Frage von Tyconderoga, 29

Die Kuba Krise aus russischer Sicht?

Die Kuba Krise wurde uns nach westlicher Schulbuchfassung im Grunde folgendermaßen erklärt:

Die Russen stationieren heimlich Atomraketen auf Kuba bis die Amerikaner es dann bemerken und total geschockt sind. Es folgen Drohungen, ein Embargo und Verhandlungen. Die ganze Welt steht kurz vor einem dritten Weltkrieg und der atomaren Auslöschung bis dann die Amerikaner sich bereit erklären ihre Atomraketen aus der Türkei abzuziehen und die Russen dafür ihre aus Kuba zurückziehen. Amerika und Kennedy werden als erfolgreiche Helden präsentiert.

Wer da aber ein wenig aufgepasst hat muss sich doch denken "Raketen in der Türkei?, und die waren schon vorher dort ?" Wenn die Amerikaner Raketen in der Türkei aufstellen, also praktisch vor der Haustüre der Russen, dann dürfte doch klar sein das die Russen sofort nachziehen. Praktisch waren die Aktionen der Amerikaner also der ursprüngliche Auslöser der Krise und nicht die russichen Raketen auf Kuba.

Frelich wird das in der westlichen Erzählweise in den allermeisten Fällen verschwiegen damit die Amis als Helden und die Russen als die Bösen dastehen.

Ich wüsste nun gern wie diese ganz Geschichte in der Sicht der Russen dargestellt wird. Gibt es hier vielleicht einige Mitglieder aus der ehemaligen DDR die die Sache nioch im Schulunterricht hatten? Oder vielleicht jemand aus der ehemaligen UdSSR der die "Schulbuchversion" noch von früher kennt ?

Antwort
von Hegemon, 19

Ich kann mich nicht erinnern, das im Schulunterricht gehabt zu haben - ist einfach zu lange her. Allerdings wurde zwischen den beiden Parteien Stillschweigen vor der Weltöffentlichkeit über den Abzug der Jupiter-Raketen aus Türkei und Italien vereinbart, damit Kennedy sein Gesicht wahren konnte. Den Sowjets war der propagandistische Aspekt offensichtlich weniger wichtig als die Abwendung der militärstrategischen Gefahr.

Antwort
von JBEZorg, 15

In der Sowjetunion wurde es immer wahrheitsgemäss dargestellt. auch wenn es die Wessis schmerzt so etwas zu lesen.

Die Stationierung der Persching-Rakten in der Türkei veranlasste die sowjetische Regierung zur Stationierung der Raketen auf Kuba. Die diplomatische Eskalation führte zu Verhandlungen und die Raketen wurden von beiden Seiten abgezogen.

Antwort
von simferopol, 16

Ich bin zu Sowjetzeiten und nach dem Zerfall zur Schule gegangen. Ich kann mich nicht daran erinnern, dass wir das explizit im Unterricht hatten. Zu meiner Zeit in den 80ern wurde der Geschichtsunterricht im Zuge von Glasnost und Perestrojka deideologisiert. Die Kubakrise hieß bei uns Karibische Krise (карибский кризис) Teil der Ereignisse war u.a. die Operation Anadyr (операция Анадырь).

Antwort
von Guekeller, 16

Ich kenne die offizielle Ost-Version nicht, aber Du hast Sie ja in Deiner Fragestellung benannt: Weil die USA Atomwaffen in der Türkei stationierten, wollte die UdSSR ein militärisches Gleichgewicht durch die Raketen auf Kuba schaffen. Dass dieser Zusammenhang korrekt ist, zeigt sich ja auch an der Lösung der Kuba-Krise: Die USA  holten ihre Raketen aus der Türkei zurück. Das war Teil des Deals.

Kommentar von zetra ,

Alles korrekt, aber heute stehen wieder 90 A-Waffen der USA in der Tuerkei und keine einzige Rakete der Russen im Ausland. Somit haben sich die Verhaeltnisse zu Gunsten der USA entwickelt.

Ich betone immer wieder, die USA agieren und die Russen reagieren, wer ist hier nun der Buh-Mann?

Antwort
von baindl, 22

Der große Unterschied wird wohl gewesen, dass die Sowjetunion die Raketen heimlich stationieren wollte.

Die US Raketen in Italien und der Türkei wurden jedoch offen, also ohne "Heimlichtuerei" stationiert.

https://de.wikipedia.org/wiki/Kubakrise#Unmittelbare_Vorgeschichte

Letztendlich profitierten die Russen, trotz allem, von der Krise.

https://de.wikipedia.org/wiki/Kubakrise#Folgen_der_Krise

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