Frage von pelin2504, 21

Die Wirtschaft verändert sich?

Diese Frage betrifft jetzt Erwachsene/ etwas ältere. Wie war euer (wirtschaftliches) leben in eurer Zeit also früher als ihr noch jünger wart.

Hilfreichste Antwort - ausgezeichnet vom Fragesteller
von aicas771, 3

Die großen Veränderungen haben alle direkt mit der Computertechnik und mit der Kommunikationstechnik zu tun. Dazu ein paar Beispiele aus meiner Sicht:

Anfangs gab es nur Wählscheibentelefone. An jedem öffentlichen Telefon stand ein Hinweisschild: "Fasse dich kurz!" Kommunikation als Mangelware - in Zeiten von Whatsapp kaum noch vorstellbar. Deshalb mussten Termine und Verabredungen längerfristig und verbindlich vereinbart werden, konnten nicht kurzfristig einfach so abgesagt werden.

Bauteile mussten mühsam erst mit Bleistift auf Transparentpapier aufskizziert und später dann mit Tuschestift nachgezogen werden. Für Änderungen mussten erst die Originalzeichnungen aus dem Archiv angefordert, mühsam mit Rasierklinge, Radiergummi, Bleistift und Tuschestift geändert und dann wieder ins Archiv geschickt werden. Das dauerte mehrere Tage oder auch Wochen. Heute mit CAD und anderen Computersystemen dauert so etwas nur Minuten oder ein paar Stunden. Also eine Beschleunigung um einen Faktor 20 bis 50 !

Ein Professor hat zum Abschluss seiner Vorlesung über "Mathematische Methoden der Festigkeitslehre" gesagt: "Wir wissen, wie es geht - aber wir haben keine Maschine, die es kann." Heute kann das jeder Gaming-PC.

Es gab noch viele Arbeitsplätze für ungelernte Arbeiter und die wurden auch noch einigermaßen erträglich bezahlt. Heute machen Automaten und Roboter diese Arbeiten, oder Leute aus Osteuropa oder andere in Asien - zu Löhnen, von denen hier keiner leben kann.

Durch die Kommunikationstechnik (also letztlich das Internet) wurde die Globalisierung erst möglich. Damit müssen wir jetzt nicht nur mit unseren Nachbarn in Europa, sondern mit Menschen in aller Welt um Arbeit und Lohn konkurrieren. Das Wirtschaftsleben ist viel schneller und härter geworden.

Allerdings bietet es uns auch Möglichkeiten, die man sich früher nicht vorstellen konnte. Kleidung ist wesentlich billiger als früher (auf Kosten der Arbeiter, die nur niedrigste Löhne erhalten). Wir haben viel mehr Auswahl als früher (z.B. über ebay und die vielen Internet-Shops).

Auch das Fremdsprachenlernen hat sich verändert: Englisch ist die unbestrittene Sprache des globalen Dorfes. Die muss jeder können. Andere Fremdsprachenkenntnisse haben dadurch ganz wesentlich an Bedeutung verloren (auch Deutsch :-(( leider). Aber auch das Englischlernen hat sich verändert: es geht nicht mehr darum, die Muttersprachler (also Briten oder Amerikaner) möglichst gut nachzuahmen, sondern es geht darum, sich möglichst gut mit anderen Fremdsprachlern (Chinesen, Indern, Russen, Brasilianern, u.a.) verständigen zu können.

Die einheitliche globale Sprache ist ein Riesenvorteil. Das merkt man z.B. wenn ein Dolmetscher, der sich in der Sache nicht auskennt und die Fachwörter nicht kennt, verzweifelt versucht, trotzdem irgendwie eine Verständigung herzustellen.

Da lernt besser jeder wie seine Fachwörter auf Englisch heißen und redet selbst. Allerdings bedroht das einen ganzen Berufsstand. Da haben nur noch die Besten eine Chance, weil alles andere direkt auf Englisch verhandelt wird.

So könnte man noch vieles aufzählen.

Antwort
von berkersheim, 10

Als ich im Saarland zur Schule ging, gabs noch die Riesenfirma Röchling in Völklingen, heute Museum und Weltkulturerbe. Da habe ich noch einen Ferienjob in der Rechnungsprüfung gehabt und gewaltige Zahlenkolonnen mit einer "modernen" Rechenmaschine mit Kontrollausdruck bewältigt. Da ich feherfrei und zu schnell war mit meinen zu kontrollierenden Rechnungen, wurde ich vom Büroleiter angemahnt, langsamer zu arbeiten. Da hatte ich erstmals mit Millionenbeträgen zu tun, da ich die Rechnungen ganzer Schiffsladungen nachprüfen sollte. Als ich meine Diplomarbeit geschrieben habe, nutzte ich dazu noch eine damals "moderne" Reiseschreibmaschine von OLYMPIA. Immerhin gab es schon TIPPEX, so kleine Blättchen, mit denen man beim Verschreiben die Fehler übertippen konnte. Als ich nach dem Studium ins Büro kam, gab es die IBM-Schreibmaschinen mit Korrekturband noch nicht - nach wie vor TIPPEX. Dann kam das Korrekturband, das Fehler sauberer weggelöscht hat.

Zum Vervielfältigen musste man auf Wachsmatrizen schreiben und die dann mit Druckerschwärze abziehen. Das war eine Sauerei, vor allem wenn die Matrize sich verklebt hat. Dann hieß es, alles neu. Wenn wir als P.R.-Institut die Presse eingeladen haben, wurden Metallträger mit den Adressen und mit lautem Getöse durch eine Maschine auf die Briefumschläge gepresst

Ich habe damals im Auftrag der Geschäftsleitung auf einer Büromesse unseren ersten Adresskomputer für damals 8.000,- DM gekauft, der Adressen nicht nur speichern, sondern auch nach Suchmerkmalen filtern und sortieren konnte, die dann auf randgelochte Etikettenträger mit Nadeldrucker ausgegeben wurden. Des Lärms wegen hieß das Ding bei uns die Rumpelhanni.

Fernsehteams kamen damals in Schlips und Kragen und mit Filmkameras, mehreren Beleuchtern, Kabelträgern und Tonleuten, ein ganzer Trupp. Texte für Broschüren oder Zeitungsartikel mussten gut abgezählt sein, damit der Korrekturaufwand nach dem Satz nicht zu groß war. Die Vorarbeiten für eine Broschüre gibt es heute gar nicht mehr, auch die Druckereien nicht mehr. Da sind ganze Berufszweige weggebrochen.

Wenn ich damals auf Geschäftsreise war, hatte man nach seinen Terminen seine Ruhe. Handy gab es nicht und Faxe auch nicht. Als mir im Hotelzimmer das erste Fax unter der Tür durchgeschoben wurde mit der Bitte, umgehend zu antworten (statt ins Kino zu gehen), wusst ich, dass es mit der Ruhe vorbei war. Dann kamen die Handys und ich weigerte mich, mein privates Handy für die Firma zu nutzen, weil denen Firmenhandys noch zu teuer waren. Im Frühstückraum der Hotels liefen die Angeber-Manager schon zum Frühstück mit dem Handy rum und kamen sich unheimlich wichtig vor. Ihr Idioten, dachte ich damals, jetzt noch Angeberei, bald dann Pflicht, wenn sich die Chefs dran gewöhnt haben, dass ihre Angestellten es toll finden, überall erreichbar zu sein.

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