Frage von Edgarrrrr, 82

Deutsche Grammatik, Genus und Plural?

Warum sagt man auf Deutsch immer das Maskulin/plural UND das Feminin/Plural ? z.B. "Studenten und Studentinnen". Das ist sooo lang. Auf meiner Muttersprache wenn eine Gruppe beide Männer und Frauen hat, nutzt man einfach das Maskulin/plural, ist das auf Deutsch nicht so? Wenn ich nur "Studenten" sage, heißt es, dass es NUR Männer gibt?

Antwort
von Deponentiavogel, 23

Wie in allen indogermanischen Sprachen ist das Maskulinum das Standardgenus, das heißt es ist das eigentliche neutrale Geschlecht, das für alles verwendet wird, so keine anderen Kriterien greifen, die das Wort dann in die Kategorie Femininum oder Neutrum ziehen.

Die Bundeskanzler der Bundesrepublik schließen Angela Merkel mit ein. Wenn alle deutschen Bürger Deppen sind, sind es auch die weiblichen. Das muss man niemandem erklären und das versteht auch jeder so.

Allerdings hat vor vielen Jahrhunderten jemand einen großen Fehler gemacht. Er hat die Genera so bezeichnet:

– Maskulinum (männlich)

– Femininum (weiblich)

– Neutrum (sächlich)

Ärger kann man die Intention und das Wesen des grammatischen Geschlechts nicht fehlinterpretieren.

Die feministische Sprachkritik setzt bei der wörtlichen Bezeichnung der Genera an. Sie nimmt an, dass maskuline Substantive männlich (der Löffel), feminine Substantive weiblich (die Gabel) und neutrale Substantive sächlich (das Messer) wären. Ihre Idee, die noch vor jeder pseudowissenschaftlichen Forschung feststeht, lautet: 

Der Mann unterdrückt mit maskulinen Formen die Frau. Die Frau hat die Sprache bis zur Genderbewegung immer nur mitbenutzen dürfen und hat keinen Anteil an der Herausbildung der menschlichen Sprache und unserer Kultur. 

Das ist so antiwissenschaftlich wie die völkische Rassenlehre. Dabei fällt jedem auf, dass das meistens nur sehr schleißig betriebene Gendern fast immer zu grammatikalischen Fauxpas führt. Folgende Situation:

Hillary und Donald sitzen sich gegenüber und plaudern. Beide sind Präsidentschaftskandidaten. Die Genderideologie kennt für die beiden aber keinen Plural: Der Präsidentschaftskandidat und die Präsidentschafts-kandidatin. 

Die Sprache wird sexualisiert. Immer und überall soll einem auffallen, dass es Weibchen und Männchen gibt. Durch dieses unnatürliche Erwähnen einer grammatikalisch femininen Form soll ein Gesellschaftsziel erreicht werden. Wen das an Orwells 1984 erinnert, der hat die Sache im Kern erfasst.



Expertenantwort
von LolleFee, Community-Experte für Grammatik & deutsch, 28

Das Ganze nennt man "gendern" und soll bewirken, dass sich Frauen durch die Maskulin-Plural-Form nicht ausgeschlossen bzw. benachteiligt fühlen sollen. 

Aber wenn man hierzulande schon Punktabzug bekommt, wenn man in einer Hausarbeit schreibt, dass aus Gründen der Lesbarkeit auf die Doppelnennung verzichtet wird und (wenn nicht explizit anders geschrieben) immer beide Geschlechter gemeint sind, dann spreche ich von einem Genderwahn, bei dem es nicht mehr um den Inhalt geht, sondern um politische Überkorrektheit und falsch verstandene Emanzipation. In anderen Ländern (bspw. in Frankreich) sind solche Extranennungen aus genau diesen Gründen gar nicht gewünscht. 

Kommentar von adabei ,

Bin ganz deiner Meinung.
(Ist dir das passiert?)

Kommentar von LolleFee ,

Nein, es steht explizit in den Bewertungskriterien. 

Ich bin dazu übergangen, von Lehrenden, Lernenden, Lehrpersonen, Lehrkräften, Schülerschaften und Co. zu sprechen, weil ich dieses Gendern um des Genderns willen absolut lächerlich finde. =)

Kommentar von adabei ,

Da sind wir uns absolut einig.

Kommentar von Deponentiavogel ,

Nebenbei bemerkt gründet das auf keinem Gesetz, sondern verstößt sogar dagegen. Den Schülern mit Punktabzug zu drohen, wenn man die eigene Ideologie nicht erfüllt, grenzt keineswegs an Totalismus, sondern ist Totalismus in seiner reinsten Ausprägung.

Kommentar von LolleFee ,

Wenn ich an dieses Studium idealistisch heranginge, würde ich wahrscheinlich nie fertig. Es gibt so einiges, was ich entgegen meiner Prinzipien und (fachlich begründeten) Überzeugungen tue, nur weil es so verlangt wird. Da sitzen halt oft Menschen an der Bewertungsmaschinerie, die bisher nichts anderes gelernt, gesehen und gemacht haben. Wenn da jemand mit einschlägiger beruflicher Vorbildung und Erfahrung kommt, dann fühlen sich manche schnell kribbelig...

Kommentar von earnest ,

Es ist schlimm, dass Leute, die offensichtlich einen an der Waffel haben, aufgrund von hirnverbrannten Kriterien über das Wohl oder Wehe anderer Menschen entscheiden.

Antwort
von Bswss, 21

Weil man auch in Deutschland  seit einiger Zeit in absurdester Weise das "Gendern" eingeführt hat (oder einzuführen versucht):Stichwort: GENDERWAHN.

In Leipzig kam man sogar auf die Idee, um  "Professoren udn Professorineen" zu vermeiden, einfach ALLE Professoren (also auch die männlichen) als "Professorinnnen" (!)  zu bezeichnen.

Seit einigen Jahren gibt es ja auch kein Studentenwerk, kein Studentenparlament, kein Studentarif   und auch überhaupt keine Studenten mehr, sondern nur noch "Studierende".

Im Schulbereich ist  man noch nciht so weit. Dort sidn alle Richtlinien, Gesetze, Erlasse jetzt um 50% dicker und länger, weil stets die Rede ist von Lehrerinnen und Lehrern, Schülerinnen und Schülern usw. .

"Mitgliederinnen" haben sich aber noch nicht ganz durchgesetzt. Auch Lehrkräftinnen gibt es noch nicht.


Kommentar von Deponentiavogel ,

Auch? Ich kenne keine andere Sprache, wo man das so hält wie im formellen Deutsch.

Kommentar von Bswss ,

Randbemerkung:

Vor einigen Jahren versuchte eine feministische  Gruppe an einer neuseeländischen Universität das Verbot des Wortes /Lehrfachs "history" durchzusetzen und verlangte stattdessen "herstory" oder "his/herstory" . Dieser sprachgeschichtliche Irrsinn ist KEIN WITZ!

Kommentar von Bswss ,

Tippfehlerkorrektur : Professorinnen und Professoren

Kommentar von LolleFee ,

"Studierende" macht aber ein neues Fass auf: Studentinnen und Studenten gehen dem Studium ja nicht 24/7 nach. "Studierende" (= Menschen, die im Moment der Bezeichnung ihrem Studium nachgehen) wird deshalb ebenfalls kritisch gesehen. Auch KEIN Witz.

Kommentar von Bswss ,

JA, das sehe ich genauso. Aber grammatikalische Feinheiten sind den Genderisten ja auch nicht gerade eigen.

Antwort
von lovelifee6899, 34

Nein, wenn du Studenten sagst, meinst du auch die Studentinnen, aber irgendwann wurde eben seht stark darauf geachtet, dass beide Geschlechter genannt werden!

Expertenantwort
von adabei, Community-Experte für Grammatik & deutsch, 35

Ich weiß, was du meinst.

Das war im Deutschen eigentlich auch immer so und normalerweise versteht man auch unter "Studenten" im Allgemeinen Studenten beiderlei Geschlechts. Oft wirkt diese übertriebene "gender-correctness" etwas lächerlich - und das sage ich als Frau.

Wenn ich sage "Alle Schüler versammeln sich im Pausenhof." dann heißt das nicht unbedingt, dass die Schülerinnen im Klassenzimmer bleiben dürfen. ;-)) 

Kommentar von LolleFee ,

Es bleibt abzuwarten, ob irgendwann alle verbrennen, weil die Durchsage noch mit Gendern beschäftigt ist, oder nur die Schülerinnen, weil sie nicht explizit genannt wurden ;))

Kommentar von adabei ,

:-))

Kommentar von Bswss ,

DH!!!

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