Frage von Elephant91, 58

Die deutsche "Schaffermentalität". Wie steht ihr dazu?

Vorab, ich möchte niemanden zu nahe treten oder mich lustig machen.

Worum sich meine Frage dreht ist eine gewisse Mentalität die mir aufgefallen ist.

Viele Mitbürger sind stolz darauf ein Teil Ihres Betriebes zu sein und feiern sich für Ihre Jubiläum wenn sie z.B. 25 Jahre am Band einer Firma stehen.

Sie leben für Ihre Firma und sind dabei, meiner Meinung nach, nur Hamster im Rad die jede Firma sofort ersetzen würde, wenn es etwas kostengünstigeres gibt was genauso gut ist. Ich hab das Gefühl, viele von den genannten Personen würden sogar umsonst für Ihre Firmen arbeiten.

Ich arbeite z.B. bei einer Versicherung seit 6 Jahren, lebe aber nicht für sie. Wenn morgen ein anderes Unternehmen mir mehr Geld bietet, wäre ich weg.

Oder wenn ich z.B. durch einen Lottogewinn viel Geld hätte, würde ich nie mehr arbeiten.

Mir ist es egal für wen ich arbeite, am Ende des Tages interessiert mich nur das ich genug Geld in der Tasche habe.

Treu bin ich im Leben nur meiner Familie und Freunden. Arbeiten gehen ist für mich ein notwendiges Übel.

Versteht ihr was ich meine?

Freue mich auf interessante Antworten und Meinungen

Antwort
von OlliBjoern, 2

Die Behauptung, dass jemand, der 25 Jahre bei einer Firma ist, sofort ersetzt würde, wenn es "etwas kostengünstigeres gibt", ist so pauschal gesehen schon ziemlich dreist (ich weiß, dass es bei meiner Firma nicht so ist). Wenn du dich mit der Firmenphilosophie oder den Kollegen nicht identifizieren kannst, ist das deine Sache. Es ist legitim, zu wechseln, wenn es irgendwo ein besseres Angebot gibt. Es mag auch Firmen geben, die jemand einfach so austauschen.

Allerdings (da bin ich ganz ehrlich) bestätigt dieses Posting genau meine Meinung, die ich von der Versicherungsbranche allgemein habe. Es geht ums Geld, nicht um mich als Kunden (und nicht um die Kollegen, und nicht um die Firma). Nenn mir einen guten Grund, warum ich von dir eine Versicherung kaufen sollte.

Du kannst dir anscheinend nicht vorstellen, dass es Leute gibt, die nicht nur für Geld arbeiten. Natürlich ist Geld wichtig, das bestreite ich nicht, aber ich stehe nicht nur dafür jeden Morgen auf, es gibt auch andere Sachen, die wichtig sind (und ich denke, das weißt du sehr gut; wenn du dir deiner Sache wirklich sicher wärst, würdest du die Frage erst gar nicht stellen). 

Ich meine nun nicht nur Freunde und Familie, das ist ohnehin klar, aber auch im Beruf (manche machen nur ihren Job, das spürt man dann aber auch). Meinst du wirklich, deine Kunden merken das nicht?

"am Ende des Tages interessiert mich nur das ich genug Geld in der Tasche habe."

Immerhin schön, dass du ehrlich bist.

Antwort
von Interesierter, 7

Nun, das Leben ist ein Geben und Nehmen.

Du sagst, dass du sofort weg bist, wenn dir ein Anderer mehr bietet. Ok, was würdest du davon halten, wenn du morgen die Kündigung bekommst, weil heute ein Anderer zur Türe reingekommen ist, der deinen Job für weniger Geld macht?

Es gibt viele Betriebe, die seit Generationen in der Hand einer Familie sind. Hier bestehen zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer noch direkte Kontakte, die über die Arbeit weit hinausreichen.

Natürlich ist Geld einer der Hauptgründe, für die wir arbeiten gehen. Aber es ist sicherlich nicht der einzige. So sind mir persönlich ein angenehmes Betriebsklima, eine ansprechende und fordernde Tätigkeit sowie genügend Freizeit und Flexibilität für meine Familie wichtig. 

Nur mal ein kleines Beispiel: Ein Arbeitskollege von mir ist alleinerziehender Vater. Die Mutter ist depressiv und ist schon längere Zeit in stationärer Behandlung. Mein Arbeitgeber ist damals aus freien Stücken hergegangen und hat die Ganztagesbetreuung des Jungen übernommen. Solche Dinge gehen über die vertraglich geschuldeten Leistungen weit hinaus.

Aber gut, letztlich muss jeder selbst wissen, was ihm wichtig ist.

Antwort
von einfachsoe, 14

Vorerst, du würdest trotzdem eine Arbeit suchen, auch wenn du plötzlich reich bist. Der Mensch braucht eine Beschäftigung. Ewig frei haben und schludern zu können, schadet am Ende der Psyche.

Du bist ein Teil des Teufelskreislauf. Du fühlst dich scheinbar nicht einem Betrieb verpflichtet, weil die, wie du schon angesprochen hast, Bosse über dir dich sofort ersetzen würden. Denen fehlt selber der Bezug zur Firma, zur Gemeinschaft. Somit unterscheidest du dich keinesfalls von Ihnen. Dafür gebe ich dir keine Schuld.

Fakt ist, dass nicht jeder reich sein kann. Reichtum ist eine Relation. Desweiteren musst du bedenken, dass Reichtum für jeden etwas anderes bedeutet. Mit steigendem Alter vergeht bei den meisten der Drang nach materiellem Reichtum. Wenn man einen Partner und eine Familie hat, merkt man wie unwichtig Geld ist. Dann ist es auch nicht so wichtig immer mehr zu verdienen. Wenn du Spaß am Arbeitsplatz hast und dich mit der Firma identifizierst, dann bleibt man auch gerne da.

Wir leben in einer großen Gemeinschaft. Dazu muss man beitragen und Opfer zollen. "Nach mir sie Sinnflut" ist kein gutes Lebensmotto.

Antwort
von rockylady, 33

es ist interessant, dass du auf Freunde und Familie ansprichst - das haben viele Leute nicht, oder wenn auch oft nicht in der Form wie sie es sich wünschen.

Auf der Arbeit erhalten sie Wertschätzung, auch wenn es ihnen nur so vorkommt. Sie haben Beschäftigung und soziale Kontakte. Es geht nicht immer nur um das Geld, sondern darum, das Gefühl zu haben, gebraucht zu werden.

Es gibt viele, welche in ihrer Rente nicht zur Ruhe kommen, obwohl finanziell alles gut ist - weil ihnen genau das fehlt.

Kommentar von Wischkraft1 ,

Das hättest du gerne auch gross schrieben können oder hervorgehoben, da wirklich wichtig!!

Es geht nicht immer nur um das Geld, sondern darum, das Gefühl zu haben, gebraucht zu werden.

Antwort
von nooppower15, 18

Keine ahnung wo das her hast bzw ob dies nur deine Subjektive wahrnemmung ist oder ob das auch irgendwie belegen kannst aber ich schätze so (ähnlich) wie du sehen das wohl 90% aller Bürger. Daher wunder ich mich ein wenig....


Antwort
von fernandoHuart, 36

Weder dein noch ihre Verhalten ist falsch.

Siehe

Maslowsche Bedürfnishierarchie


Ganz Oben stehen Anerkennung und Erfüllung. Und ganz Unten Grundsicherung.

Alles dazwischen ist richtig.


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