Frage von osnagerrit, 89

Die Formel zum Glück?

Obwohl wir in Deutschland die besten Voraussetzungen hätten, sind wir nicht glücklicher als Menschen aus weitaus ärmeren Ländern. Das verstehe ich vollkommen, weil man aufgrund der bedürfniskette immer mehr will.

Nun aber zu meiner Frage: Wie kann man letztendlich glücklich werden? Wie schaffe ich es, am Ende auf mein Leben zurückzuschauen und nichts zu bereuen? Wenn ich mich in diese leistungsorientierte Gesellschaft eingliedere, dann hab ich gar nicht die Chance, wahres Glück zu erlangen. Zumindest ist das mein Gefühl.

Hilfreichste Antwort - ausgezeichnet vom Fragesteller
von ThomasAral, 52

Chinesische Weisheit:

willst du einen tag glücklich sein, so saufe dir einen rausch an

willst du ein jahr glücklich sein, so heirate

willst du aber ein leben lang glücklich sein, so werde gärtner


und es sind nicht die materiellen dinge die uns glücklich machen, sondern die imateriellen

Antwort
von Enzylexikon, 24

Ich bin Buddhist und äußere mich mal dazu.

Wenn ich mich in diese leistungsorientierte Gesellschaft eingliedere,
dann hab ich gar nicht die Chance, wahres Glück zu erlangen. Zumindest
ist das mein Gefühl.

Schau dir mal an, was du davor selbst geschrieben hast:

Du sagst, das gemäß irgendwelcher Statistiken, die Menschen in armen Ländern subjektiv glücklicher sind, als Menschen in Wohlstandsstaaten.

Ein möglicher Schluss daraus ist also;

Offenbar sind nicht die äußeren Umstände maßgeblich für das subjektive Gefühl von Glück oder Zufriedenheit, sondern unsere Einstellung dazu.

Jetzt können wir natürlich die Umkehrfrage stellen:

Wenn Glück womöglich nicht wesentlich von Armut oder Reichtum abhängig ist - was spricht dann dagegen, in einer leistungsorientierten Gesellschaft glücklich zu sein?

Weshalb sind wir nicht glücklich?

Du selbst sprichst die "Bedürfnisskette" an - wir leben in einer Konsumgesellschaft, in der Marketing und Werbung künstlich Bedürfnisse schaffen, die wir sonst gar nicht hätten. Uns wird suggeriert, wir benötigen diese Dinge, um glücklich zu sein.

Weil wir niemals über die Mittel verfügen, die immer neuen "Glücksgaranten" an uns zu bringen, befinden wir uns in einem ständigen Zustand latenter Unzufriedenheit, des Unglücks und Leidens.

Tatsächlich betäuben wir mit diesem Konsumglück möglicherweise existentielle Ängste und lenken uns von unangenehmen Themen wie Vergänglichkeit, Krankheit und Tod ab.

Was kann man machen?

Dass du dieses Thema nennst, bedeutet für mich, dass du dir dieser Zusammenhänge bewusst bist, oder dich zumindest damit befasst.

Wenn du nun bereits über diese Bewusstheit verfügst, dann kannst du auch die Entscheidung treffen, dich dieser künstlichen Bedürfnisse zu entziehen.

Zu diesem Zweck muss man nicht in eine Hütte im Wald, oder auf eine einsame Insel ziehen - es reicht bereits, Abstand zu nehmen.

Man muss nicht die "limitierte Sonderedition" der Frühlings-Schokoladen kaufen, die neuste Sorte Kartoffelchips probieren, oder den aktuellen Trends der diesjährigen Frühjahrsmode folgen.

"Nein danke, das benötige ich nicht" ist alles, was es dagegen braucht.

Manchmal befinden wir uns in Situationen, in denen bestimmte Statussymbole von uns verlangt werden -  von einem erfolgreichen Geschäftsmann wird ein qualitativ hochwertiger Anzug und ein repräsentativer Wagen erwartet.

Es wird erwartet, dass wir auf Empfänge gehen, um uns dort die Überheblichkeiten und falschen Bescheidenheiten gesellschaftlich wichtiger Personen anzuhören, damit wir ein gutes Geschäft abschließen können.

Wie mit der Erwartungshaltung der Gesellschaft umgehen?

Es besteht keine Notwendigkeit, gleich in den Wald zu flüchten - einen teuren Armani-Anzug und einen Sportwagen zu besitzen, hindert uns nicht am Glück.

Auch an einer Dinner-Party mit Hummer, Kaviar und Lachs teilzunehmen macht uns weder "unspirituell" noch "unglücklich"

Wir dürfen lediglich unser seelisches Gleichgewicht, unsere innere Zufriedenheit, oder unser "Glück" nicht von diesen Dingen abhängig machen.

Wenn wir meinen, 30 Armani-Anzüge, 20 Sportwagen und 10 Einladungen zu wichtigen Events zu benötigen, damit wir Zufriedenheit empfinden - dann haben wir den "Weg" verlassen, denn wir geben uns Illusionen hin.

Sind wir aber in der Lage, diesen Irrtum zu erkennen, dann macht es für uns keinen Unterschied, ob wir in einem Palast, oder einer kleinen Hütte leben.

Meiner Meinung nach wird oft eine zu enge Linie gezogen, bei der kategorisch zwischen absoluten Elementen unterschieden wird.

"Spiritualität ist gut - Materialismus ist schlecht".

Aber wir sind Menschen, wir haben materielle Bedürfnisse.

Wenn wir eine attraktive Person sehen, dann werden unsere Hormone nun einmal Samba tanzen und bei einem leckeren Essen läuft uns nun einmal das Wasser im Mund zusammen - das ist kein Beinbruch, sondern ganz natürlich.

Ein extremes, aber lustiges Beispiel:

Der umstrittene indische Guru Bhagwan/Osho soll 99 Rolls Royce Limousinen besessen haben und trug gerne große Rolex-Uhren.

Eine ungemeine Provokation - ein spiritueller Führer hat sich gefälligst nicht mit so materiellen Gütern zu umgeben.

Einmal soll ihn ein anderer Guru dann doch mal gefragt haben, ob er vielleicht einen der Wagen haben könnte.

Osho sagte "Ja sicher doch - aber dann musst du die übrigen 98 Limousinen auch noch nehmen!"

Der andere Guru fürchtete um seinen Ruf als spirituelles Vorbild und lehnte ab.

Osho wurde in einem TV-Interview sinngemäß mal gefragt:

"Viele Menschen halten sie für einen bedeutenden spirituellen Lehrer. Andere sagen, ihr Lebensstil erinnere eher an Hugh Hefner vom "Playboy". Was sagen sie dazu?"

Osho antwortete: "Ich bin ein...spiritueller Playboy..."

Man mag von dem Mann halten was man will und vielleicht war er tatsächlich nur ein manipulativer, luxussüchtiger Betrüger - aber diese Provokation zeigt deutlich, wie sehr die Menschen in Kategorien denken.

Die moderne Leistungsgesellschaft steht deinem Streben nach Glück nicht im Wege - sondern lediglich die Projektionen, die du damit verbindest.

Kommentar von Enzylexikon ,

Dauerhaftes Glück gibt es meiner Ansicht nach sowieso nicht - das ist meiner Meinung nach eine Illusion.

Alles ist der Veränderung und letztlich der Vergänglichkeit unterworfen und da macht das Glück keine Ausnahme.

Das äußere Befriedigungen nicht dauerhaft glücklich machen erscheint ziemlich nachvollziehbar.

Die größte Party ist irgendwann vorbei, der geliebte Partner wird irgendwann sterben und auch der tollste Sportwagen ist irgendwann Schrott.

Genau so wenig sollte man sein Glück aber von inneren Prozessen abhängig machen.

Ekstasen und Glücksgefühle während spiritueller Übungen entstehen lediglich in unserem Nervensystem und sollten nicht überbewertet werden.

Sich von der Welt abzuschotten, in eine Einsiedelei, oder ein Kloster zu flüchten, ist reines Vermeidungsverhalten, das mit der Unterdrückung von  Bedürfnissen verbunden ist.

Vermutlich wird nirgendwo so viel an Sex gedacht, wie in Klöstern zölibatär lebender Mönche und Nonnen. ;-)

Schon der Versuch, das Glück erreichen zu wollen, ist meiner Meinung nach ein Fehlschlag.

Meiner Meinung nach kann man nicht glücklich werden, sondern nur glücklich sein.

Es handelt sich um einen gegenwärtigen Zustand, der dahin schmelzen kann, wie das Eis in der Sonne.

Wer versucht am Glück festzuhalten, wird es unweigerlich verlieren.

Antwort
von berkersheim, 15

Glück ist inzwischen ein furchtbares Wort. Zerredet bis zum geht nicht mehr. Teils, wenn antike Philosophen angesprochen werden, auch total falsch übersetzt. Dort geht es um ein erfülltes Leben, eine innere Zufriedenheit und ausgeglichene Ruhe. Zurückschauen können ohne Reue, ohne Bedauern, dass man den größten Teil seines Lebens damit vertan hat, Phantomen nachzujagen, einer Fata Morgana, die sich immer mehr aufgelöst hat, je näher man sich ihr glaubte. Das Unerfülltsein der Unersättlichen. Das ist deren Fluch, dass sie nie an ein sie befriedigendes Ende kommen.

Wenn Du Dir deren Problem genauer anschaust, siehst Du, dass die immer Phantomen nachjagen, die ihnen andere vorgaukeln. Wie Hamster im Tretrad erreichen sie nie ein Ziel, weil alles Neue schon alt ist, wenn sie es gerade in Händen halten. Immer gibt es noch Neueres, noch mehr, was man haben muss. Alles was sie sind, oder besser, was sie meinen, sein zu müssen, geben ihnen andere vor. Sie sind fremdbestimmt. Das war schon in der Antike so, im Mittelalter - dazu braucht man keine leistungsorientierte Gesellschaft. In allen Gesellschaften gibt es immer dann Leistungsorientierung, wenn andere für einen vorgeben, was einem erstrebenswert ist. Besser: Wenn man andere über sich und seine Ziele bestimmen lässt.

Davon wegzukommen ist nicht so einfach. Dazu muss man zu sich selbst finden, zu seinen eigenen Wünschen, Herausforderungen und Zielen. Das ist je nach Individuum sehr verschieden. Wenn man zu sich selbst gefunden hat und zumindest ein Gefühl dafür, eine Ahnung davon, was einem ganz persönlich wichtig ist, gibt es ein weiteres Zauberwort: Entschleunigung. Man muss nicht alles gleich erreichen. Man darf sich auch mal über ein erreichtes Zwischenziel freuen, neue Kraft schöpfen.

Das bedeutet nicht, dass man nichts von sich fordert, sich keine Ziele steckt: Es sind nur nicht die Ziele und Errungenschaften, die einem andere vorgeben, die nichts mit einem selbst zu tun haben. Gute Freunde, keine Facebookfreunde zu Hunderten, nein wirklich gute Freunde, die zuhören, mit denen man offen argumentieren kann, die können einem sehr helfen in den vielfältigen Problemen des Lebens seine Bahn zu behalten, sich in seinen Zielen nicht verwirren zu lassen. Wenn man dann zurückschaut, schaut man auf sich selbst und kann Stolz empfinden über eine gute Wegstrecke.

Kommentar von berkersheim ,

Vom Philosophen und Lebemann Aristippos von Kyrene (Sokratesschüler, 435 - 355 v. Chr.) gibt es ungefähr den Spruch:

Du solltest die Dinge haben können und nie haben müssen, sodass Du nie im Besitz der Dinge bist, sondern die Dinge in Deinem Besitz.

Antwort
von Undsonstso, 28

"Willst du immer weiter schweifen?
Sieh, das Gute liegt so nah.
Lerne nur das Glück ergreifen:
Denn das Glück ist immer da."

Goethe

Ich denke, wir Menschen in den Wohlstandsgesellschaften sind viel unzufriedener als Menschen in richtig armen Ländern......Wir wissen unser Glück ( kein Trinkwassermangel, hygienische Standarts, soziale Leistungen  usw. usf ) gar nicht zu richtig zu schätzen .....

Antwort
von Machtnix53, 39


"Ja, renn nur nach dem Glück,
 doch renne nicht zu sehr,
denn alle rennen nach dem Glück -
das Glück rennt hinterher."


- Bertolt Brecht

Kommentar von asiawok ,

Das Glück rennt dir hinterher. Aber Du warst immer schneller als es.

Kommentar von Machtnix53 ,

Wen meinst du? Ich war noch nie zu schnell !

Wenn ich mir Zeit lasse, bin ich irgendwann den Anderen voraus. (Gesetze des Kreislaufs)

Antwort
von asiawok, 46

Um glücklich zu leben muss man nur 3 Dinge tun. Lebe jetzt. Bleibe gesund und es kommt immer anders .

Antwort
von mxxnlxght, 41

Glück ist, wenn du dein Kopfkino nicht mehr brauchst, weil die Realität so viel besser ist.

Hab ich heute irgendwo gelesen. Kann man drüber nachdenken.

Antwort
von Imago8, 36

1 + 1 = 3

Kommentar von Ottavio ,

Meinst Du, such Dir eine Frau, zeuge ein Kind ? Ja, das ist ein Weg. Gutes Gelingen !

Kommentar von Imago8 ,

Nein, das meinte ich nicht. Aber auch eine mögliche Interpretation...

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