Frage von TilmanNavy, 105

Wie bringe ich 3-6 jährigen Flüchtlingskindern Deutsch bei?

Ich möchte Kindern aus Eritrea gerne die deutsche Sprache näher bringen. Sie können aber keinerlei Deutsch. Ich würde das ganze gerne auf einer spielerischen Ebene machen. Es würde auch gehen wenn mir jemand erst einmal überhaupt sagen könnte, was man so spielen könnte, wenn man sich nicht gut verständigen kann. danke schon mal für eure Antworten ;)

Expertenantwort
von LolleFee, Community-Experte für deutsch, 105

Zum Wortschatz: Wortfeldern (1) unterschiedlich erarbeiten (2).

(1) bspw. Tiere, Körper, im Haus, Kleidung, ...

(2) Wimmelbücher, Regelspiele (musst mal gucken, welche sich eignen, evtl. abändern), malen, Vorlesebücher mit Bildern, Lieder, Freispiel (bspw. Zoo/Bauernhof, Puppen an- und ausziehen, Spielhaus einräumen), Gegenstände aus einer Sand-/Erbsenkiste suchen...

Wichtig: Sprachproduktion und Sprachverständnis bedenken.

Nicht zu schnell wechseln und nicht zu viele Begriffe auf einmal. 

Grammatik würde ich nicht extra erarbeiten, sondern über die Modellierungstechniken von Dannenbauer, hier vor allem Präsentation und Correvtive Feedback (entweder googlen oder in einem Kommentar bei mir nachfragen).

Antwort
von atzef, 89

Im Alter von 4-4 1/2 kommt es zu einem grundlegenden neurologischen Entwicklungsschub, bei dem u.a. die Gedächtnisfunktion umgebaut wird und Kinder deutlich mehr kognitives Potential etwickeln.

Daher würde ich vorher eher auf Wortschatzerweiterung abzielen, nachher verstärkt auf grammatische Strukturbildung.

Zur Wortschatzerweiterung gab es hier schon Vorschläge. Viel spazierengehen und dabei die begriffe benennen, die einem so in die Quere kommen. Memory ist auch nicht schlecht. Auch dabei immer die abgebildeten Sachen benennen. Es gibt auch schöne alphabetische Bilderbücher, die diesem zweck zuarbeiten.

Nach dieser Alterzäsur würde ich z.B. spielerisch nach dem Geschlecht der Dinge fragen, Satzstellung gezielt korrigieren, Die personalformen der Verben trainieren (Was mache ich? Was machst du? Tätigkeiten vorspielen) Perfekt üben...etc. pp.


Kommentar von Ruehrstab ,

Gefällt mir.

Am Anfang vielleicht ein "Ich bin"- bzw. "Ich heiße"-Spiel? / "Wie heißt du?" / "Wer bist du?"

Viele Vorlesegeschichten sind auch so redundant bebildert, dass Du sie anhand ihrer Bilder zur Demonstration verwenden kannst.

Viele wichtige Adjektive und Verben lassen sich vorspielen bzw. zeichnen. Adjektive am besten als Gegensatz-Paare ...

Die Zahlen von eins bis ... üben?

Du kannst aber auch Lieder singen, selbst ohne dass die Kinder genau verstehen, um was es geht. Das macht einfach Spaß.

Kommentar von atzef ,

Ja, singen ist auch eine sehr gute Idee!

Kommentar von LolleFee ,

Ohne Wörter keine Sätze, heißt: Ohne Wortschatz ist das Erarbeiten der Syntax sinnlos.

Mit 4-4;6 Jahren würde ich niemals systematisch und direktiv an der Grammatik arbeiten, selbst bei Dysgrammatikern nicht. Hier eignen sich die angesprochenen Modellierungstechniken von Dannenbauer.

Kommentar von mia68 ,

@LolleFee:

Vielleicht wär´s ganz sinnvoll, erst einmal ein bisschen näher zu erfragen, wie denn die eigenen Voraussetzungen/Vorerfahrungen von @Tilman überhaupt aussehen (noch bevor man sich irgendwelchen Methodik-Debatten hingibt....). ^^  

Kommentar von LolleFee ,

Ich habe eine eigene Antwort geschrieben; darin steht, was Tilman machen kann - sogar konkreter, als Du das tatest. Der Kommentar war ein Kommentar aus die Antwort von Atzef.

Die beiden in meiner Antwort genannten Modellierungstechniken sind zwar auch "Methodik", wie Du das nennst, aber Präsentieren und Corrective Feedback sind Dinge, die Eltern intuitiv auch machen, ohne dass man ihnen das beibringt: Sie präsentieren Sprache und wiederholen die fehlerhaften kindlichen Aussagen in der korrekten Form, ohne dass es wie ein Papagei wirkt. Aber man kann das beides natürlich auch etwas bewusster machen: beim Präsentieren auf einen ganz einfachen Satzbau achten (Die Kuh trinkt. Die Katze schläft. Der Hund frisst.) und bei Einwortäußerungen dann im ganzen Satz antworten (Kuh - Ja, die Kuh trinkt.). Das ist keine Hexerei.

Kommentar von atzef ,

Womit wir aber auch genau bei der Form von Syntaxarbeit wären, die mir vorschwebt. :-)

Kommentar von mia68 ,



In meinen Augen sollte es in erster Linie hier doch darum gehen, dass jemand (der ziemlich offensichtlich mit der Materie weitaus weniger vertraut ist) aus dem, was er so liest, möglichst auch was mitzunehmen weiß - ob das wiederum so wirklich der Fall ist, wenn hier Begrifflichkeiten fallen wie "Dysgrammatismus/Modellierungstechnik/Corrective Feedback", das wag ich zu bezweifeln.


Antwort
von mia68, 75

So ein bisschen höre (oder besser: spüre) ich aus deinen Zeilen heraus, dass du dich damit auf ein ganz neues Terrain begibst, richtig!? 

Schön erst einmal, dass du dich dieser Aufgabe annehmen magst; das finde ich großartig! :-)

Wenn ich also richtig liege, und du dich erst einmal selbst einigermaßen mit diesem Tun organisieren und "einrichten" möchtest, dann geh es zunächst doch möglichst entspannt an, würde ich sagen (und zwar nicht nur mit Hinblick auf das, was du als "Nicht-Fachmann" zu leisten imstande bist, sondern auch im Interesse der Kinder. Es gibt dabei ohnehin nur zu gewinnen).  

Auf jeden Fall mal sollte all das, was du tust, nicht als "Lehren und Lernen"  gesehen und verstanden werden, sondern wie "nebenbei" passieren.

Und alles, was die Kleinen von sich aus (!) an Interessen mitbringt, könntest du aufgreifen.

Wenn du spielerisch drangehen möchtest: Bewegungsspiele sind (weil Sprache sehr eng gekoppelt ist an körperliches Bewegen / Sich-Betätigen!) im Übrigen da noch sehr viel besser geeignet, als lediglich das Beschäftigen mit der Sprache an sich (das bleibt oft viel zu abstrakt für ein so kleines Kind).

Und: Bilderbücher bilden da natürlich eine Ausnahme - über die kann man ja ganz ungezwungen und selbstverständlich miteinander ins Gespräch kommen.

Schau hier mal rein; da steht noch bisschen was zu dem theoretischen Hintergrund (oder google nochmal bisschen unter "Sprachentwicklung - Bewegung/Spiele - Migrationshintergrund", so in diese Richtung):

http://www.raabe-fruehebildung.de/sites/default/data/Dokumente/ueber_unter_und_z...

Zudem: Mach gern auch in was in einer möglichst kleinen (!) Gruppe; es kommt jedem zugute, wenn das Augenmerk nicht nur auf ein einziges Kind gerichtet ist. Und auch die Dynamik (grade innerhalb von Spielen) ist dann doch eine ganz andere.

Und im Auge behalten solltest du ebenso, dass es schlussendlich nicht (allein) deine Aufgabe sein kann und darf, damit diese Kinder Deutsch lernen; da gehören in erster Linie auch die Eltern beteiligt. Und im weiteren Verlauf womöglich noch ganz andere "Berufenere"...

Viele Erfolg (und Freude, das vor allem! :-)) wünsch ich dir.

Antwort
von Hannibunnyy, 88

Ich finde gut, was du da vorhast! :)

Vielleicht Memorie für Kinder? Dann kannst du den Kindern ja immer sagen, wie dieser Gegenstand auf deutsch heißt. :)

Antwort
von kwon56, 53

Frag mal bei der Caritas.

Antwort
von utnelson, 67

Memory z.B. und dort die Begriffe immer wiederholen.

Antwort
von Notschger, 72

Vieleicht raus in die Natur und Sachen zeigen und beim Namen nennen.

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