Frage von divesgent, 71

Devisenmarkt, wo wird der Kurs bestimmt, bzw. durch welche Institution?

Wo wird der Kurs eines Währungspaar bestimmt, also wo treffen Angebot und Nachfrage aufeinander? Devisen werden ja meistens außerbörslich gehandelt, aber wo kommen all diese Informationen über Angebot und Nachfrage zusammen? Gibt es dafür eine Organisation, an die die Banken eine Meldung bei einem Devisengeschäft machen oder wie funktioniert das?

Hilfreichste Antwort - ausgezeichnet vom Fragesteller
von Mrnobody7, 47

Devisen werden ja meistens außerbörslich gehandelt

Kannst du das beweisen?

Grundsätzlich kannst du natürlich OTC ("Over the counter", oder neuerdings Dark Pools genannt) Geschäfte machen. Was ist das? Stell dir vor, die Deutsche Bank hat ganz viele Kunden, die irgendein FX-Paar bisher an der Börse handeln. Börsenhandel ist teuer. Also bietet die Dt. Bank ihren Kunden an, über eine eigene Plattform (quasi eine informelle Börse der Dt. Bank) zu handeln zu weit geringeren Kosten. Presto! Kein Grund eine Meldung an wen auch immer zu machen. Das ist für Marktteilnehmer, die gar nicht wollen das jemand eine große Positionsbewegung bemerkt, ein großer Vorteil.

Letzten Endes sind aber alle informellen Handelssysteme mit der regulierten Börse verbunden, als das dort der Handel als "einschlägig" angesehen wird, liquider ist, und der letzte Ort des Hedges ist.

Es brauch gar keine "eine Institution", um den echten Preis zu bestimmen. Driften z.B. informelle Börse und offizielle Börse auseinander, dann kreiert das ein Hedge-Szenario. Ich kaufe einfach dort das Asset, wo es günstiger ist, und verkaufe es zeitgleich dort, wo es gerade teurer gehandelt wird. Folgerichtig sind Abweichungen kaum existent und die ganze Sache verhält sich wie ein Expander, der beim Auseinanderdriften sofort wieder zurückschnallt.

Oder ging es dir im Zuge der Manipulationen in den letzten Jahren um das (tägliche) Fixing von Assetpreisen?!?

Kommentar von divesgent ,

Hallo & Vielen Dank für deine Antwort

Das die meisten Devisengeschäfte ausserbörslich stattfinden ist Allgemeinwissen meiner Meinung nach. Beweis ist hier: https://de.wikipedia.org/wiki/Devisenmarkt

OTC-Geschäfte sind übrigens auch ausserbörslich. An der Börse werden eigentlich nur Optionen und andere Derivate mit einem Währungspaar als Basis gehandelt und dies grösstenteils von Banken selbst.

Was meinst du mit "Hedge" als letzter Ort? Und woher nehmen dann die Banken ihre Kurse, sind die einfach willkürlich?

Und bei so einem "Hedge Szenario"; wo kaufen die Banken dann die Devise, also von wem? Du sagt ja, dass sie die Arbitrage ausnutzen können und am günstigeren Ort kaufen könnten, wer bietet eine Devise den an der Börse an? Mir ist nicht bekannt, dass Devisen überhaupt an der Börse gehandelt werden, abgesehen von Derivaten.

Kommentar von Mrnobody7 ,

OTC = außerbörslich
Mit Hedge Szenario meine ich Arbitrage (hab mich falsch ausgedrückt)

Sorry - war in meiner Antwort etwas zu sehr auf Nicht-Devisen-Instrumente geeicht.

Hab mir eben mal die Volumina für Terminkontrakte angeschaut. Ja, sowohl börslich über Futures, als auch OTC über Forwards gibts die - aber das kann wirklich nur ein kleines Fragment des Volumens sein.

Als das der Handel ja nahezu 24h läuft, muss es dann ein Netz an Akteuren im Interbankenmarkt sein. Also tatsächlich dezentral. Sicherlich wird es auch Market Maker für kleinere Banken/Großkunden geben (ähnlich wie IG oder CMC Markets für kleine Privatkunden), im Wesentlichen sind es aber einfach direkte Transaktionen zwischen zwei Parteien. Soll heißen, wenn z.B. ein Dutzend Teilnehmer sich als Market Maker (permanentes Stellen von Bid- und Askkursen) anbieten, dann hast du einen dezentralen Preisfindungsmechanismus, der von außen nahezu unmöglich zu arbitragieren ist. Ganz besonders bei dem Volumen - ist an Liquidität ja nun durch nichts zu überbieten.

Einfacher gesagt: Stell dir eine (kleine) Menge an großen Akteuren vor, die allen anderen einfach nur einen Daten-Feed anbieten, in dem sie dauerhaft Bid und Ask (+Volumen) notieren (und auch handelbar machen). Zusätzlich haben alle Zugriff auf die Feeds der anderen. Den "einen" Spotpreis gibt es dann nicht, aber die Bandbreite dürfte bei kleinem Volumen wortwörtlich gegen 0 streben. Geld wird dann immer noch genug mit dem Spread verdient.

Gebe aber zu, kein institutionell beschäftigter Forex-Trader zu sein :-)

Kommentar von divesgent ,

Hey vielen Dank, dies war nun sehr aufschlussreich!

Kommentar von divesgent ,

So nebenbei, hast du BWL studiert oder arbeitest du im Finanzsektor?

Kommentar von Mrnobody7 ,

Beides

Antwort
von FrageSchlumpf, 38

Da gibt es verschiedene elektronische Systeme, mit verschiedenen Kriterien ( zugelassene Marktpartner , Mindestbeträge , handelbare Währungspaar und so ).

Über Börsen werden im Devisenbereich meines Wissens nur Derivate gehanldelt. Echt gesettelte Devisen werden würde ich sagen zu 99 % außerbörslich gehandelt.

Kommentar von divesgent ,

Hallo & Vielen Dank für deine Antwort!

Angenommen ich würde jetzt 100 USD für 88 Euro kaufen und 8 Millionen Deutsche würden das am selben Tag auch tun, dann steigt die Nachfrage für den USD ja und somit der Preis. Woher wissen aber die Banken, dass 8 Millionen Menschen 100 USD nachgefragt haben, denn der Kurs müsste ja nach jedem Geschäft steigen (wenn auch mikroskopisch bei so einem Betrag^^). Ich verstehe einfach nicht, wie der Kurs ständig schwanken kann und dennoch auf der ganzen Welt gleich ist, wenn es keine zentrale Stelle gibt, die den Kurs bestimmt und Angebot und Nachfrage ausgleicht.

PS: Du hast mir schonmal eine Wirtschaftsfrage sehr verständlich beantwortet! :)

Kommentar von Mrnobody7 ,

Die Frage ist eigentlich ziemlich gut. Was bestimmt den Preis außerhalb der Börse?

Die Antwort lautet meines Erachtens: Market Maker (=Händler).

Selbst bei hoch illiquiden Instrumenten, aus Erfahrung kann ich von subprime ABS, CMBS, RMBS, etc. sprechen (Stand: 2013), hast du Individuen (Trader), die von ihrer Bank ein "Buch" zugebilligt wurde. Sie können also mit dem Kapital der Bank (kurzfristig) Instrumente kaufen/verkaufen auf Rechnung der Bank.
Das ist übrigens weit simpler, als alle denken. Du kommunizierst über den Bloomberg-Chat mit Leuten von anderen Banken (die du ggf. kennst) und fragst sie einfach, was sie für Papier X und einem Notional Y bieten würden. Von 3 angefragte Leuten, verkaufst du dem Höchstbietenden. Alles direkt über verbalem Chat.
Sie sind quasi Market Maker im ganz kleinem Stil unter Illiquidität. (übliche Praxis btw noch für viele Assetklassen in den Zeiten vor 2000)

Wenn du dir jetzt den Forex-Markt anschaust, dann sind das dann nicht mehr Individuen, sondern wahrscheinlich Rechenzentren/Algos, die den Prozess vollziehen.

Kommentar von FrageSchlumpf ,

Nein, dort sind es auch zum großen Teil noch Menschen.

Klar , auch Maschinen. Und eben auch die, wo z.B. die ganze "8 Mio. divesgenten" ihre USD kaufen. Wie gesagt, selbst der OTC Markt ist mehr oder weniger so konzipiert, dass alles relativ schnell an einem Punkt zusammenläuft - aber eben nicht in einer ( offiziellen ) Börse wie z.B. XETRA bei den Aktien.

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