Frage von ts0495, 118

Diebstahl am Arbeitsplatz Güter wieder zurückgegeben ?

hallo, Ich habe eine Freundin die mit 2 anderen Mädels an ihrem Arbeitsplatz geklaut haben. Ich habe nachgelesen das ab 3 Tätern als Bandendiebstahl gilt. Als sie erwischt wurden haben sie alles zugegeben, sich entschuldigt und angeboten alles wieder zurück zugeben. Dies haben sie dann auch am nächsten tag gemacht. Bei meiner Freundin haben sie gesagt da sie bei ihr von einer Anzeige absehen bei den anderen wäre das noch im Gespräch. Nun nach 1 monat bekommt einer dieser Mädels eine Vorladung von der Polizei wegen Bandendiebstahl. Was soll sie jetzt tun? Wurde sie jetzt auch angezeigt? Wie hoch kann eine Strafe sein wenn die sachen zurückgegeben wurde? Kann mir einer helfen?

Antwort
von Xipolis, 56

Die drei Mädels werden sicher fristlos gekündigt worden sein. Und eigentlich sollte man alle drei übers Knie legen...

-> Wie alt sind die drei Täterinnen jeweils?

Wenn eine Täterin eine Vorladung der Polizei zur Vernehmung erhalten hat, dann wird sie sicher einer Straftat beschuldigt. Dies lässt sich der Ladung entnehmen.

Die Täterin ist nicht verpflichtet dieser Vorladung zur Polizei nachzukommen, sie muss nicht erscheinen oder anderweitig auf die Ladung reagieren.

Wenn sie hingeht kann sie einen Beistand mitnehmen. Allerdings hat sich schon so mancher in einer solchen Vernehmung um Kopf und Kragen geredet, denn sicher wird es darum gehen, herauszufinden, wer die Anführerin der Bande war und was noch alles geplant war etc.

Aus meiner Sicht wären nun zwei Punkte wichtig, die unverzüglich erledigt werden sollten:

1.) Bei der Polizei schriftlich (per unterschriebenen Brief) Akteneinsicht anfordern.

In der Strafsache (Aktenzeichen) gegen mich beantrage ich, bevor ich mich zur Sache einlasse, Akteneinsicht nach § 147 Abs. 7 StPO und bitte um Mitteilung, in welcher Form mir die Einsicht in die Akte gewährt wird."

Das ist sehr wichtig, weil die Täterin nur dann die Vorwürfe und Beweise kennt, die der Polizei vorliegen (auch in Bezug auf die "Bande").

2.) Wenn die Täterin über ein nur geringes Einkommen verfügt und auch sonst kein nennenswertes Vermögen vorhanden ist, dann sollte diese bei Ihrem örtlichen Amtsgericht Antrag auf Beratungshilfe stellen (Einkommensnachweise/Kontoauszüge mitnehmen).

Sie bekommt dann einen Beratungsschein mit dem sie sich kostenfrei (in der Regel Eigenanteil: Beratungshilfegebühr 15.- € , 2500 VV RVG) bei einem Rechtsanwalt (für Strafrecht) beraten lassen kann.

Wichtig zu wissen ist, dass in Strafsachen nur die Beratung, nicht jedoch die Vertretung darüber finanziert ist, weshalb sich die Täterin die Akte selbst besorgen muss.

Mit einer der Akte und einer anwaltlichen Beratung wird sie am besten wissen, wie sie zu reagieren hat und womit sie rechnen muss.

Bitte beachte, dass die Beratungshilfe in der Regel nur als Darlehn gewährt wird und in den folgenden vier Jahren in Raten zurück zu zahlen ist. Erst nach vier Jahren wird der dann noch offene Betrag erlassen.

Die Höhe der Beratungsgebühr über den Beratungsschein für den Rechtsanwalt beträgt 35.- € (2501 VV RVG).

-> Weiteres: Sollte es zu einer Ladung durch die Staatsanwaltschaft kommen, muss die Täterin erscheinen (ansonsten kommt es zur Vorführung durch die Polizei). Sie muss dort aber nur Aussagen zu den Angaben Ihrer Person machen und kann dort zu allen anderen Themen, Vorwürfen, Drohungen auch von ihrem Schweigerecht Gebrauch machen.

Für die konkrete Vorgehensweise, wäre allerdings der anwaltliche Rat sinnvoll.

Antwort
von Jurasuppe, 60

Hallo,

also, wie versprochen, setze ich mich mal ein Wenig mit der Sache auseinander. Ich versuche das Ganze etwas einzuordnen und weise hier und dort mal auf Einzelheiten hin. Diese Antwort erhebt trotzdem keinerlei Anspruch auf Richtigkeit oder Vollständigkeit. Es fehlen auch trotz der hilfreichen Ergänzungen noch Details, die ich allerdings auch nicht unbedingt erfragt habe.

Vorweg: Die Sache ist nicht ganz so harmlos, wie ich zunächst erwartet habe. Die Betroffene sollte dringend einen Strafverteidiger beauftragen, der entsprechend Einsicht nehmen wird und versuchen wird, eine ordentliche Verteidigung zu organisieren.

I. Diebstahl § 242

Jedes mal, wenn eine der Mädels (Wie alt eigentlich? Unter/über 18/21?) Schuhe entwendet hat, ist das ein für sich separat zu bewertender Diebstahl. Es fehlen auch Angaben, inwieweit das (jedes mal?) Mittäterschaftlich erfolgte. Ich kann mich daher leider nur recht allgemein ausdrücken und Schätzungen abgeben.

Unzweifelhaft wird jedes mal der Tatbestand des § 242 I StGB verwirklicht (ggf. i.V.m. § 25 II). Da die Schuhe durchschnittlich wohl einen Wert von an die 100€ hatten, handelt es sich dabei auch um keine "geringwertige Sache" (= finanziell unerheblich, streitig, 25-50 €) i.S.d. § 248a StGB, welches den (einfachen!) Diebstahl zu einem Antragsdelikt umformt.

II. Diebstahl in besonders schwerem Fall § 243

Jedes einzelne Mal stellt sich zudem die Frage ob ggf. die Strafzumessungsregel des § 243 I Nr. 1 - 3 StGB verwirklicht wurden. Die Nr. 1 - 2 sind deinen Angaben nach praktisch ausgeschlossen. Nach Nr. 3 handelt gewerbsmäßig, wer in der Absicht handelt, sich aus wiederholten Diebstählen eine forlaufende Einnahmequelle von nicht unerheblicher Dauer und einigem Umfang zu verschaffen. Auf einen Erlös bzw. den Weiterverkauf der Beute kommt es nicht an. Hier fehlt eine Angabe für die Absicht, die hinter den Taten steckt. Es erscheint aber nicht so, als dass ein gewerbsmäßiges Handeln vorläge.

Andere Umstände, die das Unrecht der Tat steigern, sind nicht ersichtlich. Insbesondere dürfte das stehlen am Arbeitsplatz dem nicht zuzuordnen sein (atypischer schwerer Fall).

III. Schwerer Diebstahl § 244 I Nr. 2 StGB

Deine eigentliche erste Frage zielte ohnehin auf den schweren Diebstahl ab. Dieser stellt eine Qualifikation und eine erhebliche Steigerung des Unrechts dar. Dementsprechend wird der Strafrahmen des einfachen Diebstahls (bis zu 5 Jahre) beim schweren Diebstahl deutlich erhöht (6 Monate bis zu 10 Jahren).

Ich möchte hier gerne auch etwas mehr auf den Hintergrund eingehen, da erst damit verständlich ist, weshalb ein Bandendiebstahl vorliegt oder eben nicht.

Der Strafschärfungsgrund des Bandendiebstahl liegt darin, dass potentiell effektiver in das Eigentum eingegriffen werden kann, wenn der Diebstahl von mehreren Personen organisiert und durchgeführt wird (Ausführungsgefahr). Eine weitere Idee die dahinter steckt ist, dass die Mitglieder über die Bande eine gegenseitige Motivation zur fortgesetzten Begehung ebenjener Diebstähle bilden (Organisationsgefahr).

1. Objektiver Qualifikationstatbestand

Voraussetzung ist, dass die Täterin einen Diebstahl als Mitglied einer zur fortgesetzten Begehung von Raub oder Diebstahl verbundenen Bande unter Mitwirkung eines anderen Bandenmitglieds begeht.

a) Bande

Eine Bande ist ein Zusammenschluss von Personen (mindestens drei!), die sich ausdrücklich oder stillschweigend zur Verübung fortgesetzter, im Einzelnen noch ungewisser/unbestimmter Diebes- oder Raubtaten verbunden hat.

Drei Personen sind gegeben. Auch eine gewisse Beständigkeit bzw. Dauer ist gegeben. Für eine Bandenabrede ist aber eben auch erforderlich, dass ein übereinstimmender Wille (ausdrücklich/stillschweigend) zutagetritt, sich mit den anderen zusammenzutun, um künftig für eine gewisse Dauer etwaige Diebstähle zu begehen.

"Es genügt nicht, wenn sich die Beteiligten von vornherein nur zu einer einzigen Tat verbunden haben oder in der Folgezeit jeweils aus neuem Entschluss wiederum derartige Taten begehen." (vgl. Fischer § 244 Rn. 36)

Hier fehlen mir nun Sachverhaltsangaben. Jedoch machen deine Schilderungen den Eindruck, dass die Freundinnen eher aus immer wieder erneutem Entschluss handelten und eben weniger aus einer Bandenabrede heraus. Hier tritt nun auch oben angedachter Gedanke zutage. Die Bande bestraft als Qualifikation gewissermaßen organisierte Kriminalität. Das ist strickt zu trennen von einfacher Mittäterschaft in wiederholter Begehung. Ich würde daher in deinem Fall bereits die Bandeneigenschaft ablehnen.

Gegen eine Bande kann weiterhin sprechen, dass die Personen sich eigentlich nur aus persönlichen Gründen zusammengeschlossen haben und es erst im weiteren Verlauf zur gemeinsamen Begehung von Straftaten kommt. Wobei dieser Punkt hier glaube ich nicht zutrifft, es fehlen aber gewissermaßen Angaben.

Unterstellt, eine Bande läge vor:

b) Bandentat: "als Bandenmitglied"

Die entsprechende Täterin müsste Mitglied der Bande sein.

c) Unter Mitwirkung eines anderen Bandenmitglieds

Hier tritt der Gedanke der organisierteren Kriminalität wieder zutage. Ein Bandendiebstahl kann daher immer schon nur gegeben sein, wenn ein anderes Bandenmitglied als Täter oder Teilnehmer mitwirkte. Hier fehlen wieder angaben, ob an der konkreten Tat auch ein anderes Bandenmitglied beiteiligt gewesen ist.

2. Subjektiver Qualifikationstatbestand

Es müsste Vorsatz bezüglich der Bandenmitgliedschaft und der Zwecksetzung gegeben sein. Auch hier fehlen Angaben...

Im Übrigen ist eine Rechtfertigung nicht gegeben. Eine Einschränkung der Schuldfähigkeit ebenfalls nicht. Wobei es erhebliche Auswirkungen auf die Straffe hätte, wenn die betroffenen Minderjährig sind.

IV. Begehung über mehrere Wochen hinweg

Da die Diebstähle über mehrere Wochen hinweg begangen wurden, stehen sie in Tatmehrheit/Realkonkurrenz zueinander und es wird auf eine Gesamtstrafe erkannt § 53. Jeder Diebstahl erfüllt unzweifelhaft § 242 I StGB, unterstellt, die bandeneigenschaft läge nicht vor, würde es auch dabei bleiben. Es wäre dann X mal der § 242 StGB erfüllt. Läge der Bandendiebstahl vor wäre in einer noch festzustellenden Menge von Fällen § 244 I Nr. 2 StGB erfüllt.

V. Strafzumessung

Ich kann die zu erwartende Strafe nicht ordentlich bewerten, versuche mich aber mal daran.

Der Rahmen liegt bei einfachem Diebstahl bei bis zu 5 Jahren; bei schwerem Diebstahl bei 6 Monaten bis zu 10 Jahren.

Es fehlen auch wieder Angaben (Mehrfachtäter ja, aber Wiederholungstäter bzw. ggf. auch kriminelle Vergangenheit/vorbestraft?). Grundsätzlich gilt aber, dass die Schuld die Grundlage für die Strafzumessung beim Täter ist. § 46 I StGB. Umstände - wie freiweillige Rückgabe der Sache, Wert, Täter-Opfer-Ausgleiche sind dringend zu berücksichtigen.

Insbesondere kann entlastendes Nachtatverhalten auch zu einem Minderschweren Fall i.S.d. § 244 III StGB führen, falls eine Bandentat angenommen wird.

Tatgeschehen und Täterpersönlichkeit sind wichtige Faktoren. Weder kenne ich die Tat und dessen Ablauf genau, noch kenne ich die Täterin.

Insgesamt würde ich wohl in keinem Fall eine Strafe annehmen, die nicht zur Bewährung ausgesetzt würde. Das liegt einfach daran, dass meines Erachtens kein entsprechendes Unrecht verwirklicht wurde.

Viele Faktoren sprechen außerdem dafür, dass die Tat im unteren Breich bestraft wird. Warum dann trotzdem dringend ein Strafverteidiger? Ganz einfach: Es wurde kein Schokoriegel geklaut, sondern mehrfach Schuhe in nicht geringwertigem Wert. Insb. bei weiteren (Vermögensstraf-)Taten in der Vergangenheit ist das eben auch zu beachten. Der Wert spielt nämlich ebenfalls in der Strafzumessung eine Rolle.



Ich weiß meine Antwort ist leider etwas mehr vage ausgefallen, als du dir vermutlich erhofft hast. Alles andere wäre aber einfach nur unseriös. Vielleicht hat dir das ja trotzdem etwas weitergeholfen um eine erste Einschätzung zu erhalten.

Jetzt solltest du deiner Freundin aber einen Anwalt empfehlen ...

Ich wünsche viel Erfolg ...

Viel Grüße, JS

P.S. ich sehe gerade hat Xipolis noch einige hilfreiche Hinweise gegeben, an die ich jetzt nicht gedacht habe. Danke! Ich habe immer einen sehr materielle-rechtlichen hang zu den Dingen :D

Kommentar von Xipolis ,

Deswegen hatte ich eine Erste Hilfe Notfall Anleitung geschrieben, weil es besser ist nicht bei der Polizei zu erscheinen und erstmal Akteneinsicht zu beantragen und Beratungshilfe um eine Erstberatung zu erhalten.

Nach dieser Beratung weis die Täterin mehr und kann immer noch die Mandatierung eines Rechtsanwaltes erwägen.

Was nicht vergessen werden darf sind in einem solchen Fall die Kosten des Rechtsanwaltes, der hier sicher einen Vorschuss verlangen wird.

Die Mittelgebühr nach RVG für solch einen Fall wie hier, wenn Vertretung erfolgen soll, (Grundgebühr, Gebühr für das Vorverfahren, TK-Pauschale, MwSt) 458,10 €. Verdient sich der Anwalt noch die Einstellungsgebühr nach VV-Nr. 4141 RVG sind wir bei 654,50 €.

Da hier zumindest bei jugendlichen Täterinnen (Alter?) zwar keine Geldstrafen, dafür aber ordentliche Sozialstunden und auch ein mehrwöchiger Arrest droht, sollte man ohne Rat nicht einfach zur Vernehmung gehen.

Kommentar von Jurasuppe ,

Ist auch richtig, hat mir auch sehr gut gefallen. Ich denke die Fragesterllerin bzw. der Fragesteller hat jetzt auch angemessene und wirklich hilfreiche Antworten erhalten. Im Zweifel können ja Rückfragen gestellt werden. Vor allem auch die Frage um den Beratungsschein war wichtig.

Ein gutefrage. net-Antwortthread ohne trashgehalt. Sollte man sich einrahmen lassen. :D

Kommentar von ts0495 ,

Ich danke  euch sehr für eure Hilfe! Ich habe alles an meine Freundin weiter gegeben, die jetzt auch eine Vorladung bekommen hat. Sie hat jetzt erstmal ein Brief angeschickt um Akteneinsicht zu forden.

Falls ihr noch nicht super von mir genervt seit, würde ich  gerne eure Meinung zu einer Sache hören. Und zwar hat das Unternehmen meiner Freundin versichert das sie keine Anzeige stellen werden. Doch nun hat sie doch eine Vorladung bekommen. Sie hat das Unternehmenn angerufen und das angesprochen und die haben ihr versichert das sie der Polizeibeamtin gesagt habe das sie keine Anzeige stellen wollen und dies haben sie auch in irgendein Protokoll geschrieben, das sie auch bei der Polizei abgegeben haben.

Was denkt ihr? Sie ist jetzt nicht hingegangen und hat erstmal die Akte anfordern lassen... Hätte sie was anderes machen sollen? Hätte sie einfach hingehen sollen und Reue zeigen sollen um somit einer Strafe zu entgehen? Was denkt ihr ?

Kommentar von Xipolis ,

Ich danke  euch sehr für eure Hilfe! Ich habe alles an meine Freundin weiter gegeben, die jetzt auch eine Vorladung bekommen hat. Sie hat jetzt erstmal ein Brief angeschickt um Akteneinsicht zu forden.

Das macht ja auch Sinn, weil Deine Freundin nur so erkennen kann, was gegen sie vorliegt und damit auch, was ihr droht.

Falls ihr noch nicht super von mir genervt seit, würde ich  gerne eure Meinung zu einer Sache hören. Und zwar hat das Unternehmen meiner Freundin versichert das sie keine Anzeige stellen werden. Doch nun hat sie doch eine Vorladung bekommen. Sie hat das Unternehmenn angerufen und das angesprochen und die haben ihr versichert das sie der Polizeibeamtin gesagt habe das sie keine Anzeige stellen wollen und dies haben sie auch in irgendein Protokoll geschrieben, das sie auch bei der Polizei abgegeben haben.

Diebstahl ist immer ein Offizialdelikt.

Es sei denn, wir sprechen von Geringfügigkeit. Eine Geringfügigkeit ist aber bei mehr als 25.- € nicht mehr gegeben.

Bei einem Offizialdelikt wird im Gegensatz zum Antragsdelikt die Tat von der Staatsanwaltschaft von Amtswegen verfolgt, es handelt sich also um solche Vergehen, die keiner Anzeige bedürfen.

Was denkt ihr? Sie ist jetzt nicht hingegangen und hat erstmal die Akte anfordern lassen... Hätte sie was anderes machen sollen? Hätte sie einfach hingehen sollen und Reue zeigen sollen um somit einer Strafe zu entgehen? Was denkt ihr ?

Wie ist denn die finanzielle Lage Deiner Freundin? Hat sie Anspruch auf Beratungshilfe? Die sollte sie in dem Fall beantragen beim örtlichen Amtsgericht auch wenn hier nur die Beratung zum tragen kommt.

Grundsätzlich wird ein Geständnis und Reue und die Ersttäter-Eigenschaft immer positiv berücksichtigt.

Zu Vernehmungen kann Deine Freundin auch einen Beistand mitnehmen, was zu empfehlen wäre.

Allerdings kann man keinen Rat geben, wenn man die Akte nicht kennt. Die Vernehmung ist eine Drucksituation und man kann sich dort auch um Kopf und Kragen reden.

Abgesehen davon wäre es gut zu wissen wie alt diese Freundin ist? Den für unter 18-jährige und unter 21-jährige gelten etwas andere Spielregeln.

Und was machen die anderen Täterinnen?

Kommentar von ts0495 ,

Da du bestimmt bei meiner zweiten Frage mitbekommen hast könnte sie jetzt Arbeitslos sein. Sollte sie Glück haben behält sie ihren Job dort verdient sie 450 Euro (Minijob).

Also meine Freundin ist im April 21 geworden. Als sie die Tat/taten begangen hat war sie 20 Jahre alt. Die anderen sind 20 Jahre.

Kommentar von Xipolis ,

Da du bestimmt bei meiner zweiten Frage mitbekommen hast könnte sie jetzt Arbeitslos sein. Sollte sie Glück haben behält sie ihren Job dort verdient sie 450 Euro (Minijob).

Gibt es dort einen Betriebsrat?

Falls ja, macht es Sinn mit diesem zu sprechen, da dieser bei jeder geplanten Kündigung vorher angehört werden muss und Stellung nehmen wird (allerdings kann dieser die Kündigung hier nicht verhindern).

Wenn es eine Kündigung gibt, dann muß die zweiwöchige Kündigungsfrist eingehalten werden und bereits erworbener Urlaubsanspruch (den hat man auch im Minijob) gewährt (oder ausgezahlt) werden. Sobald sie mehr als sechs Monate angestellt ist, greift der Kündigungsschutz.

Beratungshilfe:

450.- € pro Monat ist natürlich ein sehr niedriges Einkommen (es liegt unterhalb der Einkommens-Freibeträge), wenn sie sonst kein weiteres Einkommen hat und auch kein eigenes Vermögen (Freigrenze 2.600 €) vorhanden ist, hat sie Anspruch auf Beratungshilfe. Maßgeblich ist hier § 115 ZPO.

Beratungshilfe bedeutet, dass die Allgemeinheit die Beratung (in Strafsachen jedoch nicht die Vertretung!) durch einen Rechtsanwalt bezahlt. Die Hilfe ist in der Regel je nach finanzieller Lage zurück zu zahlen.

Bei einem Wohnort in den Bundesländern Bremen, Hamburg und Berlin gelten vom Beratungshilfegesetz (BerHG) abweichende Regelungen.

Von daher müsste man auch wissen in welchem Bundesland der Wohnsitz ist. (?)

Den Antrag auf Beratungshilfe müsste Deine Freundin bei dem für Ihren Wohnort zuständigen Amtsgericht stellen. Der Antrag wird dann von einem Rechtspfleger bearbeitet.

Wichtig ist sich dem Rechtspfleger am Gericht anzuvertrauen und diesem den Konflikt und die finanzielle Situation zu schildern. Dazu die Vorladung, aktuelle Gehaltsabrechnungen und aktuelle Kontoauszüge (Unterlagen von allen Konten) mitbringen. Aber auch die Nachweise von regelmäßigen Ausgaben, wenn es welche gibt.

Dieses Verfahren beim Amtsgericht ist kostenlos, mit dem Beratungschein kann man sich die Freundin anschließend von einem Rechtsanwalt beraten lassen.

Der Rechtsanwalt kann von der Freundin eine Beratungshilfegebühr von 15 € verlangen, die übrige Vergütung macht der Anwalt unmittelbar gegenüber der Staatskasse geltend.

Den Antrag auf Beratungshilfe sollte sie so schnell als möglich stellen, denn hier gibt es ja auch eine Bearbeitungszeit.

Sobald der Schein vorliegt, erst zum Anwalt gehen, wenn die Akte vorliegt!!

Der Vorteil ist, dass die Kosten der Beratung die Staatskasse 35.- € kosten (2500 VV RVG) und somit auch bei einer Rückzahlung überschaubar sind.

Ohne Beratungsschein, wird diese anwaltliche Beratung erheblich kostenintensiver!

Also meine Freundin ist im April 21 geworden. Als sie die Tat/taten begangen hat war sie 20 Jahre alt. Die anderen sind 20 Jahre.

Entscheidend ist das Alter zum Zeitpunkt der Tat.

Vom 18. Geburtstag an und bis zum Tag vor dem 21. Geburtstag gilt man im Strafrecht als Heranwachsender.

Bei Heranwachsenden wird für jede der drei jungen Damen geprüft, ob die Tat nach Jugendstrafrecht oder nach dem für Erwachsene geltenden allgemeinen Strafrecht zu beurteilen ist (§ 105 JGG).

Jugendstrafrecht wird angewendet wenn

a) Deine Freundin in ihrer Persönlichkeit nach im Hinblick auf ihren geistigen und sittlichen Reifegrad zur Tatzeit noch einem Jugendlichen gleichstand, oder

b) wenn die Tat nach Art, Umständen und Beweggründen noch als Jugendverfehlung anzusehen ist.

Im Falle b) ist gemeint das die Heranwachsende in Ihrer Persönlichkeit nach altersgemäß entwickelt ist, aber mit der Straftat in eine jugendliche Verhaltensweise zurückgefallen.

Im Jugendstrafrecht sind Vorladungen zur polizeilichen Vernehmung der Ermittlungsbehörden üblich (wie ja hier gesehen).

Wichtig für Deine Freundin ist, dass sie in jedem Fall immer die Angaben zu Ihrer Person korrekt wiedergibt (§111 OWiG). Unter die persönlichen Angaben fallen der Vor-, Familien- und Geburtsname, der Ort und Tag der Geburt, der Familienstand, der Beruf, der Wohnort, die Wohnung und die Staatsangehörigkeit. Falschangaben oder Verweigerung hier wäre eine Ordnungswidrigkeit. Angaben zum Einkommen/Vermögen sind freiwillig. Ich würde allerdings empfehlen Einkommensangaben zu machen, denn sonst kommt es zu einer Schätzung des Gerichts.

Ich gehe auch davon aus, dass es sich bei den Täterinnen keine Vorstrafen gibt, es sich also um Ersttäterinnen handelt. (?)

Auch die Möglichen Konsequenzen sehen im Jugendstrafrecht anders aus, da hier der Erziehungsgedanke und nicht der Strafgedanke im Vordergrund steht.

Die Ahndung kann hier neben einer Eintragung in das Erziehungsregister (§§ 59 ff. BZRG) durch die Ableistung von Sozialstunden und/oder Wochenendarrest erfolgen.

Deine Freundin hat nicht vor Beamtin zu werden? Weil Eintragungen in den Registern oft ein Hindernis seien können.

Das Jugendgericht wird, wenn nicht doch vorher eingestellt wird, hier auch die Jugendgerichtshilfe heranziehen. Mit dieser sollte unbedingt kooperiert werden (wenn es soweit kommt).

Kommentar von Xipolis ,

Nachtrag:

Es wäre natürlich sehr gut, wenn alle drei gegenüber Dritten weitest gehend die Klappe halten. Keine Schuldzuweisungen, kein Getratsche.

Meistens scheitert es ja hier, aber sobald die Akte vorliegt, kennt Deine Freundin die Beweise und den Tatvorwurf. Dann zum Rechtsanwalt um einfach mal einen kompetenten Rat zu bekommen und dann sehen wir weiter.

Kommentar von Jurasuppe ,

Dem ist aus meiner Sicht nichts hinzuzufügen.

Leider habe ich zur Zeit selbst keine Zeit um auf Gutefrage mehr als ein paar Minuten zu verbringen, aber ich dachte mir schon, dass du das beizeiten beantwortest. :-)

Schön geschrieben & viele Grüße, JS

Kommentar von Xipolis ,

Kein Problem. Die Antworten und Ratschläge hier sind ja immerhin kostenlos. 

Und abhängig von der Akte weis man auch, wie man sich weiter verhalten soll. Ich persönlich gehe davon aus, dass hier Jugendrecht angewendet wird und die Möglichkeit von Einstellung gegen ein paar Sozialstunden und vier Wochen Dauerarrest reicht. Kommt letztlich auch auf den Staatsanwalt an.

Antwort
von Jurasuppe, 56

Hi,

ich bin gerade auf dem Weg zum einkaufen, sofern niemand diese Frage angemessem beantwortet, mache ich das aber ggf. Später. Es fehlen im Übrigen ein paar Informationen: welchen Wert hatten die gestohlenen Güter? Wurden vergleichbare Taten regelmäßig vorgenommen oder sollte das in Zukunft noch erfolgen durch diese drei Mädels? waren die güter iwie. Gesondert gesichert?

Ein Bandendiebstahl erscheint mir vorliegend unwahrscheinlich. Es klingt mir eher nach einem einfachen mittäterschatlichen Diebstahl, welcher mit der (recht hochkriminellen) bandeneigenschaft nichts zu tun hat. Insb. Klingt es so, als wäre der Diebstahl nach § 248a privilegiert.

Viele grüße und vielleicht bis später, JS 

Kommentar von ts0495 ,

Ich danke ihnen sehr für ihre Antwort und für das interesse meine Frage.

Zu den fehlenden informationen: Die gestohlenen Güter sind Schuhe. Meine freundin hat ca 4 gestohlen und hat 3 zurückgegeben (ungetragen) und 1 Bezahlt (getragen), bei dem einen Mädchen wären es 5 Schuhe 2 zurückgegeben 3 bezahlt und bei der dritten weiß ich es nicht genau. Ich weiß das es über wochen ging bis sie geschnappt wurden. Die Güter wurden nicht weiter verkauft. und nein die Güter waren nicht gesichert.

Ich hätte da aber noch eine frage vielleicht könnten sie mir da auch helfen. und zwar wurde den mädels eine lange liste vorgelegt wo weitere geklaute schuhe standen. diese haben sie allerdings nicht gestohlen. könnte das unternehmen ihnen unterstellen das sie auch diese gestohlen haben und dagegen rechtlich gesehen auch was erreichen?

Kommentar von Jurasuppe ,

Hmmm, was ich gerade vergessen habe: Der unberechtigte Verdacht.

Ich sage es mal so: Die Wahrheit währt am längsten. Ein Lügenkonstrukt bricht schnell mal zusammen. Die Wahrheit kann das eigentlich nicht. Wenn sie es nicht gewesen sind, gibt es keine legitimen Beweise. Der Richter braucht für eine Verurteilung jedoch die "an Sicherheit grenzende Wahrscheinlichkeit". Eine Verurteilung für Taten, die man nicht begangen hat (Fehlurteil) ist daher äußerst gering. Der Richter müsste seine volle richterliche Überzeugung auf etwas stützen, das im Prinzip nicht existiert.

Zivilrechtlich trägt jeder die Beweislast für die ihm günstige Norm. Exemplarisch müsste der Arbeitgeber also den etwaigen Schadensersatzanspruch z.B. aus § 823 II i.V.m. § 242 StGB nachweisen. Das wird praktisch unmöglich werden, wenn sie die Taten nicht begangen haben.

Ich bin geistig aber auch ziemlich durch für heute und kann hier keine Fehlerfreiheit garantieren. Man kann schnell mal was übersehen.

Viele Grüße, JS

Kommentar von ts0495 ,

tut mit leid ich haben vergessen zu sagen in welchen wert die gestohlen haben. also jede hat im wert von 500 euro geklaut also insgesamt im wert von 1500 euro

Kommentar von Xipolis ,

Was auch wichtig wäre: Wie alt sind die drei Mädels?

Und sehr wahrscheinlich wird es in einer Vernehmung zu genau dem Vorwurf kommen, dass sie auch zu einer Konfrontation mit weiteren, angeblichen Taten kommt.

Keine passende Antwort gefunden?

Fragen Sie die Community

Weitere Fragen mit Antworten