön finde ich an dem Buch, dass er Gläubige nicht als dumm oder unwissend darstellt, oder für seine Argumentationen fiktive Pappkameraden aufstellt. Ich kann nur empfehlen, das Buch zu lesen

Kommentar von madwe ,

Ich habs schon vor längerer Zeit gelesen - es hat mich nicht so recht überzeugt. Leider habe ich nicht die Zeit, um hier alles aufzulisten, was mir daran nicht gefallen hat. 

Übrigens scheint bei manchen Zeitgenossen auch Dummheit eine Art Überlebensvorteil zu sein. (Kleiner Scherz am Rande).  Also Vorsicht mit dem Begriff "Intelligenz"!

Was "die Wahrscheinlichkeit" für außerirdisches Leben betrifft, so ist sie, unabhängig davon, in welcher Form sie auftreten mag,  nach Expertenmeinung halt äussert gering, auch bei 10hoch20 oder mehr sonnenähnlichen Sternen. Die  Bedingungen für Leben, von Nucleinsäuren, DNA und anderen Komponenten mögen ja irgendwo im Weltall gegeben sein, aber das allein generiert noch lange nicht ein Produkt, wie es über Jahrmilliarden entwickelt wurde und jetzt vor dem PC sitzen kann...(wobei dieses "Produkt" im Falle des Falles wahrscheinlich ganz anders aussehen dürfte)

Für den Gläubigen käme jetzt natürlich Gott ins Spiel - ich bin mir da nicht sicher, weder in der einen noch in der anderen Richtung.

Und sollte doch der unumstößliche Beweis für "extraterrestrische Intelligenz" gefunden werden, hätte das natürlich einen Paradigmenwechsel zur Folge. Theologisch würde sich wohl garnichts ändern, weil Gott/Jesus Christus ja nach christlichem Verständnis "die ganze Welt" erlöst hat (was auch immer das heißen mag) , also mitnichten nur für die Erdenbewohner zuständig ist, wie es die junge Dame vermutet. Also wird sich logischerweise die christliche Kirche auch um solche Kreaturen kümmern.

Und die sind dann hoffentlich etwas intelligenter als der sogenannte homo sapiens, der seine Unfähigkeit zur Weisheit nur zu oft demonstriert...

Antwort
von 1988Ritter, 35

Dann sprich doch halt mit dem Preister, und sag ihm das Dir das alles zuviel wird. Der kann ja bei Deinen Eltern dann ein gutes Wort für Dich einlegen.

Kommentar von deepxpalexblue ,

Der Priester wird allerdings von meinen atheistischen Ansichten nicht so begeistert sein, oder?

Kommentar von madwe ,

Begeistert muss er ja nicht sein, oder? Aber Verständnis für Deine Situation sollte er aufbringen. Es muss doch in Deinem religiösen Umfeld auch jemand geben, der Dein Vertrauen  - und auch das Deiner Eltern! - genießt. Kann sich der/diejenige nicht vermittelnd einschalten? Und was ist z.B. mit Deinen Lehrern? Hast Du da schon ein Gespräch versucht?  

Antwort
von experience123, 86

Räume mal ordentlich bei deinen Eltern auf. Das ist absolut kein Leben...Du bekommst jeden Schritt vorgeschrieben...Ich würde mir das -egal in welchem alter- nicht bieten lassen. Vor allem irgendwann bist du krank....Stress macht krank, das sollten auch deine Eltern wissen 

Kommentar von deepxpalexblue ,

Wie soll ich das denn "aufräumen"? Wie ich schon sagte, Widerrede hat nicht wirklich Sinn...

Kommentar von experience123 ,

Kannst du bei deinen Eltern nichtmal auf den Tisch hauen und sagen dass du das nicht willst, und eigentlich nur das Wunsch Leben deiner Eltern führst? Das es dir zu viel ist, es dich krank macht und dir jede Art von Energie raubt? Das du auch andere Interessen hast, ein soziales Umfeld in der schule aufbauen möchtest, du aber keine zeit für deine Interessen und Freunde hast. Lass dir einfach mal Luft. Der Satz "wenn ihr mich liebt,  akzeptiert ihr das" sollte eigentlich sitzen bei deinen Eltern 

Antwort
von fricktorel, 21

Es ist auch von Gottes Seite richtig, den Eltern zu gehorchen (Eph.6,1-2),

doch frage mal deine Eltern, ob diese "solche Belastungen" (Eph.6,4) von ihren Eltern auch ertragen mussten, denn du willst ja deinen Eltern "nacheifern" (Spr.16,19).

Wäre der "Weg Gottes" nicht lohnender für dich (Joh.14,6) ? 

Bitte unseren ewigen Vater ganz "doll" um Seine Hilfe (Mal.3,16; 2.Kor.6,2).

Kommentar von deepxpalexblue ,

Ist das ironisch oder ernst gemeint?

Kommentar von madwe ,

Das frage ich mich auch...hilfreich ist die Antwort jedenfalls nicht.

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