Frage von joalter2011, 42

Der Solipsismus und Anwendung?

Hallo,
ich beschäftige mich momentan mit verschiedenen Fragen der Philosophie, bin allerdings auf dem Gebiet nicht besonders versiert.
Derzeit behandle ich (bzw. versuche, zu behandeln) den Solipsismus, hauptsächlich den metaphysischen und methodologischen. 
Leider wird mir durch den unausführlichen Wikipedia-Artikel nicht ersichtlich, wie ein Solipsist genau denkt und wodurch sich der metaphysische vom methodologischen Solipsismus unterscheidet.
Die Grundidee ist ja folgende:
Ich bin ein Solipsist, das einzig existente Wesen, alles um mich herum ist nur eine Illusion, ein Traum, etwas Unwirkliches. Andere Bewusstsein gibt es nicht.
Verbessert mich, wenn ich etwas missverstanden habe.
Nun stellen sich für mich die Fragen:
a) Wodurch unterscheiden sich die beiden Formen?
und b) woran erkennt man einen Solipsist? Gibt es eine 'klischeehafte' Handlungsweise? Ich kann mir nicht wirklich vorstellen, wie er handelt, wie er andere Menschen sieht und mit ihnen umgeht.
PS: bitte keine Antworten wie 'frag ihn doch, ob er Solipsist ist' :-)
Vielen Dank im Voraus an die Philosophen unter euch!

Antwort
von Rosenblad, 22

Da eine solche „virtuelle“ Plattform wenig geeignet solche Themen gründlich auszufragen. Nur einige ganz kurze Skizzierungen:
Der metaphysischer Solipsismus ist die radikalste Formierung und bestaht apodiktisch auf einer auschließlichen Existenz des eigenen Ichs, das alle Außenwelten verneint – es gibt auch keine externen anderen Bewusstseinzustände (analog dem Film „Matrix“ gipfelnd in der Aussage „“Ignorance is bliss“ im ersten Teil)

Der methodologischer Solipsismus läßt eine Außenwelt zwar zu, diese bleibt aber von den Polykontextualitätszusamenhängen eigener, ipsativer Bewusstseinszustände (also z.B. kategorischer Annahmen) abhängig.
Es wäre noch eine dritte Form zu benennen, die des epistemologische Solipsismus der die Passivität der beiden genannten Kategorien überwindet und in einer aktive Formation überführt, in der epistemologische Zugänge über eine existierende Außenwelt bejaht werden, aber abhängig sind von unseren jeweiligen mentalen, affektiven und assertiven Zuständen und Dispositionen.
Ein psychisches supervenieren (Übertragung) dieses philosophischen Denkansatzes ist zwar von z.B. Jerry A. Fodor unternommen worden – bleibt aber in theoretischen Falschannahmen (Analogie zu Computerprogrammen) stecken.

Eine nach meinen Ansätzen zentrale psychische Beschreibungsebene liegt in der Attributionstheorie, deren Abläufe und Dynamiken aber weit über solipsistische Dispositionen hinausgehen (z.B. Franmingprozesse, Indoktrinationen, Identifikationen usw.)

Ansonsten sehe ich allerdings gewisse Schnittmenge zwischen Solipsismus und der Neurologie – die sich z.B. darin auffangen läßt, das nicht die Außenwelt unsere Zustände bestimmt, sondern die aus den Wirk-lichkeiten der Außenwahrnehmungen computierten und konstruierten Innenwirklichkeiten neuronaler „Verschaltungsarchitekturen“ – um es ganz zugespitzt formulieren.

Kommentar von berkersheim ,

@Rosenblad

Sorry, wenn ich einhake: Die Schnittmenge zwischen Solipsismus und Neurologie sehe ich nicht. Neurologie ist eine Wissenschaft, die sich mit der Erkenntnis existierender - nicht eingebildeter - Gegebenheiten befasst. In der Wissenschaft Neurologie tauschen sich die Wissenschaftlicher auch deshalb untereinander aus, weil sie nicht der Meinung sind, sie wären die Einzigen Wirklichkeitsgründenden auf der Welt. Sie anerkennen die Mitwissenschaftler als eigenständig, von ihnen unabhängig denkende und forschende Wesen. Dass wir Teil einer - auch kulturellen - Außenwelt sind und unsere Innenempfindung in gewissem Sinne schon wieder Außenwelt der neuronalen Reflexion, lässt keine solipsistische Position zu. Der Solipsist hat evtl. eine neuronale Verschaltungsarchitektur mit der Auffassung, es sei alles um ihn herum sein Produkt, andere neuronale Verschaltungsarchitekturen, wie von der Neurologie untersucht, existieren nur als eigenes Produkt und auch dann immer nur, wenn sie ihm gerade in den Sinn kommen.

Kommentar von Rosenblad ,

Bezüglich der kategorischen Selbsteinengungen der radikalen Formen des Solipsismus gebe ich Dir gern recht - die Abgrenzung zum epistemologischen Solipsismus ist allerdings schon eher schnittmengenhaft in seinen "dramaturgischen" und explikatorischen Aussagen (Stichwort: Libet Experiment). Die "Nähe" zwischen der philosophisch - solipsistische Position auf der einen Seite und den neuro-solipsistischen Erklrärungsversuchen macht schon Fuchs deutlich (Thomas Fuchs „Das Gehirn - ein Beziehungsorgan"  S. 173) und selbst bei Metzinger wird ein Zusammenhang zaghaft sichtbar (siehe: Thomas Metzinger„Der Ego Tunnel", S.211) - auch wenn die Syntopie zwischen einen neuralen Determinismus und einem "moderaten" Solipsismus "schamhaft" nicht eingestanden wird (siehe Thomas Fuchs "Das Selbst - Konstrukt oder Realität"; In: Frank Schneider "Positionen der Psychiatrie",  S.254).


Antwort
von Lichtpflicht, 23

Ich glaube du verwechselt Philosophie mit Psychologie! Natürlich erkennst du einen Solipsisten nur dann, wenn du ihn fragst ob er einer ist!!!

Solipsismus ist eine Art, über Realität nachzudenken und keine psychische Erkrankung oder Verhaltensweise!

Solipsismus war und ist als philosophische Strömung nicht gerade beliebt, da sie eine Ethik generiert, die nur als egoistisch beschrieben werden kann (da hättest du dann dein Verhalten, jedoch nehmen sogar fast alle Solipsisten von dieser Ethik sehr großen Abstand und gehen stattdessen davon aus, dass andere, auch wenn sie vlt nicht für das Individuum real sind, doch als "Geister" existieren und leiden können, bzw man es zumindest nicht ausschließen kann).

Der metaphysische S. geht davon aus, dass es nur ihn selbst gibt und alles und jeder andere nicht real ist, als würde man in der Matrix leben. Beim methodologischen S. geht es einzig und allein um Begriffe, Wörter und Sprache, welche von jedem Individuum abhängig von seinem Bewusstseinszustand anders verstanden werden.

Du musst dir darüber im Klaren sein, dass wenn jemand einer bestimmten philosophischen Richtung angehört, das mit seinem Verhalten erst mal nichts zu tun hat!

Philosophie zielt zunächst immer auf geistige Weltbilder, und erst die Ethik beschäftigt sich mit Verhaltensweisen. Und dann mus man auch ethische Gedanken erstmal umsetzen. Oder muss man auch nicht.

Daher hast du keine andere Wahl, die philosophische Haltung von Menschen zu erfahren, als sie zu fragen. Nicht alle sitzen in einer Tonne

Keine passende Antwort gefunden?

Fragen Sie die Community