RolfHoegemann am 22.04.2007 um 0:41 Uhr
Bei allem was in der sogenannten Gesundheitsreform schon passiert ist - warum hat man es eigentlich so ungeschickt angestellt? Eleganter wäre doch gewesen, einfach die Gebühren weiterzu erhöhen, dann hatte es nur kurz eine 'Welle der Empörung' gegeben und dann wäre wieder Ruh gewesen und alle hätten sich zwar geärgert aber nicht so sehr wie jetzt.
Im Prinzip also die gleiche Handlungsweise wie mit Benzin/Gas/Heizkostenerhöhung, Fernsehgebühren, Preisen im allgemeinen.
Die Gesundheitsreform scheitert wie viele Dinge an den Politikern, die in kurzen Zeitabständen bis zu ihrer Wiederwahl denken und nicht an diejenigen, die sie gewählt haben und mit deren Interessenvertretung sie beauftragt wurden. Die Kassenärztlichen Vereinigungen als Interessenverband wären ja ok., als Abrechnungsstelle und Verteiler der Gelder sind sie absolut überflüssig. Würden die Ärzte jedem Patienten eine Rechnung schreiben, die dieser bezahlt und dann mit seiner Krankenkasse abrechnet, wäre das Ganze transparent. Die Ärzte kämen nicht in Versuchung Leistungen abzurechnen, die sie nicht erbracht haben, die Patienten würden die Kosten, die sie verursachen und teilweise durch Unwissenheit mehrfach verursachen, sehen und der Verwaltungsapparat der KV wäre überflüssig. Kleiner Nebeneffekt: Die Ärzte hätten ihr Honorar in den meisten Fällen eher. Die Patienten würden verantwortungsvoller handeln. Weiteres Einsparpotenzial ergibt sich bei den Packungsgrößen der Medikamente. Warum darf ein Apotheker nicht aus einer N3-Packung gezielt eine Anzahl an Tabletten etc. entnehmen und nur die vom Arzt für notwendig erachtete Menge abgeben? Den Beipackzettel lesen eh nur die wenigsten und die, die sie lesen verstehen häufig nur Bahnhof und Abfahrt. Warum werden Familienmitglieder ohne Einkommen kostenfrei mitversichert und erhalten volle Leistung? Dass der Staat dafür sorgen muss, wenn eine Familie die notwendigen Mittel nicht aufbringen kann, steht dabei ausser Frage. Aber bitte nicht aus Mittel der Krankenversicherung, sondern aus Steuermitteln. Warum bilden die gesetzlichen Krankenkassen keine Altersrückstellungen? Warum kann ein halbwegs funktionierendes System, wie das der Schweiz nicht einfach kopiert werden? Wahrscheinlich, weil gerade die Politiker grundsätzlich ja immer das Gegenteil vertreten müssen, als dies der politische Gegener tut. Aus solchen strategischen Positionen können immer nur faule Kompromisse entstehen. Ausserdem gibt es viele Interessenverbände, die einzelne Politiker beeinflussen, in welcher Form auch immer. Ein Umlage finanziertes System kann nur dann funktionieren, wenn immer wieder neue Mitglieder in das System kommen und damit stetig wächst. Diese Erkenntnis hat die Politik seit Mitte der 60er Jahr. Es ist aber unbequem den Menschen die Wahrheit zu sagen. Es gibt viele Ansatzpunkte, die möglich wären. Für den einzelnen zunächst vielleicht unbequem, auf Dauer aber ehrlicher und vor allen Dingen transparent.
Der wichtigste Grund, daß so etwas in die Hose geht: Den Zirkus veranstalten Politiker, die sich zwar schlauer dünken, als der Rest der Menschheit, es aber mitnichten sind. Der Vorschlag der Gebührenerhöhung ist wohl eher humorig gemeint. Man sollte eher die Kostenfaktoren prüfen. Ein Bett im Krankenhaus - ohne Behandlung, wohlgemerkt - kostet mehr als 1 ganzes Zimmer im 3-Sterne-Hotel. Medikamente kosten immer noch zu viel etc. Hier die Wirtschaftlichkeit zu prüfen, wäre oberstes Gebot. Erst wenn alle Einsparmöglichkeiten erschöpft sind, natürlich ohne Leistungsminderung zu verursachen, kann man an den Gebühren drehen.
im 3 Sternehotel? ich würde eher sagen mehr als in einem Luxushotel! Und das obwohl ja die Kosten für Behandlungen nicht im Preis inbegriffen sind und die Ärzte in Krankenhäusern in Deutschland umgerechnet auf die Stunde weniger verdienen als die Putzfrau dort

Wenn man nicht geschickt ist, dann kann man sich nur ungeschickt anstellen - Ulla Schmidt lässt grüssen.