Frage von Pumpelwutz, 73

Determinismus, m-theorie, multiversen...?

Hallöchen liebste Community, Wenn es keine Umstände macht hätte ich gerne eine richtige expertenantwort, ich würde ja einen Physikdozenten an der Uni fragen, bin aber zur zeit nicht dazu in der Lage.. Was haltet ihr/halten Sie von der M-Theorie? Ist die zu tief gegriffen und trifft zu wenig vorhersagen oder macht sie doch Sinn und ist nah an der Realität?

Des weiteren, hab ich mal gehört, gibt es das Problem mit dem Determinismus im Bezug auf Bifurkationen welche man mit der Multiversen-Theorie geschickt umgehen könnte - oder ist Determinismus schon endgültig widerlegt?

Hilfreichste Antwort - ausgezeichnet vom Fragesteller
von TimKunZe, 51

Also Sinn macht die M - Theorie auf jeden Fall, nur kann man sie nicht beweisen, weder die Strings selbst, noch die Theorie (logisch), da sie noch keine einzige Voraussage gemacht hat. Ich persönlich glaube nicht, auch wenn sie viele als den Kandidaten für die "Weltformel" ansehen, dass sie eine Twistor Theorie ist, also eine Theorie, welche die Gesetzmäßigkeiten der Quantenmechanik mit denen der allgemeinen Relativitätstheorie vereinen kann. Für mich verschleiert die Schönheit dieser Theorie, nur den hoffnungsvollen Versuch der (String)Theoretiker endlich eine mathematisch korrekte Auffassung einer solchen Theorie aufzustellen und vor allem eine, in der jedes Problem zehn neue hervorruft und diese dann nur noch durch noch mehr Kunstgriffe à la Dimension was weiß ich behoben werden können.

Aber auch die Schleifenquantengravitation sehe ich eher mit einem kritischen Blick ins Gesicht geschrieben an, mit dem einzigen Unterschied, dass sie nicht ganz so extravagante Thesen aufstellt, auch wenn das nur meine persönliche Meinung ist.

Der Determinismus vertritt im wesentlichen die Ansicht, das alles und jenes vorhersagbar ist und schließt den Zufall aus. In der makroskopischen, der alltäglichen Welt mag das auch stimmen, nur kommt er an seine Grenzen, wenn es um den subatomaren Kosmos geht, in dem es nämlich sehr wohl undefinierbare Zustände und auch den Zufall gibt. Jetzt ist natürlich die Frage, in wie fern sich dieser Interdeterminismus auch auf die makroskopische Welt ausübt. Die Antwort, so banal sie auch lauten mag, ist: Wir wissen es nicht. An dieser Stelle kommt die Physik an ihre Grenzen, da setzt dann schon die Philosophie an.

Kommentar von Pumpelwutz ,

Vielen Dank für die ausführliche Info. Seltsamerweise meint der Herr weiter unten, dass Determinismus schon längst widerlegt sei. Bisher hab ich davon noch nichts gehört, sie evtl.?

Kommentar von Astroknoedel2 ,

Hat er wahrscheinlich nicht, weil es unzutreffend ist. 

Er spielt damit wahrscheinlich auf die Quantentheorie an, die angeblich den Determinismus widerlegen soll. 

Dass dies aber so nicht stimmt, weiß jeder, der schonmal die Schrödingergleichung und die Klein-Gordon und Dirac-Gleichung unter die Lupe genommen hat. Sie beschreiben eine deterministische Zeitentwicklung eines isolierten quantenmechanischen Systems. 

(jetzt wirds mathematisch:Achtung) Der Nabla-Operator in der Schrödingergleichung beschreibt zum Beispiel ein Potenzial (also ein Kraftfeld), in dem sich ein Quantensystem befindet. Das Potenzial kann dabei alles mögliche sein (Gravitationsfeld, elektrisxhes Feld, etc.).

Der Hamilton-Operator (der sich aus der klassischen Hamilton-Mechanik herleiten lässt), beschreibt die zeitliche Dynamik der Energie deines Systems.

Zusammen ergibt das eine partielle Differentialgleichung wasweisichwievielter Ordnung, wo man durch simple Anfangswerte Lösungen in Form von Wellenfunktionen erhalten kann. 

In der Dirac-Gleichungen schließt die Gleichung auch noch relativistische Effekte mit ein.

Also soll mir bitte keiner erzählen, der Determinismus sei widerlegt. Mal ist die Dynamik eines Systems nunmal deterministisch, mal nicht (siehe dazu auch: Chaostheorie). Man kann aber (meiner Meinung nach) nicht einfach so pauschalisieren.

LG, Astroknoedel

P.S. Sehr gute Antwort!

Antwort
von grtgrt, 34

Es gibt nicht die Multiversen-Theorie (denn es gibt mehrere solche Theorien und sie sind keinesfalls alle mit gleicher Wahrscheinlichkeit zutreffend)

Über zwei davon (die von Everett einerseits und die von Linde andererseits) spricht https://www.gutefrage.net/frage/wie-wuerden-sich-die-gesetze-der-quantenmechanik...>

eine dritte, eher triviale, aber mit Sicherheit richtige, wird diskutiert auf Seite http://greiterweb.de/spw/Multiversum.htm .

Kommentar von grtgrt ,

Der erste Link oben ist vertippt. Hier der richtige: <https://www.gutefrage.net/frage/wie-wuerden-sich-die-gesetze-der-quantenmechanik...>

Antwort
von sgn18blk, 45

Der Determinismus wurde schon längst widerlegt.

Kommentar von Pumpelwutz ,

Von wem und wann, wenn man fragen darf?

Kommentar von grtgrt ,

Das quantenmechanische Geschehen ist einfach nicht deterministisch.

Da nun aber auch das Ergebnis jeden Ereignisses vom Typ "Kollaps der Wellenfunktion" gewissen Wahrscheinlichkeiten nach diesen oder jenen Wert annimmt, erscheint ein Geschehen, das aus einer großen Zahl solcher Ereignisse besteht (im Makroskopischen) weitgehend deterministisch: Mit der Zahl daran beteiligter Quantenereignisse wird das makroskopisch beobachtbare Ergebnis immer deterministischer erscheinen.


Kommentar von sgn18blk ,

"Von wem"? Herr Heisenberg. "wann"? Das müsste 1926/27 gewesen sein. Ob die aber endgültig widerlegt wurde, kann ich jetzt nicht beurteilen. Oft habe ich gelesen, die Unschärferelation würde den Determinismus nicht beeinflussen. Darauf kann ich leider nicht antworten, weil ich mich in diesem Fachgebiet selbst noch nicht gut genug auskenne. Es hieß mal, dass niemand den jetzigen Zustand des Universums genau messen kann (Da man den jetzigen Zustand nicht messen kann, wird man auch nicht künftige Ereignisse vorhersagen können). Nur ein Beobachter, der nicht auf das Universum einwirkt, könnte alles determinieren.. Das ist aber reine Spekulation, weil wir ja nicht wissen, ob so ein Wesen existiert.

Kommentar von Pumpelwutz ,

Danke für die Antwort! :) das heißt, noch ist für den Determinismus nichts verloren? Es gibt ja noch so ganz witzige Spielereien wie die Bohmsche Mechanik, die anscheinend von der Quantenmechanik kaum unterscheidbar ist (zumindest vom Messen her) und doch vollständig deterministisch ist.

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