Frage von faress1987, 91

Die deutsche Sprache in Deutschland?

Hallo zussammen,

Ich habe in meinem Heimatland Deutsch gelernt. Ich habe mir viel Mühe gegeben, um meine Sprachkenntnisse zu verbessern bzw. zu vervollkommnen. Ich verbringe fast die ganze Zeit mit Lernen und damit, dass ich neue Wörter auswendig lerne und grammatisch übe. Ich hege immer mehr den Wunsch, so Deutsch sprechen und schreiben zu können, als wäre ich ein Deutscher.

Ich habe mehrere Frende und Verwandte, welche jahrelang in Frankreich und in England geweilt haben. Sie sprechen unglaublich gut Französisch und Englisch.

Ich habe mich seit knapp zwei Jahren nach Deutschland begeben, in der Absicht, Deutsch zu beherrschen. Und das war nicht ohne Weiteres.

Nun bin ich in Deutschland und ich dachte, dass ich hier ein geeignetes Milieu finden werde, in dem ich meine Sprachkompetenzen verbessern kann. Das war aber nicht der Fall. Und das spricht auch dafür, warum viele Ausländer, die seit Langem in Deutschland wohnen, kein gutes Deutsch können.

Ich bin die ganze Zeit hier entweder alleine, den Kopf über ein Buch gebeugt oder mit anderen Ausländern, die kein Deutsch sprechen wollen und kein gutes Deutsch können oder mit anderen Landesleuten. Ich habe seit Ewigkeit mit keinem Deutschen richtig geredet.

Ich frage mich fast ständig, warum man in Frankreich oder in England schaffen kann, sehr gut und fast wie Muttersprachler Französisch und Englisch zu sprechen und in Deutschland nicht und worin es liegt, dass viele Migranten, die in Deutschland seit mehr als 10 Jahren sind, kein gutes Deutsch können. Ich habe studiert, dass man die Sprache eines Volkes genauso sprechen kann wie ihre Sprecher, wenn er sich in dem Land mehr als 5 Jahre aufhält, in dem die gelernte Sprache gesprochen wird.

Es gibt einige, die das schaffen, die meisten aber nicht.

Man braucht kein Talent, um Sprachen lernen zu können. Nur die Ausprache verlangt ein Talent (Stimme von anderen nachzuahmen. Deswegen hapert es bei vielen mit der Aussprache). Ich bin ein Sprachwissenschaftler.

Danke sehr im Voraus!

Hilfreichste Antwort - ausgezeichnet vom Fragesteller
von adianthum, 12

Ich glaube, dass es an der deutschen Mentalität und Staatform liegen.

Deutschland ist eine Nation in der Integration, in der Regel, durch Ausgrenzung betrieben wird.

Und wer keinen oder kaum Umgang mit Muttersprachlern führt, wird die Sprache auch nicht wirklich sprechen lernen, denn Üben übt.

Dass kaum Umgang gepflegt wird, liegt aber weniger an den Zuwanderern, als an uns.

Wenn eine Gruppe Menschen zusammensteht, denen man ihre fremde Nationalität ansehen kann, mach der deutsche "Normalo" misstrauisch einen großen Borgen darum, weil...keine Ahnung warum, denn ich selber habe diese Berührungsängste nicht.

Medien tun das Ihre dazu. Ich möchte in unserem Land kein Ausländer sein müssen!

Als ich damals in der Heimat meines Exmannes war, kamen die Nachbarn auf mich zu, weil sie mich kennenlernen wollten- WEIL ich "die Fremde" war. Hier schauen die Leute misstrauisch, abweisend oder im günstigen Fall neugierig freundlich, aber nur sehr Wenige gehen auf jemand fremden zu.

Traurig, aber wahr- zumindest ist das meine Erfahrung, und ich pflege schon seit über 40 Jahren mehr oder weniger enge Kontakte zu Immigranten aus aller Herren Länder.

Dein Schriftdeutsch ist übrigens hervorragend! So gut können es selbst viele Muttersprachler nicht!

Kommentar von faress1987 ,

Das darf ich mit Fug und Recht zustimmen. Als ich nach Deutschland gekommen bin, war ich sehr neugierig. Ich habe mit allen Mitteln versucht, Kontakte mit Einheimischen aufzunehmen. Aber jedesmal stieß ich auf Ablehnung. Und das hat mich eingeschüchtert, so dass ich mich nicht mehr traue, andere anzusprechen. An der Uni war auch so. Ich habe viele Kommilitonen. Wenn ich versuche, mich mit denen zu unterhalten, weisen sie mich ab. :)

Antwort
von OlliBjoern, 14

Du schreibst ein besseres schriftliches Deutsch als viele deutsche Schüler, das ist schon bemerkenswert. :)

Vielleicht brauchst du mehr Kontakte zu Deutschen in deinem Umfeld. Ich selber leite einen Schachverein, und zu uns kommen viele Menschen, die nicht in Deutschland geboren wurden (Polen, Russen, Ungarn, Serben, ein Afghane kam auch kürzlich zu uns...).

Manche von Ihnen sprechen sehr gut Deutsch, andere wiederum noch nicht. Aber da wir ein gemeinsames Hobby haben (Schach), finden wir zueinander, und sprechen miteinander.

Ich weiß nun nicht, was dich so interessiert. Vielleicht ist ja auch ein Sportverein (mit vielen Deutschen) eine Option, um ins Gespräch zu kommen. Oder ein anderer Verein, der nichts mit Spiel/Sport zu tun hat, Deutschland ist ja das Land der Vereine, wie du vielleicht weißt. :)

Antwort
von TrudiMeier, 25

 Viele Ausländer sprechen kaum oder nur mangelhaft deutsch, weil sie sich dafür nicht interessieren und außerdem innerhalb ihrer Familie nur die Muttersprache gesprochen wird. Ich habe während meiner Schulzeit einige spanische und türkischen Freunde gehabt, die alle ziemlich gut deutsch sprachen. Die Eltern hingegen nur mangelhaft bis gar nicht. Gut, Kinder lernen schneller und einfacher eine fremde Sprache mit der sie dauerhaft konfrontiert werden. Außerdem müssen sie hier die Schule besuchen, was die Eltern nicht mehr müssen. Ebenso habe ich gesehen, dass sich der Kontakt mit Deutschen da ziemlich in Grenzen hält. So hat man privat meist nur mit Landsleuten zu tun und da wird dann natürlich die Muttersprache gesprochen. So gibt es hier im Ort ein spanisches Zentrum und die Sozialkontakte der meisten Eltern beliefen sich ausschließlich dahin. Warum also deutsch lernen, wenns doch nicht unbedingt nötig ist?

Ich empfinde deutsch übrigens als schwierige Sprache, schwieriger zu erlernen als z. B. Englisch. Wenn man bedenkt, dass so mancher Deutscher  nicht richtig deutsch kann.... :-))


Antwort
von Tuehpi, 34

Ich bin mir nicht sicher was genau deine Frage ist, um ehrlich zu sein. 

Aber ein paar Gedanken von meiner Seite; 

Ich habe mehrere Freunde und Verwandte, welche jahrelang in Frankreich und in England geweilt haben. Sie sprechen unglaublich gut Französisch und Englisch.
(...)

Ich frage mich fast ständig, warum man in Frankreich oder in England schaffen kann, sehr gut und fast wie Muttersprachler Französisch und Englisch zu sprechen und in Deutschland nicht und worin es liegt, dass viele Migranten, die in Deutschland seit mehr als 10 Jahren sind, kein gutes Deutsch können.

Es ist richtig das es viele Migranten gibt die kein "gutes" Deutsch sprechen. Und wenn du dich mal ein wenig umschaust, insbesondere auch auf dieser Plattform hier, gilt das auch für viele Deutschstämmige. 

Es ist aber auch richtig das es sehr viele Migranten gibt die perfektes Deutsch sprechen. 

Ich denke es ist eine sehr subjektive Generalisierung von dir. Schau, du hast hier lediglich deine direkte Peer-Group betrachtet. Deine Freunde und Verwandten sprechen unglaublich gut Französisch und Englisch, das sei dir unbenommen. Das heißt doch aber nicht zwingend das dies bei allen Migranten in Französisch- und Englischsprachigen Ländern der Fall ist. 

Nun bin ich in Deutschland und ich dachte, dass ich hier ein geeignetes Milieu finden wird, in dem ich meine Sprachkompetenzen verbessern kann. Das war aber nicht der Fall. Und das spricht auch dafür, warum viele Ausländer, die seit Langem in Deutschland wohnen, kein gutes Deutsch können.
Ich habe das Gefühl das du hier eher Problematiken und Folgen der Gettoisierung beschreibst. Ja, wenn Zugewanderte in Stadtteilen leben und arbeiten die durchweg von einer bestimmten Minderheit bevölkert sind, ist das nicht förderlich für das erlernen der deutschen Sprache. Die Frage die gestellt werden sollte ist dann doch eher: Ist das schlechte Deutsch mancher Migranten Ursache oder Folge der Gettoisierung?

Antwort
von Achwasweissich, 27

Vielleicht liegt es daran das deutsch schon eine recht "eigene" Sprache ist, ich hatte eine Spanierin in der Klasse die ihre ganze Schulzeit hier verbracht hat und trotzdem mit einigen Sachen Probleme hatte. Auch "wir Deutschen" haben ja regional bedingt schonmal eine etwas merkürdige Grammatik oder Aussprache (nein, nicht nur die Bayern^^)

Viele Migranten bleiben unter sich, bliden quasi eine Gesellschaft in der Gesellschaft. Um Kontakt mit Deutschen "Eingeborenen" zu bekommen sind z.B. Vereine gut geeignet wo ein sehr gemischtes Publikum zu finden ist, Kontakte ergeben sich dann meist von ganz allein wenn man mal zusammensitzt.

Der Text sieht aber doch sehr gut aus, weniger Fehler als bei so manch anderem also solltest du die Sache nicht so eng und schon gar nicht verbissen sehen. Einfach unter die Leute kommen und die Bücher mal eine Zeit lang links liegen lassen kann hilfreich sein - auch Engländer sprechen nicht so wie es und die Schulbücher erzählen hab ich fesgestellt *lach*

Antwort
von N3kr0One, 23

Also zunächst einmal möchte ich dir meinen Respekt aussprechen. Für 2 Jahre schreibst du schon sehr gut. Deine Ausdrucksweise / Wahl deiner Worte sieht man schon eher bei recht gebildeten Leuten und bis auf ein paar grammatische und rechtschreibliche Fehler, die sicherlich auch auf die mangelnde Praxis zurückzuführen sind, möchte ich behaupten, dass du auf einem Niveau eines Deutschen bist.

Dass du nun so wenig Kontakt zu Deutschen hast kann viele Umstände haben. Sicherlich ist da auch der Staatsapparat dran schuld, aber es gibt auch viele Deutsche die mit Ausländern nicht viel zutun haben wollen.

Auch das kann wieder mehrere Gründe haben.
Ausländer sind Kriminell, nehmen uns unsere Arbeitsplätze weg, zwingen uns ihre Religion auf, wollen sich nicht anpassen, fordern zu viel....um nur einen kleinen Ausschnitt zu geben (Trotzdem geht mindestens jeder 2. regelmäßig zum Dönerladen oder Chinaimbiss).
Das ist zumindest eine gewisse Grundstimmung bei vielen.
Aber Deutschland ist auch bunt und es gibt wiederum auch die Leute, die komplett anders denken: Bereicherung der Kultur, Arbeitskräfte die Deutschland zur Verfügung stehen, Multikulturalität usw...

Vielleicht mal als Tipp, bei Universitäten gibt es oft auch kleine Aushänge (suche das, biete das...), manche schreiben auch, dass sie Dialogpartner suchen um Sprachen zu üben. Vielleicht kannst du Studenten deine Sprache näher bringen und sie dir unsere. Oder zumindest üben. Vielleicht gibt es Leute, die über die Kultur in dem Land, in dem du aufgewachsen bist etwas erfahren wollen.
Von allein wird kaum jemand auf dich zukommen.

Alles Gute soweit.

Antwort
von schelm1, 34

Ich bin ein Sprachwissenschaftler.

Das mit der deutsche Sprache scheinen Sie doch recht gut geschafft zu haben!?!

Von daher mutet Ihre Frage recht eigenartig an.

Antwort
von Krjhg, 28

Die Ausländer, die in Deutschland leben, haben ihre Kultur mit hierhin gebracht. Ich wohne zum Beispiel in Duisburg und hier gibt es türkische Läden, an denen kein Deutsches Wort steht.  (zB. hier http://www.taz.de/picture/157590/948/ruhr2.jpg)

Wenn man in einer Umgebung lebt, in der man Deutsch nicht braucht, lernt man es auch nicht. :(

Antwort
von shadow96er, 21

Du schreibst besser auf Deutsch als mancher Deutscher.

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