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Der Baum und die Erkenntnistheorie

Frage von Farbenspiel Farbenspiel

Ich sitze mit einem Philosophen im Garten; er sagt zum wiederholten Male: „Ich weiß, dass das ein Baum ist“, wobei er auf einen Baum in der Nähe zeigt. Ein Dritter kommt daher und hört das, und ich sage ihm: „Dieser Mensch ist nicht verrückt: Wir philosophieren nur.“

Diese Aussage ist wohl auf Wittgensteins Sprachspiel bezogen demnach ein Wort seine Bedeutung durch die Verwendung in der Sprachpraxis bekommt.

"Die Bedeutung eines Wortes ist sein Gebrauch in der Sprache"

Per se könnte man dann einfach darauf schließen, dass man diesen Gegenstand in diesem falle den Baum mit irgendetwas bezeichnen könnte, was gerade einem in den Sinn kommt, solange man durch Gestik und Mimik seine Absicht unterstreichen kann?

Wie würdet ihr den Satz deuten?

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Antworten (7)

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    Antwort von grada13 grada13

    es hat durchaus sinn. ja. in der tat, würde ich auch so denken.

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    RatgeberHelden Antwort von Albrecht Albrecht

    Ludwig Wittgenstein zeigt mit der Aussage, der Mensch sie nicht verückt, sondern philosophiere nur, Humor. Er war ja selbst zeitweise Philosphieprofessor und ein als seltsam erscheinendes Verhalten wird ein Stück weit damit entschuldigt, es handele sich nur um Philosphieren. Philosphieren ist in diser Sichtweise auch eine Absonderlichkeit, nur eine harmlosere als Verrücktheit.

    Zugleich steckt aber eine Aussageabsicht dahinter. Der Text stammt aus Aufzeichnungen, die unter dem Titel "Über Gewißheit" später veröffentlicht wurden (Nr. 467). Wittgenstein vertritt eine radikale Sprachkritik. Wenn sprachliche Äußerungen über einen konkreten Lebenszusammenhang hinauszugehen und etwas Bedeutungsvolles, Tiefgründiges, Wesentliches auszudrücken versuchen, kommt es zu philosophischen Problemen und es können Verwirrungen entstehen. Sein Therapieprogramm dagegen besteht darin, Wörter wieder auf ihre alltägliche Verwendung zurückzuführen.

    Der "Baum" genannte Gegenstand kann auch anders bezeichnet werden. Allesss, was zur Bezeichnung in den Sinn kommt, ist dann ein Sprachgebrauch. Das Hindeuten (Gestik und Mimik) dient in Bezug auf den Satz über den Baum dem Beweis der Existenz der Sache "Baum" und dem Unterstreichen des Anspruchs, ein Wissen darüber zu haben. Wittgenstein hat über so etwas mit Georg Eduard Moore, seinen Lehrstuhlvorgänger in Cambridge diskutiert, der durch eine Kombination von sprachlicher Aussage und hinzeigender Geste die Existenz von Außendingen (Sachen außerhalb unseres Bewußtseins) beweisen zu können meinte, in einer Art Berufung auf den "gemeinen/gesunden Menschenverstand" (common sens).

    Nach Ansicht von Wittgenstein wird damit die Skepsis gegenüber der Realität von Außendingen nicht ernst genug genommen, ein unbezweifelbares Wissen über die Sache "Baum" und ihre Existenz gebe es auf diese Weise nicht. Zum anderen läuft die Aussage "Ich weiß, dass das ein Baum ist" weitgehend ins Leere, weil die Mitteilung kaum eine praktisch verstehbaren Sinn hat. Denkbar ist höchstens so etwas wie die Beantwortung einer Frage eines Menschen mit sehr wenig Verstand und Wissen, ob jemand glaube, das, was zu sehen ist, sei ein Baum.

    Nach Meinung von Wittgenstein kann Philosophie den tatsächlichen Sprachgebrauch letztlich nur beschreiben, aber nicht aufgrund eines Wissens über das Wesen von Sachen und Begriffe begründen.

    Eine Aussage der Erkenntnistheorie stößt hier auf Grenzen, weil eher der alltägliche Zusammenhang sinnvoll ist.

    "Ich weiß, dass das ein Baum" ist aus der Sicht Wittgensteins ein Sprachspiel einer speziellen Gruppe, der Philosophen.

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    Antwort von molinax molinax

    Ich lege das Gewicht eher auf das "verrückte" oder "normale" dieser Aussage. Hallo Farbenspiel, schön dich hier zu sehen;)

    Im Normalfall, d. h. im common sense braucht man diese Aussage nicht zu machen: Das ist ein Baum. Oder hier: Ich weiss, dass das ein Baum ist.

    Wir bezweifeln ja weder, dass es sich um einen Baum handelt, noch dass man es weiss!

    Die Erkenntnistheorie befasst sich aber in einer anderen Sphäre mit genau dieser Frage.

    Im Sprachspiel wird nun aber dieses philosophische Gespräch über Erkenntnis in einen Zusammenhang gebracht mit dem Gespräch von Verrückten. Erkenntnistheorie erscheint nun als etwas, das (nur) scheinbar verrückt ist, weil es verrückter Rede gleicht....

    lg

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    Antwort von Kristall08 Kristall08

    Manchmal wechseln Worte auch die Bedeutung. Mir fällt grad kein Beispiel ein, aber guck mal in ein Etymologisches Wörterbuch. Da wirst Du genug davon finden. Es ist dann dasselbe Wort, aber bedeutet etwas anderes.

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    Antwort von albundysohn albundysohn

    Da die Bedeutung des Wortes auch ohne Beispiel für alle verständlich sein sollte, ist es sinnvoller, einen Gegendstand mit dem allgemein gebräuchlichen Wort zu bezeichnen.

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    Antwort von butz1510 butz1510

    Ja, würde ich genau so deuten. Sprache hat sich eben auf bestimmte Begriffsdefinitionen (zum allgemeinen Verständnis) geeinigt, denn es wäre doch recht mühsam, wenn man täglich neu festlegen müsste, wie man den Tisch heute nennen möchte.

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    Antwort von Angelflight Angelflight

    Wenn jemand auf einen Baum zeigt und "Apfel" sagt, kommt man plötzlich auf die Idee, es könnte ein Apfelbaum sein. Aber ungeprüft, kann man sich sehr irren.

    Kommentar von grada13 grada13grada13

    ich glaube deine antworte liegt etwas neben der frage..

    Kommentar von Angelflight AngelflightAngelflight

    Kam mir so in den Sinn als ich den Text las.

    Kommentar von OSQuest OSQuestOSQuest

    gute Erklärung, denn wir kleben ja Sinn an die Worte.

    Kommentar von Farbenspiel FarbenspielFarbenspiel

    Bevor man aber auf einen Apfelbaum schließen kann, muss man erstmal Wissen was ein Baum ist.

    Kommentar von Angelflight AngelflightAngelflight

    Wenn man selbst Baum zu einem Baum sagt, ein anderer aber Apfel, kann das sehr verwirren.

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