Frage von michi57319, 95

Der neue Hund ist theoretisch möglich, aber praktisch paart sich freudige Erregung mit Tränen der Trauer, was tun?

Im Januar 2015 mussten wir meine über alles geliebte Schäfine einschläfern lassen. Sie hatte einen Milztumor und ihr Ende geht mir heute noch sehr nahe. Sie wurde keine 10 Jahre alt und der Tod kam abrupt. Ebenso vermisse ich sie immer noch abgrundtief.

Nach ihrem Tod haben wir nicht direkt einen neuen Hund haben dürfen, weil mein Vermieter eine Konfliktsituation mit den anderen Mietern im Haus vermeiden wollte. Diese ziehen nun zum Dezember aus, wir mieten die Wohnung mit, sind dann quasi Alleinherrscher im Haus und dürften dann auch wieder einen Hund haben.

Kann man sich gleichzeitig freuen und heulen, wie ein Schlosshund?

Es ist ja noch nicht akut, vor dem Frühling 2017 gäbe es arbeitsbedingt sowieso keine Möglichkeit, die neue Fellnase ins Haus zu holen.

Ich würde zu gerne wieder einen Schäferhund haben, aber habe einfach große Angst davor, daß ich zu viel vergleiche.

Wie ist euch das ergangen, als ein Nachfolger einzog?

Manchmal denke ich, daß ich nie wieder einen Hund haben werde, weil ich einfach noch zu arg an meiner Aisha hänge. Auf der anderen Seite wäre es sicherlich für meine Seele eine Wohltat, wenn ich wieder einen Hund um mich habe. Ich stelle mir aber häufig die Frage, ob ich diesen Schmerz noch mal ertragen kann und will.

Kann man jemandem überhaupt einen guten Rat geben, der hin- und hergerissen ist zwischen Wollen/Können und dem Gedanken, es nie wieder so hinzubekommen?

Ich würde mich sehr über eure Anregungen dazu freuen.

Antwort
von Buddhishi, 39

Hallo Michi57319,

das kenne ich nur zu gut aus eigener Erfahrung. Als mein erster Hund über die Regenbogenbrücke gegangen war, wollte ich einerseits auch nie wieder so etwas durchleben, konnte mir auch gar keinen anderen Hund für mich vorstellen und wollte doch nicht ohne Hund sein.

Nach einiger Zeit hatte ich mich dafür entschieden, einen Pflegehund aufzunehmen. Der war jung, super agil, Leistungssportler und brauchte das Rundumpaket an Erziehung. Ich war so in Anspruch genommen, dass ich froh war, als er nach Abschluss unseres Trainings ein gutes Zuhause fand ;-)

Ich war um ca. 4 kg leichter, aber es war auch wie eine Therapie und ich war bereit für einen neuen Hund! Das ist aber vermutlich nicht der Weg, den Du gehen möchtest. Was ich damit sagen möchte: Es gibt den Weg zu einem neuen Hund.

Alle meine Tiere sind nach wie vor in meinem Herzen. Ich denke in dankbarer und liebevoller Erinnerung an sie. Jedes Weggehen ist erneut schlimm, aber man kommt darüber hinweg. Und wenn es an der Zeit ist, dann spürst Du das.

Aisha wird immer ihren Platz in Deinem Herzen haben. Und ein neuer Hund in Deinem Leben - und irgendwann auch in Deinem Herzen. Leben ist Wandlung, Kommen und Gehen, nicht Stillstand und Dauer-Trauer. Noch ein kleines Stückchen und ich denke, Du wirst bereit sein :)

Alles Liebe und Gute für Dich

Buddhishi

Antwort
von Virgilia, 20

Ich kann deine Gefühle nachvollziehen. Obwohl ich noch relativ jung bin behaupte ich, dass ich bereits meinen "Seelenhund" verloren habe. Nicht falsch verstehen, ich liebe all meine Tiere, aber mit meiner Chi-Hündin war es etwas besonderes. Seitdem ich diesen winzigen, zitternden Welpen das erste mal auf dem Arm hatte, wusste ich, sie gehört zu mir. Und eines Tages kam ich von der Arbeit nach Hause und meine Mutter hat mir gesagt, dass sie gestorben ist. An die Tage danach habe ich keine Erinnerung. Ich weiß nur, dass ich bei meinem Bruder war, um ein wenig Abstand zu gewinnen. Was ich da gemacht habe weiß ich allerdings nicht. Mein einziger Trost war, dass sie nicht (lange) leiden musste (sie hatte einen Herzfehler und PL).

Ich war schon damals im Tierschutz aktiv und habe deshalb viele Hunde gesehen, die ein neues zu Hause gesucht haben. Aus mir bis heute unerklärlichen Gründen bin ich auf meine Terrier-Hündin aufmerksam geworden. Eigentlich wollte ich nie einen Terrier haben und besonders hübsch fand ich sie auch nicht, aber irgendetwas hat mich an ihr fasziniert. Ich bin ständig wieder auf ihr Album gekommen. Nach ein paar Wochen habe ich mit meinen Eltern geredet, wie es wieder mit einem dritten Hund wäre. Sie waren einverstanden. Da sie Herzwürmer hatte, hat sich ihre Ankunft auch noch verzögert. 

Aber als sie dann da war, hat sie mir sehr geholfen. Sie ist einfach ein kleiner Sonnenschein <3 und in vielen Punkten das genaue Gegenteil von meiner Chi-Hündin. 

Was ich damit sagen will ist, dass du deinen "neuen" Hund bestimmt ganz von alleine findest :) Wenn du einen Welpen möchtest, kannst du ja einfach mal die Welpenvermittlung des Schäferhundclubs ansehen. Wenn ein (freier) Welpe deine Aufmerksamkeit erregt, kannst du noch einmal in dich gehen. Es gibt ja auch verschiedene "Arten" von Schäferhunden, vielleicht wäre auch eine andere etwas für dich? Wenn es auch ein Hund aus dem Tierschutz sein kann, könntest du auf Seiten wie Zergportal nachsehen oder ganz unverbindlich mit einem Tierheimhund Gassi gehen. Wer weiß, vielleicht landest du ja bei einer ganz anderen Rasse? 

Expertenantwort
von Naninja, Community-Experte für Hund, 19

Ich glaube, dass diese Zerissenheit viele Hundebesitzer kennen. Und es wäre doch auch traurig, wenn Du die Erinnerungen an Deinen verstorbenen Hund einfach abstreifen könntest wie einen alten Schuh, oder?

Trauer und Loslassen brauchen ihre Zeit. Aber es ist auch gut, dass Du darüber nachdenkst, wieder nach vorne zu blicken. Das Leben geht ja trotzdem weiter.

Versuch, Deine Gefühle zu akzeptieren. Die Trauer wird auch mit dem neuen Hund bleiben, aber sie wird weniger werden. Gib dem neuen Hund eine Chance, seinen Platz in Deinem Leben einzunehmen. Bindung und Vertrauen müssen wachsen und es wird sich in den ersten Wochen vielleicht alles fremd anfühlen. Ein neuer Hund ist wie ein unbeschriebenes Blatt und Du brauchst Zeit, um ihn kennen zu lernen. Aber spätestens, wenn Du seine Eigenarten entdeckst, Bindung und Vertrauen entstehen, wirst Du merken, dass Du nicht vergleichst, sondern einen neuen, ganz einzigartigen Hund an Deiner Seite hast. Das Herz ist ja Gott sei Dank groß genug, damit viele darin Platz haben und die Liebe zu Deinem alten Hund wird nicht anders oder weniger werden, wenn Du ein neues Plätzchen in Deinem Herzen verschenkst. 

Antwort
von Dahika, 14

Ja, natürlich kann man gleichzeitig froh sein und gleichzeitig auch sehr traurig.

Ich weiß noch, wie mein Herz gebrochen war, als mein Araber im Alter von 28 Jahren eingeschläfert werden musste. Ich hatte das PFerd 25 Jahre gehabt.

Trotzdem habe ich mich aber gleich auf die Suche nach einem neuen Pferd gemacht. Und da ich genau wusste, was ich wollte, habe ich das Pferd auch schnell gefunden.

5 Wochen später fuhr ich los, um das Pferd zu verladen.  Als sie einstieg, war ich auf der einen Seite glücklich, aber ich habe auch geheult wie ein Schlosshund und gedacht: "Ich will die nicht. Ich will meinen Tirfi zurück."

Aber das ging ja nun mal nicht. Jetzt habe ich meine Araberin auch schon wieder 11 Jahre.

Antwort
von SusanneV, 14

Als meine erste Dobermannhündin starb , haben wir nach einer Woche wieder eine bekommen und das war gut so. Es ist nun mal so, dass wir unsere Hunde in der Regel überleben und auch das ist gut so. Als meine Tara dann starb, hat mein Mann gesagt, wir schaffen uns keinen Hund mehr an, weil es halt immer so weh tut. Ich wollte dann nimmer raus, hab mich nur noch im Bett verkrochen und gelesen um mich abzulenken. Man kann schon sagen, dass ich depressiv wurde. Immer wenn ich einen Dobermann sah, fing ich an zu heulen. Ich hab ihm dann gesagt, dass ich mir wieder eine Dobermannhündin holen werde, wenn es ihm nicht passt, dann ist das sein Problem. Dann kamm Lucy und wir sind alle wieder glücklich. Natürlich vergleicht man, weil kein Hund ist wie der andere. Trotzdem wirst Du sehen, dass Du wieder glücklich sein wirst.

Antwort
von spikecoco, 15

schön wieder was von dir zu hören. Auch ich trauere immer noch um meinen Aussie .  Trotz dem wir ja nun noch einen weiteren Aussie haben und die Terrierhündin, habe ich zu beiden nicht diese unendlich tiefe Verbundenheit wie zu ihm. Meine Tochter hat nun eine weitere kleine Hündin aufgenommen, obwohl ich eigentlich ein Mensch bin, dem große Hunde bessergefallen als so kleine Muckels, kann ich nur sagen, das ich verliebt bin. Ich sage immer, das sie die Reinkanation meines Verstorbenen ist. Charakterlich fast identisch, ein klasse Hund. Ich liebe alle meine Hunde und ob ich mit nochmals einen Aussie zulegen würde kann ich nicht sagen. Vergleichen tue ich nicht und bei einem nächsten Hund der nochmals ein Welpe werden soll, muss es einfach "Liebe auf dem ersten Blick sein". Lasse dich auf einen neuen Hund ein, du hast wieder etwas zu tun, kannst ihn ausbilden, dein Herz wird sich an ihm erfreuen. Unsere neue Maus war ein überängstlicher Hund, panisch bei Männern und größeren Hunden, manche Geräusche haben sie in eine Angststarre versetzt. Wenn man sie füttern wollte, ist sie auf dem Bauch auf einen zugerobbt und hat uriniert. Heute nach knapp einem halben Jahr ist sie eine kleine selbstbewusste Maus , es gibt mir eine ungeheure Genugtuung, was dank Training , Geduld und Empathie aus diesem Hund geworden ist. Also, auf in ein neues Abenteuer mit einem zu dir passenden Hund. Alles Gute

Antwort
von michi57319, 8

Es war mir klar, als ich diese Frage gestellt habe, daß ich niemals eine beste Antwort würde auswählen können.

Ich bitte euch darum, daß zu akzeptieren und hoffe auf euer Verständnis.

Habt alle ganz herzlichen Dank für eure Antwort, jede für sich hat mich ein Stück weitergebracht und mir geholfen.

Ich danke euch dafür, daß ihr eure Erfahrungen mit mir geteilt habt. Ich danke euch für euer Mitgefühl, für euren Elan, eure guten Wünsche, die mir klar gemacht haben, daß ich auf dem richtigen Weg bin.

Ihr alle verdient die Auszeichnung für die beste Antwort, daher kann ich sie nicht abgeben.

Die Liebe zum treuen Begleiter namens Aisha ist eine völlig neue Erfahrung gewesen, sie war mein erster Hund.

Sollte eine neue Fellnase bei mir/uns einziehen, werdet ihr darüber lesen, weil ich sicherlich fremdeln werde. Das haben ja auch einige sehr schön beschrieben.

Alles auf Anfang, mit den entsprechenden und bekannten Schwierigkeiten.

Danke euch und wir lesen uns :-)

Expertenantwort
von friesennarr, Community-Experte für Hund, 16

"Den Schmerz nicht nochmal ertragen müssen bzw. wollen. "

Geht aber im Leben nicht - mit jedem Lebewesen mit dem man im Leben zusammen kommt kommt auch die Gefahr des Schmerzes wenn dieses uns wieder verlässt. Ist so und wird nie anders werden.

Die Alternative ist alleine irgendwo zu sitzen und seine Zeit abzuwarten, keine Nähe zuzulassen und sich auf gar keinen Fall zu verlieben.

Es wird nie wieder das werden was man mal hatte, aber es wird neu und anders. Ich habe meinen Westi im Oktober 2014 verlohren, sie starb altershalber mit 15,5 Jahren. Im Februar 2015 zog ein neuer Welpe ein und er ist nun das hündische Mitglied unserer Familie. Die Erinnerungen bleiben, nix ist mehr gleich - es ist nun anders - aber eben wieder mit Hund.

Such dir einen Hund nach deiner Wahl und erst wenn der Hund da ist wirst du merken wie gut die Entscheidung war.

Ich kann ohne Tiere nicht sein, daher muß immer ein Tier in meinem Leben mit drin sein, ohne fühle ich mich nicht gut.

Expertenantwort
von Einafets2808, Community-Experte für Hund, 37

So ist das mit Hunden. Die werden nunmal nicht so alt. Gerade mittelgroße bis große Rassen haben einen Durchschnitt von 8-12 Jahren. 

Wenn du den Tod eines neuen Hundes nicht verkraftest dann lass es. 

Möchtest du einem Hund ein Zuhause geben, dann mach das. Solange das Tier artgerecht gehalten wird. 

Der Tod gehört nunmal zum Leben dazu. Auch wenn es schmerzlich ist.

Kommentar von michi57319 ,

War sicherlich mein Fehler, meiner Tierärztin zu glauben, daß sie alt wird, nur weil das Gebäude fehlerfrei und das Herz Tiptop war.

Mit dem Tod konnte ich noch nie gut umgehen.

Kommentar von Kaleda ,

Mit dem Tod ist auch nicht gut umzugehen. Das liegt in der Natur des Todes. Wir können ihn nicht verstehen.

Lass dir Zeit und trauere um deine Aisha. Sie war deine Freundin und du hast sie verloren. Aber nicht ganz. In deinem Herzen kannst du sie immer wieder besuchen. Da wird sie immer sein.

Und wenn es so weit ist. Du wirst es spüren, dann wende dich einem neuen Wesen zu und lass zu, dass es so ist wie es sein will. Und erfreue dich daran.

Antwort
von Haikind, 38

Wir haben schon sehr viele Hunde gehabt und immer den Fehler gemacht sie miteinander zu vergleichen, dabei ist jeder Hund von Grund auf total unterschiedlich auch wenn es nur Kleinigkeiten sind die es ausmachen. Es war gar keine Frage für uns nach dem tot des "aktuellen" Hundes uns gleich wieder einen anzuschaffen. Wenn du dir erstmal wieder einen neuen tollen Begleiter fürs leben ins Haus geholt hast vergeht der Schmerz ganz schnell.  Zwar sollte man die Hunde immer in seinem Herzen haben aber nicht sein ganzes leben um diesen einen verstorben Hund trauern. Sei einfach offen für einen Neustart mit einem neuen tollen Begleiter und behalte deinen alten einfach immer im Herzen, da wo er auch hingehört

Antwort
von LadyTremain, 28

Hey tut mir sehr leid was deinem hund passiert ist, ich kann gut nachvollziehen wie du dich fühlst und ich selbst kann mir das Leben ohne Hund gar nicht mehr vorstellen. Du solltest nicht von dem neuen Hund erwarten das er so ist wie deine Aisha, vielleicht hift es wenn du es mit einer anderen Rasse probierst, ich könnte mir vorstellen, dass wenn die Hunde sich nicht zu sehr äußerlich ähneln du sie auch nicht allzusehr vergleichst. Klar Schäferhunde sind toll aber wie wäre es mit einem Hund aus dem Tierheim, die sind meist nicht so verkorkst wie alle denken sondern nur ihre früheren Besitzer.

Keine passende Antwort gefunden?

Fragen Sie die Community