Frage von xViiToXx, 51

Deutsche Kolonialherrschaft, Beziehung zu Frankreich, England und Belgien?

Wisst ihr vielleicht etwas über die Beziehungen von Deutschland gegenüber Frankreich/England/Belgien während der deutschen Kolonialherrschaft? Würde mich über eine schnelle Antwort freuen. Danke im voraus :D

Hilfreichste Antwort - ausgezeichnet vom Fragesteller
von OhneRelevanz, 22

Ein sehr großer Themenkomplex, den man nicht kurz erklären kann.

Wichtig zu wissen ist, dass das Deutsche Reiche (also eben Deutschland) erst sehr spät mit der Kolonialisierung angefangen hat. Besonders Frankreich und in erster Linie das Vereinigte Königreich begannen sehr früh mit der Kolonialisierung im 15. Jahrhundert (1492 wurde Amerika entdeckt). Entsprechend reichte bspw. das britische "Common Wealth" über weite Teile der Welt, von Indien und Afrika über Australien bis hin in die amerikanischen Kolonien. Das Deutsche Reich, dass erst seit 1871 überhaupt ein Staat war begann erst am Ende des 19. Jhr. quasi die "Reste" aufzusammeln und erlangte nur einige wenige Kolonien (Deutsch-Süd-West-Afrika oder das chinesische Kiautschou zum Beispiel).

Zwar waren die deutschen Kolonien letztendlich nicht klein oder gänzlich unbedeutend, aber sie rentierten sich wirtschaftlich nicht für das Reich. Es handelte sich entsprechend mehr um eine Art "Prestigeherrschaft" (man wollte Macht demonstrieren und zu einer Weltmacht aufsteigen).

Zu Beginn des 20. Jhr. gab es ernsthafte Spannungen zwischen den Großmächten Frankreich, Großbritannien und Deutschland. Man befand sich in einer Konkurrenzsituation. Das Verhältnis zu Frankreich war besonders durch den Deutsch-Französischen-Krieg um 1870/71 nachhaltig beeinträchtigt, Großbritannien fühlte sich besonders durch die deutschen Investitionen in eine eigene Marine bedroht.

Über die Beziehungen zu Belgien ist mir nicht besonders viel bekannt, allerdings hatte Belgien auch recht spät mit der Kolonisierung begonnen und war eine eher schwache Kolonialmacht, da keine besonders starke Flotte vorhanden war. Man kann allerdings spekulieren, dass das Deutsche Reich Belgien nicht wirklich als Konkurrenten oder Gegner ernst genommen hatte, immerhin wurde die Neutralität des Landes von deutscher Seite aus zu Beginn des 1. WKs einfach ignoriert (s. Schlieffen-Plan).

Die Beziehungen waren also eher negativ, dabei würde ich aber behaupten, dass der Kolonialismus eher eine nebensächliche Rolle gespielt hatte.


Expertenantwort
von ArnoldBentheim, Community-Experte für Geschichte, 19

Oh je, diese sehr allgemein gehaltene Frage kann man nicht kurz beantworten. Darüber wurden Regalmeter an deutsch- und fremdsprachigen Büchern geschrieben!

Ich kann daher allenfalls eine kompakte, sehr gute und auf dem aktuellen geschichtswissenschaftlichen Forschungsstand geschriebene Zusammenfassung empfehlen, und zwar dieses Buch:

Gregor Schöllgen: Deutsche Außenpolitik. Bd. 1: Von 1815 bis 1945. 2013.

MfG

Arnold

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