Frage von NoellePage27, 41

Derealisation, Verlust der Wirklichkeit bei Vorstellung von Tod/Unendlichkeit?

Hallo. Hin und wieder stelle ich mir gerne den Tod, die Nichtexistenz, Unendlichkeit vor. Dabei kommt nach einigen Minuten ein tiefes Gefühl der Derealisation (Unwirklichkeit, mit Gedanken wie "das hier ist nicht real, das ist nicht mein Leben, ich kann daraus weg, woanders aufwachen"). Ein sehr paranoides Gefühl, das zwar schnell wieder vergeht, aber mich total fasziniert.

Ich sage dazu, ich bin nicht religiös oder esoterisch interessiert. Also bitte keine Antworten in diese Richtung. Ich habe auch in anderen Foren schon Vergleichsfälle gefunden (z.B. http://www.psychologieforum.de/derealisation-depersonalisation-32195.html).

Mich würde eher interessieren, ob jemand aus wissenschaftlicher Sicht eine Erklärung dafür hat? Freu mich auf die Antworten. LG

Antwort
von Sophilinchen, 23

Du hast Angst davor, und diese" ich bin gar nicht wirklich da"- Gedanken beschützen dich. Wie...ein kleines Kind was sich die Augen zuhält und denkt es ist unsichtbar. Das soll dich nicht beleidigen, es war nur ein Bild was du sicherlich kennst zum Vergleich^^

Denk trotzdem weiter über Unendlichkeit undso weiter nach und lass dich nicht von dem Gefühl verunsichern. Es ist nur ein Teil vor dir der dich warnt das diese Gedanken Angst verursachen. Wie ein Alarm im Kopf.

Antwort
von mychrissie, 10

Zwar sind die Hirnhälften miteinander vernetzt, sie haben jedoch unterschiedliche Aufgaben, die rechte ist in der Lage Emotionen zu empfinden, Situationen ganzheitlich zu erfassen und kreativ zu denken. Die linke Hirnhälfte ist der "Kontroletti", der die Erkenntnisse der rechten ständig auf Plausibilität prüft. Deshalb können wir z.B. zwei gleichgroße Menschen, die in verschiedenen Entfernungen von uns stehen, als gleichgroß wahrnehmen, obwohl der weiter entfernte ja kleiner erscheint, diese Diskrepanz wird im Hirn korrigiert. Anderes Beispiel: wenn wir einen Teppich mit wilden kleinen Strukturen (oder auch ein Pollock-Bild) betrachten, beginnen wir Gesichter oder Figuren in dem Chaos zu erkennen, denn die linke Hirnhälfte versucht angestrengt, sinnvolle Strukturen im Chaos zu entdecken.

Wie könnte diese Situation nun Deine Frage beantworten? Wenn etwas der Logik und der Vorstellungskraft überhaupt nicht mehr zugänglich ist wie z.B. die Unendlichkeit, die 4. Diemnsion, dann gibt die linke Hirnhälfte irgendwann auf, nach Plausibilität zu suchen und das Gehirn gerät in einen ultraparadoxen Zustand, in dem es absurde Befindlichkeiten erzeugt.

Als Mac-User würde ich sagen, die "Zugriffsrechte" sind aus der Bahn geraten. Beim Rechner repariere ich dann die Zugriffsrechte; viele Menschen werden dann religiös oder esoterischer Spinner oder geben sich mit dem Spruch zufrieden, dass es "viele Dinge zwischen Himmel und Erde gibt, die unserer Vorstellungskraft verschlossen bleiben".

Antwort
von Gestade3, 19

Hallo,

ich habe das Gefühl, das Du Dir etwas einredest, was gar nicht real sein kann. Jeder hat wohl mal an den Tod gedacht, aber ich kann mich doch nicht nur mit ihm befassen. Es gibt einen kurzen Satz der alles besagt.  :"Kannst Du es denn ändern ? "

Alles Gute        

 

Kommentar von NoellePage27 ,

Danke für deine Antwort. Ändern kann man am Tod natürlich nichts. Aber dass allein der Gedanke daran so ein Gefühl auslöst, finde ich spannend. Als wäre es tief im Gehirn verankert, dass die Vorstellung der Nichtexistenz über unseren Verstand geht :)

Antwort
von Jamaicaaa, 24


Habe das auch ständig und ich erkläre es mir selbst folgendermaßen:

Rein logisch gedacht würde ich behaupten dass Dinge wie Tod, Nichtexistenz und Unendlichgleich nicht greifbar sind, somit nicht Realität im Bewusstsein, sondern nur eine Vorstellung.
Wenn man sich in etwas vertieft das mit der eigentlichen Realität nichts zu tun hat, verfällt man in einen Derealisierenden Zustand.

Beispiel wäre, wenn du dich gut mit Hockey auskennst und an Hockey denkst, hast du dabei verschiedene Empfindungen und Eindrücke, da es dir bekannt ist.
Wenn du allerdings an etwas surreales denkst, kannst du es auch nur aus der surrealen Perspektive betrachten da dir keine andere gegeben ist und das wird der Grund für den Zustand sein.

Das ist rein das was ich selbst darüber denke und keineswegs Studien zufolge nachgewiesen o.A.

Darfst mir gerne sagen was du denn davon hältst, hab davor auch noch nie mit jemandem über dieses Thema spekuliert. :)
Auf jeden Fall sehr interessant!


Kommentar von NoellePage27 ,

Danke für deine Antwort. Finde ich eine durchaus plausible Erklärung. Praktisch, indem ich mir eine Realität vorstelle, in der ich nicht existiere, die für mich nicht mehr greifbar ist, ich auch kurz meine jetzige Realität nicht akzeptiere. Das wird schon beinahe philosophisch :)

Antwort
von schnoerpfel, 18

Aus dieser Gedankenwelt heraus hat sich bei mir eine generalisierte Angststörung entwickelt. Auf Dauer erträgt man das nicht. Deshalb vermeide ich weitestgehend derartige Analysen von Realität und Wahrnehmung. Es hat einfach Null Nutzen und ist nur hinderlich in jeder Situation.

Kommentar von NoellePage27 ,

Wow, danke dass du das so offen schreibst. Darf ich fragen, wie sich das entwickelt hat? Ich hoffe es geht dir mittlerweile besser?

Kommentar von schnoerpfel ,

Das kam stufenweise. Ähnlich, wie Du es schilderst. Daher würde ich Dir dringend davon abraten, es weiter zu betreiben. Derealisation kann schnell zum Dauerzustand werden.

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