"Die Mutter und ihr erstes Kind" bzw. früher "Die deutsche Mutter und ihr erstes Kind" von der überzeugten Nazin Dr. Johanna Haarer?

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9 Antworten

Das Buch habe ich zum Glück nie bei meiner Mutter (Jahrgang 1931) entdeckt.

Hast du mal die Bücher von Alice Miller gelesen?
In einem - meine es ist "Am Anfang war Erziehung" - steht, wie Hitler aufgewachsen ist.

Die Zeit war insgesamt sehr gefühlsarm und Kinder zählt noch lange nicht als richtige Menschen.

Du brauchst gar nicht in andere Länder zu gehen.
Auch in Deutschland wird die Gruppe derer, die einen achtsamen Umgang mit ihren Kindern pflegen wollen, statt sie einer (subtil) manipulativen Erziehung zu unterziehen, immer größer.

https://www.ecosia.org/search?q=unerzogen

Da gibt es einiges zu diesem "respektvolle(re) Leben mit Kindern".

Die Seiten, die "unerzogen" als Schimpfwort betrachten, kannst du getrost ignorieren.

Ebenfalls hilfreich finde ich die Bücher von Herbert Renz-Polster.

Wenn die anderen "Erziehungsbeiträge" von mir liest, wirst du feststellen, wofür ich mich einsetze.

Du wirst übrigens bei so manchen Eltern eher "jedes Kind kann schlafen lernen" entdecken.
Aber das Buch ist keinen Deut besser, als das von dir erwähnte.

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"In fast jedem Haushalt": Das bezweifele ich. Schon allein, weil nicht jeder Bücher hat - viele haben inzwischen nur noch Reader/ Internet oder haben keine Bücher mehr, weil sie nicht mehr lesen/ müssen im Rentenalter etc. - und immer mal wieder wirft man beim Umzug oder Ausmisten Sachen weg. Hat jede neue Generation - seit dem Krieg waren das doch so einige - das Buch aus dem Elternhaus mitgenommen? Auch das bezweifele ich eher, gerade, wenn man anfangs in einem WG-Zimmer lebte oder oft umziehen musste. "Mama, wenn ich dann zu meiner Freundin ziehe und die Metzgerausbildung anfange, nehme ich aber "Die Mutter und ihr erstes Kind" mit?! Das dürfte eher selten vorgekommen sein!

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Kommentar von anonymos987654
03.10.2016, 10:05

Ich nehme mal an, dass dann, wenn die Tochter schwanger wurde, die Mutter in ihrem Regal gestöbert und der Tochter dies Buch rausgesucht haben wird.

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Die wenigsten Leute waren überzeugte Nazis, und nachdemKrieg wurde viel entrümpelt -auch geistig. Die heute Achzigjähren wurden ggf danach erzogen - nach dem Krieg ist Zucht und Ordnung noch ein Prinzip gewesen, aber in Deutschland gab es die 68er Revolte und etliche Änderungen - da gibt es wenig was hier noch aktuell auf eine Nation und ihre seelische Gesundheit abfärbt.
Welches andere europäische Land ist denn seelisch gesünder ? Italien, Spanien ? Hatten auch faschistische Vergangenheit, und die Traumata durch noch schlechtere Politik als hierzulande überwiegen. Frankreich, England? Polen?

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Kommentar von eostre
03.10.2016, 13:28

Diese Bücher wurden bis in die 80er Jahre hinein zur Ausbildung genutzt und viele Ratgeber haben auch noch darauf basiert. 

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Kommentar von Lennister
03.10.2016, 16:10

Die wenigsten Leute waren überzeugte Nazis

Das ist nachweislich falsch. Siehe dazu z.B. die Ergebnisse der letzten halbwegs freien Reichtstagswahl 1933. 

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Ich kenne wirklich niemanden, der dieses Buch besitzt oder danach seine Kinder erzieht. Einschließlich meiner Urgroßeltern, Großeltern und Eltern. Auch in meiner sonstigen Familie oder im Freundes oder Bekanntenkreis nicht.
Wie kommst Du darauf, dass dieses Buch angeblich in fast jedem Haushalt vorkommt?

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Woran merkt man, dass die Deutschen seelisch am meisten leiden?

https://de.wikipedia.org/wiki/Suizidrate_nach_L%C3%A4ndern - der 35. Platz spricht nicht dafür.

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Kommentar von anonymos987654
03.10.2016, 10:00

Naja, ich würde die Suizidrate nicht zum Maßstab nehmen. Suizid ist nur e i n e "Lösungs"-Möglichkeit von vielen.

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Das Buch selbst habe ich nie gesehen aber in der Familie meines Mannes ist diese Art der Erziehung mehr oder weniger etabliert. 

Genau gesagt glauben große Teile seiner Familie daran, dass ein Säugling verwöhnt werden kann, dass man Babys auch mal schreien lassen muss, dass stillen nicht gut ist und wenn, dann maximal 3 Monate erfolgen sollte, dass Kinder ihren Eltern Untertan sind, etc. 

In einschlägige DDR Kinderpflegeliteratur sind viele Dinge von Frau Harrer eingeflossen, so empfahl der "Babykalender",den die meisten Mütter im Krankenhaus bekamen, das Baby viel alleine liegen zu lassen, auch einkaufen während der Säugling daheim alleine schlief wurde angedacht. Füttern und wickeln sollte streng nach Uhrzeit erfolgen, usw. 

Seine Eltern wurden danach erzogen und er zum großen Teil auch. 

Ich persönlich hatte das Glück, dass es Hebammen unter meinen vorfahrinnen gab und stillen bzw das tragen des Babys am Körper durch alle Zeiten bei uns Gang und Gäbe war.

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Ich habe über Deine Frage jetzt länger nachgedacht bevor ich antworte: 

Von seiten meiner Mutter wurde diese Buch entschieden abgelehnt. Während der NS-Zeit ebenso wie später darauf geachtet wurde, dass seine Ideen auch nur im Ansatz im Umfeld Einzug halten könnten. 

Väterlicherseits ist mein Opa leider auf eine "dumme Kuh" herein gefallen. Gab eben noch keine Aufklärung. Diese dumme Kuh hat wohl in ihrem ganzen Leben nie ein einziges Buch gelesen. Sie konnte auch nicht leicht Informationen aufnehmen. Deshalb wird sie dieses Buch auch nicht gekannt haben. Jedenfalls hat sie sich nie so verhalten. 

Das Werk muss ich ja nicht lesen. Es gibt wirklich sinnvollere Beschäftigung. 

Ich weiß von einigen Frauen, die damals Mutter geworden waren, dass sie so ein Buch geschenkt bekommen haben, es in den Schrank an einen Ehrenplatz stellten und ansonsten ihr Leben wie gewohnt lebten. 

Wenige Frauen berichteten mir, dass der sogenannte Blogwart bzw. seine Frau aufpasste, ob die Kinder nach diesem Buch erzogen würden. Also wurde darauf geachtet, dass diese Person ihre Neugierde möglichst wenig stillen konnte. 

Was ich auch ohne Lektüre aus dem Buch mitbekommen habe erinnert mich an meine ersten Jahre unter Russlanddeutschen. Sie nannten solches Verhalten Deutschländertum. Da sie ja erst nach der Wiedervereinigung nach einigen hundert Jahren zu uns zogen ist davon auszugehen, dass der Erziehungsstil nicht unbedingt mit dem Buch in Zusammenhang zu sehen ist. 

Was nun psychische Schäden angeht: 

Jeder Krieg ist ein traumatisches Erlebnis. Sowohl für die Opfer als auch für die Täter und auch für sogenannte Unbeteiligte. 

Wir haben dieses Trauma nie aufgearbeitet als Individuen. Warum nicht mag Dir die Liste ehemaliger NS-Mitglieder in der Politik aufzeigen. Bei Wikipedia zeigt sie zwar nur die Bundestagsabgeordneten, dafür aber aus beiden deutschen Staaten. 

Traumata, die nicht aufgearbeitet wurden, werde auf ihre schädliche Weise immer ein Stück weit an die nächste Generation weiter gegeben. Unbewusst und unbeabsichtigt. 

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Hallo anonymus (die Zahlen lass ich weg ;-)  )

meine Mutter hatte dieses Buch auch im Regal stehen. Meine Brüder (im Krieg geboren) wurden vielleicht nach diesser "Methode" erzogen und taten sich schwer im Leben. Ob es allerdings an der Erziehung lag oder an den äußeren Umständen, kann ich nicht beurteilen und auch nicht hinterfragen, da sie beide schon tot sind.

Für meine Erziehung (Jg 1957) hat meine Mutter weitere Erziehungskurse besucht und deshalb kann ich aus persönlicher Erfahrung diesbezüglich nicht mitsprechen.

Trotzdem möchte ich meine Gedanken zum seelischen Leid der heutigen europäischen (und nicht nur deutschen) Jugend im Gegensatz zur Jugend in armen, kriegerischen Ländern kund tun:

Uns und unserer Jugend geht es zu gut. Wir können alles haben, was wir brauchen und noch viel mehr. Das macht nicht zufrieden, sondern unglücklich. Wo ein Stück Brot oder ein Schluck Wasser auf den Tisch kommt, was gestern nicht möglich war, ist die Dankbarkeit groß. Für ein Stück Fleisch wird ein Fest mit Gesang und Tanz gefeiert. Die (Groß)Familie rückt zusammen.

Die Grenzenlosigkeit in vielen Beziehungen (auch, aber nicht ausschließlich als Paar zu verstehen) macht unsicher, nicht frei. Für mich mit ein Grund, warum deutsche Jugendliche zum IS gehen. Dort gibt es Grenzen mit Strafen und Lob (bewusst in dieser Reihenfolge). Das heißt nicht, dass ich den IS gutheiße!!!!! Doch in gutem Rahmen sind Grenzen und Regeln wichtig. Früher gehörten die Jugendlichen nach der Firmung oder Konfirmation zu den Erwachsenen mit allen Rechten und Pflichten. Und heute?

Das ist nur ein Auszug aus meinen Gedanken . . .

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Wieso sollte so ein Buch in geistig normalen Haushalten gestanden haben oder stehen?

Darüber hinaus ist es immer ein Vergleich mit Birnen und Äpfeln, wenn man andere Länder mit Deutschland vergleicht. Und ich glaube auch nicht, dass Menschen in Kriegsgebieten oder wo Hungersnöte herrschen, ausgeglichene Seelen haben.

Hierzulande herrscht auch Krieg. Er wird nur nicht mit Waffen ausgetragen, sondern mit Ungerechtigkeiten, Ungleichbehandlungen, Ängsten, Manipulationen und Druck.  

Kinder brauchen nur wenige Dinge, die nicht mal Geld kosten. Liebe, Geborgenheit, Zuwendung, liebevolle Konsequenz, Strukturen und Werte.

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Kommentar von anonymos987654
03.10.2016, 10:02

"Wieso sollte so ein Buch in geistig normalen Haushalten gestanden haben oder stehen?"

Es wurde immerhin 1,2 Millionen mal verkauft. Das ist so ungefähr ein Buch pro deutscher Haushalt.

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