Der 'Deutsche Michel' der Neuzeit, was ist typisch für ihn?

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8 Antworten

Ist jetzt ein Spiel mit Klischees, aber die haben ja bekanntlich eine Wurzel der Wahrheit ;) Kenne etliche Typen, die ziemlich genau so drauf sind!

Kurzum: Der typische "deutsche Michel der Neuzeit" ist etwa 45-50 Jahre alt & tut alles erdenkliche, um nicht aufzufallen. 

Er hört etwa Mainstream-Musik nur damit er sagen kann "er hört das" ohne die Musik im Grunde seines Herzens zu mögen geschweige denn zu kapieren. Dazu bemüht er sich optisch um ein unauffälliges "sportliches" Erscheinungsbild, hat keine eigene Meinung & dockt sich immer irgendwo an was ihm mehrheitsfähig scheint und plappert auch im Bezug auf Politik, Wirtschaft, Gesellschaft oder Ethik nur das nach, was er im Privatfernsehen oder in einer Lesezirkel-Lektüre vom Arztwartezimmer aufschnappt... Er hat keinerlei Fachwissen & auch keine eigene Meinung. Das was die Mehrheit denkt, findet er, wird schon stimmen. Eigene Gedanken macht er sich keine. 

Er fährt im Sommer jährlich in den Süden an überfüllte Strände um peinliche Facebookfotos zu schießen die er bedachtlos öffentlich für jedermann einsehbar postet (er weiß schließlich nicht, wie man die Privatsphäre einstellt^^), teilt bei Facebook ohnehin jeden Mist & kommentiert alles -------> als krassen Kontrast zu seinem Streben um einen dezenten Auftritt ;) Da liegt er fett & träge am Strand und schaut lüstern den Mädels hinterher ehe er seine Frau mit einem zuckersüßen Softeis & einem "Malle sehen und sterben"-Shirt wieder antänzeln sieht...

Zurück in Deutschland wohnt er in einer Mietwohnung mit drei Zimmern. Er hätte gern ein Haus, aber er kann sich nie aufraffen dazu, weil die anderen ja reden könnten & denken "er sei reich".. auch wenn er im Herzen von einem Haus träumt. Außerdem ist es ihm zu teuer & es kann ja über Nacht seine Firma pleitegehen in der er täglich arbeitet... kurz, er denkt sehr pessimistisch.

Er besitzt etliche Verträge, mit denen er Geld angelegt hat, für drei Zusatzrenten spart obwohl es für seine Gehalts- und Berufsklasse eig. das verkehrte Modell ist (aber die Bank schwätzte es ihm auf & er glaubte es halt, wird schon was dran sein^^).. entweder seit der Ausbildungszeit oder kurz danach.. außerdem quält er sich täglich in einem "vernünftigen" Kompaktwagen (Golf oder Koreaner) zur Arbeit die er eigentlich nicht mag obwohl er viel lieber einen Audi A4 oder sowas hätte^^ er ist ein begnadeter Schimpfer & Theoretiker, der alles besser weiß als "die da oben", traut sich aber nur wenn er mit seinem besten Kumpel ist das auszusprechen.

Er begegnet im Job den Chefs oder auch privat "den Reichen Menschen" mit geradezu peinlicher Unterwürfigkeit (wie Hausmeister Krause ggü. Herr Makielski nur nicht so lustig), ehe er sich andererseits über Behinderte, Flüchtlinge oder Ausländer echauffiert und/oder die Azubis in der Firma disst, weil "Lehrjahre keine Herrenjahre sind" & er 1980 rum in der Lehrzeit selbst beschimpft wurde und den Frust nie verarbeitete. Insgeheim hasst er sich, aber das würde er nie zugeben. Nur wenn er allein ist, setzt er seine Maske ab & hört die Rocksongs aus seiner Jugend, träumt von einem Urlaub in den USA, einem Porsche 911 & davon die Golden Gate Bridge zu sehen.

Aber schnell holt ihn wieder die Realität ein & er resigniert, stumpft immer mehr ab und sagt sich, dass alles nur vernünftig sein muss und man ja nie aus der Reihe tanzen darf. Er lebt nur um zu arbeiten.

Im Prinzip gehen die Fragen/Hinweise in der Eingangsfrage schon klar, aber viel hängt da auch von der deutschen Mentalität ab.. ich ticke da anders, stamme aus einer jugoslawischen Familie.. ich sage immer: Wir arbeiten um zu leben, während der "deutsche Michel" lebt um zu arbeiten!

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staatsgläubig - autoritätsgläubig - ungastlich - ungesellig - teutonisch-ernsthaft - versicherungsbedürftig aus Angst - spießig - leidenschaftslos - unpolitisch - angepasst

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Hier würde noch gut die Methapher des Januskopfes passen: "nach unten treten, oben lecken" - sprich unterwürfig gegenüber Höhergestellten, aber gnadenlos/brutal/unbamherzig gegenüber Schwächeren.
Ist natürlich nicht auf Jeden zu beziehen. Alle über einen Kamm zu scheren funktioniert nie.

LG :-)

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Kommentar von SohnDesZeus1
01.06.2016, 20:38

Sehr guter Einfall! Kann das wirklich nur bestätigen, viele Male dieses Phänomen beobachtet. 

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Wieso gerade die Neuzeit?
Der Deutsche "Michel" hat sich nicht geändert, obrigkeitsgläubig bis ins Mark und auf die Knochen.
Einschließlich preußischer Sekundärtugenden wie Fleiß, Ordnung und Pünklichkeit.
In der Neuzeit hat sich nur die Geschichtsvergessenheit hinzugessellt, die ist erste Bürgerpflicht.

Der Deutsche hat seit 1000 Jahren schon ein Identitätsproblem.
Wer ist Deutscher, abgesehen davon wo Heimat ist.

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Ich würde überhaupt nicht solche dummen Vorurteile in die Welt setzen.

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"Typisch Deutsch" ist ja Quatsch. Allein in unserer Siedlung wohnen ca. 500 Menschen aus bestimmt 20 Nationen.  "Typisch Deutsch"? Eigentlich fühlen sich fast alle als Deutsche.  Mit  "Typisch Deutsch" hat das alles nix zu tun. Die Leute sind froh dass es allen ganz gut geht, dass Ruhe und Frieden ist, dass sie gut unterhalten werden. Friede Freude Eierkuchen, jedes Wochenende ein kleines Fest, Bundesliga, Bier, Bratwurst, Mama Merkel beruhigt immer, dass sie alles im Griff hat -- o.k. prima  FERTIG. 

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Hoplophob 

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