Frage von Memo2000plus, 33

Die Gegenwart und Hermann Hesse?

Mich würde, ernsthaft, interessieren ob heute noch jemand Bücher oder Gedichte von Hermann Hesse liest.

Ich meine damit freiwillig, aus Interesse, etc. nicht weil es zum Lernstoff der Schule gehört.

Danke für Eure Antworten!

Hilfreichste Antwort - ausgezeichnet vom Fragesteller
von BertRollmops, 17

Ich habe mit großer Begeisterung Siddhartha gelesen, ebenso den Steppenwolf. Ich glaube, das ist genau so zeitlos wie Salingers Fänger im Roggen. 

Kommentar von BertRollmops ,

Oh, Dankeschön! 😊

Antwort
von hutten52, 15

Ich lese immer wieder einmal etwas von Hesse.

Beispiel: 

Im Nebel

Seltsam, im Nebel zu wandern!
Einsam ist jeder Busch und Stein,
Kein Baum sieht den andern,
Jeder ist allein.

Voll von Freunden war mir die Welt,
Als noch mein Leben licht war;
Nun, da der Nebel fällt,
Ist keiner mehr sichtbar.

Wahrlich, keiner ist weise,
Der nicht das Dunkel kennt,
Das unentrinnbar und leise
Von allen ihn trennt.

Seltsam, Im Nebel zu wandern!
Leben ist Einsamsein.
Kein Mensch kennt den andern,
Jeder ist allein.

November 1905 

Oder:

Stufen

Wie jede Blüte welkt und jede Jugend
Dem Alter weicht, blüht jede Lebensstufe,
Blüht jede Weisheit auch und jede Tugend
Zu ihrer Zeit und darf nicht ewig dauern.
Es muß das Herz bei jedem Lebensrufe
Bereit zum Abschied sein und Neubeginne,
Um sich in Tapferkeit und ohne Trauern
In andre, neue Bindungen zu geben.
Und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne,
Der uns beschützt und der uns hilft, zu leben.

Kommentar von mychrissie ,

Furchtbar! Gerade das Gedicht "Im Nebel" empfand ich schon vor 65 Jahren während meines Literaturwissenschaften-Studiums als eine solch unerträgliche Ansammlung von Phrasen ("Kein Mensch kennt den anderen", "Jeder ist allein" oder den Reim "Als noch mein Leben licht war/Jetzt...ist keiner mehr sichtbar"), dass es einem graust, das kann nur noch überboten werden, wenn man sein "Narziss und Goldmund " liest oder Helene Fischer oder den "Grafen" hört. Von Hesses Nähe zum Nationalsozialismus habe ich noch gar nicht gesprochen, obwohl es sich auch in seinem Werk niederschlägt.

Hesse muss wirklich nicht sein. Wer gute Gedichte mag, solte sich lieber bei Rilke oder Benn umsehen.

Kommentar von hutten52 ,

Literarische Vorlieben sind unterschiedlich, keine  Frage.

Dass du aber laut Profil 1939 geboren bist und bereits 1951 das Gedicht "Im Nebel" während deines "Literaturwissenschaften-Studiums" abgelehnt hast, also mit 12 Jahren, ist schon bemerkenswert. Da wurde wohl eine literarische Begabung in die Wiege gelegt. 

Über deine Verortung Hesses als nazi-nah spare ich mir jede Bemerkung. 

Kommentar von BertRollmops ,

Hast Du Hesse mit Hess verwechselt? Der Steppenwolf erschien 1927 und war von den NS verboten, das Glasperlenspiel durfte nur in der Schweiz verlegt werden. Viele Biographen verlegen Hesse in die Nazigegnerschaft. Woher hast Du Dein Wissen?

Also "Stufen" gefällt mir sehr gut.

Antwort
von Paguangare, 14

Klar, solche Leute gibt es. Ich habe neulich auch einen Gedichtband von Hermann Hesse gelesen.

Antwort
von Myosotis16, 27

Hermann Hesse hat sehr schöne Gedichte geschrieben. Außerdem wird er oft zitiert (Links zum Thema "Sprüche, Zitate).

Ich finde, er ist auch heute noch aktuell.

Antwort
von Myosotis16, 12

Man muss das Unmögliche versuchen,
um das Mögliche zu erreichen."

Ein Zitat von Hermann Hesse.


Weihnachten – Hermann Hesse


  • Ich sehn' mich so nach einem Land 
    der Ruhe und Geborgenheit 
    Ich glaub', ich hab's einmal gekannt, 
    als ich den Sternenhimmel weit 
    und klar vor meinen Augen sah, 
    unendlich großes Weltenall. 
    Und etwas dann mit mir geschah: 
    Ich ahnte, spürte auf einmal, 
    daß alles: Sterne, Berg und Tal, 
    ob ferne Länder, fremdes Volk, 
    sei es der Mond, sei's Sonnnenstrahl, 
    daß Regen, Schnee und jede Wolk, 
    daß all das in mir drin ich find, 
    verkleinert, einmalig und schön 
    Ich muß gar nicht zu jedem hin, 
    ich spür das Schwingen, spür die Tön' 
    ein's jeden Dinges, nah und fern, 
    wenn ich mich öffne und werd' still 
    in Ehrfurcht vor dem großen Herrn, 
    der all dies schuf und halten will. 
    Ich glaube, daß war der Moment, 
    den sicher jeder von euch kennt, 
    in dem der Mensch zur Lieb' bereit: 
    Ich glaub, da ist Weihnachten nicht weit!

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