Frage von MessagefromA, 114

Die ersten Tage mit Fohlen?

Guten Abend alle zusammen,

so, im April ist es soweit und meine Stute wird Mami, mich kribbelt's schon in den Füßen vor Aufregung. ;-) Allerdings ist dies auch mein erstes Fohlen, trotz fast 17 Jahre des Reitens, also eine außergewöhnliche Prämiere für mich, aber auch für meine Stute ;-)

Da die Frage des Namens nun, endlich, für mich geklärt ist, komme ich gleich zum nächsten Thema. Wie habt ihr die ersten Tage mit dem neuen Familienmitglied gemeistert? Außerdem möchte ich das meine Stute nach der Geburt möglichst schnell wieder in Gange kommt, nein, keine 2 Tage danach an alle empörten Tierschützer hoch 10, ich habe schon 4-6 Wochen Pause eingeplant. Wie ist das bei euch gewesen?

PS: Ich möchte gerne Erfahrungen hören und keine "OMG du bist eine Tierquälerin" Pferde in der freien Natur müssen sofort nach der Geburt wieder laufen...

Ich bin auf eure Erfahrungsberichte gespannt. :-)

Viele Grüße

Expertenantwort
von ponyfliege, Community-Experte für Pferde, 64

die ersten tage mit dem fohlen lässt man mutter und kind so viel wie möglich in ruhe - und möglichst früh auf die koppel. 

das fohlen braucht von anfang an die möglichkeit freier bewegung. damit wird der grundstein für spätere belastbarkeit und gesundheit des bewegungsapparates gelegt. nichts ist schlimmer, als wenn ein fohlen die ersten wochen viel in der box ist. dieses defizit holt man nie wieder ein.

fohlen können auch raus, wenn es kalt ist.

fohlen können auch raus, wenn es nass ist.

das einzige, was die meisten fohlen nicht so gut vertragen ist nass UND kalt. ist allerdings ein geeigneter wettergeschützter, sauberer unterstand vorhanden, geht auch das.

WIE du die erste zeit mit dem fohlen kannst, entscheidet die stute. es gibt erstmamis, die kein problem haben, wenn vertraute menschen das fohlen berühren, dann gibts die fürsorglichen, die sich geschickt zwischen mensch und fohlen schieben - oder die ganz unleidlichen, die das fohlen über die massen beschützen und auch die, die am fohlen kaum noch interesse haben, sobald sich der mensch zuviel kümmert (und dann hast du ein problem, nämlich eine handaufzucht - und ich habe noch nie erlebt, dass aus einer echten handaufzucht beim pferd was anständiges geworden ist).

es sollte so ablaufen, dass das fohlen am ersten tag nach der geburt vom tierarzt gecheckt wird - ebenso die stute. und dann lässt man beide miteinander und möglichst in ruhe.

es gibt fohlen, die sind erst mal unbeholfen - ich hab aber auch schon eins gesehen, das am zweiten lebenstag wie eine rakete über die koppel geflitzt ist. welche, die wirklich wochenlang nur muttermilch getrunken haben (fressen und schlafen im wechsel) und welche, die am dritten tag bereits am gras knabbern. welche, die man problemlos berühren kann - und eines, dessen erster kontakt mit dem menschen mit einem saftigen tritt quittiert wurde.

dir wird nichts weiter bleiben, als zu warten, wie sich die sache entwickelt und dich damit abzufinden.

Antwort
von Maxxi02, 42

Hey ;D Ich bin Pferdewirtin mit der Fachrichtung Zucht und möchte Dich einmal über einige Dinge aufklären, damit Du Dir das erste Jahr nach der Geburt des Fohlens einmal grob vorstellen kannst. Aus Deiner Fragestellung lese ich heraus, dass Du Deine Stute so schnell wie möglich wieder reiten/longieren willst (das meinst du doch mit 'schnell wieder in Gang kommen' oder?). Deine Planung von 4-6 Wochen ist dabei jedoch total falsch angesetzt. Das allerbeste für Stute und Fohlen ist, wenn sie nach der Geburt direkt auf die Wiese kommen. Dies ist äußerst wichtig. Die beiden brauchen die ersten drei Tage ausreichend Zeit für sich, um sich erstmal 'richtig kennenzulernen'. Damit will ich jetzt nicht sagen, dass es falsch ist, sich Stute und Fohlen zu nähern, doch sollte man sich zurückhalten und die zwei nicht bedrängen, weil man denkt 'Oh wie süß der/die Kleine doch ist. Lass uns sie streicheln' (oder ähnliches). Das Fohlen hat gerade erst das Licht der Welt erblickt + es kennt noch nicht viel mehr als die Mutter + Pferde sind Fluchttiere = es ist schnell verschreckt. Die optimale 'Fohlen-Kindheit' sieht so aus: Wiese. Wiese. Wiese. Und nochmal Wiese. Je nachdem wo Du Deine Stute aktuell untergestellt hast, solltest Du dafür sorgen, dass Du für (mindestens das erste halbe Jahr) einen passenden Stall findest, wo Stute und Fohlen 24 h am Tag draußen stehen können. So stellst Du sicher, dass sich Dein Fohlen bestmöglich entwickelt. (z.B. Knochenstabilität, natürlicher Muskelaufbau durch frei beliebige Bewegung auf der Wiese uvm.). Stute und Fohlen bleiben 6 Monate zusammen, ehe sie für die nächsten Jahre komplett voneinander getrennt werden (das wird Absetzen genannt). Bis zu diesem Zeitpunkt sollte man sie im Optimalfall nicht voneinander trennen, da dies sowohl Stress für die Stute, als auch für das Fohlen bedeutet. Besonders Dein Fohlen kann unter dem Stressfaktor leiden. Je nachdem wie empfindlich es sein wird, kann es durch den Stress sogar krank werden (Fohlen sind generell sehr sensibel, was das angeht). Diese Erfahrung habe ich innerhalb meines Berufes selbst bereits machen müssen und das war nicht schön mit anzusehen -.- Also bitte: Versuche (auch) nicht, Stute und Fohlen an eine Trennung vor dem 6. Lebensmonat zu 'gewöhnen'. Das Fohlen kennt diese Welt noch nicht genug und fühlt sich nur bei seiner Mutter sicher. Es ist selbstverständlich der Traum vieler Pferdebesitzer, einmal in seinem Leben ein Fohlen großzuziehen, aber vielen ist dabei nicht ganz klar, dass sie persönlich nicht viel dazu beitragen können. Die ersten 3 Jahre des Nachwuchs ist man zu 80% einfach nur ein 'Beobachter' und bezahlt den teuren Spaß. Die restlichen 20% bestehen darin, dem Fohlen in den ersten Lebenswochen ans Halfter zu gewöhnen, ihm beizubringen, sich vom Menschen am Strick führen zu lassen und sich überall anfassen zu lassen (beispielsweise zu üben, indem man Stute und Fohlen regelmäßig putzt + Hufe geben üben → das erleichtert es dem Hufschmied später und dieser freut sich über ein händelbares Fohlen ;D). Nachdem das Fohlen mit 6 Monaten abgesetzt wurde, ist ein weiterer SEHR WICHTIGER und unabdingbarer Punkt: Dein Fohlen braucht Spielkameraden! Sorge dafür, dass Dein Fohlen mit anderen gleichaltrigen Fohlen auf die Wiese kommt. Das beste ist Herdenhaltung. Kontaktiere dazu z.B. andere Leute, die ihr Fohlen zur selben Zeit abgesetzt haben oder frag bei einem Stall nach, der sich auf Fohlen-/Jungpferdeaufzucht spezialisiert hat. Die werden Dir dabei sicher helfen können, einen passenden Spielkameraden zu finden und kennen sich bestens auf ihrem Gebiet aus. Bitte lass es unter keinen Umständen als 'Einzelkind' aufwachsen. Das ist das Schlimmste, was man einem Fohlen antun kann. Ich spreche aus Erfahrung!! Die Spielereien und Rangkämpfe mit Gleichaltrigen in der Herde fördern das soziale Verhalten der Fohlen. So lernen sie z.B. ihre Grenzen kennen und wissen, wie weit sie gehen dürfen und wann sie aufhören sollten. Ein 'Einzelkind' wird mit zunehmendem Alter immer schwerer zu händeln sein, da es mit jeder Handlung, die es tut, immer mehr Selbstvertrauen gewinnt und nie durch andere Fohlen/Pferde in die Schranken gewiesen wurde. Im schlimmsten Fall entwickelt es sich derart sozial falsch, dass es keinerlei Respekt vor Irgendwem hat (egal ob Pferd oder Mensch). Sie können andere Pferde nicht leiden, weil sie diese Art des sozialen Kontakts mit seinen Artgenossen nie kennengelernt hat. Dem Menschen gegenüber verhält es sich auch nicht viel besser und das Pferd wird unberechenbar. Um nicht noch weiter vom Thema abzuschweifen, kommen wir zurück zu der Stute. (Bei weiteren Fragen rund um die Aufzucht oder der äußerst wichtigen und spezifischen Futterumstellung von tragenden Stuten! bitte melden). Deine Stute wird nach dem Absetzen wieder langsam mit der Arbeit beginnen können. Am besten fängst Du mit Longenarbeit an, um erst einmal die Muskeln wieder aufzubauen, die sie vor der Trächtigkeit hatte. Das dauert einige Wochen/Monate (je nach damaligen Leistungsstand Deiner Stute), also überfordere sie nicht. Ruhige Runden durchs Gelände zu reiten ist außerdem eine wundervolle Entspannung für die Stute. Denn so ein Fohlen kann schon anstrengend sein ;D Ich hoffe ich konnte Dir damit weiterhelfen und wünsche Dir und Deiner Stute alles Gute^^ lg

Kommentar von MessagefromA ,

Hi, danke erstmal für die lange Antwort :-) Stute und Fohlen kommen natürlich raus und da werden sie auch bleiben außer nachts, dann haben sie eine 2er Box mit Paddock für sich. Fohlen gibt es ein zweites auf dem Hof und auch das Absetzen werde ich kurz und schmerzlos durchziehen. Wie ich oben schon geschrieben habe bin ich nicht eine dieser "OMG, es ist so klein flauschig ich muss es auf den Arm-Typ Pferdefrau". Mir geht es hauptsächlich um meine Stute, da ich diese ja weiterhin in der Arbeit habe und dem Fohlen ja auch relativ schnell Adieu sagen werde. Longenarbeit und Schritt in der Halle waren eingeplant, ich werde dann eifnach sehen wie sie es aufnimmt... die gute ist ja nun auch nicht aus Zucker ;-) Ich werde mal ein kleines Update posten, wenn der Teufel da ist. Liebe Grüße

Antwort
von xttenere, 20

Ganz wichtig: Halte einen TA auf Bereitschaft...falls bei der Geburt was schief gehen sollte...ausserdem sollte das Fohlen  innert 24 Stunden nach der Geburt gegen Fohlenlähme geimpft werden.

Mutter und Kind brauchen dann ein paar Tage viel Ruhe um sich kennen zu lernen....keine Menschen, die den ganzen Tag um sie rumwieseln.

Lass die Beiden frühst-möglich auf die Koppel, damit das Kleine lernt seine Beine zu bewegen...sehr gut wäre es, wenn es nach der Kennenlernzeit ( Mutter & Kind ) andere Fohlen zum Spiel zur Verfügung hätte.

Gewöhne das Kleine ab dem 2. Tag an das Halfter....nur mal an und wieder abziehen...nicht mehr.

Lass der Mutterstute genug Zeit, sich zu erholen...und versuche auch nicht die beiden zu trennen, nur weil Du mal ausreiten willst. Das Fohlen würde in Panik ausbrechen, und könnte sich ernsthaft verletzen.

Viel Glück den Beiden

Antwort
von xNightyX, 48

Hallöchen, 

klar ist alles mit einem Fohlen als neues Familienmitglied super spannend. Dennoch sollte man der Stute, dem Fohlen und auch dem rest der Herde, etwas Zeit geben sich an die neuen Umstände zu gewöhnen.

Klar steht dann auch relativ kurz nach der Geburt auch schon der Tierarzt vor der Tür. 

Ich finde das kommt ganz auf das verhalten der Stute darauf an. Lässt sie einen ohne weiteres ans Fohlen rann oder will sie es verteidigen.? Ich habe schon Stuten erlebt die einen absolut nicht an sich oder ans Fohlen ran gelassen haben. Andererseits gibt es auch welche die verhalten sich wie immer und lassen einen auch das Fohlen begutachten, wenn es selbst nicht ganz so scheu ist. 

Ich denke am wichtigsten ist es das nicht zu viel Trubel ist. Zwar ist ein Fohlen immer ein magnet für alle uns besonders für Kinder aber zu viel Trubel könnte es vielleicht verschrecken.

Wie man die Stute danach wieder in gang bekommt kann ich nicht genau sagen. Ich würde vielleicht mir leichtem logieren wieder anfangen. Dabei können beide auch lernen mal ne halbe Stunde getrennt zu sein. Das dürfte in der Regel nicht alzu schlimm sein. Ansonsten Spaziergänge über den Hof auch gerne mit Fohlen. Die sind ja generell auch neugierig :) 

Expertenantwort
von friesennarr, Community-Experte für Pferde, 28

Bei uns läuft es in etwa so:

Ich bin bei der Geburt dabei, weil meine Stute das so bevorzugt. Nach der Geburt kommt der TA. Wenn alles i.O ist kommen Stute und Fohlen auf die Weide (egal bei welchem Wetter).

Auf der Nachbarkoppel glotzen alle anderen Pferde den Neuankömmling an - an der Koppel entlang glotzen alle anderen Pferdebesitzer den Neuankömmling an.

Ich habe schon deshalb meine Fohlen immer schon sofort nach der Geburt auf der Koppel, damit nicht jeder das Fohlen antatscht und natürlich damit sich Lunge und Beine richtig strecken können.

Es gibt nichts schlimmeres als ein Boxenfohlen.

Nach der Wiedereingliederung in die restliche Herde.Dann sind meine Pferde immer draußen im Offenstall

Meine Stute fange ich nach 3 bis 4 Wochen wieder an zu reiten, da läuft das Kleine dann einfach mit.

Allerdings würde ich dir raten doch noch etliche Bücher zur artgerechten Pferdeaufzucht bis zur Geburt zu lesen.

Expertenantwort
von Heklamari, Community-Experte für Pferde, 32

Nimm Urlaub, verbringe den ersten tag mit stute und fohlen, gewöhne durch deine Anwesenheit und Ruhe fohli an die “tante Mensch“.

Dann kann die stute i  ruhe saufen und ihr mash fressen.

Nimm eine decke und ein Buch mit, setz dich dazu, beobachte, lies ihnen vor, massiere oder bürste die stute, zeig dem fohlen mamas putzbürste, kraule ihm den po und rücken, und zieh ihm ggf das fohlen Halfter an und aus.

Meine kleine hat auf meinem Schoß geschlafen, aber nur am ersten Tag.

Ab dem mittag gehe ich mit mutterstute und fohlen einen kleinen weg, also 50~100 meter

Ab der dritten Woche reiten wir mal fohlen bei fuß aus.

Bald auch als handpferd am halfter.

Viel viel Glück und Spaß !

:-)

Kommentar von friesennarr ,

Hast du je wirklich schon mal ein Fohlen gehabt?

Nichts von all dem tut man in den ersten Tagen.

  • Fohlen wird geboren (in oder ohne Anwesenheit des Menschen)
  • Tierarztcheck
  • Dann Mama und Foli auf die Koppel
  • Dann kannst du dich an der Weide daneben setzen und zugucken.
Kommentar von VanyVeggie ,

Habe ich mir auch gedacht. Nur dachte ich, dass wäre jetzt auch normal und schreibe mal lieber nix. Wie so vieles, was in der Pferdehaltung und im Pferdesport normal ist, was ich nicht so empfinde. 

Kommentar von MessagefromA ,

nun ja... ich denke ich gehöre den Pferdebesitzern die sagen, toll... ein Fohlen... ja und? Ich bin nicht eine von diesen tätschelnden und knuddelnden Perdefrauen, da läuft es mir immer schaurig über den Rücken wenn ich so etwas sehe. Klar, Stute und Fohlen kommen natürlich sofort raus, haben eine Mutter und Kind Box mit Paddock vorne dran. 

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