Frage von AssassinNrOne, 18

"der Vater mit kurzem Wesen" bedeutet kurzes Wesen in dem Fall streng und ohne Zuneigung?

Antwort
von Essensausgabe, 18

Ist zwar ohne Kontext etwas schwierig zu erschließen aber ich denke eher dass es um die Charakterfärbung der Person geht. "Kurzes Wesen" klingt nach einem einfachen Menschen der ggf. keinen weiten Horizont aufweisen kann. Wenn du mehr zu dem Werk verraten kannst dem der Satz entstammt kann man sicher besser antworten.

Kommentar von AssassinNrOne ,

L. Kellner:Gehorsam ist Ehrfurcht vor einer höheren Intelligenz (1852)

Zu denAusgeburten einer übel verstandenen Philanthropie gehört auch die Meinung, zurFreudigkeit des Gehorsams bedürfe es der Einsicht in die Gründe des Befehls,und jeder blinde Gehorsam widerstreite der Menschenwürde. Wer sich unterfängt,dergleichen Ansichten in Haus oder Schule zu verpflanzen, der vergisst, dasswir Erwachsenen uns im Glauben an eine höhere Weisheit der göttlichenWeltordnung fügen müssen und dass die menschliche Vernunft nimmermehr diesesGlaubens entbehren darf. Er vergisst, dass wir allesamt hier nur im Glauben,nicht im Schauen leben. Wie wir im hingebenden Glauben an die höhere Weisheitund unergründliche Liebe Gottes handeln sollen, so soll das Kind im Glauben andie Weisheit der Eltern und Lehrer sein Tun unterordnen und hierin eineVorschule zum Gehorsam gegen den himmlischen Vater finden. Wer diesesVerhältnis ändert, der setzt freventlich an die Stelle des Glaubens denklügelnden Zweifel und verkennt zugleich die Kindesnatur, welcher der Glaubeein Bedürfnis ist. - Werden Gründe mitgeteilt, so weiß ich überhaupt nicht, wiewir noch von Gehorsam sprechen können. Wir wollen durch solche die Überzeugungherbeiführen, und das Kind, welches endlich diese gewonnen hat, gehorcht nichtuns, sondern eben nur jenen Gründen; an die Stelle von Ehrfurcht gegen einehöhere Intelligenz tritt die selbstgefällige Unterordnung unter die eigeneEinsicht. Der Erzieher, welcher seine Befehle mit Gründen begleitet, räumt zugleichGegengründen eine Berechtigung ein, und damit wird das Verhältnis zum Zöglingverschoben. Dieser betritt das Feld der Unterhandlungen und stellt sich demErzieher gleich; mit solcher Gleichheit verträgt sich aber keineswegs dieEhrfurcht, ohne welche keine Erziehung gedeihen kann. Wer übrigens glaubt, nurmit auf Gründen gestützten Gehorsam Liebe erwerben zu können, der lebt in argerTäuschung, denn er verkennt die Kindesnatur und das Bedürfnis derselben, sichdem Starken zu unterwerfen. (...)

Im Familienkreisvertreten schwache Mütter meistens das philanthropische Prinzip, während derVater mit kurzem Wesen unbedingt Gehorsam fordert. Dafür wird die Mutter aucham meisten von ihren Kleinen tyrannisiert, darum gilt dem Vater die meisteEhrfurcht, und deshalb ist dieser das Haupt des Ganzen, dessen Geist von ihmseine Richtung erhält. 

Worterklärungen:          Frevel:Entheiligung, Versündigung gegen Gottes oder menschliche Gesetze 

                                   freventlich:als Frevel/ durch Frevel eine heilige Stätte entweihen

Textquelle:

Kellner,L.: Pädagogik der Volksschule in Aphorismen. Ein Beitrag zur Belebung derLehrerkonferenzen und der Berufsliebe, Essen 1852,

In:Katharina Rutschky (Hrsg.): Schwarze Pädagogik. Quellen zur Naturgeschichte derbürgerlichen Erziehung. Ullstein 2001. S. 172f.

Kommentar von AssassinNrOne ,

das ist der gesamte Ausschnitt, ich hoffe mal das ist genug Kontext :)

der letzte Abschnitt ist der entscheidende

Antwort
von technikexperte, 8

Ja, ich denke auch, dass es sich um ein schlichtes Gemüt handelt, das hat aber mit Zuneigung und Strenge weniger zu tun. 

Antwort
von webschamane, 16

Ich würde meinen, es bedeutet, der Vater mit der kurzen Zündschnur, also ein Choleriker.

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